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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1905-02-17 · Heft 7 (17.2.1905) · p. Seite 83

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
69 (1905)
Issue
Heft 7 (17.2.1905)
Date
1905-02-17
Page
Seite 83 (sequence 11)
Language
German
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dieAktivität. Es genügt aber nicht, daß der Vorsatz den Affekt-wertritt; denn zu. dem Affekt gehört auch die Begehrung. Der Vorsatz muß den reinen Affekt vertreten, der sich seinen Inhalt selbst erzeugt.. Erst wenn er diesen beiden Aufgaben gerecht wird, entspricht er den Forderungen des reinen Affekts, des reinen Willens. Der Begriff jedochder diese beiden Forderungenerfüllt, ist die Aufgabe. . Die Aufgabe verlangt, daß der Inhalt kein gegebener, sondern ein aufgegebener sei. Die Aufgabe macht die Aufgabe selbst zum Inhalt des Willens. Sie bedeutet nichts anderes als den Ausschluß der Erledigung der Tendenz, des Affekts. Die Aufgabe fordert den rastlosen, ewigen Fortschritt der Tendenz, die Ewigkeit des reinen Affekts. Erst wenn der Vorsatz zur Aufgabe sich erhebt, ist die Reinheit des Willens verbürgt. (Fortsetzung folgt.) MiTtiLecni? pn der Luelle. Geschichte eines Knaben. Von Esra Goldin. Aus dem Hebräischen. CVIa. - hajim Melamed stand neben dem Almemor und faltete seinen Talith zusammen, neben ihm standen einige Peruschim, die ein Anliegen an ihn hatten. „Reb Ehajim!" klagte der eine mit unzufriedener Miene. „Auf den Dienstag, den Sie mir gegeben haben, kann ich leichten Herzens verzichten,^ der ist keinen Pfifferling wert. Zum Mittagessen bekomme ich ein wenig Hafersuppe zugeschickt, in welcher ich nach langem Herumsuchen ein paar verfaulte Kartoffeln finde, dazu ein Stück altbackenes Brot, das kein Hund essen möchte. Ich leide den ganzen Tag Hunger," schloß er mit gedämpfter Stimme, wie beschämt über dieses Geständnis. „Tritt mir diesen Tag ab," bat der zweite. „Ich bin nicht so wählerisch wie, Du. Besser etwas als gar nichts. Du hast manchmal auch Geld bei Dir, während ich diesen Artikel nie zu Gesicht bekomme." „In früheren Zeiten waren die Tage doch besser als heute," seufzte ein dritter.. „Was kann ich Euch helfen, meine Lieben?" rechtfertigte sich Ehajim. „Ich kann ja den Leuten nicht vorschreiben, was sie Euch schicken sollen." In diesem Augenblick trat der Kamonenser an die Gruppe hinzu und wandte sich an Ehajim: „Ich habe eine Bitte an Euch, Reb Ehajim!" „Was willst Du, mein Freund?" „Seid mir nicht böse, Reb Ehajim! . . . Ich möchte Euch bitten . . . mir zu Liebe möchtet Ihr . . . mir zu Liebe . . ." „Ja, aber was willst Du? So sprich doch!" „Seit mehr als. acht Jahren diene ich^hier den Perüschun treu und ehrlich, Sommers und Wintersbei Tag und bei Nacht. „Schon gut, aber was willst Du?" unterbrach ihn Ehajim. „Vielleicht wünscht er eine Erhöhung des Lohnes," bemerkte einer der Umstehenden. „Ach, nein," wehrte der Kamonenser eifrig ab, „das verlange ich gar nicht. Ich wäre zufrieden, wenn nur ein jeder die zehn Kopeken für die Woche regelmäßig bezahlen würde. Mehr verlange ich gar nicht." .„Was wünschest Du Dir also?"; „Seht mal hier, Reb Ehajim, dorthin," sprach der Kamonenser mit weicher flehender Stimme: und wies mit dem Finger auf die kleine Bank neben der Tür, „sehtlJhr.den.Knaben,, der dort lernt . . . der hat viel Gemara gelernt und noch verschiedene andere Bücher hat er studiert. . .„ Die Umstehenden fingen an zu lachen. Einer rief spöttisch : „Wenn es der Kamonenser bezeugt, so hat es was zu' bedeuten." „Er ist mein Anverwandter," fuhr der Kamonenser fort, ohne auf das Gespötte der Umstehenden zu achten, „er ist ein Sohn meiner Vaterstadt. . ." „Das ist an und für sich schon ein ganz bedeutender Vor» zug," warf der Spottlustige ein. - „Er kommt aus einer fernen Gegend, den ganzen Weg. hat er zu Fuß gemacht. . ." „Aber Kamona ist gar nicht weit von hier," riefen alle verwundert. Der Kamonenser blieb eine kurze Weile verwirrt, aber er gewann bald seine Fassung wieder und fuhr fort zu bitten: „Und wenn er auch nicht mein Landsmann ist, was schadets? Aber mein Verwandter ist er. Gestern ist er angekommen, er hat hier weder einen Freund noch einen Verwandten . . ." „Aber Du bist ja hier, Dich hat er ja," riefen mehrere Stimmen, in ein Gelächter ausbrechend. „Wahr ist es, ich bin hier", antwortete der Kamonenser, dem die Lüge nicht gelingen wollte, „ich bin hier . . . das stimmt. Aber was kann ich ihm.nützen? Was bin ich? Ein armer Träger, was kann er von mir haben? Er ist ein Kind sehr armer^Leute, sein Vater ist bei uns daheim als Lamdarü) bekannte Er verkehrt öfters bei unserem Rabbiner.. „Du hast ja soeben gesagt, daß sein Vater gar nicht in Kamona wohnt, und der Knabe aus einer fernen Gegend hierher gekommen ist." „Aj, aj," seufzte der Kamonenser ungehalten, daß er sich so oft versprochen hatte, „laßt mich doch ausreden . . . Was verspottet Ihr mich? Hab ich etwas gestohlen? Nein, ich Hab nichts gestohlen, und keinem Hab ich was zu Leid getan. Ich bitte bloß für den Knaben, daß man ihm ein Paar Tage gebe, damit er hier sitzen und lernen kann." Der Kamonenser wischte sich mit dem Aermel die schweren Schweißtropfen, die ihm die Anstrengung herausgepreßt hatte. „Bist Du von Sinnen, Kamonenser?" schrie Reb Ehajim ausgebracht. „Hast Du den Verstand verloren?" '„Seid mir nicht böse, Reb Ehajim," flehte der Träger. „Der Knabe tut mir leid, er ist aus der Ferne hierher gepilgert,. Gemara hat er gelernt . . ." „Und da muß er just hier in Keiwa sitzen?" bemerkte einer der Umstehenden. „Geh, geh, Kamonenser," wies ihn Reb Ehajim zurecht. „Geh Deiner Wege und menge Dich nicht in Dinge, von denen Du nichts verstehst." „Mir zu Liebe, Reb Ehajim," wurde der Kamonenser nicht müde, zu bitten. „Acht Jahre schon arbeite ich hier. . ." „Das wäre ja eine Beleidigung für alle Peruschim, wenn ich einen kleinen Knaben in ihre Reihen aufnehmen würde." „Aber er hat ja schon gelernt, wie ein Erwachsener. Gemara hat er gelernt, und nicht nur Gemara sondern auch noch andere solche Sachen . . ." „Woher weißt Du das?". „Er selber hat es mir gesagt." - Die Peruschim stimmten ein helles Lachen an, dann begab ) Lhorolundiglr,, Gclehrjcr.

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