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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1905-02-24 · Heft 8 (24.2.1905) · page 13

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
69 (1905)
Issue
Heft 8 (24.2.1905)
Date
1905-02-24
Page
– (sequence 13)
Language
German
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69. Jahrgang. No. 8. Der Gemeindevcite. Berlin, 24. Februar 1905. Beilage zur „Allgemeinen Leitung de§ Judentums. korrelpondkn-m und Sgchrichten. Deutschland. s. Berlirr, 19. Februar. Der - geschäftsführende Ausschuß des „Hilfsder e ins der deutschen Juden" hat in seinen beiden letzten Sitzungen eine größere Anzahl von Bewilligungen votiert, die auch für die Allgemeinheit von Interesse sein dürften. Für eine Reihe von jüdischen Gemeinden in Rußland: Mohilew, Vichow, Alexeris rc. welche durch Exzesse, sowie für die Gemeinde Galatz in Bessarabien die durch eine Mißernte stark mitgenommen wurde, hat der Hilfsverein zur Linderung der großen Not unter unseren dortigen Glaubensgenossen die Summe von 20000 Mark bewilligt. Zur Einführung einer neuen Industrie in Galizien ist einem Berliner Unternehmen ein unverzinsliches Darlehen von 6000 Mark gewährt worden. Zur Begründung einer Herberge in Königsberg i. Pr., für welchen Zweck der Erwerb eines eigenen Grundstückes gemeinsam mit dem Hilssverein für kranke, russische Israeliten sich als zweckmäßig erwiesen hat, sind dem dortigen „Schutzkomitee" des Hilfsvereins im ganzen 8000 Mark und 1000 Mark jährlich zur Verfügung gestellt worden. Es ist sodann eine Reihe von Bewilligungen für Schulzwecke anzuführen. Für ein zu begründendes Lehrerseminar für die ostpreußischen Juden in Frankfurt a. M. hat der Hilssverein einen einmaligen Betrag von 5000 Mark sowie einen jährlichen von 1000 Mark zunächst für zehn Jahre ausgeworfen. Zu den Baukosten einer Mädchenschule in Haskieu steuert der Hilfsverein 5000 Mark .bei. Dem bereits bestehenden Kindergarten des Hilssvereins in Jaffa und Jerusalem sind für das Jahr 1905 4000 Franks, für einen neu zu begründenden Kindergarten in Saffed 1500 Franks bewilligt worden. Einer Reihe von Schulen in Rumänien wurden gleichfalls Beiträge votiert, ebenso ist der Or-Thora-Schule in Konstantinopel der Jahresbeitrag von 1000 Mark auf 1500 Mark für das Jahr 1905 erhöht worden. Zur Anstellung eines Schächters und Lehrers in Eschkeschehir am Knotenpunkte der Anatolischen Eisenbahnen, hat der Ausschuß einen Zuschuß von 600 Franks bewilligt. Zur Ausbildung einer Kindergärtnerin, die später in Palästina wirken soll, wurde ein jährlicher Zuschuß von 800 Mark, für die Bekämpfung des Mädchenhandels 300 Mark bewilligt .rc. Dieser kurze Auszug aus dem Protokoll der letzten Sitzungen beweist aufs neue, wie außerordentlich groß die Anforderungen sind, die aus allen Ländern des Ostens an den Hilfsverein der deutschen Juden fortwährend gestellt werden. Die Leitung des Hilfsvereins wird aber nur dann in der Lage sein, diesen Anforderungen dauernd und wirksam zu genügen, wenn ihm alle Kreise der deutschen Judenheit, soweit sie materielle Opfer zu bringen in der Lage sind, in seinen Humanitären Bestrebungen unterstützen. 8. Berlin, 19. Februar. Der Zentralverein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens hat sich kürzlich darüber beschwert. daß bei der Ausschreibung einer Lehrerstelle für Naturwissenschaft und Mathematik in einer märkischen Stadt ausdrücklich ein evangelischer Lehrer verlangt wurde. Die Beschwerde wurde abschlägig beschieden mit dem Hinweis, daß die Schule 76 evangelische, 5 katholische und „nur 3 jüdische Schüler" zähle. Daß in dieser eigenartigen Auffassung der staatsbürgerlichen Gleichberechtigung aller Anwärter der Geist der Verfassung verletzt wird, die da bestimmt, bei der Besetzung von Aemtern dürfen Unterschiede der Konfession nicht gemacht werden, ist klar. Wir haben umsomehr die Pflicht, immer und immer wieder laut und vernehmlich unseren Standpunkt zu betonen. 