Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 69 (1905)
- Issue
- Heft 8 (24.2.1905)
- Date
- 1905-02-24
- Page
- Seite 3 (sequence 15)
- Language
- German
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malers Ado lf Pichler statt. Mit den nächsten Angehörigen,-Freunden und -Bekannten hatten sich viele Künstlers darunter eine Deputation der Münchner Künstlergenossenschaft/ zur Erweisung der letzten Ehre eingefunde'n. Der Verstorbene, aus Ungarn stammend, seit fünfzig JahrKr in München lebend, entlehnte die Stoffe zu seinen Bildern hauptsächlich dem Alten Testamente Seinem besten Gemälde waren jene, die speziell die Geschichte des Judentums behandelten, wie „Der sterbende Jakob segnet seine Kinder", „Spinoza", Der bet ende Jude und „Juda Halevi". Auch anmutige Genrebilder gingen aus seinem Atelier hervor. In der Gedächtnisrede des Rabbiners Dr. Werner wurde hervorgehoben, daß der Verstorbene, ein bescheidener, anspruchsloser und toleranter Mensch, sein ganzes Leben dem Dienste des, Guten, Wahren und Schönen widmete und seine Kunst vornehmlich seinen Glaubensidealen weihte. Namens der Münchner Künstlergenossenschaft widmete deren Schriftführer Kunstmaler Groß, im Namen des Künstler-Unterstützungsvereines Kunstmaler Blume-Siebert unter ehrenden Nachrufen Kranzspenden. Karlsruhe, 16. Februar. Der Großherzogliche Oberrat der Israeliten hat zur Verbreitung von Wissen und Bildung der israelitischen Bevölkerung, namentlich auf dem Lande, Wanderbiblotheken errichtet. Da die verfügbaren Mittel nicht ausreichen, um allen Gemeinden dieses erwünschte Bildungsmittel zuteil werden zu lassen, so wendet sich der Großh. Oberrat. an dre israelitischen Familien des Landes mit der Bitte, in ihrem Besitze befindliche entbehrliche Bücher der Wanderbibliothek überlassen zu wollen, zunächst jedoch Verzeichnisse der abzugebenden Bücher (ausgeschlossen sind Schulbücher, veraltete Werke und Zeitschriften) dem Sekretariat des Großherzoglichen Oberrats der Israeliten in Karlsruhe zu übersenden. Auch nimmt das Sekretariat Geldbeiträge zur Beschaffung von Büchern für die Wanderbibliothek, welche mit deiä Namen des Spenders bezeichnet werden, entgegen. Wir glauben die Förderung dieser Wohlfahrtseinrichtung des Großherzoglichen Obeirates den israelitischen Familien Heidelbergs und Umgegend warm empfehlen zu sollen. Oesterreich-Ungarn. Hi Wien, 20. Februar. In der letzten Sitzung der'Zentralkommission für Kunst- und historische Denkmale beschloß die Kommission auf Grund des Referenten Neuwirt sich nur daun mit der geplanten Demolierung des im Assanierungsrayon der Stadt Prag gelesenen Hauses 9ir. 101, V. Bezirk (Hochsynagoge), einverstanden zu. erklären, wenn, der angestrebte Zweck der Assanierung absolut durch kein anderes Mittel als durch DemolieÄmg der Hochsynagoge oder der gegenüberliegenden, unter allen Umständen zu erhaltenden Alt-Neu-Synagoge zu erreichen wäre. Dagegen legt sie gegen den weiter beabsichtigten Abbruch des israelitischen Rathauses auf das entschiedenste Verwahrung ein, da dasselbe. für die Geschichte der Prager Judengemeinde ein hochwichtiger, architeßtonisch interessanter Bau von unbestreitbar malerischer Wirkung ist. -r Die Le mb erster Handelskammer wählte an Stelle desverstorbenen Abgeordneten v^ Piepes-Poratynski den Industriellen Samuel v. Horo'witz zum Präsidenten. — Der Kaiser hat den Rabbiner Abraham Schiller zum Feldrabbiner zweiter Klasse ernannt und dem Regimentsarzt. erstxr Klasse-Dr. A rth ur P olnisch das Ritterkreuz des Franz Josess-Ordens verliehen. — Am 4. d. ist in Tarnopol der kaiserliche Rat Bernhard Schütz, Seniorchef der Firma. Bernhard Schütz & Sohn Otto in Tarnopol im ' 69. Lebensjahre gestorben. Er war Präsident der Tarnopoler israelitischen Kultusgemeinde, Präses der Direktion der" Sparkasse der Stadt Tarnopol, Gemeinderat und Assessor. der Stadtgemeinde. Mitglied des Bezirksausschusses sowie der Handels- und Gewerbekammer und" Zensor der Oesterreichisch-UngarischenBank. — In Trebitsch ist am 3. d. M. der Kultusvorsteher Leopold Ornstein, Seniorchef der Firma Leopold Ornstein, im Alter von 61 Jahren gestorben. * rjfcs Budapest, 10. Februar. Am 7. d. M. starb im Alter voll 69.Jahren Paul Tencer, einer der Gründer des „Ungarisch-jüdischen Vereins" und zeitweiliger Redakteur des von diesem Verein in den sechziger