Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 69 (1905)
- Issue
- Heft 10 (10.3.1905)
- Date
- 1905-03-10
- Page
- Seite 113 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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113 Msdkmrlche Mjhktt und IronkMvlreüe -- LmMrstionM. Von Rechtsanwalt -Arthur B enr-- Magdeburg, m. der - Sitzungdes Preußischen- Abgeordnetenhaus es" Nom' - 24. Februarcr. äußerte der-MMsterialdirektor; Althoff,.- die' Frage - der^ Auflösung -derkonsessionellen^ akadernischen r Korporationen; sei schom-seinerzeib: einmal-aan -die- Regierung-, herangetreten; als; darum petioniert worden -sei,- .die Tjüdischen- Korporationen wegen ihres.antinationalen' Treibens aufzu-- lösen. Es soll hier nicht untersucht werden, ob deriHerrMinisterialdirektor mcht-besser- und - vorsichtiger gesagt' -hätte: wegen des „angeblichen" antinationalen Treibens; - so, wie er es - gesagt hat--bleibt res ein -Meisterstück der: Jnterpretationskunst/^zu ergründen-- ob er seine Ansicht über das-„Treibet der genannten Korporationen mit' der der damaligem Petenten:, identifiziert; hat, oder ob er lediglich objektiv die Worte , der damaligen ' Petition-wiedergeben wollte. - Während - das - siegesgew otznte:-; Zentrum '^abew. tn - der;" gedachten Sitzung triumphierte; erhob sich zum-Schutze der . jüdischen- -akademischen -Korporationen, keine Stimme.-: . Es ist : deshalb nichtunangebracht, "wenigstens an ' dieser Stelle .'die - vielbesprochene Angelegenheit der akademischen Freiheit? und < der konfessionellen Korporationen vom - Standpunkte der ehenlatigen -jüdischen^ Korporationsstudenten und jetzigen. Alten Herren einen jüdischenKorporation zu betrachten, zurgerechten- Würdigung' -unserer jüdischen akademischen Korporationen : vivent, oreseaut, Uoreanl.! - Die „teutschen- Studentendie die Aufhebung - der; kon- - sessionellen akademischen Korporationen jetzt mit 'Rücksicht ''ausdie katholischen. Vereinigungen verlangt haben, sind -Kinder desselben Geistes;- aus -dem heraus seinerzeit die Beseitigung der jüdischen-Korporationen begehrt worden -ist. And dennoch besteht zwischen der jetzigen und der damaligen Forderrmg'em. Unterschied - nicht, sowohl -hinsichtlich. derMöglichkeit, sie zu verwirklichen — denn nrit den Paar jüdischenKorPorationen wäre -- man selbst in unserm Rechtsstaate - seinerzeit - vielleicht. schnell fertig gewordenwährend die jetzige Wellevergeblich gegen den Zentrumsturm brandet —, als auch hinsichtlich der noch - viel größeren Dreistigkeit des damaligenspeziellen Verlangens - im Gegensatz zu dem jetzigen, obwohl auch dies: noch hinlänglich unverfroren erscheinen .dürfte.- Es ist in den letzten-Wochen soviel von akademischer. Freiheit' gesprochen und geschrieben worden, daß eine Definition' dieses überhaupt sehr schwer zu präzisierenden-Begriffes dahins-: gestellt bleib en' kann.D arüb er - - ab er waren sich selbst mn; Parlamente, die Politiker aller Richtungen einig, daß" es nicht? angängig sei, dem Studenten zu wehren, was dem'Nicht-:: studenten gleichen; Alters bedingungslos gestattet-ist, nämlich der Zusammenschluß zu konsessionellen Vereinigungen-jeglichen Art, sei es zu religiöserpolitischer; sozialer Betätigung:re.; er ist verfassungsgemätz-gewährtes Grundrecht.?"Es -ist aberfür die Unklarheit in den Köpfender .jetzigen Petenten bezeichnend, daß -sie einerseits .die akademische Freiheit zur; Veranstaltung einer politischen, an sich vielleicht sympathischen;, an das Ausland gerichtete Demonstration -fürsichin Anspruch nehmen sJnsbrucker -Telegramm!) - und: sich gleichzeitig, denn es sind im Grunde genommen dort-dieselben wie hier,-i nicht? scheuen, einer großen Anzahl ihrer deutschen Mitbürger ein-' ihnen - verfassungsgemäß garantiertes- -Grundrecht rauben ' zu wollen. Wenn schon somit; an sich-- die Forderung der Auflösung :; der konfessionellen Korporationen einen -Eingriff in - das menschliche s Recht e aus -^Freiheit- -überhaupt - und? damit eine durchaus;zurückzuweisendeMnmaßung "enthält,-, so steigert- -sich"- diese; Forderung-'-bezüglich -der? jüdischen-; akademischen^ Kor-< porationen-geradezu? -;zuriEeckheit/r-WollM-: diM kathvlischon> Studenten-unter: sich seimund: Korporationen gründen/ wollen es die-evangelischen-wie-D B. -int Wingolf/so wählen sie vonv i e le n nur-ei n e -der ihnen-.offenstehendenMöglichkeiten,- sich -- korporativ zu betätigen;-keine:Korporation ber großenBerbändr,- derKorps/Landsmannschasten;Burschenschasten> des Akademischen- Turnvereins und der sarbentragenden Turnvereinevon anderen: Korporationen .ganz abgesehenwird -dem -christlichen Komilitonen eelenZ. p3ridus, - d. -h. -wenn Familienstellung -untr Vermögen , ausreichend ' sind—-- den Beitritt, von; vornhereinverweigern. - Insofern kannman von den Mitgliedern..der christlich-konfessionellen-VerbinPuugen sagen-, sie separieren sich - auf Grund völlig freier Entschließung, weil es ihrem Geschmacks entspricht-; und insofern könnte man wenigstens noch mit einem Schein von Recht die separatistischen Neigungen, die zur,Bildung der christlich-konfessionellen Verbindungen geführt haben, als. dem Ganzen, unzuträglich tadeln Dis sämtlichen aber oben genannten großen.akademischen Verbünde,, die Korps -re., die das korporative Leben aus unseren Universitäten beherrschen, wenigstens nach außen hin, nehmen prinzipiell keinen Juden auf. Es .ist mir nicht genau bekannt,, in welcher Form die einzelnen Verbände diesen Standpunkt festgelegt haben, ob sie ihn, was immer noch das Anständigste weil Wahrhaftigste wäre,; ehrlich zu Papier gebracht und zum "formalen Verbandsbeschlusse erhoben, oder ob sie sich' dieser' letzten Konsequenz? geschämt haben und ihr Prinzip nur'praktisch' betätigen: "daß der Grundsatz, die Jilden prinzipiell äuszuschließen, seit fast zwei Jahrzehnten tatsächlich e ausnahmslos geübt wird;;ist jedenfalls allgemein bekannt. Und so ' bietet ' sich' jedem Denkenden die komische Erscheimmg dar; daß gerade die'jungen - - Leute, die die Aufhebung der ' konsessionellen Korporationenverlangen — alles natürlich ' unbeschadet der'- akademischen Freiheit! — daß'' diese -seit fast zwei" Jahrzehnten tatsächlich" selbst den Standpunkt der' „konsessionellen Korporation"' ein-' : nehmen; sie wollen lediglich -christlich konfessionell" sein. Man' komme mir'hier - nicht mit den vorgeschützten „Unterschieden' nationaler Art, Unterschieden der' Rasse.^" Sobald'der Jude charakterlos ist, sich taufen zu lassen; wird "er in jeder Korporation ausgenommen, die ihn sonst zurückweist. Ist im Staate Friedrichs des Großen' die-Taufe der Prüfstein des . nationalen Empfindens, so daß der Nichtgetaufte, der Jude, nicht national genannt-werden ckann? Und:-wie soll er sich taufen lassen, evangelisch ' oder' katholisch; und werden die RatioNaleigenschasten I. Klasse etwa nur mit der evangelischen; Taufe; garantiert? -Und-verliert der Jude-mit; deo^Taufe -seine Rasseneigentümlichkeiten; sofern er sie nicht.au f die gemeinsame? Erziehung mit seinen christlichen-Mitbürgern, durch Selbst--' beobachtung und dergleichen mehr bereits; verloren -hat? - Was blieb da dem jüdischen Studentenvon-Ehrgesühl wohl anders übrig, als sich mit seinem jüdischen-Kommilitonen - zu gemeinsamer Abwehr jenes schmachvollen Antisemitismus zusammenzutun, :der ihn von anderen Korporationen ausschloß! Und da haben-es viele ehrliebende,-;Willensstärke junge jüdische Akademiker -.über-sich gebracht, aus der Not eine-Tugend zu ■ machen. - Wiedie einstmals verspotteten Gensewhaben - sie es gelernt, den-Schmähruf Jude": als Ehrenrusi im Kampfe für'' ihre Menschenrechte zu brauchen; das gemeinsame Leid hat sie zu treuen Freunden zusammengeschmiedet. Siealle haben im vertrauten -Kreise gleichsühlender und -gleichstrebender Korpora-; tionsgenossen die fröhliche Lustrjungen-Studententums geschöpft,- ' die ihnenihre christlichen:Kommilitonen^ verbittern und rauben -