Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 69 (1905)
- Issue
- Heft 9 (3.3.1905)
- Date
- 1905-03-03
- Page
- Seite 2 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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scheidungssachen, der Dispensation von Juden-als^ Zeugen 'an Höhen:' '. Feiertagen' und anderes mehr. Die - Vorstellung - bei' der Heeresverwaltung bezüglich des Nichtabancements der Juden, betreffs der Nichtannahme von jüdischen Zweijährig-Freiwilligen sind ohne Erfolg 5Lgebliehen.^v*S)er. Vorsitzende des Vereins gab alsdann eine Uebersicht 5. über die Finanzen des Vereins, die zwar augenblicklich einen festen L Bestand von 40 000 Mark aufweisen, aber nur deshalb so hoch sind, ' weil im Berichtsjahre keine besondere Ausgaben an den Verein herangetreten sind, und schloß mit einem warmen Appell zum Anschluß an den Verein und zur Zuführung neuer Geldmittel. Dem Vorstände und der Küssenverwaltung wurde aus den erstatteten Revisionsbericht hin Decharge erteilt, der Gesamtvorstand wurde durch Akklamation wiedergewählt. Den Schluß des Abends bildete eine sehr angeregte Diskussion, welche sich bis gegen Mitternacht ausdehnte; in ihr wurde unter anderem noch einmal durch Herrn Justizrat. Fuchs und Herrn Dr. Hirsch Hildesheimer die Angelegenheit des Reichslagsabgeordneten Lenzmann zur Sprache gebracht/ und durch den letztgenannten Redner die Schächtfrage einer-Erörterung - unterzogen, speziell mit Rücksicht auf das seitens der wissenschaftlichen Deputation der obersten Sanitätsbehörde ergangene Gutachten über die hygienisch einwandsfreie Methode des Schächtens. — Berlin, 27. Februar. Am 12. Februar. Am 12. d. M. fand in dem Logenraum des 11.0. Bnei Brith die Generalversammlung des Verbandes für Statistik der Juden statt. Nachdem der Vorsitzende des Verbandes, Dr. Alfred Nossig, die Anwesenden begrüßt hatte, erfolgte der Vortrag des Referates von Dr. Arthur Cohen, Vorsitzender des „Vereins 'für Statistik der Juden" in Bayern, „Statistik und Judenfrage", in dem die spezielle Tragweite der Statistik für die Lösung der Judenfrage -nachgewiesen wurde. Allerdings müssen sich die statistischen Organe ausschließlich mit der Wissenschaftlichen Behandlung der Statistik befassen, während Die praktische Verwendung der Ergebnisse der letzteren den Gemeindeverwaltungen und Wohlfahrtsorganisationen überlassen werden muß. Das in Abwesenheit 'des Verfassers von Dr. I. Thon vorgelesene Referat wurde von der Versammlung beifällig ausgenommen. Der vom Vorsitzenden erstattete Bericht über die Tätigkeit des Kuratoriums ' und des Vorstandes für das Jahr 1904 schilderte in kurzen Zügen bie auf Grund der Beschlüsse der vorjährigen. Generalversammlung/ erfolgte Bildung des Kuratoriums und Gründung eines Bureaus - für Statistik der Juden. Das Kuratorium setzte einen Arbeitsansschuß ein, welchem die beiden Vorsitzenden des Kuratoriums, -Sanitätsrat W. Maretzki und Geheimrat Dr. Blumenthal, der Schatz- - merster Herr B. Braun und der Vorsitzende des Verbandes Dr. Nossig angehörten. Dank dem Entgegenkommen mehrerer jüdischer Organisationen, wie der „Zentralverein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens", der „Deutsch-Israelitische Gemeindebund", die Logen des „11.. O. Bnei Brith" und die „Ephraim-Stiftung" gelang es dem Kuratorium eine finanzielle Grundlage für die Arbeiten des Verbandes zu schaffen. Das Bureau für Statistik der Inden, welches am . 1. Oktober 1904 unter Leitung von Dr. Arthur Ruppin eröffnet - wurde, befaßt sich als eine Zenträlinstitution für alle jüdischstatistischen Arbeiten einerseits mit Untersuchungen und Ausarbeitungen, die ihm von anderen Institutionen übertragen werden, andererseits j mit planvollen Vorbereitungen zu einer wissenschaftlichen Gesamtstatistik der Inden. Im Aufträge des D.-J. G.-B. wird es das „Statistische Jahrbuch der deutschen Juden" veröffentlichen. Aus " - eigener Initiative führte es eine Enquete über den Anteil der Juden am Schulwesen in Preußen durch und begann die Herausgabe der „Zeitschrift für Statistik und Demographie der Juden.". Unter den organisatorischen Tätigkeiten des Verbandes ist - die Bildung von Kommissionen für Statistik der Juden in Wien und Budapest hervorzüheben. Das Entstehen selbständiger Vereine für Statistik der Juden in England und Bayern veranlaßte die 'Umgestaltung des frilheren Vereins in einen Verband von Vereinen. Zahlreichen Anregungen folgend ersetzte man überdies aUf Grund einer Umfrage bei den Mitgliedern die Worte „jüdische Statistik" ' durch ^Statistik der Juden". Aus dem Nechenschaftsberichte des Schatzmeisters des Verbandes Ingenieur S. Eliasberg ging hervor, daß die Einnahmen des Verbandes in dem verflossenen Jahre 792,64 Mark, die Ausgaben 736,10 Mark betragen haben. Der Bericht ^7'dM Schatzmeisters/des Kuratoriums, Herrn Benno Braun wies Aus- J Lgbben iim Betrages von Mark 3239,30 aus.