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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1905-02-17 · Heft 7 (17.2.1905) · page 13

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
69 (1905)
Issue
Heft 7 (17.2.1905)
Date
1905-02-17
Page
– (sequence 13)
Language
German
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09. Jahrgang.- No. 7. Berlin, 17. Februar 1005. Vellage zur „Allgemeinen Leitung deS Judentums" korrelponden?rn und Kschrichtm. Deutschland. 8. Berlin, 12. Februar. Der heutigen öffentlichen Repräsentanten-Versammlung ging ausnahmsweise die geheime Sitzung voraus, da der zur Vorbereitung der Wahl eines Aeltesten-Stellvertreters niedergesetzte Ausschuß dem Plenum erst Bericht zu erstatten hatte. Ans den Verhandlungen der geheimen Sitzung teilen wir ferner noch mit, daß zum Bibliothekar der jüdischen Gemeindebibliothek Herr Prediger Dr. Moritz Stern gewählt und als Lehrerin für die jüdische Gemeindeschule Frl. Heymann angestellt worden ist. Erst gegen 12 Uhr wurde die Oeffentlichkeit hergestellt. Unter den geschäftlichen Eingängen konnte der Vorsitzende Louis Sachs der Versammlung die hocherfreuliche Mitteilung machen, daß der Vertrag mit dem Rentier Herrn Albert Wolf in Dresden, der, wie wir vor längerer Zeit bereits berichten konnten, seine hervorragende Bibliothek und Sammlung der hiesigen Gemeindebibliothek geschenkt hat, nunmehr in rechtsverbindlicher Form unterzeichnet worden ist. Unter dem lebhaften Beifall der Versammlung sprach der Vorsitzende dem Geber den Dank für die hochherzige Stiftung aus. Aus einem an ihn gerichteteten Privatschreiben gibt der Vorsitzende ferner an, daß Herr Landgerichtsrat Loewe ihn ersucht habe, der Versammlung für das ihm durch die wiederholte Wahl erwiesene Vertrauen seinen Dank auszusprechen. Herr Landgerichtsrat Loewe hat, wie erinnerlich, sein Amt als Gemeindevorsteher niedergelegt. Die stetig zunehmende Last der richterlichen Geschäfte und die Rücksicht auf seine Gesundheit hindern ihn, wie er schreibt, dem Amte als Gemeindevorsteher diejenige Tätigkeit zuznwenden, die dieses Amt erfordert und die seinem Interesse an jüdischen Angelegenheiten entspricht. An Stelle des Herrn Solmitz wird alsdann zum Aeltesten- Stellvertreter Herr Leopold Badt mit 18 unter 19 abgegebenen Stimmen gewählt. Nachdem die Dringlichkeit angenommen, wird daran sofort die Wahl eines zweiten Aeltesten-Stellvertreters angeschlossen. Vom Ausschuß vorgeschlagen und vom Plenum einstimmig gewählt wurde Herr Iustizrat Berthold Timendorfer, der bewährte Präsident der Großloge für Deutschland (U. O. B. B.). Da beide Stellvertreter die gleiche Zahl von Stimmen erhalten hatten, so mußte die Reihenfolge nach statutarischer Bestimmung durch das vom Vorsitzenden zu ziehende Loos sestgestellt werden. Das Loos entschied zugunsten des Herrn Justizrat Timendorfer. Einen sehr großen Raum in der Debatte nahm die Vorlage betreffs der Dienst-Instruktion für den anzustellenden Schularzt ein. Im großen und ganzen wurde die vom dritten Ausschuß entworfene Fassung mit nur einigen, zum Teil rein redaktionellen Aenderungen angenommen. Wesentlicher erscheine nur die Aenderung, daß „die ärztliche Behandlung erkrankter, von ihm in amtlicher Eigenschaft untersuchter Kinder dem Schulärzte nicht gestattet ist, außer, wenn er bereits vor der Erkrankung des Kindes Arzt in der Familie des Kindes gewesen ist." Die Ausschußvorlage hatte hier statt der gesperrten Worte gesagt: „vor der Aufnahme des Kindes in die Schule". Die in amtlicher Eigenschaft gemachten Beobachtungen dürfen übrigens, wie es auch der städtische Kontrakt vorschreibt, nur mit Genehmigung des Vorstandes der jüdischen Gemeinde veröffent-. licht werden. Für die Stelle eines Schularztes ist als Gehalt 800 Mark bestimmt, worden. Es folgen alsdann einige Rechnungsabschlüsse pro 1903/04, welche sämtlich debattelos dechargiert wurden. Zunächst der Abschluß der Schulverwaltung. Der Gemeindezuschuß betrug 194051 . Mark. Minderverbrauch hatten die Mädchenschule, zweite, vierte und achte Religionsschule, die Lehrerbildungsanstalt nnd die Präparandenanstalt, im ganzen 4245,55 Mark. Mehrverbrauch wiesen auf die Knabenschule, erste, dritte, fünfte, sechste, siebente Religionsschule und die