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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1905-03-17 · Heft 11 (17.3.1905) · p. Seite 127

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
69 (1905)
Issue
Heft 11 (17.3.1905)
Date
1905-03-17
Page
Seite 127 (sequence 7)
Language
German
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Rabbiner Dr. Bela Voj d a (Losoncz): Kaddisch und Vaterunser. Professor Dr. Eduard Mahler (Budapest): Biblische und babylonische Kulturelemente. Dr. Laz ar Grünhut (Jerusalem): Die jüdische Gemeinde zu Jerusalem und die jüdischen Kolonien in Palästina. Frau Els a Weiß (Kolozsväs): Jüdische Motive in Byrons Werken. Pros. Dr. Arnim Frisch (Budapest): Jüdische Glaubensprinzipien. Professor Dr. Be r nh ar d Hett c r (Budapest): Sagen und Legenden über wundersame Schläfer und verborgene Retter. Professor Dr. Ludwig Blau (Budapest): Der Jude bei den christlichen Sekten des XIX. Jahrhunderts. BürgerschullehrerBernhard Mandl (Budapest): Jüdische Siegel. Mit Illustrationen. Belletristische Arbeiten lieferten die Rabbiner Dr. M. K lein, Dr. A. Kiß, Dr. S. Händler, Dr C. Heves, Professor Dr. K. Sebesthen, Dr. I. Gabor, Dr. Alex Feleki, Lehrer Josef Nagy; ferner die Schriftsteller G. Bars an h, T. Deves, I. Patai, A. Tolnai, I. Balla und I. Fester.. Auch die Verwirklichung des 3. Punktes des § 2 der Statuten: an unseren Universitäten die Organisation von Vorlesungen über jüdische Wissenschaft zu fördern, wurde von der Gesellschaft schon angestrebt, bisher aber leider ohne Erfolg. Wie es scheint, gibt es bei uns noch immer solche einflußreiche Kreise, die den einstigen katholischen Charakter der Budapester Universität dadurch wahren zu müssen glauben, indem sie von ihr jede solche wissenschaftliche Luftströmung fern halten, welche von einer andern Konfession ausgeht. — Um so größeren Erfolg erreichte die Gesellschaft mit der Einführung von Vorlesungsabenden in dem herrlichen Prunksaale der Pester israelitischen Religionsgemeinde, die seit vier Jahren in den Wintermonaten, von anfangs November bis Ende Februar in. vierzehntägigen Intervallen abgehalten werden. In Hellen Hausen strömt jedesmal, ein intelligentes Damen- und Herrenpublikum zu den Vorlesungen und folgt mit ungeschwächter Spannung den Vorträgen. Unverkennbar ist der große Erfolg, den diese Vorlesungen auf die Zuhörer hinsichtlich der Verbreitung jüdischer Erkenntnis und der Erweckung des Interesses für jüdische Geschichte und Literatur ausüben. Die kluge Einteilung der Vortragsthemata sorgt in geschickter Weise dafür, daß das Interesse des Publikums während des ganzen Abends eben nicht erlahme. Man bestimmte gleich von vornherein, daß nach der ersten, sich nur aus eine halbe Stunde erstreckende wissenschaftlichen Abhandlung eine poetische und dann eine novellistische Piece zu folgen habe. Beredter als jede Panegyrik mögen auch jetzt Zahlen die verdienstliche Tätigkeit des Vereins aus diesem Gebiete loben.' Seit dem im Winter 1900 begonnenen Vorlesungs-Zyklus haben mehr als 50 Gelehrte, Poeten und Schriftsteller nahezu 80 Vorträge gehalten. Von nicht minderem, ja sogar von ungeahntem durchschlagendem Erfolg sind die von der Gesellschaft auch in den größeren Provinzstädten arrangierten Vorlesungen,, welche in der dortigen Bevölkerung jedesmal ereignisartiges Interesse erwecken und zu denen auch die Elite anderer Konfessionen zu erscheinen