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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1905-03-03 · Heft 9 (3.3.1905) · page 1

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
69 (1905)
Issue
Heft 9 (3.3.1905)
Date
1905-03-03
Page
– (sequence 1)
Language
German
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69. Jahrgang. No. 9 Berlin, 3. März 1905. Ein unparteiisches Organ für alles jüdische Interesse. Diese Zeitung ° erscheint' wöchentlich. Abonnements.Preis: Durch Buchhandel, Post oder direkt von der Expedition in Berlin unter Streifband bezogen vierteljährl. 3 Hl. Redakteur: Gustav ttarpete». Begründet von Rabbiner D-- Ludwig Philippson Verlags-Expedition: Berlin, Jernsalemerstr. 46/49. Alle Zusendungen für Redaktion und Expedition find an die Adresse: Verlag der „Allgem. Zeitung des Judentums", Berlin SW., Jerusalemer Straße 4S/4S, zu richten. Verlag von Rudolf rNoffe, Berlin. OrälMrrit Soalwklt über Me Iudenkrsgr. Berlin, 27. Februar, n den letzten Tagen brachte der Telegraph verschiedene Mitteilungen aus Amerika, die nicht sehr ermutigend lauteten. Die Kommission des Senats und des Repräsentantenhauses, die zum Studium der Einwanderungsfrage gewählt wurde, soll einen Bericht erstattet haben, in dem die Zahl der Einwanderer aus einem Lande nach Amerika Pro Jahr fest begrenzt werden soll. Es steht noch dahin, ob dieser Vorschlag Aussicht auf Annahme hat. Aber in jedem Falle ist es hierbei von Wichtigkeit, die bemerkenswerten Aeußerungen kennen zu lernen, die der Präsident der Vereinigten Staaten in seiner jüngsten Botschaft an den 58. Kongreß verlauten ließ. Sie folgen hier in wörtlicher Uebersetzung. Ueber Einwanderung und Naturalisation sagte Roosevelt in dieser Botschaft: „Bei der Behandlung der Einwanderungs- und Naturalisationsfrage ist es unerläßlich, denjenigen, die an der Gesetzgebung teilnehmen, einige Tatsachen vorzuhalten. Zuerst und vor allem halten wir fest, daß die Frage, ob man ein guter Amerikaner ist, mit dem Geburtsorte des Menschen ebensowenig etwas zu tun hat, wie mit seinem Glaubensbekenntnis. In jeder Generation seit der Begründung dieses Staates standen Männer ausländischer Geburt in den vordersten Reihen der bürgerlichen Gesellschaft und das nicht bloß auf einem, sondern auf jedem Gebiete der amerikanischen Tätigkeit, während es doch geradezu absurd wäre, wenn man einen Unterschied machen wollte zwischen denjenigen, deren Eltern ins Land kamen und denen, deren Vorfahren einige Generationen früher ankamen. Ein guter Amerikaner sein, ist Sache des Herzens, des Gewissens, der hohen Gesinnung, des gesunden Menschenverstandes, nicht aber des Geburtsortes oder des Glaubensbekenntnisses. Die Ehrenmedaille, die höchste Auszeichnung derer, die in der Armee und in der Marine der Vereinigten Staaten dienen, schmückt Männer, die hier geboren sind, schmückt aber auch Männer, die in Großbritannien und Irland, in Deutschland, in. Skandinavien und zweifellos auch in andern Ländern geboren sind. Auf dem Gebiete der Staatsverwaltung, auf dem Gebiete des Geschäftslebens, auf dem Gebiete der philantrophischen Bestrebungen ist es überall gleich wahr, daß unter den Männern, auf die wir als Amerikaner am meisten stolz sind, kein Unterschied gemacht werden kann zwischen denen, die selbst oder deren Eltern zu uns auf Segelschiffen oder Dampfern von jenseits des Wassers herüberkamen und denen, deren Vorfahren vor - etwa drei Jahrhunderten in der Waldwildnis von Plymouth oder an der Mündung des Hudsons, des Delaware oder des James gelandet sind. Niemand von unseren Mitbürgern genießt ein besonderes Ansehen der Art und Weise