Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 69 (1905)
- Issue
- Heft 6 (10.2.1905)
- Date
- 1905-02-10
- Page
- Seite 2 (sequence 14)
- Language
- German
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S. (Slogan, o Febrllar. Bor einigen Tagei: legte Herr Julius Levy sein Amt als Vorsteher der Repräsentanten, das er 22 Jahre verwaltete, aus Gesundheitsrücksichten nieder. Ans dieser Veranlassung wurde dem um die Verwaltung der Gemeinde hochverdienten Manne seitens des Kollegiums eine künstlerisch ausgestattete Adresse überreicht. Mit Freuden wurde es darum begrüßt, daß Herr Levy auch weiter der Verwaltung verbleibt, um fernerhin mit seinen reichen Erfahrungen auf allen Gebieten der Verwaltung den Interessen der Gemeinde zu dienen. Auch außerhalb dieses Kreises wird Herrn Levy hohe Anerkennung ob seines lauteren Charakters eutgegengebracht. Möge ihm bis ins höchste Alter die jugendliche Frische seines Geistes, von steter körperlicher Rüstigkeit begleitet, erhalten bleiben. r. Hannover, 1. Februar. Die Bestattung des Konsuls a. D. Simon fand heute, Mittwoch vormittag, unter sehr großer Beteiligung statt. Vorauf ging eine Trauerfeier im Parkhause, wo die Leiche ausgebahrt war inmitten einer prächtigen Trauerdekoration. In der halbkreisförmigen Pflanzengruppe stand der Sarg, umgeben von Kränzen, unter denen ein Kranz des Magistrats mit rot-weißer Widmungsschleife hervortrat. Zur Einleitung der Feier sangen, die Zöglinge ddr Anstalt Ahlem „Schemor tom"; darauf hielt Landrabbiner Dr. Gronemann die Trauerrede, in der er hervorhob, daß das tragische Ende des Entschlafenen überall tiefe Betrübnis hervorgerufen habe, wie die große Versammlung der Leidtragenden zeige, die hier am Sarge aus allen Teilen des Reiches erschienen seien. Der Tod Moritz Simons sei ein schwerer Schlag, den das ganze Haus Israel beklage. Der Redner entwarf ein treffliches Charakterbild des Verstorbenen und würdigte sein in der Ahlemer Erziehungsanstalt verkörpertes uneigennütziges Streben, die Erwerbstätigkeit namentlich der armen jüdischen Bevölkerung in andere Bahnen zu leiten, sie zurückzuführen zu der ursprünglichen Beschäftigung der Israeliten, zum Ackerbau und zum Handwerk. Man könne mit König David sagen : „Ein großer Heerführer in Israel ist gefallen." Ein treuer Sohn seines Vaterlandes sei nun dahingegangen, der das Vaterland von Herzen liebte. Weiter erwähnte der Redner noch, daß Konsul SiNron auch die Anregung gegeben habe, die planlose Auswanderung der Juden in geregelte Bahnen zu leiten. So schrecklich wie sein Tod, so herrlich sei sein Leben gewesen. Die Anregungen, die er gegeben, würden nicht verloren gehen, und sein großes Werk, die Erziehungsanstalt Ahlem, werde ihn: einen Namen sichern für alle Zeiten. Hiernach widmete Justizrat Dr. Berend in: Namen der Verwaltung der Ahlemer Anstalt dem Verstorbenen einen warmherzigen Nachruf, irr dem er den Gefühlen der Liebe und Verehrung der Anstaltsangehörigen für den Entschlafenen und dem Schmerze um seinen Verlust Ausdruck gab. Dann würdigte den Verlust im Namen der Zionloge der Direktor des jüdischen Seminars Dr. Knoller; ferner im Namen der Großloge für Deutschland deren Vertreter Wiesloch-Frankfurt. Senator Fischer-Linden gedachte im Namen des Deutsch-Israelitischen Gemeindebundes der Förderung seiner Bestrebungen durch den Dahingeschiedenen, der die Theorie in das Praktische übersetzt habe. Erschloß mit den Wunsche, daß sich tüchtige Männer finden möchten, die das Werk des Verstorbenen im gleichem Sinne sortsetzten. Rechtsanwalt Dr. Blau-Frankfurt sprach im Namen der Frankfurter und einer Anzahl anderer Logen und Vereinigungen warme Worte der Ehrung und des Abschieds. Zum Schluß der Trauerfeier sangen die Ahlemer Zöglinge: „Da unten ist Frieden." Darauf erfolgte die lleberführung der Leiche nach dem Friedhof. Am Grabe brachte der Shnagogenchor: ,-Schochue bote chomer" zum Vortrag, und nachdem Gebet: „Hazur tomm pooloh" und dem Schlußwort den Gesang: „Schiwissi". — Noch am Tage der Beisetzung traten die anwesenden Kuratoren und Vorstandsmitglieder der Erziehungsanstalt Ahlem zu einer Sitzung zusammen, in der einhellig der Wille zum Ausdruck kam, die Fortführung und Weiterentwicklung der in der Anstalt verkörperten Ideen mit allen Kräften zu verfolgeir. Die großen Pläne Simons werden nicht mit ihm begraben sein. — Weimar, 2. Februar. Anläßlich des Hinscheidens Ihrer Königl. Hoheit der Frau Großherzogin Karoline von Sachsen widmeten die israelitischen Gemeinden des Großherzogtums eine Kranzspende, bestehend