Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 69 (1905)
- Issue
- Heft 8 (24.2.1905)
- Date
- 1905-02-24
- Page
- Seite 2 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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■ vs. Berlin, 17. Februar. Frl. Jda:Behrendtf 'eine wissenschaftlich geprüfte Lehrerin, hat nach reichen .Erfahrungen im In-- und Auslande in Schlachtensee bei Berlin ein Pensionat für junge Mädchen errichtet, das erste. dieser Art, das: veil Eltern die Garantie bietet, ihre Töchter stets in gesunder Luft zu wissen und: ihnen trotzdem bei der Nähe und guten Verbindung die Bildung der Großstadt verschaffen zu können. : .; s. Berlin, 20. Februar. Das Leichenbegängnis der Frau Du Baueth, der Gattin des Dozenten an der Lehranstalt für die Wissenschaft des Judentums, legte Zeugnis davon ab, eine wie große Verehrung und Liebe die Verblichene in weiten Kreisen genossen hatte. Die Trauerrede hielt Rabbiner Dr. Eschelbacher, der in ergreifender und treffender Weise ein Lebensbild der Verstorbenen entwarf und die hervorragenden Eigenschaften ihres Herzens und Geistes rühmte. In gleich wirksamer Weise sprach nach ihm Rabbiner Dr. Warschauer, der im Namen der ehemaligen und jetzigen Hörer der Lehranstalt den Gefühlen des Dankes Ausdruck verlieh für das liebevolle Interesse, das die Dahingeschiedene den Schülern ihres Mannes jederzeit entgegengebracht hatte. Die Gebete verrichtete in der Leichenhalle wie am Grabe Rabbiner Prof. Dr. Mahbaum. n. Bartschin, 17. Februar. Auch unsere kleine Gemeinde teilt das Geschick aller kleineren Gemeinden der Provinz Posen. Die wohlhabenden und leistungsfähigen Mitglieder der Gemeinde ziehen weg, die.Gemeinde wird immer kleiner und kleiner und hat dann zu kämpfen und zu ringen, um sich noch aufrecht zu halten. Einer unserer besten und verdienstvollen wird uns in wenigen Wochen verlassen. Herr Nathan Lachmann, der langjährige Vorsitzende der Gemeinde und Ehrenbürger der Stadt Bartschin geht Ende März von hier nach Posen. Um den überaus verdienstvollen Bürger, der zwei Jahre erster Schöffe der Stadt gewesen, gebührend zu ehren, verliehen Magistrat und Stadtverordneten-Kollegium Herrn Nathan Lachmann dort das Ehrenbürgerrecht. n. Breslau, 19. Februar. Sonnabend, den 18. d. M., fand im großen Saale der Lessing-Loge die Generalversammlung der hiesigen Ortsgruppe des '„Zentralvereins deutscher Staatsbürger jüdischen Gl'aubens" statt. Sie war überaus zahlreich besucht. Der Vorsitzende Dr. C. Reich eröffnete die Versammlung und erstattete über das abgelausene Vereinsjahr Bericht, unter anderen über die Affäre Hauptmann A. Feige. Bei der darauffolgenden Vorstandswahl wurden die bisherigen Personen in den Vorstand wiedergewählt. Nur an Stelle des früheren Vertreters des „Vereins jüdischer Studenten", der dem Vorstände angehört, wurde ein andrer Herr auf Antrag des genannten Vereins als Vertreter desselben gewählt. Dann ergriff Herr D. Schlesinger das Wort und forderte in kurzen Worten alle Anwesenden zum Beitritt auf. Darauf erteilte der Vorsitzende dem Hauptredner des Abends, Herrn Rechtsanwalt Sönnenfeld-Berlin, das Wort zu seinem Vortrage: „Unser Kulturkampf." In ein- und einhalbstündigem fesselndem Vortrage entwickelte der Redner die Ziele und Tendenzen des Vereins. Er legte dar, was der Verein bis jetzt nach allen Seiten hin geleistet hat. In scharfen Worten wandte er sich gegen den Antisemitismus und Taufen. Das, was in den neuen Handelsverträgen bezüglich der Juden erreicht worden ist, daß Graf Pückler endlich empfindlich verurteilt worden ist, das sei alles ein Ergebnis der unermüdlichen Tätigkeit des Vereins. Vor allem forderte er die jüdische Presse zu tatkräftigem Mitwirken an dem großen Werke auf und zeigte auch an einer Anzahl treffender Beispiele, wie manchmal vielleicht trotz des guten Willens gerade das Entgegengesetzte erreicht wird. Der allgemeine Beifall wird dem Redner wohl zur Genüge bewiesen Ijatien, einen wie tiefen und nachhaltigen Eindruck seine Worte ‘ aus die Zuhörer gemacht haben. Dr. Reich dankte dem Redner im Namen des Vereins und eröffnete die Diskussion. Zunächst ergriff Dr. Goldschmidt das Wort, dessen Ausführungen in dem großen Saale fast ganz verloren gingen. Ihm folgte Zahnarzt Schachtel, - der Vorsitzende der hiesigen zionistischen Vereinigung, der den Verein bat, nicht bloß im öffentlichen, sondern auch im privaten Gesellschaftsleben energischer gegen den Antisemitismus aufzutreten. Hiermit endete die Diskussion und der Vorsitzende schloß die glänzend verlaufene Sitzung-, die wieder Zeugnis davon ablegte, daß auch in unserer Gemeinde, obwohl im einzelnen auch hier die Meinungen weit auseinander gehen, das Gefühl der Zusammengehörigkeit gegen den gemeinsamen Feind wach und lebendig ist. Wir können' dem Verein auch an dieser Stelle nur wünschen, daß er wachsen und fortwirken möge -zunr Segen der deutschen Judenheit. tz. Rybnik, im Februar. Am 23. d. M. feierte Herr Ratsherr Prager seinen 70. Geburtstag. Ein Sohn unferer Stadt, hat er fast seine ganze Lebensbahn in ihr dnrchmessen und seine Kräfte in körperlicher, materieller und: moralischer Hinsicht dem: Besten her Stadt geweiht. 