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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1905-03-03 · Heft 9 (3.3.1905) · p. Seite 3

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
69 (1905)
Issue
Heft 9 (3.3.1905)
Date
1905-03-03
Page
Seite 3 (sequence 15)
Language
German
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verordneten jüdischen Glaubens. Das letztere Ereignis trat in den verflossenen Jahrzehnten nur daun ein- .wenn dasandere der Versammlung angehörende jüdische Mitglied,der setzt etwa- 75jährige Kommerzienrat P. Mende, alle sechs Jahre von dem allgemeinen Komitee aufgestellt/und auch - wiedergewählt - wurde. Ein: weiterer Versuch, einen einflußreichen jüdischen Mitbürger itrbie Versammlung als Ersatz für ein vor mehreren Jahren verstorbenes Mitglied hinein zu wählen, mißlang dreimal hintereinander. Auch vor den letzten Wahlen war kein Jude als „offizieller" Kandidat empfohlen worden. Aber auch die sonstigen Ehrenämter sind den Juden seit längerer Zeit vorentha.lten geblieben, z. B. Bezirksvorsteher, Schiedsmänner, deren Stellvertreter, Armenpfleger, die zum Teil sogar an später zugezogene Burger verliehen werden. Vielleicht geben die Aeußernugen des Stadtverordneten Simon in dieser Hinsicht den Anstoß zu einer besseren Verteilung der städtischen Ehrenämter. o. Frankfurt a. M, 24. Februar. Der siebente Bericht der Jüdischen Haushaltungsschule' ist ausgegeben worden." Die Abteilung - der Schule zur Ausbildung weiblicher Dienstkräfte hat in der üblichen Weise -weiter gearbeitet. Von den im Berichtsjahre ausgebildeten..24Mädchen sind bis letzt bereits 22in Stellung gegangen. - Die dort aus gebildeten Zöglinge finden stets leicht güte Stellungen 'und ihre gute Schulung wird allseitig anerkannt. Gewiß ist es ein Zeichen der Zufriedenheit mit den Zöglingen, daß stets mehr Nachfrage nach ihnen ist, als der Vorstand befriedigen könne, daß die niedrigen. Ayfangsgehalte von 16—18 Mark teilweise schon nach ein chis -zwei -Jahren aus 25 Mark 'gesteigert werden und manche Zöglinge schon nach einjährigem Dienste ein Sparkassenbuch bis zu 360 Mark aüfweisen können. Das 'Mädchenheim - der Anstalt "' hatte auch in diesem Jahre lebhaften "Zuspruch zu verzeichnen. Stets waren die Räume vollauf besetzt und mußten viele Gesuchs a'Mnstehender Mädchen, diehier konditionieren, abgewiesen lytzrdE Räume im Höchstfall für 20 junge Damen Unterkunft bieten. Die Aemter wurden in folgender Weise verteilt: Vorsitzender Herr Geiger, 2. Vorsitzende Frau Marx, Kassierer Herr WeiÜ, Schriftführer Herr Heidenheimer, Oekonomin Frau Geiger. Was die ' Finanzen betrifft, so zeigt der Kassenbericht, daß die Ausgaben sich im Berichtsjahre bedeutend vermehrten^ Namentlich weift der Posten für Lebensmittel eine Vergrößerung auf, im wesentlichen verursacht durch die steigenden Preise derselben. Andererseits sind die Spenden ansehnlich gegen das- Vorjahr zurückgeblieben. Alle Bemühungen, die Bilanz durch Ersparnisse besser zu gestalten, konnten infolge dieser ungünstigen Umstände zu keinem Erfolge führen, vielmehr schließt das Jahr 1903—04 wiederum mit einem Fehlbetrag. Der Neservefonds ist zu klein, um ein solches Defizit wiederholt zu ertragen. Die Zahl der beitragenden. Mitglieder ist bedauerlich klein und die -Anstalt, deren soziale Notwendigkeit fraglos ist, sollte doch bei Zedtm,' 'der soziales Empfinden Hat, lebhasteste Förderung finden. i_ —t München, 22. Februar. Den Vorsitz in der heute zu Ende -gegangenen zweiten Sitzungsperiode des Schwurgerichtes beim könig- .licheü LanÄgevichte'München-:>i führte der königliche Oberlandesgerichtsrat Silbermann. Nachdem derselbe vor Beginn der letzten Verhandlung der Periode sich von den Geschworenen verabschiedet hatte, trat aus dem Kreise der Geschworenen der -Architekt - Emil Ludwig vor und hielt folgende Ansprache an -den Vorsitzenden : -.„Geehrter Herr -Präsident! Ich bin von den Geschworenen beauftragt, .Ihnen .hiermit unseren herzlichsten Dank für Ihr Wirken auszusprechen. Wemr, wie-HieIrwähnten, wir in der Hauptsache zutreffende Wahrfpruchegefällt httberr, so verdanken wir dies in erster Linie Ihren klären und. eingehenden Rechtsbelehrungen-- bei welchen ein Rechtsirrtum - unsererseits geradezu ausgeschlossen war. Ich bin aber auch ausdrücklich von'den Geschworenen beauftragt, hier zu erklären, daß nochJelte'n ein P.räsidkunr in so/mustergültiger Weise geführt wurde, Uue von Ihnen; Herr Präsident-. Sie haben, was uns insbesondere wohltuend berührt hat, in der sachlichsten und objektivsten Weise auch da, wo' es sich Mn den berechtigten