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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1905-03-24 · Heft 12 (24.3.1905) · p. Seite 141

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
69 (1905)
Issue
Heft 12 (24.3.1905)
Date
1905-03-24
Page
Seite 141 (sequence 9)
Language
German
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Seiner Schätze Ruhm gedrungen, War er stolz durch alle Zonen In die Völker alter Zungen, Nach den Hütten und den Thronen. Zu ihm her von nah und ferne \ - Ehren strömeten und Gnaden, Ihre Kreuze, ihre Sterne, Sandten stolze Potentaten; Schlösser nannt' er sein, Karossen, Gärten voll von Blütenbaumen, Ueber ihm war ausgegossen Was vom Glück die Menschen träumen Doch sein Glück, so unerhöret, Seine Tonnen goldner Erze Hatten nicht sein Herz betöret, Und verhärtet nicht sein Herze . . Zu dem Gotte seiner Väter Hat er eiferig gebetet, Ohne Haß, wenn andere Beter Anders zu dem Herrn geredet. Und mit Liebe auserlesen Hing er an den Seinen allen, Und er ist ein Sohn gewesen, Jedermann ein Wohlgefallen; Täglich konnte man ihn sehen, Um der Mutter Hand zu fassen, Nach dem kleinen Häuschen gehen, In der alten Judengassen. Im Anschluß an die vorstehenden Mitteilungen mag auch noch auf zwei andere Gedichte Stoltzes hingewiesen werden. Das eine entstand bei der Börne-Säkularfeier 1886. Es berührt zwar Börnes Judentum nicht, enthält aber eine so feine Würdigung des kühnen Schriftstellers, daß wenigstens eine Stelle daraus wiederholt werden soll. Sie, lautet: Dem Manne Preis, der ohne Zagen Selbstlos und ohne Ruhmbegier Des Rechtes Leuchte hoch^getrageri, Der Freiheit mut'ger Pionier: Ein Pred'ger in der Wüste, kündend Was er in-Haupt und Seele trug, Und Gott begeistert bis es zündend Entflammend in die Herzen schlug . . . Grunddeutsch sein Denken ohne Wanken Dem Volk ein besserer Adelung, Wie jenermit den Lorbeerranken; Sein Wort war Blütenkrast und Schwung! Geistsprühend! Oft ein Schwert in Rosen,. Doch den Verfolgten ein Asyl, Spott und Humor dem Mächt'gen Großen, Doch Freiheit all sein Zweck und Ziel . . . Wie edel all sein heißes Streben Und seine Seele frei und groß, So rein'war auch sein ganzes Leben, So flecklenlos als makellos. Endlich mag in diesem Zusammenhang noch ein Gedicht auf Isaak Königswarter erwähnt werden (1877), einen bekannten Wohltäter, der nach dem Tode seiner Kinder einen. großen Teil seines Vermögens für' wohltätige Stiftungen bestimmte, die hauptsächlich armen Waisen zugute kommen sollten. Hier kommen die Verse vor: Die Vaterstadt mit Stolz und Dankbarkeit Hat sie Dich jenen Namen angereiht, Die Zierden sind des echten Bürgertums. Die Polemik segen das Mir Cettament im Altertum. Von Dr. M. Friedländ.er in Wien. I. vermag eine geistige Bewegung weder in ihrem Wert zu erhöhen noch darin herabzusetzen,, wenn man zeigt, daß sie eine lange Vorgeschichte hat, und den Zusammenhang zwischen Gegenwart und Vergangenheit zu rekonstruieren unternimmt. Daß etwas historisch geworden, und wie es zu dem wurde, was es ist, das hat mit der Wertfrage nichts zu schaffen. Aber es trägt dazu bei, den Sinn und die Tragweite jener Bewegung aufzuhellen. In unserer . Zeit scheint sich eine tiefgreifende religiöse Umwandlung vorzübereiten. Sie wurzelt in der Opposition gegen das Alte Testament, die verschiedenen Parteien gemeinsam ist, solchen, die bloß deshalb diesen Standpunkt vertreten, um das'. Neue Testament: Von seinen geschichtlichen Voraussetzungen zu emanzipieren und ihm die ungeschmälerte., Selbständigkeit zu sichern und solchen, die ihre Abneigung auch auf. dasselbe übertragen und das Christentum mit dem Judentum entfernt wissen wollen. Diese Opposition, die sich heute weiterer Kreise bemächtigt und in dem Gelehrtenstande zahlreiche Anwälte' findet, ist bloß dem Anschein nach neu und originell. Auch wenn man glauben will, daß ihre ersten Ansätze vor vielen Jahrhunderten vorzufinden find, wird man die Grenze nie weiter hinaufrücken als zum Beginn unserer Zeitrechnung. Denn daß das Christentum, wie schon seine Verherrlichung nicht den eigentlichen Inhalt und Zweck derselben bilden muß, gleichwohl der Mittelpunkt bleibt, um den sie sich bewegt, scheint evident; denn wie sollte auf anderem Boden eine gegen das Alte Testament sich kehrende Bewegung platzgreifen. Auch das ist, so seltsam es einen anmuten wird, im Widerspruch mit der historischen Wirklichkeit: Die Opposition gegen das Alte Testament reicht in ihren Anfängen hinter das Christentum zurück. Sie ist aus demselben Judentum hervorgegangen, das bannt seine primärsten Voraussetzungen in Frage stellt : aus dem hellenistischen Judentum, welches, kaum mit der Kulturwelt in engere Berührung getreten, sich ihr auch schon zu assimilieren begann. Das Leben in dieser Kulturwelt zwang sie, und die Bekanntschaft mit der griechischen Philosophie, gab ihnen die Mittel an die Hand, zunächst das ganze mosaische Zeremonialgesetz geistig aufzusaffen und zeitgemäß umzudeuten. Diese Bestrebungen führten zu jener großartigen religiösenBewegung, welche um die Zeit der Entstehung des Christentums — sich abzweigend von dem sogenannten jüdischen Alexandrinismus und gegen ihn, den Erzeuger, in die entschiedenste Opposition tretend — von Alexandria ausging, um die niedergehende antike Welt gegen die in modernem Gewand auftretende /und erobernd ausschreitende jüdisch-christliche Religion in Schutz zu nehmen und ihr neues Leben einzuflößen. Es bedeutet dies das letzte Ringen des altersschwachen, durch fremden Geist bereits ganz zersetzten griechischen Occidents mit dem mächtig aufstrebenden hellenisierten Orient, wobei die Philosophie der „Auserwählten" nach langem und schwerem Kampfe gegen, die neue, mit dem Rüstzeug des Gegners auf das vortrefflichste ausgestattete Religion der „Auserwählten" unterlag. , . Um uns verständlicher zu machen, müssen wir diese geistige Bewegung ein wenig näher ins Äuge fassen, sie mit einigen Strichen zeichnen. t Man fängt in unseren Tagen endlich an, der großen, lange unbeachtet gelassenen Verdienste des hellenistischen Judentums immer mehr zu gedenken, wenn man auch noch weit

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