aus Palmen und Blumen, welche durch den Grvßherzoglichen Landrabbiner Dr. Wiesen an: Sarge der hohen Verewigten in der'Höfkirche zu Weimar niedergelegt wurde. Derselbe beteiligte sich sodann in der Gruppe der Geistlichkeit am Leichenzuge und wohnte der feierlichen Beisetzung in der Grabkapelle der Fürstengruft bei. Am letzten Samstag, den 28. v. M. fanden in den Synagogen des Landes Trauergottesdienste statt. x Grfnrt, 1. Februar. Am 28. v. M. verschied hier, wie schon kurz gemeldet, nach längerem Leiden der Vorsteher' der Shnagogengemeinde Isaak Lamm im 80. Lebensjahre. Länger als 40 Jahre hat er an der Spitze der Gemeindeverwaltung gestanden und zum Segen der Gemeinde gewirkt. Von wahrhaft religiöser Gesinnung hat er seine reiche Erfahrung, sein tiefes Wissen in den Dienst seiner Gemeinde gestellt. Vor 60 Jahren kam er nach Erfurt und wurde der Begründer der blühender: Damenniäntel-Jndustrie, die herrte eine bedeutende Rolle auf dem Weltmarkt spielt. 1877 wurde er als Mitglied der Handelskammer gewählt. Dieser Körperschaft gehörteer 28 Jahre ununterbrochen ar: und erwarb sich große Verdienste um die industrielle Entwicklung Erfurts. Vor drei Jahren wurde ihm als Anerkennung hierfür der Rote Adlerorden verliehen. Die Trauerfeier fand in der Synagoge statt, wo die Leiche des.Entschlafenen ausgebahrt war. In dem Gotteshause hatten sich versammelt außer den Familienangehöriger: die Spitzen der Behörden, Vertreter der Finanz- und Handelswelt von nah und fern. Eingeleitet wurde die Feier durch Chorgesang; alsdann entwarf Rabbiner Dr. Salzberger in warmherziger Rede ein Bild des Entschlafenen. Er schilderte in lichtvoller Weise seine seltenen Charaktereigenschaften, seine religiöse Natur und seinen hohen Wohltätigkeitssinn. Nicht nur für seine Familie, sondern auch für die Erfurter Gemeinde bedeute das Hinscheiden dieses Mannes einen unersetzlichen Verlust. Isaak Lamm war eine von Grund aus religiös beanlagte, religiös gestimmte Natur. Ihm lvar die Religion nichts weniger, als etwas Aeußerliches, Gewohnheitsmäßiges; sie war ihm vielmehr Herzenssache, innerstes Bedürfnis. Diese echte Religiosität macht es uns verständlich, wie er, der vielbeschäftigte Mann, so viel Zeit und Kraft unserer Gemeinde widmen konnte. Es ist rioch allen in frischer Erinnerung, wie sich vor 9 Jahren zu seinem 70. Geburtstage die ganze Gemeinde zu einer seltenen Ehrung um ihn versammelte. Unvollständig wäre das Lebensbild des Verblichenen, würden wir nicht den leuchtendsten Zug, den Familiensinn erwähnen. Mit dem Danke an den Verklärten fürall die guten Anregungen und für die Förderungen, die er in seineramtlichen Tätigkeit von ihm erfahren, schloß Dr. Salzberger seine ergreifende Trauerrede. Chorgesang beschloß die würdige Feier. Hierauf wurde der Sarg herausgetrageu und ein unabsehbares Trauergefolge gab ihm das letzte Geleit. Auf dem Friedhöfe wurde nach einem Gebete die Leiche der letzten Ruhestätte übergeben und Mitglieder aller Konfessionen drängten an die Gruft, um dem edlen Manne den letzten Scheidegruß zu entbieten. --- Friedrichftadt, 2. Februar. (Schleswig-Holstein). Die hiesige Stadtvertretung plant eine Vereinigung sämtlicher Konfessionsschulen unseres Ortes anzustreben und hat zu diesem Zwecke eine Kommission ernannt, die Verhandlungen mik den verschiedenen Gemeinden einleiten soll. Die katholische Gemeinde hat den Antrag abgelehnt, die protestantische Gemeinde bietet jährlich 1700 Mark, die mennonitische 300 Mark, die Jsraelitengemeinde 36 Mark jährlich für jedes Kind. Außerdem verlangen sie Sitz und Stimme in der städtischen Schulbehörde und die Jsraelitengemeinde Nebernachme des Religionslehrers und Schächters. Die städtischen Abgaben würden sich unter diesen Bedingungen mit Einschluß der Schulsteuer, die jetzt nicht darin enthalten ist, von 120 Prozent auf 255 Prozent erhöhen. Die Angelegenheit soll der Regierung zur Entscheidung unterbreitet werden, und hätten wir bei der Verwirklichung hier eine Simultanschule, die einzige dieser Art in der Provinz. a. Bamberg, 1. Februar. Der am 25. v. M. hier verstorbene Erzbischof Dr. Joses v. Schork lvar ein entschiedener Gegner des Antisemitismus. In welchem Geiste er wirkte, davon gibt eine Allsprache Zeugnis, die er gelegentlich der Vornahme der Firmung in Fürth im Juni 1892 hielt. Er ermahnte darin, sich nicht bei dem Hasse und der Hetzerei. gegen die Andersgläubigen zu beteiligen. Diese Hetze sei eine Schmach für unsere Zeit und verstoße gegen den Geist des Christentums in schärfster Weise. Man müsse dem Irrtum