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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1905-03-31 · Heft 13 (31.3.1905) · p. Seite 152

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
69 (1905)
Issue
Heft 13 (31.3.1905)
Date
1905-03-31
Page
Seite 152 (sequence 8)
Language
German
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1 152 wird, welch letzteren selbst Pantheistische Schwäriner wie Goethe und Heine in seinen Schwächen erkannten und verspotteten. Eine völlige Ablehnung erfahren in den folgenden drei Vorträgen die Anschauungen Schopenhauers, Nietzsches Und der ethischen Kulturg es ell schafften. Dem öden und bequemen Pessimismus Schopenhauers wird im dritten Vortrag in kräftigen Strichen der in Lehre und Leben bewährte Optimismus des Judentums gegenüberstellt. Nietzsches Vorwürfe gegen das Judentum, daß es der Erfinder der Sklavenmoral und der Unterdrücker der Herrenmoral gewesen, werden im vierten Vortrag gerade an der Vergangenheit Israels als gewaltsame Geschichtskonstruktionen und seine Ideale als Dichterträume erwiesen, vor welchen die Zukunftstrüume des jüdischen Glaubens und Höffens nicht zurückzutreten brauchen. Aber es ist auch hier kein stolzes theologisches Verdammungsurteil, das ausgesprochen wird, sondern immer wieder der Versuch, mit psychologischer Feinheit auf die seelischen Erregungszustände zurückzugehen, aus denen die Anschauungen jener modernen Denker geflossen sind und dort ihre Fehlerquellen bloßzulegen. „So nützt es nichts, die Ansichten und Lehren großer Denker zu widerlegen; man muß die Quelle, woraus sie geflossen, man muß die Wurzel, woraus sie gewachsen, aufsuchen, um dort ihnen beizukommen." In ähnlicher Weise spricht sich der Verfasser auch in dem letzten Aufsatz aus: „Die ethische Kultur und das Judentum." „Alle Hochachtung, alle Verehrung den edlen Männern und Frauen, die, von ethischen Motiven getrieben, eine neue Begründung und Stärkung des Sittlichen anstreben — aber dennoch kann und darf das Judentmn als solches mit der Tendenz dieser Gesellschaften nicht übereinstimmen. Die tiefere Einsicht in das Wesen des Judentums einerseits, in das .Verhältnis zwischen Religion und Moral andererseits, richtet eine unübersteigliche Scheidewand zwischen beiden Gebieten auf." Diese tiefere Einsicht besteht darin, zu wissen, daß im Judentum Religion, Moral und Recht von einander untrennbar waren und sind, daß erst das neu entstandene Christentum Religion und Moral begrifflich auseinanderriß und die Religion dem Dogma, die Moral aber dem Belieben des Individuums überlieferte, eine Zerstörung der Einheit des Kulturlebens, durch welche dieses weder religiöser, noch sittlicher geworden ist, so daß aus den ethischen Kulturbestrebnngen und der völligen Loßreißung der Moral von der Religion nur noch eine tiefere Zerklüftung folgen würde. Aber auch sachlich, nicht bloß geschichtlich entbehrt diese Trennung von Moral und Religion jeder Berechtigung, weil, wie der Verfasser besonders unter Berufung auf Tolstoi und Eduard von Hartmann zeigt, der Moral dann der zwingende Antrieb, die Berechtigung der sittlichen Idee fehlen würde. „Nehmet der Sittlichkeit ihre objektive Existenz in Gott, reißet die Moral aus ihrer religiösen Wurzel los, und die Menschheit wird bald aus ihrem sittlichen Elend nach neuen Göttern rufen!" Die fünf Vorträge sind in Frankfurt vor einem großen Zuhörerkreise gehalten worden, und es darf nicht Wunder nehmen, daß sie mit starkem Beifall ausgenommen wurden. Die blühende Sprache voll Pathos und Wärme, die klare und faßliche Darlegung der schwierigen Probleme, die treffende Anführung klassischer Beweisstellen, die vornehme Widerlegung, des Gegners, das alles bereitet auch dem Leser ungetrübten Genuß. Möchten