-In der Diskitssivn ergriff zunächst Rechtsanwalt Dr.. Horwitz das' Wort, indem er die' Frage ventilierteob das gesäurte von ^dem Bureau für Statistik ausgebrachte Material.. zur . Veröffentlichung bestimlnt sei „ oder . oh gewisse. Teile desselben im Archiv ■ zu verbleiben hätten. Dr. Kaftan vertrat die, Ansicht) daß die gesammelten Angaben mnt möglichster Vollständigkeit publiziert werden sollen. Nach längerer Erörterung dieser Frage, an der sich auch Justizrat Dr. Eugen Fuchs beteiligte, neigte sich die Versammlung der Ansicht Dr''Kaftans zu. Sanitätsrat Dr. Maretzki regte hierauf die beifällig aufgenommene Idee an, daß das Bureau für Statistik über, die Lage der in verschiedenen Bernsen arbeitenden, zu selbständigem wirtschaftlichen Leben gezwungenen jüdischen Frauen eine Untersuchung anstelle. Die ' Diskussion : über diesen Vorschlag ergab, daß er nur dann durchführbar wäre, wenn dem Bureau ein spezieller Fonds für diesen Zweck überwiesen werden würde. Im weiteren Verlaufe wandte sich die Diskussion der rin Referat von Dr. Cohen berührteu Frage -der Unerläßlichkeit der Statistik für -die Arbeiten der jüdischen Wohlfahrtsorganisationen zu. Die Versammlirng votierte in dieser Hinsichtnachstehende Resolutionen. I. In Erwäguntz, daß die jüdischen Wohlfahrtsaktionen nur aus Grund genauer statistischer Angaben in wirklich gedeihlicher Weife geführt werden. können, werden die jüdischen Organisationen eingeladen, ihr Augenmerk mehr als bisher, statistischen Arbeiten zuznwenden und insbesondere die Auswanderungs-r und Kolonisationsaktion tunlichst ans statistischer Grundlage zu betreiben. II. Die. jüdischen Organisationen werden eingeladen, behufs Herstellung der unerläßlichen statistischen Basis für ihre Wirksamkeit das Bureau für Statistik der Juden mit Fonds von zweckentsprechender Höhe auszustatten Dem neuen Vorstande wurde die Direktive erteilt, die Verwirklichung dieser Resolutionen auf geeignetem Wege anzustreben. Aus den Wahlen gingen die meisten-Mitglieder des' vorjährigen Vorstandes hervor: als Vorsitzender Dr. : Alfred Nossig, als Beisitzer Dr'. Martin Bub er, Berthold Feiwel, Ingenieur Stefan Perez, Davis Trietsch, Dr. Theodor Zloeisti. An Stelle des. aus eigenen Wunsch "ausscheidenden Ingenieurs S. Eliasberg wurde Herb Benno Braun gewählt/ h. Frankfurt a. D., 24. Februar. In der letzten Stadtverordnetensitzung bei der Beratung des Etats der Stadtarmenkasse für 1905, zum Titel 3 der Ausgaben: „Zuschuß zur konfessionellen israelitischen Armenpflege"^ bemerkte der neugewählte jüdische Stadtverordnete Lo nis Simon, daß, wenn die Stadt den Vertrag mit der jüdischen Gemeinde kündigen würde, Nachdem der. letzteren für die selbständige Ausübung ihrer Armenpflege 1500 Mark gezahlt werden, die jüdischen Mitglieder diese, aus ihrer Tasche zahlen müßten, da die jüdische Armenpflege init der Neligionsansübung eng Zusammenhänge. Ebenso würden sie verurteilt sein, die den jüdischen Religionslehrern aus dem bisher mit 1750 Mark eingestellten Titel gezahlten 250 Mark als Entschädigung für die Heranziehung zUr Kommunalsteuer aus ihrer Tasche " zu : deckeri. Hierdurch' 'würde der Zuschlag zur Kirchensteuer für die jüdische Gemeinde von 60. ' bis ca. 70 Mark emporschnellen. Redner bat daher, den Magistrat zn ersuchen, der jüdischen Gemeinde einen Zuschuß zu ihrer Neligionsschnle (die doch auch Kinder der städtischen SchuleU besuchten) zu gewähren. Ferner bat er, wenn die gesonderte Amnenpflege aufhöre, den jüdischen Mitgliedern auch städtische Ehrenämter zu übertragen, was bisher unter der Angabe abgelehüt worden sein soll, daß die Ehrenämter zumeist mit der Armenpflege zusämmenhänge. Nach Feststellung des Etats gelangte denn auch der Antrag zur Annahme, den Magistrat zu ersuchen, in Erwägung zu ziehen, ob in den nächstjährigen Etat eine angemessene Summe zur Unterstützung der jüdischen Relig'iousschüle einzusetzeri sei. — Betreffs Trennung der Armenpflege hatte vorher noch der Magistratsdezernent darauf hingewiesen, daß '' dieselbe ' mit Rücksicht ' aitf die übrigen Mitbürger aufhören müsse, die durch die Gewährung von ArmenunterstützuNg ihrer politischen Rechte verlustig gingen, was bei den jüdischen Mitbürgern nicht geschehe, wenn sie von ihrer Gemeinde unterstützt würden. Sodann hob der Stadtverordnetenvorsteher hervor,, daß; so lange er selbst Mitglied der Versammlung-sei, bei Verteilung von - Ehrenämtern nie ein Unterschied in der Konfession gemacht worden sei. Es beweise dies auch die wiederholte " Wahl - von Stadt-