wegen, in der er seinen Schöpfer verehrt oder wegen seines oder seiner Eltern Geburtsortes, noch soll er deshalb in irgend einer Weise bei Seite geschoben werden. Jedermann muß als Mann für seinen Wert einstehen und jedermann kann verangen, nur danach beurteilt zu werden. Es ist einerlei, aus welchem Lande sie gekommen find. Wenn sie an Leib und Seele gesund sind und überdies, wenn sie gut von Charakter sind, so daß wir sicher sein können, daß ihre Kinder und Enkel würdige Mitbürger unserer Kinder und Enkel sein werden, dann heißen wir sie inherzlicher Gastfreundschaft willkommen. Aber das Bürgerrecht dieses Landes soll nicht entwürdigt werden. Es ist höchst notwendig, daß wir die Höhe des Wohlstandes unserer Lohnarbeiter erhalten, und deshalb dürfen wir nicht Menschenmengen den Zutritt gestatten, deren Lebenshaltung und Gewohnheiten so sind, daß sie dazu neigen, das Niveau des amerikanischen Lohnarbeiters zu erniedrigen; außerdem dürfen wir keinen Mann von unwürdigem Typus zulasten, keinen Mann, von dem wir sagen können, daß er selbst ein schlechter Bürger sein wird oder daß seine Kinder und Enkel anstatt sich der Gesamtheit des guten Bürgertums des Landes anzuschließen, sie vermindern werden. Aehnlich müssen wir mit der größten Sorgfalt bei der Naturalisation Verfahren. Betrügerische Naturalisation, Naturalisation Ungeeigneter Personen ist ein Fluch für unsere Regierung, und es ist Sache jedes ehrenhaften Wählers, gleichwo geboren, darauf zu achten, daß keine betrügerische Wahl erlaubt, daß kein Betrug bei der Naturalisation zugelassen wird. Nicht minder interessant sind die Aeußerungen des Präsidenten über die diplomatische Intervention Amerikas anläßlich der Kischinew-Massakres: Es gibt Fälle, bei welchen stark an unsere Sympathien appelliert wird, während unsere Interessen nicht sehr dabei im Spiele sind. Gewöhnlich ist es viel klüger und nützlicher für uns, mit unserer eigenen Moral und unserer materiellen Besserung hier zu Hause uns zu beschäftigen, als uns damit abzugeben, daß wir Lebensbedingungen bei anderen Nationen zu verbessern suchen. Wir haben mit einer Fülle eigener Sünden Krieg zu führen, und unter gewöhnlichen Umständen können wir mehr für die allgemeine Hebung der Menschlichkeit tun, indem wir mit Herz und Seele danach streben, der staatlichen Korruption, der brutalen. Gesetzlosigkeit und den mächtigen Rassenvorurteilen hier bei uns ein Ende zu machen, als wenn wir zu einem Unrecht anderswo Stellung nehmen. Trotzdem aber werden gelegentlich Verbrechen in so großem Maßftabe und so außerordentlicher Entsetzlichkeit begangen, daß wir zweifelhaft werden, ob es nicht unsere ausdrückliche Pflicht ist, unsere Mißbilligung der Tat und unsere Sympathien mit denen, die dabei gelitten haben, zu zeigen. Die Fälle müssen ganz außergewöhnlich sein, in denen solch ein.Verfahren gerechtfertigt ist. Wir sollen keine Anstrengung machen, den Splitter aus unseres Bruders Auge zu ziehen, wenn wir uns weigern, den Balken aus unserem eigenen zu entfernen. Aber in extremen Fällen ist Eingreifen gerechtfertigt und richtig. Welche Fornr das Eingreifen annehmen soll, muß von den Umständen des Falles abhängen, das heißt von dem Grade der Abscheulichkeit der Tat und von unserer Macht zu heilen. Die Fälle, in welchen wir uns mit Waffengewalt einmischen konnten, wie wir es taten, um den unerträglichen Verhältnissen auf Cuba ein Ende zu machen, sind notwendigerweise sehr selten. Es ist zu erwarten, daß ein Volk wie unseres, welches ungeachtet.gewisser ganz unverkennbarer Mängel, trotzdem als ganzes durch ein sicheres Handeln

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