recht viele sich diesen Genuß bereiten, und möchten die Vorträge doch in diesem Gewände, dessen äußere Ausstattung übrigens gleichfalls eine wohltuend vornehme ist, dazu dienen, „schlaffe Händeln stärken und wankende Kniee zu kräftigen!" Die Mlemik gegen das Alte Trltsment im Altertum. Von Dr. M. Friedländer in Wien. II. 27*\te Philosophie der „Auserwählten", oder die Gnosis ist die höhere, über -Gott und Weltschöpfung Ausschluß gebende Erkenntnis, die. sich nur den Luserlesenen Geistern, dem „Samen der Auserwählung", und dies vornehmlich im Wege der Intuition erschließt. Diese Gnosis taucht schon in vorchristlicher Zeit auf jüdischem Boden auf. Sie lehrte, daß der Welt schöpferische Gott des Alten Testaments nicht der oberste, sondern nur ein von diesem emanierter Gott sei, welcher, um alleinige. Verehrung und Anbetung zu genießen, den Menschen die Erkenntnis des höchsten Gottes verschloß. Gegenstand der Verehrung war bei ihnen die Schlange, weil sie dem Menschen die Gnosis gebracht. — Bei Philo erscheinen diese jüdischen Philosophen als „Schüler Kains", herkommend aus der Schule des Protagoras, „eines Sprößlings der Verkehrtheiten Kains". Sie berühmen und blähen sich stolz, im Besitze eines „gottgleichen Geistes" zu sein?) Es sind Menschen „voll Selbstliebe^ und Dünkel, die sich weise dünken, ohne die wahre. Weisheit zu kennen,? die in ihrem verruchten Frevel soweit gehen, nicht bloß Lehrhäuser aüfzusühren, sondern sogar die frommgläubige Gemeinde Israels zu vergewaltigen, indem sie ihr Führer und Lehrer in'den bösen Werken aufzwingen."3) Und kaum daß das Christentum aus seinem jüdischen Hintergrund hervorzutreten beginnt, da wird es schon von der vielgestaltigen Gnosis umklammert. Sie taucht da als ein vielköpfiges Ungeheuer auf „dem gegeben ward ein Mund zu reden große Dinge und Lästerungen, und das seinen Mund auftut zu Lästerungen gegen Gott und lästert seinen Namen und seine Wohnung und die im Himmel Wohnenden und dem gegeben ward zu streiten mit den Heiligen und sie zn überwinden"?) Das sind Philosophen „aus Satans Schule, die da sagen, sie sind Juden und sind es nicht, sondern lügen";-? die Anhänger jenes großen Verführers der Endzeit, in bezug auf welchen schon Jesus klagt: „Ich bin. im Namen meines Vaters gekommen und ihr nehmt rmch nicht aus. Wenn aber ein anderer in seinem eigenen Namen kommt, den werdet ihr aufnehmen." ö) — Schon die ersten Christen hatten einen schweren Kampf gegen diese Verächter des Weltschöpfers und seines Gesetzes zu führen, „welche der Schrift Meister sein wollen, aber nicht verstehen, was sie sagen oder was sie setzen." Sie verteidigen gegen diese Antinomisten das Alte Testament, indem sie ihnen zurufen: „Wir wissen aber, daß das Gesetz gut ist, so sein jemand recht braucht."? — Sie führen gegen diese „Satansschüler" die bittere Klage: „Denn es sind, viele freche und unnützen Schwätzer und Verführer, sonderlich aus der Beschneidung, denen man den Mund stopfen muß, die da ganze Häuser verkehren und lehren, was nicht taugt.-Sie sagen, sie erkennen Gott, aber mit den Werken verleugnen sie es, sintemalen sie sind, an welchen Gott Greuel hat."? Haarscharf wird uns dieser „Anomos" im zweiten Th essa- . lonicherbrief gezeichnet. Da heißt es: „Lasset euch niemand verführen in keinerlei Weise, denn er (der Christ) kommt nicht,? Oe poster. I, 232, 235. Vgl. de Cherub. I, 150; de sacrif. I, 163; quod det. pot. insid. seiet. I, 191, 197 ff.? 2. Tim. 3, 7 heißt es von diesem Gnostikon: „Lernen immerdar, nud können nimmer zur Erkenntnis der Wahrheit kommen."? De poster. I, 235. 4) Apokal. Joh. 13, 1—8. 5) Apokal. 3, 9; 2, 9. ") Ev. Joh.. 5, 43. 7) 1. Tim. 1, 3-9.? Tit. 1, 10 ff. ^fiü mumm mm

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