Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 69 (1905)
- Issue
- Heft 13 (31.3.1905)
- Date
- 1905-03-31
- Page
- Seite 6 (sequence 18)
- Language
- German
- Belongs to
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< -* r* ** - r *! 1833, zuerst nach Bushire, wo ein englischer Konsul residierte, und dann nach Bombay zu flüchten. Hier begründete er das Haus David Sassoon & Co. Zahlreiche Synagogen, sowie viele jüdische und allgemeine Wohltätigkeitsanstalten in Bombay verdanken ihre Existenz der Munifizenz David Sassoons. Aufsehen erregte die von ihm in Bombay errichtete Statue des Prinz-Gemahls Albert, das einzige englische Denkmal, das auch eine hebräische Inschrift trägt. Nach erfolgter Uebersiedlung nach England wurde der älteste Sohn Davids, Albert Sassoon, zum Baronet erhoben. Amerika. li. Newyork, im März. In der Dreifaltigkeitskirche des sashionablen Seebades Newport, Nhode Klaud, fand am 28. Januar die Enthüllungsfeier einer Gedenktafel statt, welche die Eisenbahnmagnaten August und Perry Belmont zu Ehren ihrer Eltern August Belmont und Caroline, geborene Slidell, gestiftet hatten. Das Monument kostete 25000 Dollars. August Belmont senior, der am 24. November 1890 in New-Iork starb, war ein Nachkomme der bekannten portugiesischen Familie Belmonte und aus Alzey gebürtig. Im Jahre 1837 kam er als Vertreter des Rothschildschen Hauses nach Amerika und ohne formell sich einer Kirche anzuschließen, blieb er dem Judentum, allerdings auch deutschen Kreisen, vollständig fern. Seine Söhne, die in der Politik sowie in der Hochfinanz eine hervorragende Stellung einnehmen, sind, wie es Mitgliedern der vornehmen Gesellschaft ziemt/ in der englischen Hochkirche erzogen! Aehnlich ist Wohl das Verhältnis in der Familie -des im Oktober v. I. verstorbenen hiesigen Philantropen Louis Fleischmann. Er stammte aus Oesterreich, nahm ebensowenig wie fein ihm im Tode vorausgegangener Bruder, der Großindustrielle Karl Fleischmann in Cincinnati, Vater des gegenwärtigen Mayors dieser Stadt, am religiösen Leben Anteil. An - seinem Sarge predigte der liberale Bischof der. anglikanischen Kirche, Potter, derselbe, welcher die fromme Geistlichkeit in einen Shock versetzte, indem er bei Eröffnung eines Saloons (Bierwirtschäft) eine Nede hielt. Die Nachkommen werden Wohl keines liberalen Geistlichen bedürfen, um zur Kirche zu gehen. — Die Baltimore Hebrew Congregätion feierte ihr fünsundsiebzigjähriges Jubiläum, und hat bei diesem Anlässe eine reich illustrierte Geschichte ihres Bestandes herausgegeben. Gegründet am 29. Januar 1830 als die ersitz/ jüdische Gemeinde der Stadt Baltimore und des Staates Maryland, der erst im Jahre 1826 den Juden politische Rechte gab, von etwa 20 Familienhäuptern, ist sie jetzt eine der ersten größten Gemeinden der vereinigten Staaten. Ursprünglich eine orthodoxe Gemeinde, deren Festhalten an dem traditionellen Ritual die Gründung der Har Sinai Gemeinde 1842 hervorrief, verschob sich die Stellung der Gemeinde immer mehr nach links, so daß sie heute den Durchschnittsthpus der amerikanischen Reformgemeinden repräsentiert. Ihr erster Rabbiner Wau Abraham Rice, ein Schüler der Würzburger Jeschibah und einer der eifrigsten Gegner der Reform. Unter den späteren Rabbinern seien genannt der in Baltimore im Ruhestande lebende 86 jährige Henry Hochheimer, der 1890 auf hoher See verstorbene Aaron S.. Bettelheim, der Schwiegervater von Alexander Kohut und der seit/ 1891 fungierende Adolf Guttmacher, ein gebürtiger Deutscher, der ein Enkel des bekannten Grätzer Wunderrabbi Elias Guttmacher ist. — Daß die hervorragendsten Mitglieder der Newyorker Judenschast sich zu. einem Proteste vereinigten gegen den Oberbibliothekar der Newyvrker Staatsbibliothek Melvil Deweh, der das Haupt eines sogenannten Klubs der Lake Placid Company ist? welcher Juden grundsätzlich ausschließt, haben wir bereits gemeldet. Der Verwaltungsrät der Bibliothek beschloß nun, daß D. entweder seine Stellung oder, die Verbindung mit dem Hotel aufgebe und erteilte dem Oberbibliothekar außerdem eine Rüge. Benierkenswert ist in diesem Zusammenhänge eine klassische Abfertigung, welche Louis Marshall, einer-; der angesehensten Rechtsanwälte Newyorks, dem Reverend vr. Isaak K. Funk zuteil werden läßt, welcher ihm einen Rat gab, die Beschwerdeschrift zurückznziehen, weil ein derartiges^luftreteu dem erlöschenden Vorurteile gegen die Juden neue Nahrung gebe. vr. Funk, ein ehemaliger Methodistengeistlicher, der