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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1905-03-10 · Heft 10 (10.3.1905) · p. Seite 117

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
69 (1905)
Issue
Heft 10 (10.3.1905)
Date
1905-03-10
Page
Seite 117 (sequence 9)
Language
German
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' - ' --- 117-— . Einsührungw.on LandarbLitermeinige Opfer zu bringen, und denselben auch lohnende. Verwendungzu garantieren- -mnd .würden wir;Dahsr.: nicht v abgeneigt sein, - Ihnen in dieser Beziehung, an .die Hand zü gehen, falls das Komitee im Prinzip damit einverstanden sein sollte, um. die maßgebenden Persönlichkeiten ' mit dem - Komitee in Fühlung treten zu lassen, und dasweiter Nötige zu vereinbaren,.namentlich einen Modus zu findenin welcher Weise man den Plan trotz der bestehenden, sehr strengen Amerikanischen Gesetze zur Ausführung bringen könnte. In beiden Fragen: darf nicht -außer acht gelassen werden, daß durch-den-Umstand, daß die russischen-Auswanderer über die russische Grenze/Rußland verlassen; und dadurch, daß sie über .Triest fahren, gar keinen weiteren . Schwierigkeiten , ausgesetzt sind, weil, unsere Agenten überall, an den'. Grenzorten.-bereits etabliert sind, und ihnen schon dort die betreffenden Karten zur Verfügung stellen könnten. Wir sind in den nächsten Tagen sehr stark beschäftigt und, trotzdem-»wir die Wichtigkeit dieser Angelegenheit anerkennen, würde es uns unmöglich sein, sofort nach Berlin zu reisen. Wir'glauben daher, daß. es am/passendsten sein würde, .wenn vor Antritt dieser Reise sich das-Zentralkomitee -bereits im Prinzip zu weiteren Verhandlungen bereit erklären würde. " Mit aller Hochachtung; j ganz ergebenst Fratelli Cosul-ich. BBSJ& fln Ärr Ouelle. Geschichte eines Knaben. Von E.sra Goldin. Aus dem Hebräischen. IX. T^jer: Morgen war: angebrochen. Durch die menschenleeren. Gassen des Städtchens rollte einhübscher Wagen, vor den ein kräftiges Roß gespannt war. Die kleinen Schellen am Halse des Pferdes tönten durch die morgendliche . Stille. Als das Gefährt, sich dem Ringplatz im Zentrum des Städtchens näherte, wandte sich der Kutscher an die Frau, die den Hintersitz einnahm und fragte: „Eitel, wo kehren wir; ein?" „Wir warten hier draußen, bis -die Leute erwacht sind." „Wo wohnt Euer Sohn?" „In der Schul!" „In der Schul?" „Jawohl." Der Wagen hielt. Eitel stieg ab und. ging,: um das Gotteshaus zu suchen. Der Kutscher befestigte den Futtersack an der Deichsel des Wagens, hing eine Decke um das Pferd, hüllte sich in einen groben Lodenmantel und legte sichim Wagen schlafen. Vor Gitels Augen tauchte das Bethamidrasch auf, dessen Dach .alle Häuser der Stadt überragte.- Atemlos und pochenden Herzenseilte sie hinzu. Da hatte sie nun vor sich dieses Haus, nach dem ihr lieber, armer Knabe sich lo lange gesehnt . hatte,, wohin ihn seine Gedanken und seine Träume trugen, wo er so viel Drangsal und Not leiden mußte, bis er es nicht länger aushielt und zusammenbrach; hier lag er nun krank und.hilflos darnieder . . . Vor der Pforte angelangt, zögerte sie eine Weile. Sollte sie eintreten, oder draußen harren? Sie trat in den düsteren Vorraum. Eine Angst überfiel