pflegt, Programmäßig finden alljährlich in den Monaten Februar und März nur drei Provinzvorlesungen statt. Die Folklore-Kommission scheint am wenigsten Wirkungsgebiet zu haben, wie auch begreiflich, da unsere jüdische Volkskunde eigentlich noch in den Rahmen der deutsch-jüdischen Folklore gehört. Was sich aber in unserem Lande dennoch „an mit ungarischem Charakter vermengten solkloristischen Material vorfindet, das wird in der von der Gesellschaft subventionierten Ungarisch - Jüdischen Revue übgedruckt und zur geeigneten Zeit in einem Sammelbande herausgegeben werden. So ist denn die Hoffnung, mit welcher vor zehn Jahren die Gründung der Gesellschaft begleitet wurde, glänzend in Erfüllung gegangen: sie hat sich als eine lebensfähige Schöpfung bewährt, welche an unserem religiösen Leben und unserer nationalen Kultur ersprießlich mitwirkt. Möge sich ihre segensreiche Tätigkeit und ihr Erfolg mehren aä multos anoos! Budapest. Hagri. tzermsnn Cahens „Lthik des reinen Willens." Von Dr. B. Kellermann. V. ie sehr auch die Religion sich bemüht, die Einheit der Menschen als die höchste sittliche Aufgabe zu betonen, so ermangelt sie dennoch der begrifflichen Mittel, diese Aufgabe zu begründen. Nicht der reine Wille, der reine Affekt bilden ihr die Voraussetzung, sondern der Affekt an sich in seiner -physiologischen, naturalistischen Grundlage. Die „Liebe" bildet die treibende Kraft der religiösen Ethik. Und die Liebe ist ein Affekt, ist der Affekt in seiner physischen Qualität. Die Begehrung kommt zu ihrem Recht. Und in der Begehrung beherrscht der Gegenstand den Affekt. Aber nicht der Gegenstand als Begriff, sondern als Ernpfindung, als abgeschlossenes begrenztes Element, als Einzelheit. Wie aber fott. die Einheit der Allheit zur Geltung gelangen, wo die Einzelheit den Affekt dirigiert? Und mögen noch so viele „Einzelheiten" sich einander in der Rolle des Beherrschet ablösen, sie können auch in ihrer Summierung, in ihrer Totalität die Allheitseinheit nicht ersetzen, so wenig eine endliche Größe eine unendliche ersetzen kann. Der Affekt, die Liebe — sie führen nur zur Vielheit, aber nicht zur Allheit. Und gibt es einen sprechenderen Beweis für die Richtigkeit dieser These als jenen Satz, in welchem die religiöse Ethik ihren reinsten Ausdruck gefunden: „Liebe Deinen Nächsten wie Dich selbst?" Was soll in dieser Forderung der Begriff der „Nähe", diese rein sinnliche naturalistische Bestimmung bedeuten? Soll damit etwa die „Ferne" ausgeschlossen sein? Und welchen Zweck sollen wir indem Superlativ „dem Nächsten" erkennen? Sollte damit etwa der Komparativ, der Positiv weniger in Frage kommen? Die Geschichte der Kultur belehrt uns instruktiv. Die Bluts- und Stammesverwandtschaft, und nicht in letzter Reihe die Glaubensgemeinschaft bilden das Nahe, das Nächste. Und aller Haß und Streit der Nationalitäten und Konfessionen. geht auf diese durch den Affekt begründete Nächstenliebe zurück. . Es liegt ja im Wesen des Affekts, daß er nur auf sinnliche Elemente, auf begrenzte Einheiten, aus Vielheiten sich erstreckt, sich von ihnen leiten läßt. Nur die Reinheit des Affekts, das Selbstbewußtsein vermag den Gegenstand durch die Handlung zu beherrschen,, zu idealisieren) indem sie seinen Absolutheitscharakter zur Relativität herabstimmt. Es ist deshalb schon sehr viel gewonnen, wenn wir den berühmten Satz nach dem

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