Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1905-03-10 · Heft 10 (10.3.1905) · p. Seite 2

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
69 (1905)
Issue
Heft 10 (10.3.1905)
Date
1905-03-10
Page
Seite 2 (sequence 14)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/3224737-3228636-3228647--61546-3275372
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

3 entity mentions

. Gl.—Bch'. Bre-latt, .6. März. Am 26.' v. M. gierte -hier' .'die Eintracht das Jubiläum ihres 50 jährigen Bestehens. Nach /Einleitung durch eine Glucksche /Hymne brachte Frau Thekla Eisner- Ä Barber den von Carl Biberfeld verfaßten Prolog in ^bekannter/. . Meisterschaft.-zu Gehör. Alsdann hielt der Direktor des Vereins .-.Herr Max Guttmann die Festrede, woran sich das Engelterzett aus . „Elias" von Mendelssohn schloß. — Im Namen des vor drei Jahren Maus Leben getretenen Schwesternbundes überreichte Frau Eisner den G Brüdern zwei kostbare silberne Leuchter, zum Dank für die liebens- . /'^würdige -Förderung, welche die Interessen des Schwesternbundesdurch Ä/-'die Brüder erfahren. Ganz besonders lassen sie der alljährlich von / den Schwestern arrangierten Chanuka-Einbescherung ihre tatfreudige' /^Unterstützung angedeihen_Auf der Bühne fanden inzwischen drei : große Bilder Aufstellung: der jetzige, aus elf/Mitgliedern bestehende Vorstand, die sechs dem- Schwesternbund vorstehenden Damen mit : ihrem Beirat Herrn Heinrich' Barber und das, gelegentlich, des // / 25 jährigen Bestehens des Vereins angefertigte Bild, den damaligen Borstand darstellend. Von letzterem gehören die Herren Emil Sachs .und Malzdorf noch heute der - Eintracht als wertgeschätzte Mitglieder /an. Die Herren Rabbiner Dr. Guttmann, Rosenthal, Direktor Max . Guttmann und Heinr. Barber, welch letzterer seit 34 Jahren der Eintracht angehört, wurden hierauf zu Ehrenmitgliedern ernannt. — / Mach Beendigung des offiziellen Teiles entfaltete sich bei dem nunmehr folgenden Souper eine zwanglos, fröhliche Festesstimmüng. .Nach der Tafel gelangte das ebenfalls aus der Feder von Carl -Biberfeld hervorgegangene Festspiel „Hoher Besuch" zur Darstellung . und fand, gleich den von Herrn Bernhard Baer arrangierten Tanzeinlagen lebhaften Beifall. — Bevor die Jugend iü der Huldigung Terpsichorens begann, gefiel noch besonders gut ein „Krinolinentanz aus dem Jahre 1855", der in Erinnerung an die Vereinsbegründer vorgeführt wurde. Er zauberte dem Geiste jene längstentschwundenen - Zeiten zurück, in denen unsre Vorfahren die ersten Bausteine. zur / Eintracht legten, welche sie damals mit nur zwanzig Mitgliedern . begründeten. Nun ist. sie voll erblüht und das reiche Wohltun des - Vereins trägt schönste Früchte. Um jedoch die Freude am Geben niemals erlahmen zu lassen, wird die Geselligkeit stets aufs beste gepflegt: reinste Harmonie und echte Verbrüderung einen die Mitglieder und mit vollster Berechtigung trägt die Eintracht ihren Namen! . a Stadtlengsfeld (Sachs.-Weimar). Zwei würdige Frauengräber haben auf dem hiesigen altehrwürdigen Friedhofe sich aufgetan; am . .10. v. Mts. wurde-Frau Sara Huhn, die Gattin des Kultusvorstehers Jakob Huhn, in ihrem 68. Lebensjahre unter zahlreicher Beteiligung seitens der Behörden und der gesamten Bevölkerung zur letzten Ruhe bestattet. Sie war eine edle, durch Wohltätigkeit und seltene Gastfreundschaft bekannte und allgemein beliebte Frau. Der Landrabbiner - Dr. Wiesen, würdigte das Wirken der Verewigten in tiefbewegten Worten. — Und schon am folgenden Tage.folgte ihr in noch jungen 'Jahren die beste Freundin in den Tod, die Frau Landrabbiner Dr. Wiesen. Das Leichenbegängnis legte Zeugnis ab von der Liebe und Verehrung welche die junge Frau in allen Kreisen genossen. - Vertreter aus allen Gemeinden des Großherzogtums, die jüdische Lehrerschaft desselben, die Behörden und Bürger der Stadt hatten - sich ein,gesunden. Landrabbiner Fränkel aus Meiningen entwarf in treffender Weise das ergreifende Lebensbild der Verstorbenen und .schilderte die hervorragenden Eigenschaften ihres Geistes und Herzens.: Hamburg, 6. März. Karl Pander, der einst hoch geschätzte' Schauspieler, ist gestern morgen hier nach langem Leiden gestorben. ' Er ist von dem Leiden, das ihn in den letzten Jahren seinem geliebten Beruf entzogen und auf ein Krankenbett voll bitterer Dürftigkeit geworfen hatte, erlöst worden. Pander verdankt seinen ganzen Ruhm fast ' lediglich einer einzigen Rolle, der Gestalt des Hühneraugenosterateurs Hirsch in dem Melsschen Lustspiel: „Heines junge Leiden". Diese Rolle, die seine Fähigkeit der humoristischen Charakteristik im hellsten Lichte zeigte,- hat Pander Jahrzehnte lang in Deutschland gespielt, und was / er darin leistete kennzeichnet der. Ausspruch Berthold Auerbachs, daß - Pander als Hirsch in Maske, Bewegung, Ton, Haltung