24 Jahre war er Stadtverordneter, 14 Jahre Magistratsmitglied. Er ist Mitglied der königlichen Steuerveranlagungskommission, Vorsitzender des VerwaltuttgsrateL.der städtischen Sparkasse, Gründer und Vorstandsmitglied der Feuerwehr, des Verschönerungsvereins, des Gartenbauvereins, Vorstandsmitglied des .^Vaterländischen Frauenvereins", 38 Jahre Vorsteher derjüdischen Gemeinde und seit dem Bestehen des Waisenhauses dessen Kurator. .Als Vorsteher der. jüdischen Gemeinde hat er geradezu ideal gewirkt. Einer von den wenigen Privatmännern, die im jüdischen. Schrifttum zu Hause sind, verschloß und werschließt er sich nicht den Bedürfnissen her Gegenwart. Wo er erkannt, daß eine gewünschte oder beantragte Maßnahme kultureller Natur zum Wohle der Gemeinde dient, da folgte er dem aufgeklärten und aufklärenden Geist der Zeit. Zahlreiche Briefe des verewigten Herzogs und der Herzogin von Ratibor lassen erkennen, wie sehr er im Stillen zur Linderung der Not beigetragen und wie sehr die hohen Herrschaften seinen gerechten Sinn, seine unanfechtbare Neellität und sein goldenes Herz bewunderten. Als Begründer einer weit über Schlesiens Gaue bekannten Blaudruckfabrik gewährt er hunderten von Arbeitern lohnende Beschäftigung,. Und von feiner humanen Behandlung gibt die .Tatsache Kenntnis, daß noch heute ein Teil der vor 25 Jahren eingetretenen Arbeitern, bei ihm in Diensten steht. Treuen Dienstmädchen errichtete er eine Stiftung, armen Studierenden lieh er weitgehendste Unterstützung, und wo es eine Tat des reinen Menschentums galt, da war Ratsherr Abraham Prager an erster Stelle. Und in Unvergleichlicher Form hat er es verstanden,, den Frieden unter den Konfessionen in . unserer Stadt zu erhalten. Möge sein Wirken und Streben vorbildlich werden; möge ihm ein heiterer Lebensabend beschieden sein! . . . n. Essen, 15. Februar. Das Jubelfest d es israelitischen Frauen Vereins, das aus Anlaß dessen 50jährigen Bestehens am *4. d. M. unter lebhafter Beteiligung der Mitglieder und ihrer Angehörigen im Saale des Kasinos gefeiert wurde, nahm einen befriedigenden Verlauf. Eingeleitet wurde das Fest durch ein gemeinsames Abendbrot, bei welcher Gelegenheit der Beirat des Vereins, Rabbiner Dr.-Samuel, die offizielle Begrüßungsansprache hielt, der sich eingehend über soziale Fürsorge und die Aufgaben des Frauenvereins verbreitete. Unter den Damen des Vorstandes würde neben der Ehrenvorsitzenden Frau Witwe Samson Gottschalk, der Vorsitzenden Frau Witwe Jakob Lewy, die ihm über 30 und Frau Herz Hirschland, die ihm bereits 20 Jahre angehört, ganz besonders Frau Prediger Btumenfeld gefeiert. Mit ihrem verstorbenen Gatten hat sie vor fünf Jahrzehnten ander Wiege des Vereins gestanden und während dieser langen Zeit mit Umsicht, Geschick und Treue das Schriftführeramt versehen. Das Jubelfest des Vereins war deshalb auch ein Jubiläum für sie. In Wort ,und Lied — und in einem prachtvollen Angebinde, das ihr mit sinnigen Begleitworten von Frau Herz Hirschland überreicht wurde, zollte man ihr wärmste Anerkennung und herzlichsten Dank. Im Verlaufe des Festabends brachten ferner noch die Herren Js. Sim. Hirschland namens des Gemeindevorstandes, Herz Hirschland .namens der vereinigten Wohltätigkeitsvereine, I. Geldern für die Chewra Kadischa, Hermann Herz im Aufträge seiner Schwiegermutter, der 87jährigen Ehrenvorsitzenden Frau Witwe Sams. Gottschalk und Lehrer Kaufmann für die israeli? tische Gemeindeschule dem Frauenverein die besten Glückwünsche dar. Die Begeisterung , des Festabends erreichte ihren Höhepunkt, als Frau Blumenfeld, die noch jugendfrische Greisin, das Wort ergriff, um nach ,einem kurzen Rückblick auf die segensreiche Tätigkeit des Frauenvereins allen, die zum Gelingen, des Festes beigetragen, den aufrichtigsten Dank auszusprechen. Ein sinnreicher Prolog leitete , zu der Nunmehr beginnenden musikalisch-deklamatorischen Unterhaltung , über. 1. München, 15. Februar. Auf dem israelitischen Friedhöfe fand die Beerdigung des im Alter von 70 Jahrenverstorbenen Historien-