Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 69 (1905)
- Issue
- Heft 7 (17.2.1905)
- Date
- 1905-02-17
- Page
- Seite 3 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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spenden auch Stoffe und neue Kleidungsstücke von großen Firmen der betreffenden: Branchen gespendet wurden. Ebenso wurden auch mannigfaltige Unterhaltungsjugendschriften und Spielzeug geschenkt, welche aber, nur an Kinder mit guten Schulzeugnissen verteilt wurden. .Die Damen sehen ihre Aufgabe mit der Bekleidung der Kinder nicht für beendet an. sondern behalten die von ihnen bescherten Kinder auch während, des Jahres im Auge und üben eine eingehende Kontrolle über dieselben aus. So gibt.uns auch der hier folgende Bericht ein schönes Bild echt jüdischen Wohltätigkeitssinnes und Wohltuns. Der Bericht hat folgenden Wortlaut: Den gütigen Spendern, welche uns wiederum die Mittel gewährten, zu Chanukah armen Kommunalschülern die notwendigsten Kleidungsstücke und Lehrmittel zu bescheren, statten wir hiermit innigsten Dank für das uns wiederum bewiesene Vertrauen und zugleich Bericht über unsere Tätigkeit ab. Wir empfingen bar 19 541,10 Mark, außerdem wertvolle Textilstoffe, Kleidungsstücke, Spielzeug und andere Gegenstände. Ferner von Herrn Kommerzienrat Jacob Landsberger anläßlich seines 80. Geburtstages 200 Mk., von Herrn B. Behrens IGO Mk. Für diese Gaben danken wir den gütigen Spendern noch ganz besonders. Wir verausgabten Mark 20.044,04 es ergab sich demnach ein Minus von 502,94 Mk., das wir unserem Reservefonds entnehmen mußten. 674 Familien mit 1329 Kindern erbaten die Unterstützung; außerdem wurden 25 Kinder abgewiesen, weil kein Bedürfnis vorlag. Für 'diesen Betrag erhielt fast jedes Kind Kleidung, Stiefel und Wäsche nach Maß gefertigt. Zur Ausführung unserer Arbeiten beschäftigten wir ausschließlich kleine Handwerker und erleichtern denselben dadurch vielfach ihr Fortkommen. Wir hoffen demnach. Ihre gütige Spende für die armen Kinder sorgsam verwaltet zu haben und wagen die Bitte, unserem Verein auch ferner ihr Wohlwollen zu bewahren. s. . Berlin, 13. Februar. Gestern ist Frau Clara Bag in St y, geb. Kristeller, die Gattin des Prof. Dr. Adolf Baginsky, hier, im 46. Lebensjahre gestorben. Frau Baginsky war in der Berliner Gesellschaft eine bekannte Erscheinung; sie. nahm an vielen jüdischen und allgemeinen Wohlfahrtsbestrebungen, insbesondere an solchen auf dem Gebiete der Kinderfürsorge, den regsten Anteil. Besonders zu gedenken ist ihrer Bemühungen um das Kaiser und Kaiserin Friedrich-Krankenhaus, die Schaffung desselben ist zum großen Teile das Verdienst Prof. Baginskys. Bei den Vorarbeiten, bei der-Einrichtung und stzäter beim Wirtschaftsbetriebe, solange dieser noch nicht städtisch war, stand Frau Baginsky ihrem Mann mit Rat und Tat zur Seite. n. Breslau, 8. Februar. Der hiesige Rittergutsbesitzer Julius Schottländer errichtete zur Feier seines 70. Geburtstages, der auf den 22. März d. I. fällt, eine Stiftung von drei Millionen Mark. Dieselbe soll, sobald die Genehmigung von der königlichen Regierung eintrifft, von einem Kuratorium verwaltet werden, dessen Zusammensetzung sich der Stifter für die Zeit seines Lebens vorbehält. Nach seinem Tode ist der Vorsitzende des Kuratoriums der jeweilige Besitzer des Rittergutes Hartlieb, solange derselbe ein Jude ist. Die Zinsen sollen Wohltätigkeitsvereinen und Bürgern ohne Unterschied des Glaubens im Stadt- und Landkreis Breslau sowie in der Stadt Münsterberg, dem Geburtsort des Stifters, zugute kommen. Bei Ausbruch eines Krieges oder sonstiger schwerer Katastrophen sollen die Bewohner der ganzen Provinz und noch weitere Kreise daran Anteil nehmen. — Frau Bertha Schottländer, eine nahe Verwandte des Rittergutsbesitzers I. Schottländer, überwies zur Feier Ihres 85. Geburtstages der hiesigen jüdischen Gemeinde 500000 Mark. Dieselben sollen für jüdische Wohltätigkeitsanstalten nach Beschluß des Gemeindevorstandes verwandt werden. — Schon vor einigen Jahren bestanden hier hebräische Sprachkurse, die sich jedoch aus verschiedenen Gründen auflöften. Jetzt nimmt der „Verein jüdischer Religionslehrer- und Lehrerinnen zu Breslau" unter Vorsitz des Herrn Rabbiner Fabian die Angelegenheit wieder auf und eröffnet demnächst einen Kursus für die Anfangsgründe im Hebräischen. Berechtigt zur Teilnahme sind junge, nicht mehr schulpflichtige Damen. — Am 4. d. M. fand im kleinen Saale der Lessingloge eine öffentliche Besprechung statt, die. über die Gründung eines „HilfsVereins sür die jüdischen Taubstummen" als