Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 69 (1905)
- Issue
- Heft 12 (24.3.1905)
- Date
- 1905-03-24
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
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(».Jahrgang. No. 12. Berlin, 24. März 1905. Vellage zur „Allgemeinen Leitung deß Judentums SorrklponLkn?rn und Machrichtkn. Deutschland. 8. Berlin, 19. März. In kaum einstündiger Sitzung fand die Tagesordnung der heutigen Repräsentanten-Versammlung ihre Erledigung. Zunächst wurde eine Reihe von Zuwendungen zum Zwecke der Erhaltung von Gräbern debattelos angenommen, nämlich die Zuwendungen der Frau Clara Demuth geb. Markwald im Betrage von 5000 Mark, der Frau Rosalie Löwenhain geb. Roeder im Betrage von 1000 Mark und des Bankiers Josef Goldschmidt im Betrage von 6000 Mark; dagegen wurde die Annahme der Zuwendung des Geh. Sanitätsrats Dr. Abraham im Betrage von 5000 Mark noch ansgesetzt. Es handelt sich hier um die Erhaltung von neun Gräbern, wozu der Zinsertrag des Legates nicht völlig ausreicht. Deshalb soll nach Beschluß des Ausschusses den Angehörigen aufgegeben werden, die Gräber vor Uebernahme in Gemeindepflege sämtlich in ordnungsmäßigen Zustand zu bringen. Eine fernere Zuwendung der Herren Regierungsbanmeister a. D. Adolf Wollenberg und Martin Wollenberg in Höhe von 2000 Mark zur Errichtung einer „Frau Dr. Bertha Löwenberg geb. Wollenberg-Stiftung" fand ebenfalls die Genehmigung der Versammlung; die Zinsen dieses Legates sollen alljährlich an: 8. April durch die Armenkommisfion an eine chronisch kranke Person weiblichen Geschlechts im Alter von 20—30 Jahren ausgezahlt werden. — Die Verlängerung des Mjetsvertrages für die Armenkommission im Hause Große Präsidentenstraße wird gutgeheißen, da bis zum Ablauf des Kontraktes die in der Rosenstraße neu zu errichtenden Gebäude noch nicht benutzbar sind. Zur Erweiterung der eben erwähnten Verwaltungsgebäude werden noch 70000 Mark bewilligt. Die Hinzunahme der Grundstücke Rosenstraße 3 und 4 für den Neubau des Verwaltungsbäudes hat nämlich eine nicht unerhebliche Abänderung der ursprünglichen Baupläne erforderlich gemacht. So soll unter anderem ein geräumiger Portaldurchgang nach dern Synagogenhofe geschaffen werden, die Friedhofskommission wird einen eigenen Sitzungssaal erhalten, es wird, was uns besonders wichtig erscheint, eine Dienstwohnung für einen Beamten der Friedhofskommission angelegt. Die Schaffung einer solchen ist in Rücksicht auf die notwendige ständige Erreichbarkeit eines Beamten im Interesse des Publikums sowie im Interesse einer geordneten Geschäftsführung mit Recht als dringend erforderlich angesehen worden. Das neue Gebäude wird, wie Herr Louis Sachs hinzufügt, nach den vorliegenden Plänen der jüdischen Gemeinde zur Zierde gereichen. — Zur Vornahme von Pflasterungsarbeiten auf dem Friedhofe in Weißensee werden 4165 Mk., für den Bau der Krankenbaracke nachträglich 234,92 Mk. bewilligt. — In die Armenkommission wurden die Herren Rentier H. Aron, Rentier F. Beer, Sanitätsrat vr. Cassel. Sally Kirschstein, Rechtsanwalt vr. Meyerstein, vr. meci. Max Spandow, in den-Vorstand der Synagoge Lindenstraße an Stelle des Herrn Netter Herr Moritz Rosenow gewählt. — Ein größeres Interesse nahm der Rechnungsabschluß der Gemeinde-Hauptkasse pro 1903/04 in Anspruch, über den Herr Willibald Loewenthal, dessen Liebenswürdigkeit wir die nachfolgenden Zahlen verdanken, zu referieren hatte. Der Hauptabschluß der Gemeinde schließt in Einnahme und Ausgabe mit 1619804,56 Mk. An Gemeindebeiträgen gingen ein 1371293,65 Mk., d. i. 770939 Mk. weniger als veranschlagt. Das Zinsenkonto erbrachte 61715,85 Mk. gegen veranschlagte 19067,80 Mk., und zwar in der Hauptsache dadurch, daß ein. Teil der Anleihe von 1902 noch zinstragend bei den Bankhäusern angelegt war. Bei den Ausgaben erforderten die Zinsen eine Gesamtausgabe von 240720,84 Mk., die Amortisationen 36000 Mk., Gehälter bei der Hauptverwaltung 237100 Mk., Pensionen 34900 Mk.', Remunerationen 5900 Mk. Der Gottesdienst in den Synagogen beanspruchte — abgesehen von den in