Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 69 (1905)
- Issue
- Heft 13 (31.3.1905)
- Date
- 1905-03-31
- Page
- Seite 146 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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146 beruft sich auf die „Geschichte der Landwehr in der Kur» und Neumark"? : die irn Jahre 1854 erschienen ist. Darin heißt esx-es: sei Won den ' Dienstuntauglichen eine Summe Geldes für . die Landwe.hrklasse erhoben worden, damit auch sie für die gemeinsame Sache etwas beitrügen.??- :? /? -?> V?■■ -Daraus entstand das Gerücht, mar? könne sich . von? Dienste loskaufen und es fehlte nicht an solchen -Versuchen, so daß das Generalkommando die Sache untersuchen mußte und das Verfahren öffentlich für unzulässig erklärte. Eine ähnliche Mitteilung findet sich in der Geschichte der Organisation der Landwehr zwischen der Ems und der Weser und der Weser und dem Rhein. Diese Beispiele mögen genügen; sie beweisen, was jedem Historiker längst bekannt war, daß die Liebe zum Gemeinwesen, zum Staat und zum Vaterlande, was wir moderne Menschen als Patriotismus bezeichnen, etwas historisch Gewordenes ist (lebhafte Zustimmung links). daß sie in enger Beziehung zu dem Verhältnis von Rechten und Pflichten des Staatsbürgers steht. (Sehr gut! links.) Treitschke weist in seiner „Deutschen Geschichte" darauf hin, daß bei dem ersten Versuche Friedrich Wilhelm I., durch sein Kantonierungsreglement etwas wie die allgemeine Wehrpflicht einzuführen, auf den stillen Widerstand des Volkes gegen diese unerhörte Neuerung stieß. Herr Böckler bat in feiner Rede dann weiter mich öffentlich zum Beweise aufgefordert, daß Kaiser Friedrich I!I. je die Aeußerung von der Schmach des Jahrhunderts getan habe. Diese Aeußerung sei nach dem Tode Kaiser Friedrichs erst von den Juden aufgebracht worden. (Lachen links.) Demgegenüber stelle ich noch einmal fest, was lange vor dem Tode Kaiser Friedrichs bereits bekannt war, daß dieser edle Fürst im Jahre 1880 in einer Sitzung der Viktoria-Jnvalidenstiftung zu dem damaligen Stadtrat Magnus gesagt hat: „Die antisemitische Bewegung sei die Schmach des Jahrhunderts", und daß er am 15. Januar 1881 in einer weiteren Sitzung dieser Stiftung dieselbe Aeußerung demselben Herrn gegenüber wiederholt hat. (Hört! hört! links.) Zum Schluß möchte ich noch auf Herrn Liebermann v. Sonnenberg antworten und ihm eine Angelegenheit ins Gedächtnis zurückrufen. Er hat in der Sitzung vom. 7. März des vorigen Jahres einen ehe maligen Husaren jüdischen Glaubens, namens Bier, beschuldigt, daß er sich zu Unrecht gerühmt habe, Ritter des Eisernen Kreuzes zu sein, ohne es zu besitzen, und daß er lange Jahre hindurch den General v. Loö darüber getäuscht habe. Diese Ihre (zum Abg. Liebermann v. Sonnenberg) Behauptung ist völlig unwahr. Vier Tage nach Ihrer Rede irn vorigen Jahre traf schon die Berichtigung ein, aus der hervorgeht, daß Herr Bier niemals sich des Eisernen Kreuzes gerühmt hat, daß aber allerdings Herr v. Los geglaubt hat, Bier besitze das Kreuz. Der Irrtum war dadurch entstanden, daß Herr v. Loö die Dekoration für Herrn Bier als Oberst vorgeschlagen hatte, daß er bald darauf zuni Brigadekommandeur ernannt wurde und geglaubt hat, daß seinem Vorschläge Folge gegeben sei: Herr Bier hat ihm aber sofort, an demselben Tage noch, über seinen Irrtum aufgeklärt. (Hört, hört! links.) Der Abgeordnete Liebermann v. Sonnenberg, von dem ich anuehmen muß, daß er von dieser Berichtigung Kenntnis genommen hat, hätte nun auch der Wahrheit die Ehre geben und hier im Reichstage. öffentlich seine damalige Behauptung zurücknehmen sollen. Das würde die Pflicht eines jeden Ehrenmannes sein! (Sehr richtig! links.) Der Herr Präsident hätte ihm jederzeit das Wort dazu gegeben, die Ehre eines zu Unrecht angegriffenen Mannes wieder herzustellen. Statt dessen hat der Abgeordnete Liebermann v. Sonnenberg hier über die Wehrsteuer gesprochen und dabei gesagt, die Judenschaft würde völlig damit einverstanden sein, wenn sie nicht zu dienen brauchte, sondern statt dessen eine Steuer bezahlen würde. (Sehr richtig! bei d. Ant.) Sehr unrichtig! (Heiterkeit.) Diese neue Beleidigung unserer sämtlichen jüdischen Mitbürger ist schon vom Abgeordneten Schräder zurückgewiesen worden. Unsere jüdischen Mitbürger verlangen nur, daß sie, wenn sie dienen, auch nicht in der Beförderung zurückgesetzt werden. Für mich beweist das ganze Verhalten des Abgeordneten Liebermann v. Sonnenberg und der Antisemiten überhaupt nur, wohin Rassenhaß und.Glaubenshaß schließlich führen muß. (Sehr , richtig! links.) Und ich werde , nicht aufhöreu, so lauge ich die Ehre habe, diesem hohen