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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1905-03-17 · Heft 11 (17.3.1905) · p. Seite 126

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
69 (1905)
Issue
Heft 11 (17.3.1905)
Date
1905-03-17
Page
Seite 126 (sequence 6)
Language
German
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werden konnte, mag wohl darin seinen Grund haben, daß der gewaltige nationale Verschmelzungsprozeß, der /damals noch im besten Zuge war, das eigentliche Kontingent eines solchen Vereins noch zu sehr im Bannkreise der nationalen Amalgamierung festhielt. Man 'hielt, es noch für größere Pflicht, sich.'der ungarisch-nationalen Regeneration anzuschließen und jeder geistig produktive Jude fühlte lebhaft das Bedürfnis, nach vollen Kräften zur Renaissance seines Vaterlandes beizutragen. ' Z ' Erst im Jahre 1893 als diese in der Geschichte des Judentums wohl beispiellos dastehende rasche Metamorphose schon weit vorgeschritten war und der ungarische Reichstag sich anschickte, die Rezeption der jüdischen Religion zum Gesetze zu erheben, erging von den Begründern des Vereins ein schwungvoller Aufruf zur Konstituierung desselben, die endlich am 14. Februar 1894, nachdem die unterbreiteten Statuten von der Regierung rasch sanktioniert wurden, unter dem Titel : „Israelitisch-ungarische L i t er atu r g es e lls ch aft" erfolgte. Der Zweck der Gesellschaft wird in folgenden Punkten des 8 2 präzisiert: a) Veranstaltung, Herausgabe und Verbreitung einer ungarischen Bibelübersetzung. b) Ausgabe und Verbreitung solcher Werke, welche die Kenntnis und Beleuchtung der heiligen Schrift und der späteren Religionsliteratur, sowie überhauptder israelitischen Religion und Moral sördern. e) Förderung der Organisation von Vorlesungen über die heilige Schrift und die Geschichte der Juden an der philosophischen Fakultät unserer vaterländischen Universitäten nach dem Muster ausländischer Universitäten. 6) Veranstaltung von öffentlichen Vorträgen — sowohl in der Hauptstadt, als in der Provinz —, welche sich auf die jüdische Wissenschaft und überhaupt auf das jüdische Gemeindeleben beziehen. e) Ausgabe und Verbreitung populärer, auf die Kenntnis und Veredlung des konfessionellen Lebens abzielender Werke, sowie solcher vorzüglichen Arbeiten, welche mit dem Berufe der Religionsgemeinden und dem durch dieselben zu bietenden Religionsunterrichte im Zusammenhänge stehen. f) Ausschreibung und Prämiierung von Preisfragen, welche sich auf die bezeichnete wissenschaftliche und gemeinnützige Literatur beziehen. Die Gesellschaft besteht aus gründenden, protegierenden, unterstützenden und ordentlichen Mitgliedern; letztere sind verpflichtet, einen jährlichen Beitrag von mindest 8 Kronen zu leisten. Die Gesamtzahl der Mitglieder beträgt derzeit 910. An der Spitze der Gesellschaft steht eine zwölfgliedrige Direktion, ein 80 gliedriger Ausschuß, der zur Hälfte aus hauptstädtischen, zur anderen Hälfte aus Provinzmitgliedern zusammengesetzt ist und 5 Revisoren. Vier ständige Kommissionen teilen sich in der Aufgabe, die Bestimmung der Gesellschaft zu erfüllen, und zwar eine historische, eine Folklore-, eine Vorlesungs- und eine Propaganda-Kommission. Alle nehmen redlichen Anteil an der wahrhaft ersprießlichen Tätigkeit der Gesellschaft, die eine der größten Schöpfungen, eine segensreiche Errungenschaft und ein bildender Faktor des ungarischen Judentums geworden, und schon seit Jahren unter dem Doppelpräsidium des königlichen Rates und öffentlichen