eine ganze jüdische Dorfgemeinde repräsentiere, daß er mit dieser Rolle einen klassischen Typus geschaffen habe, Auch in anderen Charakterrollen humoristischer Färbung bewährte, Pander sein Talent; aber hinter seinem Hirsch standen sie alle zurück. Er war vielleicht der' beste Darsteller eines Juden auf der deutschen Bühne. Panders künstlerische Tätigkeit hat sich hauptsächlich in Berlin und Hamburg abgespielt. In Berlin war er in den siebziger "Jahren Mitglied des Residenz- Theaters, hier von 1883 bis 1897 Schauspieler und Regisseur-am Thalia-Theater. Seit 1897 hat Pander nur noch gastiert, meist, als Hirsch;: bis' er/- in den ' letzten Jahren vom schwerem Leidenrergriffen. wurde, das den Sechzigjährigen nun dahingerafft hat. M. Hamburg, 5. März. Herr Ferdinand Iakobson, Seniorchef des , bekannten gleichnamigen Bankhauses ' ist ini 84. Lebensjahre verstorben. Der Dahingeschiedene, ein Sohn des Begründers der Jakobsonschule in Seesen, kam in jungen Jahren nach Hamburg; begründete hier ein Bankhaus, das sich im Laufe der Jahre zu einem , der bedeutendsten unserer Vaterstadt entwickelte. Für die gemeinnützigen und Wöhltätigkeitsinstitutionen ' weit über unsere Gemeinde hinaus bezeugte der Verblichene' das lebhafteste Interesse, fast 24 Jahre gehörte er der Hamburger Bürgerschaft an und bekleidete zugleich auch das Ehrenamt eines Finanzdeputierten, bis zu seinem Tode war er auch Mitglied des Kuratoriums der Jakobsonschule. In der Finanzwelt genoß er hohe Achtung und Wertschätzung, unter anderem gehörte er viele Jahre dem Aufsichtsrat der Norddeutschen Bank an. Die gestern morgen stattgefundene Beerdigung gestaltete sich zu'einer bedeutsamen Trauerkundgebung. Im Sterbehause in der Hansastraße, hatte sich eine zahlreiche Trauergemeinde eingefunden. Das Kuratorium der Jakobsonschule hatte eine Deputation aus Seesen nach hier gesandt. Die Trauerrede hielt der Direktor der Jakobson-Schule Prof. Dr. E. Philippson, der in ergreifender Weise den Lebens gang des Dahingeschiedenen : schilderte, der bis zu seinem Tode für alle gemeinnützigen Bestrebungen weit über seine Vaterstadt hinaus das regste Interesse bezeugte. Ganz im Sinne seines Vaters Israel Jakobson, der sich durch die Begründung der Jakobson-Schule ein unvergängliches Denkmal gesetzt hat, hat er aus seinen reichen Mitteln diese Anstalt gefördert und weiter ausgebaut. Auf dem. israelitischen Friedhof in.Ohlsdorf fand nach einer Trauerfeier die Beisetzung statt. -- Altrich, 6. März. In dem nahegelegenen Blumenthal besieht eine jüdische. Religionsschule, deren Eigenschaft als öffentliche oder private verschieden beurteilt wird. Der Landesrabbiner vertrat die.erste, der Kreisschulinspektor die zweite Ansicht. Nach § 125 des noch in Geltung befindlichen Polizeistrafgesetzbuches werden Eltern, die ihre Kinder nicht zum regelmäßigen Schulbesuch anhalten, mit Strafe bedroht. In eine solche wurde Kaufmann Meyer in Blumenthal genommen, weil er seine Tochter nicht zum Unterricht in der jüdischen Religionsschule teilnehmen ließ. Die von dem Betroffenen angerufenen Gerichte, Schöffengericht und Strafkammer des Landgerichts, gelangten zur Verurteilung des Vaters unter der Feststellung, daß seine Tochter die Religionsschule nicht besucht habe, obgleich sie nach den bestehenden Gesetzen hierzu verpflichtet war. Nach dem Schulgesetz vom 9. Januar 1842 sind die jüdischen Volksschulen den christlichen gleichgestellt, und der Unterricht in der Religion gehört zu den obligatorischen Lehrgegenständen. Der Angeklagte focht das Berufungsurteil mittels der Revision an und machte geltend, daß die gesetzlichen Vorschriften nur für öffentliche Schulen bestimmt sind, während die Vlumenthaler jüdische Religionsschule rein privater Natur ist. Der Oberstaatsanwalt verwies auf die Hannoversche Schulordnung vom 5. Februar 1854, welche die Teilnahme jüdischer Schüler an dem jüdischen Religionsunterricht zur Pflicht macht, und hob hervor, daß die jüdische Religionsschule in Blumenthal als Ersatz für die allgemeine Volksschule angesehen werden müsse. Er beantragte daher Zurückweisung der Revision. Der erste Strafsenat des Kammergerichts hob zwar das Urteil auf und wies die Sache in die zweite Instanz zurück, aber nur, weil die Feststellung nur das Ausbleiben der Tochter des Angeklagten vom Unterricht betreffe, nicht aber darauf gerichtet sei, daß sie der Vater zum Besuch desselben nicht angehalten habe. Im übrigen wurde angenommen, daß auch ein Zwang zum Besuch des jüdischen Religionsunterrichts bestehe, und daß da, wd-/jüdische Volksschulen fehlen, die Religionsschulen einen Ersatz dafür darstellen. — München, 8. März. Der Nestor der bayerischen Advokaten, Justizrat Dr. Jakob Gotthelf in München,'vollendete heute sein

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.