Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 69 (1905)
- Issue
- Heft 11 (17.3.1905)
- Date
- 1905-03-17
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
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09. Jahrgang. No 11. Vellage zur „Allgemeinen Leitung deK Judentums lkorrrlponÄen?m und Mschrichtm. Deutschland. s. Berlin, 9. März. Im Verein für jüdische Geschichte und - Literatur hielt gestern Herr Dr. med. Wilhelm Feilchenfeld einen interessanten Vortrag über „Jüdische Aerzte einst und jetzt". Der Redner beleuchtete zunächst die angesehene Stellung, welche die Aerzte im alten Jsrael, in der talmudischen Zeit und hierauf bei den Juden im Mttelalter innegehabt haben, indem er dies durch Excerpte aus den betreffenden Schriftwerken illustrierte. Sodann führte er die hervorragendsten Aerzte auf, die in der Geschichte der Medizin eine führende Rolle spielten. Im zweiten Teil seines Vortrages erörterte er hauptsächlich die Vorwürfe, die man von gegnerischer Seite gegen die jüdischen Aerzte zu erheben wagt, und entkräftete dieselben in durchaus sachkundiger und vornehmer Weise. Der Vortrag fand lebhaften Beifall. — Aus den auswärtigen Literaturvereinen: In Rixdorf sprach Dr. I. Moses über „Die moderne Jargonpoesie", Herr Albert Katz über „Die Ethik des Talmuds", Dr. jur. Max Eschelbacher über „Leopold Kompert", Rechtsanwalt Knopf über „Das Recht der Frau", Rabbiner Kam'erase über „Eine Reise durch, Rußland"; in Küstrin Dr. Ackermann-Brandenburg über „Judentum und Christentum"; in La n d's b er g a. W. Dr. Silberstein - Elbing über „Herder und die Inden"; in Forst i. L. Lehrer Bellack- Frankfurt a. O. über „Toleranz im' Judentum"; in Labischin Kreisschulinspektor Kemp ff über „Reiseeindrücke aus Palästina mit besonderer Berücksichtigung der jüdischen Geschichte"; in Rakel Dr. Vogelstein-Stettin über „Maimonides", Dr. Rosenthal- Stargard über „Schiller und die Bibel". In Schneidemühl feierte der Literaturverein sein zehnjähriges Stiftungsfest, die Festrede hielt Rabbiner Dr. Lewko Witz. Ausgeführt wurde das Festspiel „Israels Sendung" von Adolf Mottek. Herr Bankier Herz Berliner wurde in Anbetracht seiner Verdienste um den Verein zum Ehrenmitglied ernannt. In Hamburg sprach Professor Geiger über „Herder und das Judentum"; in Bremerhaven Prediger Bachenheimer über „Schillerund Raschi"; in Lippstadt Fräulein Martha Ba er-Bielefeld über „Osteuropäische Kultur"; in Essen a. R. Dr. Hochfeld-Düsseldorf über „Gedanken über Erziehung", Fräulein Leonie Meherhosf-Hildeck-Franksurt a. M. über „Heimatkunst und Stammesbewußtsein", Geheimrat Dr. H ermann Cohen-Marburg über „Die Idee der Versöhnung", Dr. Po'ritzky-Berlin über „Maxim Gorki"; in Köln Fräulein Henriette Fürth-Frankfurt a. M. über „Die Frau in der jüdischen sozialen Hilfsarbeit"; in Neuwied Dr. med. Edelstein-Bonn über „Die ethische Seite des Zionismus"; in Mannheim Dr.. Jul. Moses-Berlin über „Jüdischen Witz und Humor". — Ein neuer Literaturverein wurde in Lautenburg in Westpreußen begründet. s. Berlin, 12. März. Der von den hiesigen Logen des U. O. B. B. begründete Verein für Arbeitsnachweis hat, wie wir dem soeben ausgegebenen Bericht entnehmen, im abgelaufenen Jahre 3488 Personen, dagegen im Jahre 1903 3589 in Stellung gebracht. Der Rückgang um 101 Personen wird durch einen Erfolg ausgewogen, nämlich durch die Erhöhung der dauernden Stellungen. 1904 wurden 2760 Bewerber dauernd, 728 vorübergehend, 1903 2400 dauernd, 1189 vorübergehend untergebracht; erstere Kategorie hat sich also um 360 Personen vermehrt, letztere um 461 vermindert. ' Durch die osteuropäischen Glaubensgenossen, welche unter dem Druck der ökonomischen Verhältnisse ihre Heimat verließen und Arbeit suchten, um ihren Lebensunterhalt zu finden, oder die Mittel zur Weiterreise zu verdienen, sind die Anforderungen an den Verein gestiegen; bis zum 1. Oktober v. I. hatten sich 600 gemeldet, deren Unterbringung aber dadurch wesentlich erschwert wurde, daß die Mehrzahl dieser Flüchtlinge der deutschen Sprache nicht mächtig ist und weder ein Handwerk, noch sonst eine Erwerbsart gelernt hat. Trotzdem ist