Notars Dr. Philipp Weinmann und des Rabbinerseminar-Professors Dw Wilhelm -Bacher steht. Sekretär und Seele der Gesellschaft Dr. Dr. Joses Bän 6 czi, Direktor des israelitischen Landes-Lehrerseminars. Ueberblickt man die stattliche Reihe der von unserer Literaturgesellschast bereits - heraüsgegebenen Werke, so hat man - schon eine kleine ansehnliche Bibliothek vor Augen. Don der in erster Reihe angestrebten ungarischen Bibelübersetzung, um, deren Zustandekommen sich schon vor 50 Jahren einige ungarische Rabbiner vergeblich bemühten, liegen nun die Thora, die früheren und späteren Propheten in drei vorzüglich ausgestatteten Bänden vor. Die endliche Fertigstellung des Werkes ist vornehmlich dem unermüdlichen Eifer und dem hervorragenden Wissen des Professors Wilhelm Bacher zu verdanken. Im nächsten Jahre erscheinen dann als letzter Band auch noch die Hagiographen; und das von der ungarischen Judenschaft Jahrzehnte hindurch gehegte piam desiderimn: eine von Juden mit jüdischer Gelehrsamkeit übersetzte und von jüdischem Geiste durchwehte ungarische Bibel besitzen zu können, wird in Erfüllung gegangen sein. Die übrigen bisherigen Ausgaben der Gesellschaft bestehen aus folgenden wissenschaftlichen Werken: 1. Talmudische Lebensregeln und Morallehren. Aus dem Hebräischen übersetzt, mit einer Einleitung und Anmerkungen versehen .von Dr. Samuel Krauß. Budapest 1896. 2. Philos Bericht über die Gesandtschaft bei Cajus Caligula, aus dem Griechischen übersetzt von Professor Salomon Schill. Budapest 1896. 3. Geschichte der Juden in Oesterreich von den ältesten Zeiten Zeiten bis auf die Gegenwart. Von der israelitisch-ungarischen Literaturgesellschaft preisgekröntes Werk. Verfaßt von Dr. Max Pollak, Rabbiner - zu Oldenburg. Mit 25 Beilagen unedierter Dokumente. Budapest 1897.. 4. Der ungarische Freiheitskampf 1848/49 und 'die Juden von Dr. Bela Bernstein, Rabbiner zu Steinamanger. Budapest 1897. 5. Geschichte der Juden in Budapest von den ältesten Zeiten bis zum Jahre 1867. Von der israelitisch-ungarischen Literaturgesellschast mit dem Tencer-Preis gekröntes Werk. Von Dr. Alexander Büchler, Rabbiner zu Keßkely. Budapest 1901. - 6. Die Organisation des Judentums in den europäischen Staaten. Von der israelitisch-ungarischen Literaturgesellschast preisgekröntes Werk. Von Dr. Ludwig Venetianer, Rabbiner zu Neupest. Budapest 1902. 7. Nonumenta Hungariae Judaica, Ungarisch-jüdische Dokumenten - Sammlung I. Teil 1092-1539. Unter Mitwirkung des Dr. Moriz Weiß redigiert von Dr. Armin Friß. Budapest 1903. Außer diesen durchwegs gediegenen Originalarbeiten gab die Gesellschaft alljährlich ein stattliches Jahrbuch heraus, das eine Fülle interessanter wissenschaftlicher und - belletristischer Arbeiten enthält. Es befinden sich in den zehn Bänden der Jahrbücher 166 wissenschaftliche Abhandlungen, 110 Novellen, Skizzen und Dichtungen von 132 Schriftstellern, darunter 28 gewesene Schüler und 5 Professoren des Landes-Rabbinerseminars. Um den Lesern von dem Inhalt und den Mitarbeitern eines solchen Jahrbuches ein klares Bild zu bieten, folgt hier die Inhaltsangabe des vorjährigen Bandes. - Wissenschaftliche Arbeiten schrieben darin: , Rabbiner Dr. Ludwig Kees kemeti (Nagh-Varad): Die erste Gemeinde der prophetischen Moral-Religion. Professor Dr. Samuel Krauß (Budapest): Ueber den aus dem Altertums stammenden jüdischen Grabstein zu Alberti Jrsa. - Professor Dr. Heinrich Bloch (Budapest): Die Sage vom ewigen Juden. iiäii *- „ft - ■»

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