Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 69 (1905)
- Issue
- Heft 9 (3.3.1905)
- Date
- 1905-03-03
- Page
- Seite 98 (sequence 2)
- Language
- German
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den Glauben an die bürgerliche und religiöse.Freiheit ze.igh ein Volk, - in dem das schlimmste Verbrechen, wie das des Lhnchens, nur sporadische anftritt, so daß Persönlichkeiten, nicht aber Klassen in ihre^GrMdrechten helästig^ werdech es ist unvermeidlich, daü solchMim Ration z innig-'wünschen' muß, ihrefn Entsetzen Ausdruck -zu geben bei solchen Fällen, .wiedie Judenkvaw alle in KischinewMder wenn siewon solchen ' - systematischen und weit ausgedehnten Greueltaten und Unterdrückungen, Zeuge wird, wie die Greueltaten und Unterdrückungen, deren Opfer die Armenier gewesen sind und die' ihnen das Mitleid der zivilisierten Welt gewonnen haben. Ueber die Rechte der Bürger sprach sich Roosevelt zum Schluß in folgenden Worten aus: Sogar dort, wo es unmöglich ist, beianderen Nationen die Einhaltung der Prinzipien zu sichern, die wir als- Axiome annehmen, ist es für uns sicher, notwendig, auf die Rechte unserer Bürger zu bestehen , ohne Rücksicht auf ihr Glaubensbekenntnis oder ihxe Abstammung, ohne Rücksicht, ob sie hier oder auswärts geboren sind. Es hat sich als sehr schwierig erwiesen, von Rußland für unsere indischen Mitbürger das Recht zu sichern, Pässe zu erhalten und auf russischem Boden zu reisen. Solches Verfahren ist nicht allein ungerecht und erbitternd für uns, sondern es ist auch schwierig, die Nichtigkeit des russischen Standpunktes einzusehen. Begreiflicherweise ist nichts gutes dabei herausgekommen. -Wenn ein amerikanischer Jude oder ein amerikanischer Christ sich schlecht in Rußland benimmt, so kann er sofort ausgewiesen werden, aber gewöhnlich wird sich der amerikanische Jude, wie der amerikanische Christ so benehmen, wie er es hier tut, das heißt, wie sich ein Bürger benehmen soll, und wo dies der Fall ist, da ist es ein Unrecht, gegen das wir protestieren müssen, ihm seinen Paß ohne Rücksicht auf seine Führung und seinen Charakter zu verweigern, blos aus Abstammungs-und Religionsgründen. Man ersieht-aus diesen Aeußerungen zweierlei: Erstens/ daß eine Einwanderungsbill, die gegen die Juden speziell sich richten würde, unter dem Regime Roosevelts kaum irgendwelche Aussicht auf Annahme haben könnte. Das ist das’ Erfreuliche. Weniger erfreulich ist das, was aus dem Passus der Botschaft über die Verhandlungen mit Rußland hervorgeht. Aus der Sprache der Diplomatie in die des Alltags?; lebens übersetzt, heißt das nämlich, daß Amerika bis jetzt bei Rußland in der Frage der Pässe noch kein befriedigendes Resultat erreicht habe. Indes, wie traurig diese Tatsache auch' sein mag, man darf deshalb die Hoffnung nicht ausgeben daß schließlich die unermüdliche und energische Intervention dev Vereinigten Staaten doch unter dem Zwang der Verhältnisse den gewünschten Erfolg erzielen wird. Haben sich doch bereits, wie aus Washington telegraphisch gemeldet wird, sechs Mit-; glieder des Kongresses zu einem Ausschuß konstituiert, der die Aufgabe hat, die Anerkennung amerikanischer Pässe von nach Rußland reisenden Juden in der gleichen Weise wie für andereamerikanische Bürger dürchzusetzen, da das Vorgehen des Staatssekretärs bisher keine praktischen Resultate gehabt hat. Solchem Streben kann der Erfolg ans die Dauer nicht fehlen. »DM Dir Woche. Berlin, 28. Februar, n Reich s ta g und A b g e o r d n e t e n h a n s. wurden in dieser Woche wieder konfessionelle Fragen behandelt. Zunächst kam der sogenannte Toleranzantrag des Zentrums wieder aufs Tapet, den wir ja schon wiederholt ausführlich besprochen haben. Der erste Teil, der die Freiheit der Religionsübung aller Konfessionen statuieren' will, ist seinerzeit vorn Reichstage einmal bereits angenommen worden, aber der Bnndesrat hatte seine Annahme abgetehnt Es ist