Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 69 (1905)
- Issue
- Heft 11 (17.3.1905)
- Date
- 1905-03-17
- Page
- Seite 2 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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über die am 7. Juni 1904 in Berlin stattgefundene Jahres sitzung deS Zentral-Ausschusses dos allgemeinen deutschen Rabbinerverbandes, zu der er als Delegierter vom oberschlesischen Rabbinerverband entsandt worden war. Es folgt nun eine eingehende Besprechung des von Dr. Norden-Myslowitz und Dr. Emmrich-Tarnowitz hergestellten Entwurfes eines Minimal-Lehrplanes für einen Religionsunterricht, für den nur zwei Stunden in der Woche zur Verfügung stehen. Der Referent Dr. Emmrich wird ersucht, die von den anwesenden Kollegen gemachten Anregungen in dem schätzbaren Entwürfe zu verwerten. Von den literarischen Referaten, die auch diesmal in dankenswerter Weise gehalten wurden, sei folgendes hervorgehoben. Dr. Cohn bespricht die soeben bei A. S. Hofmann in Frankfurt a. M. erschienene Schrift des Rabbiners Dr. L. Münz-Kempen „Thorat Naschim“. Dr. Emmrich hält ein ausführliches Referat über „Hoffmann, „die wichtigsten Instanzen gegen die Graf Wellhausensche Hypothese". In den nun folgenden freien Besprechungen findet ein Meinungsaustausch über seelsorgerische Erfahrungen statt. — Hamburg, 13. März. Unter den Klängen der Kapelle des Infanterieregiments Nr. 76 trug man gestern den Veteranen DavidBlogg, Inhaber des ältesten israelitischen Kochinstituts am . hiesigen Platze, zu Grabe. Herr Blogg machte die Feldzüge von 1866 und 1870/71, ersteren im 3. hannoverschen Infanterieregiment Nr. 84 (Graf Manstein), mit. Aus seinem militärischen Verhältnis gegenüber seinen ehemaligen Vorgesetzten wollen wir die Harmonie mit seinem ehemaligen Divisionskommandeur, dem General der Infanterie Frhrn. v. Wrangel, hervorheben, der dem Entschlafenen noch vor wenigen Jahren, anläßlich seiner Silbernen Hochzeit, sein Porträts mit einer eigenhändigen Widmung sandte. Aber nicht allein während seiner Militärzeit, sondern auch in seinem Privatleben hat sich ders Verblichene viele.Freunde erworben, wovon die Beisetzungsfeier dasi beste Zeugnis ablegte. Nach der erfolgten Trauerfeier und der Redej des Rabbiners Dr. Löwenthal im Sterbehause wurde der schlichtes Sarg, der von den von Freunden und von Kampfgenossen gesandten^ Palmen und Blumenarrangements umgeben war, von seinen ehe-! maligen Kameraden, dem Verein Hamburger .Kampfgenossen vonl 1870/71 und dem Verein der Kombattanten der 18. Division von! 1870/71, mit gesenkten Fahnen und unter den Klängen der Musik-! kapelle begrüßt. Nach Eintreffen auf dem Friedhofe gruppierten sich die Kriegsgefährten an der Gruft des Verblichenen und unter gesenkten Fahnen übergab man den Entschlafenen der Erde. 4. Crefeld, im März. Der jüngst, wie bereits gemeldet, mit dem Roten Adlerorden IV. Klasse dekorierte frühere Oberrabbiner von Crefeld, Dr. I. Horowitz, hatte während seiner 35jährigen Amtsdauer sich nicht nur in seiner Gemeinde, sondern auch in der ganzen übrigen Bevölkerung Liebe und Achtung erworben. Unter anderen ist als besonders sinnig ein Abschiedsgruß hervorzuheben, den der „Crefelder Zeitung" ein alter Freund dieses Blattes, ein aufrichtiger Christ und Menschenfreund sandte: Der große Gott, der uns den Frühling schenkt, — Der große Gott, der alle Welten lenkt, — Ob Moslem, Perse, Jude oder Christ, — Der große Gott, der Vater aller ist. — Und wer in dem ihm anvertrauten Kreis — Das Schöne, Edle still zu pflegen weiß, — Wer unbeirrt nach seines Herzens Rät — Die Menschenliebe übt in Wort und Tat, — Der trägt in sich des Daseins schönsten Lohn, — Der ist des großen Gottes treuer Sohn." Lange Jahre war er im Vorstande des „Roten Kreuzes", in dessen Aufträge er zum Andenken der Protektorin des Vereins, der Kaiserin Augusta, die öffentliche Gedächtnisrede hielt. Bei seinem Weggehen von Crefeld und Ausscheiden aus dem Vorstände des Vereins sandte ihm der Vorsitzende, Oberbürgermeister Dr. Hammerschmidt, ein überaus anerkennendes Schreiben über seine langjährige Wirksamkeit. a. Frankfurt a. M., 8. März. Im Zentralverein israelitischer Gemeindemitglieder hielt vor einigen Tagen Justizrat Dr. Hecht einen Vortrag über das Gemeinderegulativ. Er führte aus, daß dies im Jahre 1839 erlassene Statut der Form und dem Inhalt nach veraltet, in vielen Punkten auch gar nicht mehr ausführbar