Hause nnzugehören, den Antisemitismus, diese Schmach des Jahrhunderts, zu bekämpfen. I Kriegsminister v. Einem: Mir ist der Vorwurf gemacht worden, ' ich hatte Angriffe gegen deutsche Soldaten, die hier inldiesem Hause gemacht wurden,' nicht zurückgewiesen. Ich erinnere mich nicht,:...daß die, Abgeordneten Liebermann v. Sonnenbergkoder Böckler irgend" eine Bemerkung^ dahingeheÜi)^gemLchtHäften,?daß^ jübischdSoldochestv..sich in unseren? letzten Feldzüge schlecht geschlagen hätten odMHrA?als ' feige eMiesE hätten...Ach? ersinn^e 'mich? auch ^ychtA daß /.eitle Aeußerung gefallen Ware) da'ß die jetzt dienenden jüdi1cheü.Soldaten - ihre Pflicht verletzten' oder schlechte Soldaten seien. Ich habe, nür gehört, daß Abgeordneten Böckler aus seinem geschichtlichen Studium heraus (Heiterkeit links)'erzählt Hat, wieseine-Juden", wie er es j nannte, sich 1813 und. 1857 benommen hätten. Das war sein ‘ historischer Rückblick, und ich war nicht verpflichtet, dagegen vorzugehen. Ich habe in meiner Schwadron und in meinem Regiments jüdische Soldaten gehabt, und ich erkläre, diese haben durchaus gut gedient. (Zurufe links: Das hätten Sie vorher erklären sollen.) Ich kann nicht vorher etwas erklären, ehe ich ' nicht die Angriffe gehört / habe. (Beifall rechts.) Wenn ich das Bewußtsein gehabt hätte, daß die jetzt dienenden jüdischen Soldaten angegriffen, werden, so hätte ich von den betreffenden Rednern verlangt, sie sollten.mir genau angeben, auf welche Fälle sie sich beziehen, und dann hätte ich über \ diese Fälle Recherchen angestellt und hätte, wenn sich die Fälle anders herausgestellt hätten, gegen den betreffenden Abgeordneten hier im Hause protestiert. Aber auf irgend welche historische Angriffe kann ich nicht antworten, weil mir dazu völlig das Material fehlt. -; Persönliche Bemerkung des Abg. Liebermann v. Sonnenberg (Antis.): Ich habe, sobald ich Kenntnis des Schreibens des General- . obersten v. Loö erhielt, eine Antwort darauf niedergeschrieben und zu den Akten gegeben. Es war mir leider nicht möglich, die Frage in i einer Bemerkung vor der Tagesordnung oder im Vorjahr bei der; dritten Lesung ausführlicher zu behandeln. Ich bin aber in der glücklichen Lage aus zwei Aeußerungen, die ich erst heute zü zwei meiner Fraktionskollegen getan habe, den Nachweis zu führen, daß ich die feste Absicht hatte, die Sache bei diesem Titel ausführlich zu behandeln. Es ist wahr, daß Moses Bier dem Generalobersten Loö; gegenüber den Irrtum sofort aufgeklärt hat, aber an die Presse hat i er keine Richtigstellung gelangen lassen. Ich konnte infolgedessen den i Irrtum nur in einer Form richtig stellen, die in keiner Weise den | Vorwurf rechtfertigte, daß ich leichtfertig ungewisse Behauptungen aufstelle. Der Abg. Eickhoff hat aber unrecht getan, wenn er mir die Absicht unterstellte, daß ich auf diesen Fall nicht zurückkommen wollte. Ich muß aber doch seststellen, daß Moses Bier Schuld daran ist, daß 14 Tage lang in der Presse — Präsident Graf Balle strem: Sie können doch nicht im Namen von Moses Bier persönlich sprechen. (Große Heiterkeit.) Abgeordneter Eickhoff (frs. Vpt.): Ich will nur feststellen, daß der Abgeordnete Liebermann bis zu diesem Augenblick unterlassen / hatte, was ich für die Pflicht eines Ehrenmannes halte, einen Vorwurf wieder gut zu machen, den er unberechtigterweise unter dem Schutz der Immunität gegen einen unschultenen Bürger ausgesprochen hat. Ich stelle weiter fest, daß von der zu den Akten gegebenen Rechtsfestsetzung des Herrn Liebermann der Betroffene natürlich keine Kenntnis erlangen konnte. Und ich stelle weiter fest, daß trotz des deutlichen Brieses des Generals v. Loö der Abgeordnete Liebermann j wiederholt seinen unberechtigten Vorwurf der Täuschung gegen Moses Bier erhoben hat. Ich überlasse das Urteil hierüber dem Hause, | aber ich kann es nicht für richtig halten, daß man den Schimpf, a den man einem unbescholtenen Manne antut, dadurch verschärft, daß man ihn immer und immer wieder öffentlich wiederholt. Abgeordneter Liebermann v. Sonnenberg (Antis.): Ich stelle dem Abgeordneten Eickhoff gegenüber fest, daß er meine persönliche Bemerkung unrichtig wiedergegeben hat. Ich habe gesagt, Bier hat den Zeitungen gegenüber nicht getan, was er dem Freiherru v. Loö gegenüber getan hat. Infolgedessen hat man ihn drei Wochen länger als Inhaber des Eisernen Kreuzes gepriesen. (Heiterkeit.) ' Abgeordneter Eickhoff (frs. Bpt.): Ich stelle nochmals fest,; daß Abgeordneter v. Liebermann' von Sonnenberg bereits vor Jahresfrist gewußt hat, daß Bier nicht die Behauptung ausgestellt;J | hat, er sei Inhaber des Eisernen Kreuzes. Die Schuld an diesem I