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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1905-03-10 · Heft 10 (10.3.1905) · p. Seite 120

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
69 (1905)
Issue
Heft 10 (10.3.1905)
Date
1905-03-10
Page
Seite 120 (sequence 12)
Language
German
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seinem langen schwarzen Atlasrock machte - auf mich einen sehr - W"- angenehmen Eindruck. : Er > hatte aber auch < ein - so hübschest Gesicht und so wunderschön gepflegte schmale Hände/von denen ' My ich zunächst allerdings nur die rechte sah,, mit der'er sich nach - Ky alter frommer Sitte beim „Schema-Gebet" über die- Augen W:'.yfuhr, daß ich mit Ungeduld das Ende der Andacht herbeisehute, Miilm die Bekanntschaft dieses Mannes zu machen. Es dauerte auch gar nicht rnehr lange,, da befand ich mich schon an seiner Z7 Seite, .rief ihm einen „gut Schäbbes" zu, und nachdem ich j|; mich ihm vorgestellt hatte, bat ich.ihn,- ohne weitere Umschweife,:~- mir ehva$ aus seiner Heimat und aus seinem Leben zu, £ erzählen. |r „Wus soll ich Eich erzehlen?" — sprach er in unverfyfälschtem südrussischen Jargon — „es is nit du aßach. (viel) K'' zu erzehlen. Ich bin, nit für Eich gedacht, a unglücklicher Mensch, dus is meine ganze Historie. Mein Sode war a Row, mein h Tatte war a Row und ich bin auch a Row. Aber wus ist §l jetzt a Row in Rußland? Poschet (einsach) - gur uischt. Der Jowon (die russische Regierung) kennt jetzt, kein Chilek (Unter- - A . schied) zwischen a proßten Juden und a Row. Wie' jeder | proßter Jüd, muß jetzt auch a Row als Soldat dienen. Ich d' hob schon vor zehn Johr a Por Johr gedient, aber der Polkowoi-Doktor (Regimentsarzt) Hot aus mir Rachmoneß gehat Z-' und Hot dem Minister Wojeni (Kriegsminister) gebeten, daß man soll mir a heim schicken, bis a Milchome sein wird: Es- «E hot taffe etliche huntert Kerblech (Rubel) gekostet, aber ich bin a Heim gekimmen, hob Chafsene gehat mit a frimme (fromme) schöne Mädel und a Städtel gefunden, awu (wo) ich bis jetzt *V a Row war. Plinzling '(plötzlich) is, wus Ihr doch awadde ff in die Gazeten gelesen, a groiße Milchome zwischen unser ff- Kaiser und den Kaiser von Japan oißgebrochen, und weil ich Sy hob Moire, (befürchte) ich werde bißtomv (wahrscheinlich)'in; %■ die Milchome aweggehen müssen, bin ich poschet antloffen (ausgerückt). Das Herz klemmt mir nur, wenn ich an mein Weib : £ und meine vier Kinderlech tracht, aber Haschem jißborach wird.: y - sie nit verlaßen. Ich fuhr jetzt nach London, will dort a andrer! Mensch werden, und später wird auch meine Familie ahin- : s. kimmen." Und wo wohnen Sie!hier, fragte, ich ihn? ,,,'Ot do" i ff (hier) antwortete er mir, indem er an einem stattlichen Gebäude, an. das wir inzwischen gelangt waren, stehen blieb. Ist das : y ein. Hotel? forschte ich weiter. „Nein," sagte er, „a Hotel ns f es nitaber es is besser als a Hotel: Es is a Haus von Morsche Montesiore, er soll in Gan Eden ruhen, und nun gut : Schäbbes, es is Zeit Kiddesch zu machen.? 'iy „Gut Schäbbes" erwiderte ich ihm und blieb, als der i Fremde bereits in^s Innere des Hauses verschwunden war,. ff noch eine Weile vor demselben stehen, um mir dessen Umfang e °y und wenigstens die äußere Beschaffenheit genau anzusehem Dann l ging ich mit meinem Gedanken beschäftigt die Boompjes entlang y zurück und suchte das einzige in Rotterdam existierende koschere Restaurant aus, in der Hoffnung, dort, etwas näheres über y das Haus von Moses Montesiore, wie der südrussische Rabbiner y es bezeichnete, zu erfahren. Ich bestellte beim Kellner ein. y Diner und bat inzwischen der: Wirt, der mich beim Eintritt. i\ allerdings ein wenig kriecherisch, aber äußerst liebenswürdig £ begrüßte, mir über das Montefiore-Haus Aufschluß zu geben. Allein kaum war dieses Wort meinen Lippen entfahren, als U der Wirt wie umgewandelt erschien: seine geheuchelte Liebens- §? Würdigkeit war plötzlich dahin und, nachdem er mich eine Weile sprachlos und ganz verdächtig ansah, rief er mit lauter . y Stimme deimin einem Nebenraum hantierenden Kellner nach: „Aron, Aron, tragen Sie nicht das Essen aus, der Herr will ff ja ins Montesiore Huis". Erst als ich ihn versicherte, daß er!; sich in einem Jrrtnm befinde, beruhigte er sich und nahm ' wieder.sein' liebenswürdiges' Gesicht von vorher - any „Sie müssen wissen", führte'er als' Entschuldigung seines wunderlichen *- Benehmens - an, „daß - >ich/--->.seitdem'-'die^ --Gemeinde-!