8. Berlin, 12. Februar. Der Verein zur Bekleidung armer jüdischer Kinder, dessen-zweites Geschäftsjahr mit dem 31. März d.,J. abläuft, hat in der kurzen Zeit seines Bestehens doch schon recht Nennenswertes geleistet. Ueber 500 Kinder sind vollständig eingekleidet und ausgerüstet worden,., und dafür sind über 6000 Mark verbraucht. Und trotzdem die Mitgliederzahl beinahe .300 beträgt, stehen die Einnahmen des Vereins in keinem Verhältnis zu seinen Ausgaben, und nur die allerdringendsten Gesuche können berücksichtigt werden. Da nun gerade jetzt wieder ganz bedeutende Ansprüche gestellt werden und in Aussicht stehen, durch die in die Ferienkolonien zugelassenen Kinder, für deren Ausstattung der Verein sorgt, so ergeht die herzliche Bitte an alle Edeldenkende, den Verein zu unterstützen, sei es durch einmalige Beiträge oder durch Anmeldung zur Mitgliedschaft (Mindestbeitrag 3 Mark jährlich) auch werden Kinderbekleidungsstücke dankend angenommen. Die Geschäftsstelle befindet sich bei Herrn Siegbert Würzburg, W. 30, Eisenacherstr. 8 (Amt 6a Nr. 12670). — Berlin, 20. Februar. Der Vorstand der Hilfs lasse für israelitische Kultusbeamte, deren Witwen und Waisen hat nunmehr einen Kantorentag behufs Herbeiführung einer Organisation der jüdischen Kantoren Deutschlands für den 12. und 13. Juni d. I. einzüberufen beschlossen. Dieser Beschluß wird in den beteiligten Kreisen.sicher mit großem Interesse ausgenommen werden. F. Berlin, 20. Februar. Es dürste vielleicht interessieren, daß einige der wertvollsten Bilder Adolf Menzels direkt jüdischen Mäcenen ihr Entstehen verdanken und daß die meisten „Menzels", soweit sie nicht bereits öffentlichen Sammlungen eingereiht wurden, sich noch heute meist in Händen der baute finance befinden. Wir erwähnen als Besitzer solcher Bilder Bleichröder, H. Fränkel, Eduard Cohen (Frankfurt a. M.), Meyer Cohn (Berlin). Kassirer, Goldschmidt, Landau. Masse, Schiff, Perl und Albert Arons. Menzel selbst erzählt. O. Beta: Als ich 1872 dem mich um ein Bild angehenden Bankier Liebermann (dem Onkel des Malers) das „Eisenwalzwerk" zu malen vorschlug, war er zunächst ganz erstaunt. Und so gehFs. wohl einem jeden. „Es reitet jeder Komödiant aus seinem Efelein", heißt's im Hamlet. Die Welt will es so. Auch das „Flötenkonzert in Sanssouci" war fertig und stand fast ein Jahr beim Geheimrat Olfers, ohne daß der König es besichtigt. So mußte ich denn froh sein, es an den Stadtrat I. loszuwerden für 2000 Taler, aus dessen Nachlaß es für 17 000 Taler von Magnus Hermann erworben wurde. Und als dieser sich in Grundstücksspekulationen übernommen hatte, ging es für denselben Preis im Notverkauf an die Natioualgalerie über." Menzel bemerkt selbst: „Ich steckte in. Schulden über Schulden" — und er war den jüdischen Bestellern sehr dankbar, daß sie in jener Zeit, als ihm die staatliche Anerkennung den Weg noch nicht geebnet hatte, seiner Meisterschaft vertrauten und seine Bilder zu hohen Preisen erwarben. — Eine herzliche Freundschaft verband Menzel mit Berthold Auerbach, für dessen Volkskalender er in seiner ersten Schaffenshälfte tätig war, und vor allem mit dem sel. Professor Lazarus. Es versteht sich von selbst, daß er einer der entschiedensten Gegner des Antisemitismus war. — Berlin, 18. Februar. Die Jacob Israel-Stiftung, Pensionskasse für die Angestellten des Firma N. Israel zu Berlin sowie für deren Witwen und Waisen, hielt am Dienstag, den 14. Februar cr. ihre diesjährige ordentliche Generalversammlung ab. Der Vorsitzende erstattete in eingehender Weise über . die Finanzlage der Kasse Bericht und schloß mit dem erfreulichen Resultate, daß das Stiftungskapital von 250 000 Mark in den nenn Jahren des Bestehens der Stiftung sich um 515 201,03 Mark erhöht hat, so daß die Kasse augenblicklich über ein Vermögen von 765 201,03 Mark verfügt. Der von den Inhabern der Firma N. Israel geleistete Zuschuß betrug für 1904 20 266,53 Mark. Nachdem dem Vorstande wegen der Kassenverwaltnng Decharge erteilt und die Vorstandswahlen vollzogen waren, fand eine lebhafte Diskussion über den weiteren Ausbau der Jacob Israel-Stiftung statt, welche dem Vorstande willkommene Gelegenheit bot, den Mitgliedern für den Fall der andauernden günstigen Vermögensentwicklung der Stiftung für die Zukunft noch größere Vorteile aus der Kasse in Aussicht zu stellen.

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