sie undsie stand eine Weile reglos, mit verhaltenem Atem da. Dann horchte sie auf, in der Hoffnung, eine Stimme zu vernehmen. : Vielleicht : würde es die Stimmeihres Sohnes sein,: vielleicht rein Seufzer-- ein Weinen . . . Plötzlich zuckte sie zusammen. Aus dem Innern dräng eine : wehmütig singende .Stimme, Ihr war's, als hörte sie ein unterdrücktes. Schluchzen. Eim kalter Angstschweiß überströmte ihr mageres Gesicht. Mit zitternder Hand öffnete sie die-Türe und trat ein. Sie blieb an:der Schwelle, stehem. Auf. den Bänken -rings an : den Wänden lagen die Peruschim Hingestreckt und -ihr unablässiges Schnarchen erfüllte den Raum mit einem seltsamen Ehor. In einem Winkel stand ein junger Mann, pendelte hin und her über einem aufgeschlagenen Folianten und summte leise. „Soll ich auf ihn zugehen?" dachte Eitel, und fühlte dabei etwas, wie einen Stich im Herzem Eine Stimme rief ihr zu: „Was wollt Ihr da, Frau?" Sie-blickte auf und bemerkte auf der Bimah in der Mitte des mächtigen Saales: einen Mann von.häßlichen Gesichtszügen mit Schlitzaugen, und gelben, zerzausten Haaren, in unvollständiger Kleidung, der sie unausgesetzt betrachtete. Sie blickte: verwirrt und beschämt zu Boden. Inzwischen wiederholte der Mann seine Frage : „Was wollt Ihr da, Frau?" „Ich suche , meinen .Sohn," stammelte sie mit bebender Stimme, ohne die Augen aufzuschlagen,: Der Mann warf einen groben Wollmantel um und trat näher. „Ihr sucht Euren Sohn; aus welcher Stadt ist er denn?" „Er ist aus dem Dorfe Lednicyny." „Wie heißt er?" fragte er gespannt: „Josef, er ist noch ein junger Knabe." „Josef:!" schrie jener plötzlich auf. „Und Ihr seid seine Mutter?" „Lebt: er?" fragte Eitel : in tiefster Seelenangst,, und eine Weile ward es ihr völlig dunkel vor den Augen. „Ach, wie fleißig er lernte!" seufzte der andere.ohne auf die Frage zu antworten. „Tag und Nacht kernte, er . . ." „Er ist tot!" stieß Eitel einen Angstschrei aus und wankte.- „Nein!" rief der junge Mann, der von seinem .aufgeschlagenen Folianten im -Winkel herbeigeeilt war. „Nein! Er lebt, es geht ihm schon besser und die Gefahr, ist vorüber." Er suchte sie zu beruhigen, indem er ihr erzählte, daß gute Menschen den Knaben.zu sich ans Haus genommen Hütten und ihn . wie ein eigenes Kind betreuten. „Ach, Du wilder Mensch!" wandte er sich an den andern, der noch immer barfuß und: in seinen Wollmantel notdürftig eingehüllt daftand. „Du hast die Frau unnützerweise geängstigt. Geh zu Deinen Töpfen mnd steh nicht .hier umher." „Ich geh' zu Josef und sage ihm, - daß - seine Mutter gekommen ist." „Ich geh' mit Euch," rief Gitel. „Gut, kommt nur mit." „Kamonenser!" rief ihm der andere nach, „zieh Dir. doch zuerst Die Stiefel an." „Ach, ach ja! Das hätt ich beinahe vergessen." Der Kamonenser eilte davon, um. seine Stiefel zu suchen und :der andere erzählte Eitel, daß der „Träger" ihrem Sohn in besonderer Liebe zugetan sei und seit seiner Erkrankung keine Ruhe habe und sogar Nachts nicht schlafen könne. „Gott lohrN ihm diese Fürsorge für einen verlassenen und kranken Knaben." Sie gingen. Unterwegs fragte Gitel ihren Begleiter/ was dem Kinde passiert sei und was der Arzt behaupte.

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