Titel Gehälter mit enthaltenen 103500 Mk. für Rabbiner und Vorbeter — eine Ausgabe von rund 193000 Mk., die gottesdienstlichen Veranstaltungen in den Festlokalen 45000 Mk., nach Abzug von 50000 Mk. Einnahmen für Ständevermietung. Das gesamte Schulwesen der Gemeinde erforderte 204800 Mark, die Armenanstalten 121000 Mk., die Waisenverwaltung 115000 Mark, das Krankenhaus 68000 Mk., Hospital 16500 Mk.. die Alter- Versorgungsanstalten 14000 Mk., Koscherfleisch-Kommission 12500 Mark, das Ouellbad 2800 Mk. Die Friedhofskommission erbrachte einen Nettoüberschuß von 11000 Mk. An Subventionen sind 93000 Mark verausgabt worden, für die Bibliothek netto 12300 Mk. Eine Käpitalsvermehrung hat im Berichtsjahre nur um 4900 Mk. stattgefunden, die von der Gemeinde erhobene Steuerquote von nJ4G % hat sich daher genau dem vorhanden gewesenen Bedürfnis entsprechend erwiesen. An Anleihen sind noch rund 5300000 Mk. zu tilgen. Der Amortisations-Fonds, welchen! die Einkünfte aus Erbbegräbnisverkäufen über 40000 Mk. bestimmungsgemäß zufließen sollen, konnte in diesem Jahre nichts erhalten, weil die Erträgnisse nur 33600 Mk. betrugen. Nachdem einige Mehrausgaben im Gesamtbetrag von 2285,81 Mk. nachträglich bewilligt waren, wurde dem Gemeindevorstand auf Grund dieses Rechnungsabschlusses, der sich nach Ansicht des Referenten als ein technisches Meisterstück darstellt, debattelos einstimmig Entlastung erteilt. — Aus der geheimen Sitzung sind wir noch in der Lage mitzuteilen, daß der früher als Hilfskantor tätig gewesene Herr Felix Asch nunmehr als Kantor angestellt worden ist. s. Berlin, 19. März. Gestern ist hier der Kommerzienrat Ferdinand Manheimer, Inhaber der großen Damen- und Kinderkonfektionsfirma V. Manheimer in der Oberwallstraße, im 55. Lebensjahre infolge eines Gehirnschlags gestorben. Schon in' den letzten drei Monaten kränkelte er, doch kam der Tod überraschend, da in den letzten Tagen eine Besserung eingetreten war. Kommerzienrat Ferdinand Manheimer war Mitglied der Handelskammer, Beisitzer des Landesversicherungs- und des Reichsversicherungsamts, wirkte als Schatzmeister beim Roten Kreuz und war als Mitglied der Einschätzungskommission und des Kuratoriums der städtischen Webeschule tätig. Die Handelskammer hat zu Ehren des Verstorbenen eine besondere Sitzung anberamnt. - Lp. Aus der Provinz Posen, im März. Dem Nathan Cohn'schen Ehepaar in Thorn ist anläßlich seiner jüngst stattgehabten goldenen Hochzeit die Ehejubiläumsmedaille verliehen worden. — Frau Helene Schwarz in Schildberg beging kürzlich das 25 jährige Jubiläum als Vorsteherin des dortigen israelitischen Frauenvereins. — Die Synagogengemeinde in Schildberg hat den Bau eines Bade- und Gemeindehauses beschlossen. — Der seit 22 Jahren in Ostro wo bestehende und über , 100 Mitglieder zählende israelitische Mildtätigkeitsverein hat in' seiner letzten Generalversammlung beschlossen, denselben in einen Darlehns- Hilssverein umzuwandeln und ihn unter diesem Namen gerichtlich eintragen zu lassen. Der bisherige Vorstand wurde wiedergewählt. Das Vereinsvermögen beziffert sich auf 8130 Mark. Die Spenden im letzten Jahre 243 Mark. — Nach 40 jähriger Tätigkeit in Kempen tritt Rabbiner Dr. Münz daselbst am 1. April in den Ruhestand. — Dr. Dünner aus Köln ist zum Rabbiner in Rogasen gewählt worden. — Am 18. d. M. begingen die Herren L. Apolant und A. Linde in Jastrow ihr 25jähriges Amtsjubiläum als Vorsteher der Synagogengemeinde. In einer Festsitzung wurde ihnen als Zeichen der Anerkennung und des Dankes je eine Adresse überreicht. —.Kaufmann S. Mamelok und Hotelbesitzer Adolf Jmbach in Skalmierzyce sind zu Schulvorstandsmitgliedern der evangelischen Schulgemeinde daselbst auf die Dauer von sechs Jahren neugewählt und als solche bestätigt worden. — Kantor Cahn in Hohensalza ist an die israelitische Kultusgemeinde zu Memel berufen worden. — In Rogas en ist der Kultus - beamte Mvfchkowitz gestorben, nachdem er dort 34 Jahre hindurch amtiert hatte. — In Kosten ist kürzlich der Ratsherr Simon Löwen sie in gestorben, der 25 Jahre hindurch den städtischen