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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1905-03-10 · Heft 10 (10.3.1905) · p. Seite 3

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
69 (1905)
Issue
Heft 10 (10.3.1905)
Date
1905-03-10
Page
Seite 3 (sequence 15)
Language
German
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3 80. Levensjahr. - Der Jubilar, der -zurzeit in' Meran weilt, .ist in einem.kleinen .Dorfe im Ries am 3^ März 1825 geboren. - Er sollte ursprünglich Lehrer und - Kantor werden, doch gab er diesen Plan vor. Eintritt rn das Seminar auf und es - gelangihm nach kurzem Privat- .studium,^ Aufnahme im königlichen. Wilhelmsgymnasium in München zu,- findenG Schon als Student löste er die von der juristischen Fakultät gestellte Preisaufgabe: ^Historisch-dogmatische Darstellung der- Rechtsverhältnisse der. Juden in Bayern" (1650)- . 1866 wurde er. zum königlichen Advokaten.in Aschaffenburg ernannt, '1869 aber nach München versetzt, das nun.fein ständiger Aufenthalt .blieb, und wo er. eine erstklassige Anwaltskanzlei großen Stils schuf. Mitbegründer . der. juristischen Gesellschaft. In München, hat Gotthelf eine Reihe schwieriger Rechtsmaterien in verschiedenen Zeitschriften geistvoll behandelt. — Die Verwaltung der hiesigen israelitischen Kultusgemeinde macht.bekannt: Bewerbungen und Spenden für das Jahr 1905 aus der Hermann und Jettchen Müllerschen Allgemeinen Wohltätigkeitsstiftung sind bis.spätestens Montag, den 27. März d. I., bei der unterfertigten Kultusverwaltung rinzureichen. Zweck der Stiftung ist: a) Die Förderung und Unterstützung von Einrichtungen und Veranstaltungen für Erziehungs-, Unterrichts- und Wohltätigkeitszwecke, sowie smistiger gemeinnütziger Zwecke innerhalb des Judentums; b) Die Unterstützung hilfsbedürftiger israelitischer Glaubensgenossen - jedoch nur, sofern die Gewährung im mittelbaren oder unmittelbaren Interesse des gesamten Judentums ist. Andere. Unterstützungsgesuche können nach dem Stiftungsstatut keine Berücksichtigung finden; e) Die Verbesserung der bürgerlichen Stellung 'der/ Juden. München, 1. März. ' Die Angriffe auf -die' jüdische Soldaten ehre, die am 7. März v. I. .bekanntlich im Reichstage von den Abgeordneten Liebermanu v. Sonnenberg und/.Böckel fielen, veranlaßten den ehemaligen Stabsarzt Dr..Sigmunb Fachmann in Berlin, an sein Bezirkskommando ein Schreiben, zu.richten, in dem er,: sein Bedauern aussprach, daß der preußische-. Kriegsminister v. Einem hierzu geschwiegen hat. Er fühle sich als Stabsarzt der Reserve , und der mosaischen Religion angehörend durch dieses Schweigen gekränkt und erhebe Beschwerde' darüber. Das Verhalten des Ministers gebe ihm Anlaß, jetzt seinen Abschied §U, erbitten. Erbitte gehorsamst, diese Beschwerde höheren Orts zu Unterbreiten und zu unterstützen. — Dieses Schreiben wurde in zahlreichen Blättern abgedruckt und knüpfte ein in München erscheinendes antisemitisches Wochenblättchen beleidigende und gehässige Bemerkungen daran. Diese Angriffe gaben Dr. Lachmann Anlaß, . gegen den Herausgeber des Blattes, Joseph Anton Leib, Beleidigungsklage zu stellen, die nunmehr vor dem hiesigen Schöffengerichte, zum Austrag kani. Das Gericht erkannte .auf eine Geldstrafe von 50 Mark eventuell zehn Tage Gefängnis, Kostentragung und Urteilspublikation in den „M. N. N." und in dem vom Beklagten herausgegebenen Organ. Die'Urteilsgründe sprechen dem Angeklagten jedes Recht ab, in dieser schroffen Form vorzugehen. . - r. Aus dem Elsaß, 1. März. In Schirrhofen starb' am 27. FebrUar in seinem 81. Lebensjahre der Bürgermeister Simon HeymaUn. Er hatte dieses Ehrenamt seit.1881 ununterbrocheninne. Auch war er lange Jahre Präsident der israelitischen Gemeinde, aus deren Vorstand er vor kurzem ausschied, um sich ganz den Bürgerin eistereigesch ästen widmen zu können. Die Regierung verliert in ihm einen gewissenhaften, fleißigen Beamten, die. Gemeinde einen jederzeit hilfsbereiten und zuvorkommenden Vorsteher. Gesterreich-Nngarn. □ Wien, 5. März. Für die hiesigen Christlich-Sozialen beginnt die stille, die führerlose Zeit: Dr. Lueger hat einen vierwöchentlichen Urlaub angetreten, und allein — ohne ihn — heißen sie: wirklich nichts, und zählen'auch nichts. — Hier ist am 22. v. M. der kaiserliche Rat Friedrich Seligmann , Inspektor der österreichischen Staats-' bahnen i. R. gestorben. — In Pra g ist am '28. v. M. der bekannte Großindustrielle Seligmann Ellbogen im Alter von 78 Jahren gestorben. — Der israelitische Religionslehrer am