es den Bemühungen des Herrn Jlia Ber gelungen, 179 solchen Bewerbern (167 russischen, 12 rumänischen) Stellungen zu vermitteln, in denen sie sich auch zumeist bewährt haben. Von den Untergebrachten waren 1268 aus Berlin, 1064 aus den preußischen Provinzen, 41 aus dem übrigen Deutschlands 389 aus^dem Auslande. Reben seiner eigentlichen Aufgabe ist der Verein bemüht, Lehrlinge, die ständig beaufsichtigt werden, bei Handwerkern einzustellen, jüdische Erwerblose solchen Gewerben zuzuführen, die denselben fremd waren, eheverlassenen Frauen Arbeitsstuben einzurichten, Stellenlose vorübergehend durch Adressenschreiben, Inkassos rc. zu versorgen, jedem Arbeit- und Hilfesuchenden mit Rat und'Tat beizustehen — kurz, es wurde und wird ein Stück sozialer Hilfstätigkeit verdienlichster Art geleistet. Das Damen-Komitee hat 1017 Personen (gegen 641 im Jahre 1903) untergebracht, Die Einnahmen betrugen 8398,15 Mark (davon Jahresbeiträge 3824,30, Subvention der jüdischen Gemeinde 2000, Spenden 1873.Mark), die Ausgaben 6781,33 Mark. Den Vorstand bilden die Herren Lud. Cohn 1., Jlia Ber II. Vorsitzender, D. Lichtenstein, Schriftführer, O. Haber, Stellvertreter, Direktor A. Ehrenberg,. Schatzmeister, Maximilian Heymann, .Stellvertreter, Hermann Abraham, A. Bloch, Th. Bernheim, Siegfried Brünn, E. Caspari, I. Cohn, H. Davidsohn, Dr. M. Ginsberg, Dr. H. Hildesheimer, Dr. M. Leichtentritt, €>.° Löwenwald, S. Stolzmann, Justizrat Timendorser und G. Michalsky, Beisitzer. Berlin, 14. März. Eine Abordnung sibirischer Juden weilte, auf der Durchreise von Petersburg nach Paris begriffen, am Freitag und Sonnabend in Berlin. Die Führer der Deputation, Kaufleute aus Ratschins und dem von blutigen "Unruhen betroffenen Tschita, haben in Petersburg bei dem Minister Witte Audienz gehabt, ihm die Wünsche der sibirischen Juden unterbreitet und ^beruhigende Zusicherungen" erhalten. Da ihren Glaubensgenossen in Sibirien auch materielle Hilfe nottut, begeben sie sich nach Paris, um bei dem Hauptvorstande der Mir,nee Israeli e Unterstützung für ihre Schulen rc. zu erbitten. n. Breslau, 13. März. Am 19. v. M. feierte die Gesellschaft der Brüder und Freunde ihr 71. Stiftungsfest in Böttchers großem Saale. Die schöne Feier wurde durch einen von Herrn D. Weinbaum verfaßten und von Frl. Samburg vorgetragenen Prolog eröffnet. Dann begann das Festessen. Während desselben hielten das Ehrenmitglied, Rabhiner Dr. Rosenthal, und der Vorsitzende Dr. I. Schlesinger mit großem Beifall aufgenommene Reden. Zahlreiche Festlieder und Toaste verschönten das Fest. Rach der Tafel begann ein Tanz, der die Gesellschaft bis zum Morgengrauen vereinte. Glänzende deklamatorische und Gesangsvorträge folgten rasch aufeinander. Während der Kaffeetafel sprach der Vorsitzende unter großem Beifall allen denen, die zu dem Gelingen des Festes beigetragen hatten, den Dank der Gesellschaft aus. , A Kuttowitz, 7 März. Der Verband der Rakibiner Oberschlesiens hielt Hier am 19. v. M. eine Versammlung ab. Der Vorsitzende Dr. Cohn-Kattowitz eröffnet die Sitzung und begrüßt die erschienenen Kollegen. Anwesend waren die Kollegen Cohn- Kattowitz, Münz-Gleiwitz, Kopfstein-Beuthen, Kaatz-Zabrze, Rau-Pleß, Emmrich-Tarnowitz, Ellguther-Reiße, Galliner-Beuthen. Rach Eintritt in die Tagesordnung wurde zunächst der bisherige Vorstand und zwar Dr> Cohn-Kattowitz als Vorsitzender und Dr. Münz-Gleiwitz als stellvertretender Vorsitzender auf die Dauer von drei Jahren wieder gewählt. Hierauf bespricht der Vorsitzende Dr. Cohn die nunmehr seit JahreN eingeführte Revision des 'Religionsunterrichtes und der religiösen Einrichtungen in den rsrabbinerlosen Gemeinden seitens der oberschlesischen Rabbiner. Er weist darauf hin, daß zu den Schriften, die in hervorragender Weise zur Befruchtung des Religionsunterrichtes beitragen, die Werke von Samson Raphael Hirsch zu zählen sind. Im weiteren gibt der Vorsitzende eine Uebersicht über den Stand der Pensions- und Reliktenkasse der deutschen Rabbiner und über die fachmännischen Gutachten, die über die Sicherheit dieser Kasse eingeholt wurden. Hierauf erstattet Dr. Münz einen Bericht