ist. In der Diskussion wurde darauf hingewiesen, daß das Statut dem Vorstand eine ganz ungerechtfertigte Uebermacht über den Ausschuß gebe. Auch wurde gerügt, daß nicht nur die Gemeindebehörden, im Gegensatz zu anderen Gemeinden, von ihren Beratungen die Oeffentlichkeit ausschließen, .sondern auch die Mitglieder der beiden Körperschaften zur Verschwiegenheit über die Beratungen und Beschlüsse verpflichtet werden; beides findet im Statut keine Begründung. Einstimmig wurde der Vereinsvorstand beauftragt, ein neues Gemeindestatut auszuarbeiten und die Schritte zu beraten, die notwendig sind, damit es in Wirksamkeit trete; der Vorstand soll daS Recht haben, zu diesen Arbeiten weitere Mitglieder zuznziehen. ' ' / Oesterreich-Ungarn. LH Wien, 13. März. Ein allgemeiner österreichischer Hochschultag hat jüngst den antisemitischen Studenten alldeutscher Richtung willkommene Veranlassung gegeben, ihren Judenhaß in den hochtrabensten Tiraden loszulassen. Angenommen wurde eine Resolution: „Juden dürfen nur im prozentuellen Verhältnis der jüdischen zu den arischen Staatsangehörigen zum Hochschulstudium zugelaffen werden." Wenn dieser Antrag auch im bürgerlichen Leben durchgeführt werden würde, so könnten unter den heutigen Verhältnissen die Juden am meisten zufrieden sein, denn heute werden sie nicht einnml prozentualiter zu allen Staatsämtern zugelassen. . Einer der wackeren Jünglinge hielt es sogar für das Wichtigste, daß „vor allssn Dingen an dem Standpunkte festgehalten werden müsse, daß der Jude nicht satisfaktionsfähig sei!" — Herr Landrabbiner Dr. Tänzer hat seinen Wohnsitz von Hohenems nach Meran verlegt, wo die jüdische Gemeinde in den letzten Jahren beträchtlich zugenommen hat. Von Ksh und ssrrn. — Der Privatdozent Dr. I. Jastrow, Stadtrat in Charlottenburg, ist zum außerordentlichen Professor für Verwaltungswissenschaften an der Berliner . Universität ernannt worden. Die neu errichtete Professur ist der einzige an den preußischen Universitäten bestehende Lehrstuhl für VerwaltungsWissenschaft. — Lehrer E. Eppstein-Berlin hat das Turnlehrerexamen am 27. v. M. in der hiesigen königlichen Turnlehrerbildungsanstalt bestanden. — Auf dem jüdischen Friedhof in Mosch in wurde in vergangener Nacht das Grab des Rentners Rosenberg geöffnet, der Leiche der Kopf abgeschnitten und geraubt. — In Myslowitz ist der erste Vorsteher der jüdischen Gemeinde Jacob Kuznitzky, in Zabrze das Vorstandsmitglied . Heinrich Pollack im 76. Lebensjahre gestorben. Derselbe war der Begründer der freiwilligen Feuerwehr und Mitglied des Kreistages. — In Hamburg ist am 7. d. M. kurz vor der Einführung in sein Amt als Stiftsrabbiner, Rabbiner Blumgrund aus Karlsruhe im 42. Lebensjahre gestorben. Als dessen Nachfolger in Karlsruhe ist Dr. Kramer vom Berliner Rabbinerseminar gewählt worden. — Dieser Tage beging in aller Stille der verdienstvolle frühere Direktor des Philantropins zu Frankfurt a. M., Dr. H. Baerwald, sein 50jähriges Doktorjubiläum. Die Berliner philosophische Fakultät erneuerte dem rühmlichst bekannten Pädagogen und Historiker das Doktordiplom. — Am 21. v. M. wurde Dr. Fuchs, Landesrabbiner des Großherzogtums Luxemburg, von dem Erbgroßherzogstatthalter von Luxemburg in längerer Audienz empfangen, in welcher sich der Fürst mit großem Interesse nach den dortigen Gemeindeverhältnissen erkundigte. — Baron Alphons v. Rothschild hat für die Angehörigen der belgischen Nordbahn 200 Ehestandsprämien zu je 500 Kronen gestiftet. — Im Alter von 85 Jahren ist der frühere Anwalt am Appellgericht zu Paris, Abraham See, ein Bruder des Generals See, seit 1872 Mitglied des französischen Zentralkonsistoriums, gestorben. — InKopenhagen wurde auf Veranlassung des Herrn Dr. E. Frankel eine Schule für Auswanderer errichtet, in der die fremden jüdischen Handwerker dänisch lesen und schreiben lernen. — In London ist Reuben David Sasson, der Sohn des „Rothschilds des Ostens" in Bombay, im 71. Lebensjahre gestorben. — Die Juden in Moskau hatten einen Freudentag, denn sie sollen endlich die Erlaubnis erhalten haben, in die seit 15 Jahren fertige Synagoge einzuziehen, die sie bisher nicht eröffnen durften.— Die taurische Landschaft (Semstwo) machte eine Vorstellung, den Juden das Recht zu verleihen, überall in der Krim wohnen zu dürfen. . Jedoch weigerte sich die Gubernialbehörde diese Vorstellung weiter- * zugeben, da dieselbe den Rahmen der Kompetenz der Semstwo über-