--Hie Beköstigüng der Auswanderer in eigene Regie genommen und - für: .ihre Beherbergung das Montesiore Huis' errichtet hat, dem Ruin meines Geschäftes - entgegensehe. Ich - bin nur noch auf feine Gäste angewiesen/aber diese Pellen-große Ansprüche--und : sagen, daß zwei Gulden für ein Diner ein viel zu hoher Preis sei. An den Pollacken, sage ich Ihnen, habe ich wenigstens was .verdient; sie waren in ihren Ansprüchen bescheiden -und' __mit meinen Preisen stets zufrieden". Run begriff ich. das sonderbare Benehmen des Mannes,, auch seinen zarten Winkdaß ein Diner bei ihnr zwei-Gulden-- kostet, und war --sonnt über alles Wissenswerte, auch, über die: Tendenz des Montefiore-Hauses reichlich informiert.r. Als ich einige Tage. - daraus diesem- Haus einen . Besuch äbstattete, dessen innere Einrichtung als mustergültig bezeichnet - zu werden verdient, war der südrussische Rabbiner bereits abgereist; aber ich fand dort viele andere Unglückliche verschiedenen Berufes, Alters, und Geschlechtes vor, die mir alle, : als ich sie über die ihnen:in diesem Hausezuteil, werdende Behandlung und Verpflegung befragte, nur die eine Antwort gaben: „Gebenscht sollen die Rotterdamer Juden sein". Und diesem von dankbaren Herzen ausgesprochenen Segens- - Wunsch schließe ich mich gern an. Eine talmndische Sage lautet:' ' Wenn Israel leidet, und es trennt sich einer von-ihmy nur an sich selbst denkend, so steigen zwei-Engel vom Himmel herab, .legen ihm die Hände ausis Haupt und sprechen : Dieser,derdie Seinigen verlaffen hat, wird niemehr die'öffentlichen Freuden genießen. Wenn die Gesellschaft leidet, wehe dem der da sagt: : Ich bleibe ruhig in meinem Hanse--lasse mir^s'wohl sein- undich werde Frieden haben.- Ein solcher Verräter ' möge: nicht denken,.daß niemand ihn vor Gericht fordern und gegen ihn: : Zeugnis ablegen würde. O, nein! : Seine' eigene Seele wird'? ihn: anklagen; die Wände seines Hauses werden--gegen ihn zeugen, und die Engel, die sonst schützend die MeNscheNchegleitenj werden sich mit Abscheu von ihm abwenden. Die Juden in Rotterdam, -haben-dies alles nicht -zu befürchten— - Litersrilche Mitteilunsrn. - — Arthur Schweriner: Der'gute Ton im Hause Hillels. Lust-., spiel in einem Auszug: Berlin 1905. Nathansen & Lamm: Das' liebenswürdige Werkchen eignet sich für Feste "in jüdischen Vereinen' ' sehr gut. - Jur Städtchen Holzhausen - soll ' das Stiftungsfest - des . jüdischen Literaturvereins gefeiert werden. Im-Hause Hillels Freund. rüstet man sich zu diesem Fest, das noch -besonders feierlich werden , soll-.da die zweite Tochter Käthe verlobt werden soll.--DerZukünftige: . ist der.reiche Kaufmann Fuchs, doch .Käthe hat bereits gewählt; an Berlin hat sie den Freund.ihres Schwagers,.einen .Schriftsteller: 'Dr. Baumann, kennen, gelernt, und ihm gehört ihr Herz. Mit Hilfeihres Schwagers, des Dr. Hans Behrend, wird nun auch dieser herbeizitiert. In seiner Eigenschaft als Vorstand des Literaturvereins hat Behrend ihn eingeladen, die heutige Feier durch einen Vortrag zu verschönen. Durch eine schlau eingefädelte Jntrigue ° gelangen die" Verschwörer zu ihrem Ziele. Das'Lustspiel, enthält einige wirllich vortreffliche /Situationen. -.--Diel Figuren 'sind ganz -gut getroffen/; besonders das Faktotum, des Hauses-' Schrmnpel, und die.'Frau- Bertha mit ihrem bon ton. Der junge Dichter, verrät Talent:mndeine sichere Beobachtungsgabe...Das Stück ist bereits in 20 Literaturvereinen zur Purimfeier angenommen. Druck und Verlag von Rudolf Mosse in Berlin. Verantwortlich für die Redaktion: Max Bauchtvitz in Berlin.

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