Staatsgymnasium mit deutscher Unterrichtssprache in Prag-Altstadt Dr. Nathan Grün hat den Titel „Professor" erhalten. — In. Lemberg ist.der Advokat Dr. Heinrich Gottlieb, Mitglied des Kttltusvorstandes, gewesener Diz'epräsident der Lemberger Advokatenkammer, -gestorben; einer der besten, und edelsten-Männer, ein treuer Jude, ein begabter Dichter. Ehre feinem Andenken! Budapest, 23. Februar. In der hiesigen Landes- R ab bin er schule fand heute die feierliche Promotion dreier ihrer. Zöglinge, nämlich des Dr. M. Katz,. Dr. L. Kohn und Dr. H. Urbachstatt. — Den -Brüdern -Heinrich und Gottlieb Frankel, Max und Sigmund Gomperz, Rudolf und Bela Straßer und dem Architetekten - Heinri ch Fellner wurde der ungarische Adel. verliehen. Die hiesige jüdische Gemeinde hat weit über hundertadlige Mitglieder. Der Großgrund- und Bergwerkbesitzer Samuel Meisels wurde zum Hofrat ernannt. Der zum Baron erhobene Philipp Orosdy und der zum Magnatenhaus-Mitglied ernannte Leo. v. Lanczy sind getaufte' Juden. Trotzdem wird ihr, Name von jüdischen Blättern in Deutschland gefeiert. — Die von der orthodoxen - Durchführungs-Kommission einberufene Landesversammlung tagte in der vorigen Woche hier. Anwesend waren aus allen Teilen des Landes mehr als 400 Delegierte. Jede Gemeinde, ob groß oder klein, sandte einen Laien und einen.Rabbiner- Das Resultat der Beratungen, die oft sehr stürmisch waren, teile ich Ihnen noch mit. : <• Von Msh und ssern. ----- Sanitätsrat Dr. Stern wurde zum Bürgerdeputierten für die Armendirektion gewählt. — Der Stadtverordnetenvorsteher Justizrat . Rofenberg in Charlottenburg wurde zum Provinziallandtagsabgeordneten für Stadtkreis' CharlottenbUrg gewählt. — Der Titel Professor wurde verliehen ' dem Oberlehrer am Dorotheenstädtischen Realgymnasium' Dr. Moritz Schäfer, hier, ferner Dr. Julius Schwarz, Oberlehrer am Philanthropin in Frankfurt a. M., Dr. Albert Pick, Oberlehrer am Gymnasium Gnesen und Dr. Rob. Philippson, Oberlehrer am König Wilhelms-Gymnasium in Magdeburg. — In Breslau ist am 26. v. M. der Oberstabsarzt a. D. Dr. Hermann Ruegner im' 70. Lebensjahre gestorben. Er besaß das Eiserne Kreuz II. Klasse, den Roten Adlerorden IV. Klasse mit Schwertern und das Ritterkreuz des bayerischen Verdienstordens' sowie den Titel als Geheimer Sanitätsrat. — Dem Prediger Brock ln Schweidnitz ist es gelungen, beim Garnisonkommando, General von Rooen, zu erreichen, daß die jüdischen Soldaten dortiger Garnison alle vier Wochen in die Synagoge kommandiert werden. — Der verstorbene'Konsul Simon in Hannover hat etwa drei Millionen Mark für wohltätige und gemeinnützige Zwecke gestiftet. Insbesondere wird eine Stiftung errichtet mit der Bestimmung/Hand- und Fabrikarbeit, Handwerk und Landwirtschaft, "Garten- und Obstbau unter den Israeliten in größerem Umfange zu verbreiten. Die von dem Verstorbenen vor 12 Jahren gestiftete israelitische Erziehungsanstalt Ahlem und der Hilfsfonds für ehemalige Lehrlinge dieser Anstalt erhielten je 100 000 Mark. Diese letztere Mitteilung der Tagesblätter bedarf erst noch.der Berichtigung. — Der Allgemeine Turnverein in Köln wählte einstimmig Herrn Simon Bendix zu seinem' ersten Vorsitzenden. — Auf dem jüdischen Friedhof des Saardorfes Könen demolierten ruchlose Hände den größten Teil der Grabdenkmäler. — Am 1. April d. I. wird das Horovitzffche Lehrerseminar, über dessen Gründung wir seinerzeit berichteten, mit zehn russischen Zöglingen in Frankfurt a. M. eröffnet. — Anläßlich des Geburtstages des Königs von Württemberg erhielt der theologische Referent der königlichen Israelitischen Oberkirchenbehörde, Kirchenrat Dr. Kroner in Stuttgart, das Ritterkreuz I. Klasse des Friedrichsordens; Schullehrer Straßburger in Buchau, der Senior der. aktiven Lehrerschaft Württembergs, die Verdienstmedaille des. Kronenordens, sowie der Kommerzienrat B e r n hei mer in M ü n ch e n (geborener Württemberger) das Ritterkreuz I. Klasse des Friedrichsordens. — Der siebente Zionistenkongreß ist jetzt nach langem Schwanken endgültig auf den 27. Juli, dem Todestag- Th. Herzls in Basel angesetzt. Hauptgegenstände der Verhandlungen werden sein: Teilreform des bestehenden Organisationsstatüts und Diskussion über den bis zum Kongreß vorliegenden-Bericht der nach Ostafrika entsandten Kommission, welche gegenwärtig das eventuell zu besiedelnde-Gebiet und seine Tauglichkeit zur Kolonisation untersucht. — In Brüssel ist am 23. v. M. der frühere Großrabbiner von Belgien Elie Astruc

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