an der Spitze der Verlagsbuchhandlung Funk L Wagnalls Co. steht, welche die 4ewisli Encyclopedia heraus gibt, glaubte sich als wahrer Freund, der Juden legitimiert zu haben, während ihm Marshall nachweist, daß dieser Wunsch der Leisetreterei nur dem Verlangen entspricht, das Selbstbewustsein der Juden zu schwächen. — Der Nachlaß des verstorbenen Kasriel Hirsch Sarahson wurde gerichtlich auf 600000 Dollars angegeben, wovon der Taxator gewissenhaft 60000 Dollars als Zehnten an wohltätige Institute in New-Iork und Palästina legiert hat. Das Vermögen erwarb der Verstorbene durch Herausgabe von Jargon-Zeitungen. — Vielleicht interessiert es Ihre Leser zu erfahren, daß der Gesundbeter Dowie zwei jüdische Missionsapostel unterhielt, die unter den Juden Propaganda machen sollten und die ihn gründlich beschwindelten. Die beiden Herren, Herman Marschawiak und Max Magil, haben schon verschiedenen Kirchen als Judenmissionare gedient, werden aber wohl noch andere finden. — vr. Gotthard Deutsch, Professor am Hebrew Union College, Ihr Mitarbeiter, verlangte von dem russischen Konsul die Visierung seines Passes zum Zwecke einex Studienreise in Rußland. Da der Konsul ihn abschlägig beschied, wandte sich Professor Deutsch an den Repräsentanten Cincinnatis im Kongreß, der die Angelegenheit zur Kenntnis des Staatsdepartements brachte. Der Staatssekretär versprach irr Rücksicht auf die hervor-, ragende Stellung des Genannten sein Möglichstes zu tun, und auf sein Einschreiten hin erteilte der russische Botschafter dem Konsul die Weisung, Deutfch's Paß zu visieren. . Mn Mh und jfern. — Dem Privatdozenten für innere Medizin an der Universität Berlin, Dr. Adolf Magnus-Levy, ist der Professortitel verliehen worden. — Der Hilfslehrer Arnold Pinkus ist zum Oberlehrer an der Ostern 1905 zu eröffnenden 14. Realschule in Berlin gewählt worden. — Den Charakter als Geheimer Sanitätsrat haben erhalten die Sanitätsräte Dr. Louis Casper und Dr. Paul Richter. Der Charakter als Sanitätsrat ist den Aerzten Dr. Abraham Berliner, Dr. Cäsar Heimann, Dr. Martin Saalfeld, Dr. Benno Steuer, Dr. Gustav Wiener und Dr. Julius Zucker erteilt worden. — Dem kürzlich seitens des königlichen statistischen Bureaus veröffentlichen Ueberblick über die Volksschulen in Preußen von 1891 bis 1901 ist zu entnehmen, daß in.letzterem Jahre von den insgesamt 36 756 (i. I. 1891: 34 742) evangelische waren: in den Städten 2624 (2315) mit 1 241 889 (1 005 706) Kindern, auf dem Lande 22 286 (21 434) mit 2 201 199 (2 045 158) Kindern, katholische: in den Städten 1341 (1145) mit 574 898 (450 004) Kindern, auf dem Lande 9458 (9009) mit 1 361 370 (1 185 775) Kindern, jüdische: in den Städten 171 (172) mit 5438 (7715) Kindern, auf dem Lande 73 (72) mit 1456 (1804) Kindern; paritätische: in den Städten 278 (239) mit 182 864 (152 030) Kindern, auf dem Lande 525 (356) mit 101711 (68 284) Kindern. Von- 100 Schülern besuchten Schulen des eigenen Bekenntnisses: in den Städten 62,32 (91,48) evangelische, 87,50 (88,13) katholische, 32,76 (36,66) jüdische; aufdemLande 97,59 (97,94) evangeliche, 91,78 (92,51) katholische, 19,98 (19,22) jüdische. Von 100 Kindern besuchten paritätische Schulen in den Städten: 7,62 (8,44) evangelische, 11,68 (10,80) katholische, 28,82 (25,45) jüdische, auf dem Lande: 1,69 (1,16) evangelische, 4,39 (3,53) katholische, 4.66 (3,84) jüdische. — Der ordentliche Professor für orientalische Philologie an der Universität Breslau, Dr. Siegmund Frankel, feierte in dieser Woche das 25 jährige Amtsjubiläum als Universitätslehrer. Fränkel gilt bekanntlich als einer der hervorragendsten Gelehrten in seinem Foch. -- Die israelitische Kültusgemeinde H o s (Bayern) hatte sich an den Magistrat mit einer Eingabe gewendet, ihr das rituelle Schächten im Schlachthause zu gestatten. Eine hierzu vom städtischen Schlachthofinspektor abgegebene Aeuß.erung wies insbesondere darauf hin, daß durch eine neueste Schrift von Dr. Schwarz-Konstanz „bewiesen" sei, „daß das Schächten unserer Zeit keinerlei Berechtigung mehr habe." Der Magistrat entschied, daß die Gründe, die bei den in den Jahren 1896/98 geführten Verhandlungen zur Nichtzulassung des Schächtens von Schlachtvieh im städtischen Schlachthofe geführt haben, heute noch unverändert wären und wies das Gesuch der israelitischen Kultusgemeinde ab. — In München ist der Groß- Händler David Fromm gestorben. -Derselbe war lange Mitglied der Verwaltung der jüdischen Gemeinde und hat an dem Aufbau