Jahren des vorigen Jahrhunderts herausgegebenen „Magyar Jsraelita". Tencer^ wirkte unablässig ffttr die Magyarisierung der -ungarischen Juden, was ihn aber nicht abhieltein deutsches-Journal „Das neue Politische Volksblatt" zu gründen, dessen Redakteur er 18 Jahre war. 3-5 Jahre war er im Interesse der hiesigen jüdischen Gemeinde, besonders ihrer kulturellen und humanitären Einrichtungen rastlos tätig. Als Stadtrepräsentant setzte'er es durch, daß der Volksunterricht,, wenn auch nicht nommell, so doch faktisch ganz unentgeltlich ist, denn unter den 60 000 Kindern, welche die hiesigen Kommunalschulen besuchen, zahlen kauni 10 Prozent Schulgeld. — Der hiesige Advokat Adolf Feilner wurde von den Sozialdemokraten als Abgeordneter gewählt. ' - ' Suszland. L. A. T. Odessa, 6. Februar. Am 15. Januar fand in . der Petersburger Synagoge in Gegenwart einer zahlreichen Versammlung eine Gedächtnisfeier für den kürzlich verstorbenen Professor Nikolai Baxst statt. Wie uns mitgeteilt wurde, vermachte der. Verblichene dem Komitee für jüdische Handwerker und Ackerbauer, dem er als Verwaltungsrat angehörte, 5000 Rubel, und seine reiche Büchersammlung der Gesellschaft zur Verbreitung der Bildung unter den Juden in Rußland. —. Die Moskauer jüdische Gemeinde ersuchte die Regierung, die noch im Jahre 1891 erbaute Synagoge wieder eröffnen zu dürfen. Dieses Gotteshaus wurde seiner Zeit auf Antrag des Moskauer General-Gouverneurs, des Großfürsten. Sergius, geschlossen, und das wiederholte Nachsuchen, dieses Verbot auszuheben, wurde abgelehnt. Jetzt in Anbetracht des kaiserlichen Ukases vom 25. Dezember.1904, der das Prinzip der-Glaubenstoleranz verlangt, und angesichts der Veränderungen in . der Zusammensetzung der höchsten. Moskauer Administration, hoffen die dortigen Juden, daß ihr langjähriges, gerechtes Verlangen einen Wiederhall in den höchsten Sphären finden wird, und dieselben die Möglichkeit erhalten werden, ungehindert den Gottesdienst in ihrer Synagoge verrichten zu dürfen. — Aus Jalta (Krim) schreibt man folgendes: Am 28. Dezember in der Sitzung der klimatoterapeutischen (medizinischen) Sektion der.Ialtaer Abteilung der russischen Gesellschaft zur Wahrung der Volksgesundheit wurde ...der Antrag des Dr. .Huchmann geprüft, bei der Regierung für die kranken Juden das. Recht zu erhalten, die südliche Küste der Krim im allgemeinen, und Jalta insbesondere besuchen zu dürfen. Diese Frage wurde ohne Debatte angenommen, und einstimmig wurde folgende Resolution beschlossen: Die Verwaltung der Abteilung wird beauftragt, beim Minister, des 'Innern eine motivierte Vorstellung darüber zu machen. — Die Jekaterinoslawer Landschaftsversammlung beschloß in der Frage der Stipendien dev Lehranstalten, wofür 10000 Rubel angewiesen sind, aus Antrag der Mitglieder Korostowzew und Kamensky einstimmig den Ausdruck „christlicher Konfession", .auszulassen, dadurch können die Stipendien allen ohne Unterschied der Relgion verliehen werden. — Der Chef der Verwaltung der Staatsdomänen in Neurußland, der wirkliche Staatsrat Somow, schenkte 500 Rubel der jüdischen landwirtschaft^ lichen Schule in der Kolonie Neupoltawka. Diese Gabe wird eine, spezielle Bestimmung des Kurators dieser Lehranstalt erhalten. — Der Stadtverordnete Falbork stellte im Petersburger Gemeinderat den-Antrag, daß dieser beim Ministerium des Innern vorstellig, werde, damit das Gesetz, welches den Juden verbietet, an den Wahlen der Stadtverordneten teilzünehmen, aufgehoben werde. Der gewesene Minister des Innern, der humane Fürst. Stvjatopolk- Mirsky, gestattete dem Juden Preismann, Ritter des St. Georgen-' ordens, in Petersburg zu wohnen. DerlangjährigeKriegsdienst verschoute denselben nicht vor unzähligen Chikanen wegen des Wohnungsrechtes. Die Polizei verfolgte Herrn Preismann beharrlich, und die Klagen, die er an verschiedene Behörden' richtete, blieben ohne Erfolg. Blos die „neuen Strömungen" retteten.den „Ritter" von dem -unvermeidlichen Schicksale,-auch aus der Residenz gejagt zu werden. Von Ksh und jfrrn. ' Der Geheime Kommerzienrat Eduard: Helfft chat den Kronenorden III. Klasse erhalten. — Rechtsanwalt Hertwig aus Charlottenburg, ein ehemaliger antisemitischer-Agitator,' Verteidiger Ahlwardts im Judenflintenprozeß und Reichstagskandidat, ist am 1*3. d. M. vom Landgericht II wegen Unterschlagung in ideeller