Zweigverein des Berliner Hilfsvereins.beschließen sollte. Die Rabbiner unserer Gemeinde, Herr Dr. Rosenthäl und Herr Dr. Guttmann, sowie Herr Dr. Klüger, Religionslehrer an der hiesigen Taubstummenanstalt,; traten vor allen Dingen für die Gründung eines Altersheims sür die jüdischen Taubstummen ein. Die Ausführungen genannter Herren fanden lebhaften Beifall, und es wurde einstimmig beschlossen, eine energische Agitation für die Zwecke und Ziele des Vereins in die Wege zu leiten. Demnächst soll eine öffentliche Versammlung einberufen werden, in welcher Herr Dr. Klüger ein Referat , halten wird. Möge es dem Verein gelingen, seine Ziele zum Glück, und Segen unserer unglücklichen Glaubensgenossen in ausgedehntestem Maße zu erreichen. 8. IV. Hamburg, 1. Februar. Am 23. v. M. fand im Logenheim eine Sitzung des Vorstandes des Jüdischen Frauenbundes statt. Als beratende Teilnehmer waren auch die Vorstände der Hamburger Vereine anwesend, die sich dem Bunde bereits an geschlossen. Die Versammlung war recht gut besucht. Die Vorsitzende, Frl. Pappenheim (Frankfurt a. M.), eröffnete die Sitzung, dankte den Hamburgern und den von auswärts erschienenen Vorstandsmitgliedern und setzte noch einmal kurz die Gesichtspunkte auseinander, aus denen heraus der Bund gegründet wurde. Der Bund soll und will nicht in die Einzelvereine eingreifen, er soll und. will eine Stärkung der Schwachen bedeuten, er will bei der Lösung von Allgemeinfragen die Führung übernehmen, er will das Solidaritätsgefühl der jüdischen Frauen stärken, er will dahin wirken, daß die jüdischen Frauen ihre eigene Sache, die jüdische Frauensache als ihre eigenste, richtigste betrachten, die jüdische Frau lerne insbesondere, daß ihr bestes Fühlen, ihre beste Kraft ihrem jüdischen Volke gehört. Und ob die Vereine sich Holzvereine, Krankenverein oder Wöchnerinnenverein, Nähverein oder. Unterstützungsverein nennen, sie alle können durch ihren Anschluß an den Jüdischen Frauenbund dem Bunde und . rückwirkend sich selbst dienen, da jede Einzelrichtung und jedes Einzelbestreben Platz finden soll in dem ganzen Großen. Und bietet der Bund auch nicht gleich so große ersichtliche Vorteile, so wird die nächste Zukunft sie sicher für jeden Einzelverein zeitigen. Wie wenige jüdische Frauenvereine arbeiten überhaupt. heute schon auf jüdisch-sozialem Gebiet! In den provisorischen Statuten begründet daher der Bund seine Ziele mit den Worten: „Der Bund verfolgt die Förderung der Gesamtinteressen der jüdischen Frauenwelt. Er will Gelegenheit geben zum Gedankenaustausch, zu Vergleichen, zur Anregung selbständiger Schöpfungen und enthält sich jeden Eingriffes in die Selbständigkeit der einzelnen Vereine. Politische und religiöse Parteifragen sind ausgeschlossen." Die erste Schriftführerin Frau Henriette May, Berlin, gibt darauf einen Bericht über ihre bisherige Tätigkeit und bringt zur Kenntnisnahme, daß erfreulicher Weise bereits sich 42 jüdische Frauenvereine dem Bunde angeschlossen haben. Nun wird zur Beratung einiger Punkte der Tagesordnung geschritten: Frl. Sidonie Werner, Hamburg, wird zur Vorsitzenden eines Preßkomitees ernannt. .Es wird beschlossen, daß alle offiziellen Berichte durch ihre Hände gehen und mit O. B. bezeichnet werden sollen. Es werden Vorschläge zur praktischen Arbeit gemacht, die bei der nächsten Delegiertenversammlung zur Klarlegung kommen sollen. Es sollen dann nachstehende Themata behandelt werden: Frl. Werner, Hamburg : Zulassung der Frauen - zur jüdischen Gemeindearmenpflege. Frl. Pappenheim, Frankfurt: Uneheliche jüdische Kinder. Frau Dr. Seligmann, Frankfurt: Zentralisation der Armenpflege. Die Versammlung beschließt, daß der Bund dem „Hülfsverein der deutschen Juden" seine Bereitschaft erkläre, jegliche Arbeit zu übernehmen, die Frauen in der augenblicklich so aktuellen Auswandererangelegenheit leisten können.- Die Versammlung geht von der Ueberzeugung aus, daß Frauenhilfe, besonders in den Grenzstädten, sehr wohl erwünscht sein könnte. Es wird beschlossen, die nächste Delegiertenversammlung im Herbst in Frankfurt a. M. abzuhalten. — Köln/ in Februar. Unter der Ueberschrift: „Eine antisemitische Geschmacklosigkeit" schreibt die „Köln. Ztg.": Die Bezeichnung „judenfreier" oder „judenreiner Gasthof" ist im Großherzogtum Baden nach einer Entscheidung des Ministeriums des Inneren sowie des Verwaltungsgerichtshofs unzulässig. Voreinigen Jahren hatte ein Wirt in Oberlauchringen bei Waldshut an seiner gegenüber dem Bahnhof gelegenen Wirtschaft ein Schild angebracht mit der schon vom Eisenbahnzug aus -sichtbaren Inschrift „Jüden- '.r