Schule in Weißensee, im ganzen 9834,48 Mark. Die Mehrausgabe bei der Knabenschule hat ihren Grund in der Position: Pensionen. Bei den Religionsschulen ist die Mehrausgabe besonders begründet bei der V. Schule durch die wachsende Zahl der Schüler und die Vermehrung der Klassen; bei der VI. und VII. kommt noch in Betracht, daß der Gemeindezuschuß nur 5000 Mark beträgt, während andere Schulen bei gleicher Schülerzaht 8000 Mark erhalten. Die Schulen wurden bei Beginn des Sommersemesters 1903 . von 2125 Schülern, im Jahre 1904 von 2452 Schülern besucht. Schulgeld zahlten 802 Schüler im Jahre 1903, und im Jahre 1904 nur 727 Schüler; im letzten Jahre zahlten also yur reichlich ein Viertel sämtlicher Schüler Schulgeld. — Die Waisen-Kommissi on erstreckte ihre Tätigkeit auf 302 Pfleglinge, von denen 274 bei der Mutter und 28 in fremder Pflege untergebracht waren. Einschließlich 48 000 Mark Gemeindezuschuß betrugen die Einnahmen 55 621 Mark, die Ausgaben 53 280 Mark, so daß der Nettozuschuß der Gemeinde sich auf 45 659 Mark belief. Die Stadl zahlte für in fremder Pflege befindliche Vollwaisen 171 Mark Zuschuß. Der Fonds für aus der Pflege entlassene Waisen, welcher zur freien Verfügung der Kommission steht, hat sich leider vermindert und wäre seine Auffüllung durch freiwillige Zuwendungen sehr erwünscht. — Der Zentralstelle für die Wohltätigkeitsanstalten werden 31,80 Mark Mehrverbrauch nachbewilligt. Die besonderen Zahlen der Zentralstelle sind ja unseren Lesern aus den Berichten über die Delegiertenversammlungen bekannt. — Die Rechnungslegung für die Synagoge Lützowstraße schließt mit einem Minderverbrauch von 4089 Mark ab. Die Einnahmen bezifferten sich auf ca. 42 000 Mark. — Die Eheleute Albert Herz und Agnes Herz geb. Greiffenhagen haben der Gemeindeverwaltung 10 000 Mark zur Errichtung einer Alexander Herz-Stiftung überwiesen. Die Zinsen sowie solche Beträge, welche der Stiftung zu gleichem Zwecke überwiesen werden, sollen für verkrüppelte und sieche bedürftige jüdische Kinder verwendet werden. Der Gemeindevorstand soll berechtigt sein, das Stiftungskapital mit anderen zu gleichartigen Zwecken bestimmten Kapitalien zu vereinigen und in diesem Falle zur Ausführung der Stiftungszwecke ein Gebäude zu errichten oder zu bestimmen. Der Stifter Albert Herz hat Zeit seines Lebens Sitz und Stimme im Kuratorium der Stiftung. Die Stiftung wurde ohne Diskussion genehmigt. — Zur besseren Honorierung der 36 Chorknaben in der alten Synagoge werden für ein Jahr 150 Mark bewilligt. Gegenwärtig stehen dem Chordirigenten hierfür 600 Mark vierteljährlich zur Verfügung. — Zur Anbringung eines Gitters und einer Gedenktafel für die vor kurzem auf dem Friedhofe Große Hamburgerstraße beigesetzten 18 nicht mehr gebrauchsfähigen Thorarollen werden 85 Mark, zur Anschaffung eines Vorhangs vor der heiligen Lade in der Synagoge Kaiserstraße 500 Mark bewilligt. — Die Beiträge zum Pensions- und Unterstützungssonds für die auf dem Schlachthof beschäftigten Beamten werden auch für die Zeit vom 1. April d. I. bis zum 31. März 1906 erlassen. — Alsdann wurden die Baupläne für des neue jüdische Krankenhaus vorgelegt. Hiernach soll das Krankenhaus für 200 Betten eingerichtet werden, und zwar sollen erhalten die innere und äußere Station je 80 Betten, Extrazimmer 14 und Jsolierzimmer und Jnfektionskranke 26 Betten. Eine weitere Vermehrung der Zahl um 80 Betten ist, falls erforderlich, für später in Aussicht genommen, ebenso ist die Schaffung einer gynäkologischen Abteilung späterhin geplant. In einer längeren Debatte plaidiert Herr Manheimer mehrfach dafür, von vornherein für 230 Betten Platz zu schaffen und die Belegziffer je nach der Höhe des Gemeindezuschusses festzusetzen. Auch Herr Aron Hirsch stellt diesen Vorschlag der Erwägung des Vorstandes anheim. Von Herrn Justizrat Dr. Lachmann und dem Vorsitzenden Herrn Jacoby wird die Erhöhung aus finanziellen Rücksichten abgelehnt. Die Ausgaben für 200 Betten werden pro Jahr bereits 220000 bis 230000 Mark betragen. Es wird ein besonderes Verwaltungsgebäude und wahrscheinlich auch ein eigenes Schwesternheim errichtet werden. Die Zentralanlagen sollen so gestaltet werden, daß 230 Personen bedient

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