somit nur wenig Aussicht, daß die Zentrümsvorlage in absehbarer Zeit ^Gesetzeskraft erhalten wird. Der zweite Teil des Antrags, der besonders zu Debatten. Anlaß gab, enthält eine, .für, die jüdischen Gemeinden bedeutungsvolle Bestimmung. Im' “§-11 denBorlage^wird nämlich verlangt-: „LändesrechtlicherVerbote - oder Beschränkungen derBerwendung aüsländischerMeligions- - dienen zu einer seelsorgerischen Tätigkeit - finden -keine Anwendung auf Meligionsdiener anerkannter -Religionsgemeinschaften." Da die jüdische Religionsgemeinschaft zu den anerkannten zählt, würden die Gemeinden' das gesetzliche Recht der Anstellung auch nicht reichsdeutscher Kultusbeamten haben. Indes ist, wie bereits erwähnt, keine Aussicht, daß diese Anträge des Zentrums in absehbarer Zeit Annahme im Bundesrat finden könnten. : Im Abgeordnetenhause wurde viel über die kon fe ssi o n e lle n Verbindungen gesprochen, Fast alle Redner für diese erwähnten natürlich auch die jüdischen Verbindungen. Leider fand sich keiner, der den großen Unterschied zwischen diesen und den katholischen oder evangelischen hervorgehoben hätte. Die jüdischen Verbindungen wurden erst begründet, als man den jüdischen Studenten die Aufnahme in die allgemeinen erschwerte oder gar verwehrte.. Treffend bemerkte daher der Zentrumsabgeordnete Dr. Porsch im Laufe der Debatte: „Wollen die Studenten wirklich einen Kampf gegen alle konfessionellen Verbindungen führen so müssen sie doch auch Angehörige aller Religionsbekenntnisse ohne Rücksicht auf die Farbe ihres Haares und die Zahl ihrer Ahnen ansnehmen. (Heiterkeit.) Dos ist doch heute noch nicht der Fall." - Von Interesse waren auch die folgenden Bemerkungen des Ministerialdirektors Dr. Alt hoff: ..' „Die Sache mit den konfessionellen Verbindungen hatte schon länger gespielt. Die Frage ist schon vor Jahren in anderer Gestalt' an die Unterrichtsverwaltung herangetreten, nämlich in der Art: Man verlangte damals, das; wir die jüdischen Verbindungen anflösen sollten. Wir wurden aufgefordert,' dem „antinationalen Treiben" derselben ein Ende zu machen. Wir sind aber damals für die-Berechtigung der jüdischen Vereine ebenso eingetreten wie jetzt für die katholischen. Also unsere Stellung ist die nämliche, wie die vor Jahr und Tag, -und der damals der Kultusminister von Zedlitz- Trützschler schon Ausdruck gegeben hatte. Er meinte damals, die konfessionellen Verbindungen seien zwar eine Gefahr für die Entwicklung, die praktische Frage sei aber die, ob der Staat ein Recht habe, einzugreisen." . - ~ - Es wäre von Interesse zu erfahren, wer denn eigentlich damals an die preußische Unterrichtsverwaltnng die Aufforderung gerichtet hat, die jüdischen Verbindungen auszuhebeu. ' - - v.' In Rnmänien ist jetzt zur Abwechslung wieder einmal die konservative Partei am Ruder- Was die Juden von dieser zu erwarten, haben, lehrte eine Versammlung, - die sie kürzlich in Jassy abgehalten und in der Fürst Cantacuzine sein Arbeitsprogramm entwickelte. Man schreibt darüber der „Welt": „Schon der eine Umstand, daß er die Judenfrage in keinem Punkte berührte, deutet darauf hin, , daß die Juden gar keine. Verbesserung^ ihrer Lage von dem jetzigen Kabinett zu erwarten haben. Im Gegenteil! Die Aeußerungendes bekannten antisemitischen Universitätsprofessors Xenopol (als Verax zur Genüge bekannt),und die von Greceanu lassen viel Schlimmeres voraussehen. Greceanu, der sich am 16. Mai 1899 bei den antisemitischen Ausschreitungen in Jassy durch seine Aufforderungen zu Judenplünderungen hervorgetan hat, warf der liberalen und junimistischen Partei vor, daß ihre Führer Bratianu und P. Carp.es waren, die 1870 für die Naturalisation der Juden eingetreten wären und sich schon dadurch als Feinde, des rumänischen Volkes dokumentiert hätten, lenopol wieder verlangte, daß man Leute aus der Oltenia nach Jassy.bringe, damit diese den Handel aus den Händen der Fremden (und wen er sMsmä&äm