Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 69 (1905)
- Issue
- Heft 12 (24.3.1905)
- Date
- 1905-03-24
- Page
- Seite 143 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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-- 143 Demiurgos, der „Judengott", getreten, sein durch Moses - verkündigtes Gesetz wurde diskreditiert.' Solche antinomistische Parteien, welche auf dem Wege der allegorischen Schriftauslegung zur Auflösung der mosaischen nationalen und zeremonialen Gesetze und von da zur Mißachtung des Weltschöpfers und seiner ganzen Lehre gelangten, werden uns bei Philo, der sie hart bekämpft. wiederholt vorgesühr^ -Denselben Häretikern begegnen wir im Talmud, wo sie' — unter dem Namen Minäer — weil sie eine Zweigottheit (8eb'le Reschujölh) aus dem biblischen Schrifttum herauslesen wollen, mit dem Fluche der Synagoge belegt erscheinen. Dieselben antinomistischen Sekten treten uns schon in der apostolischen Zeit im Christentum entgegen, , , (Schluß folgt.) ^W^as Meer gibt feine Toten her, ) Aegyptens Krieger-Schaaren; Es will die Leichensaat nicht mehr In seinem Schooß bewahren. Schon schweigt der Sturm, der's aufgewühlt, Kaum daß aus ihrem Reiche Die See an's hohe User spült ' Mizrajims letzte Leiche. Und Roß und Reiter, Fürst und Heer, Sie ruhn entseelt im Schilfe; Mit Schlamm bedeckt die stolze Wehr — Sie bracht' nicht Heil, nicht Hilfe. Die Doppelkrone Pharao's, Vom Seegewürm umschlungen! > Die Hand läßt nicht das Szepter los, Das sie so rauh geschwungen. ... . . . i Nicht Isis, auch Osiris nicht . Vermocht' es abzuwenden, . ■ Anubis wehrt nicht dem Gericht Von Schaddai's mächt'gen Händen. j Im wirren, grossen Knaul am Strand,! Da müssen sie nun rasten. Wie flehend, sind emporgewandt Die Äugen, die verglasten! Und das erlöste Israel, Der Flut, dem Feind entronnen, Erblickt im Meere froh und hell, Der Freiheit klaren Bronnen. - 1) Megilla, 10 b. ikem MegesUed? Von Dr. B. Plaezek-Brünn. Ein japanischer Feldherr sagte nach der Schlacht am Schahv im Oktober 1904: „Der Sieg ist entscheidend; aber man hat neben den eigenen die furchtbaren Verlust der Feinde zu beklagen." Des ernsten Augenblicks bewußt, Wie sie die Häupter neigenl Warum will noch nicht ihrer Brust Triumphgesang entsteigen? Mag sinnen doch das Volk zuvor. Versenkt in heil'gen Träumen; Doch in der Höh der Engelchor Will nimmer länger säumen. .Er stimmet an sein Lobeslied! Schon klingen alle Sphären, . Ein Wohllaut durch das Weltall zieht Vom „König aller Ehren." Nach Theben seht, nach Memphis hin Die Trauerbotschaft dringen! Mit welch' verzweiflungsvollem Sinn Sie dort die Hände ringen. . . Kein Siegeslied! Das Jubeln laßt Betörten Erdensöhnen, Wo Brüder selbst ein Bruder haßt Und jauchzt, wenn And're stöhnen. . Ob seufzen auch so weh und bang Die Witwen und die Waisen, Hört man den Raub, wenn er gelang. Als „meine Fügung" preisen. — Ihm soll erschallen Lob und Preis, Ihm, der dem Schwachen Recht schafft, Der Uebermut zu ahnden weiß, Die Fesseln bricht der Knechtschaft. Da zuckt von Gottes Thron ein Blitz Mit dumpfem Grollen nieder; „Laßt, ab von diesem Aberwitz, Verstummt, ihr Sieges lieber!" Daß die Geschöpfe meiner Hand Ihr trauriges Verhängnis Ereilt hat unten an dem Strand, In gräßlicher Bedrängnis; Daß so der Schöpfung Meisterstück Im Meeresschlamm vermodert, Weil frevelnd sie das Mißgeschick Im Wahn herausgefordert — Dem Schöpfer, mir wollt ihr darob Triumphgesänge spenden? - Muß sich in Läst'rung nicht das Lob, In Leid das Lied sich wenden?! Noch öfter wird dem frohen Mut Das bleiche Elend lauschen, Ein rotes Meer, ein Meer von Blut, Zu Siegesklängen rauschen. Ihr lichten Scharen, eilt von hier, Das Oede macht zum Eden! — Die Menschen werden schon dafür Manch Eden noch veröden. — Versöhnt den Schmerz, der dort so wüst Dergrollt am Nilgestade, Aegyptens Volk, das schwer gebüßt, Verkündet meine Gnade." Die Engel schweben über's Meer, In leisem Zug von hinnen — Und Nebel wallt, das Leichenheer Hüllt er in Sterbelinnen. Der Samum heult den Totensang. Der Ibis klagt im Riede, Und Flugsand häuft den Strand entlang Die Gräbesphramide. — Lltersi'jlchr Mitteilungen. — Dr. Philipp Kroner: Orient und Ockidtznt. Berlin 1905. F. Sommer. Unter obigem. Titel hat der gelehrte Forscher zehn Essays veröffentlicht, die verschiedene Gebiete der .jüdischen Literatur wesentlich-erhellen. Die'meisten sind hervorgerufen durch Zeitfragen,, aber sie erheben sich weit über diesen Zweck zu allgemeiner Bedeutung. Sehr treffend wird, in dem ersten Essay Lessing gegen Friedrich Delitzsch ins Feld geführt, und man kann sagen, daß dieser Aufsatz gewissermaßen das- Leitmotiv für die ganze Schrift bildet, in der noch folgende interessante Themata behandelt werden: Der Talmud und die Farben; Zur Theologie und Psychologie der Juden'; Der Talmud über Glücksspiel; lieber Gotteslästerung < Die Mentalreservation und der Talmud; Ei fern-Werk und Eisern-Stirn; Eine alte Zauberformel; Zwei Dante-Stellen. Viele Vorurteile werden in diesen Aufsätzen berichtigt und gewichtige Angriffe widerlegt; Kroner beherrscht die talmudische so gut wie die moderne Literatur, seine Polemik ist ebenso kräftig wie vornehm, seine Darstellungsweise ebenso interessant wie anziehend und allgemein verständlich. Es ist deshalb lebhaft zu wünschen, daß diese Schrift die verdiente allgemeine Verbreitung finden möchte. . — Was wollen die Antisemiten? Von Dr. Leu z Ukrainh. Rostock 1905. C. I. E. Volkmann. Eine sehr wertvolle Schrift, in der sich der durchaus sachkundige und mit den einschlägigen Verhüll? nisten in Deutschland so gut wie in Rußland und Oesterreich wohlvertraute Autor über den Antisemitismus,, seine Ursachen und Folgen, in geistvoller und meist zutreffender Weise verbreitet. Alle Vorwürfe, die gegen die J uden im Handel und Wandel, wie im öffentlichen Leben erhoben werden,. weiß er. geschickt zu widerlegen und zu erklären. Seine Forderungen an die Negierungen, im eigenen wohlverstandenem Interesse, ihre jüdischen Bürger gegen den Antisemitismus, den er mit dem Anarchismus auf eine Stufe stellt und als eminent staatsgefährlich bezeichnet, zu schützen, sind fast durchweg berechtigt. *j*MTt*L**2 /-_t£_£_ir__!