Schutz des Angeklagten-' handelte, die Verhandlungen geleitet. - Es istunser aller- Wunsch, daß Sie noch. .oftmals an . dieser Stelle/ Ihres hohen Amtes walten und rs Ihnen^ gegönnt.,sei-- noch, -viele-Jahre in ungetrübter Gesundheit Ihrerichterliche- Funktion zu - erfüllen." -^ Auffälligerwei.se brachte das tonangebende Münchener Blatt wohl die übrigens auch bemerkenswerte Ansprache des Vorsitzenden, aber nichts von der vorstehenden durch ungewöhnliche Wärme sich auszeichnenöeu Erwiderung der Geschworenen. - - -» München, 22. Februar. Der Vorstand der antisemitischen „Christlich-sozialen Partei" hat, wie das Wenngscho „Deutsche Volksblatt" meldet, am 7. d. M. an die bayerischen Ordinariate und das protestantische Oberkonsistorium eine Eingabe mit der Bitte gerichtet, diese Stellen möchten an die Geistlichkeit und an die Vor-' stehuNgen klösterlicher- Institute die eindringliche Mahnung richten, jeden Verkehr mit Warenhäusern grundsätzlich zu meiden, ihre Arbeiten nur an christliche Geschäfte zu vergeben und dort ihre Einkäufe zu betätigen. In der Eingabe wird u. a. ausgeführt, daß es zahlreiche Geistliche gebe, welche sogar regelmäßig in Judengeschäften einkaufen, sogar Talare, Meßwein, Kirchenteppiche rc:; ebenso machten es klösterliche Institute, Anstalten des Roten Kreuzes rc. Auch gebe es Klöster und Anstalten, welche für Judengeschäste arbeiten; die Verfasser der Eingabe erklären sich bereit, dem Ordinariat solche Klöster namhaft zu machen. Man darf aus die Antwort der Behörden wohl gespannt sein. Oesterreich-Ungarn. LH Wien, 27. Februar. In der letzten Sitzung des hiesigen Stadtrats berichtete Stadtrat Dr. Krenn über die Abschaffung des Schächtens der Schlachttiere. Nach einem Referat, in welchem unter anderem eine Schlachtung ohne vorausgesetzte Betäubung des Schlachttieres vom Referenten als „eine höchst tierquälerische Maßregel" bezeichnet und darauf hingewiesen wurde, daß in anderen Ländern, zum Beispiel in der Schweiz, Sachsen rc^ ein Verbot dieser Schlachtart schon längere Zeit besteht, gelangte der Berichterstatter zu folgendem Anträge: Es seien sämtliche in den städtischen Schlachthäusern zur Tötung kommenden Schlachttiere, bevor ihnen das Blut entzogen wird, durch.Stirnschlag vollständig zu. betäuben. Der Antrag wurde einstimmig zum Beschlüsse erhoben. Es wird nunmehr die Aufgabe des israelitischen Kultusvorstandes sein, gegen diesen . Beschluß, welcher die staatsgrundsätzlich gewährleistete Gewissensfreiheit bedroht, an maßgebender Stelle zu protestieren. — Der Kaiser hat dem Polizeirat 'Dr. ./Samuel Freund das Nitter- - kreuz des Franz Josefs-Ordens, und dem Korrektor der „Wiener Zeitung", David Eisner, das goldene Verdienstkreuz verliehen. --- Am 19. d. M. feierte Rabbiner Wilhelm Reich in Baden sein 25 jähriges Amtsjubiläum. Dem allseits beliebten Seelsorger wurden anläßlich seines Ehrentages zahlreiche wohlverdiente Ehrungen bereitet.' Van Sah und ssrrn. - Der Professor der Chemie an .der Hochschule in .Charlottenburg, . Dr. I. Traube, ist von der Königlichen WissenschastlichenGesellschaft in Lüttich zum korrespondierenden Mitglied ernannt worden. — Dem Grafen Pückl er scheint das Geld ausgegangen zu sein. Die fällige Nummer seines Organs, des „Retter aus Jüdennot", ist nicht mehr erschienen. Dagegen werden von der Pückler-Vereinigung Sammblngen veranstaltet, um wenigstens noch eine Nummer erscheinen zu lassen. Graf Pückler' hat die Absicht 'geäußert,' nicht eher wieder Versamm-, lungen abzuhalten, bis das gegen ihn erlassene Redeverbot änfgehöbenist. — In der Dienstalterslifte der Berliner Aerzte steht an dritter Stelle Sanitätsrat Dr. S. Neumann, der seit 1843 praktiziert; Seit 1847 find Geheimer Sanitätsrat Dr. Leopold Barsch allseit 1850 die Sanitätsräte Dr. Ad. Neisser und - Dr. Moritz Wiesenthal im medizinischen Berufe. — In Nr. 7 brachten wir die Nachricht von der 'Berirfüntz/ches -WoMbLS-' A.s-k-au-ä-zh in Königs - . berg nach Genf. Derselbe ist nicht mehr Jude. — Der Lehrer- Moses: Neuhaus zu Harmuthsachsen im Kreise Witzenhausen erhielt den Adler der Inhaber des Hausordens von Hoherlzollern.—Im Aufträge des preußisch eu Unterrichtsministeriums werden sechs Gelehrte 'an dein irrternationalen Orientalistenkongreß in Algier teilnehmen- und zwar die beiden evangelischen -Theologen Eornill nnb.-- Budde, die Sanskritisten Bezzenberger, Pischel und Kielhorn, und ' ein -Semitistnämlich der Königsberger Professor Dr. Felix Peiser. Im Anstragtz der badischen Regierung geht Prof. Dr. Lesmanu-Heibelberg zum

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