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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1905-02-03 · Heft 5 (3.2.1905) · p. Seite 3

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
69 (1905)
Issue
Heft 5 (3.2.1905)
Date
1905-02-03
Page
Seite 3 (sequence 15)
Language
German
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8 der. evangelische Gemeindekirchenrat und der Magistrat erhoben dagegen Einspruch und verlangten die Besetzung der Stelle durch einen evangelischen Lehrer. Sie machten geltend, daß nach der geringen Zahl der die Schule besuchenden jüdischen Kinder, welche 40 betrug, die Anstellung eines zweiten jüdischen Lehrers ungerechtfertigt und für den jüdischen Religionsunterricht durch einen jüdischen Lehrer ausreichend gesorgt sei. Die Regierung erachtete diese Gründe für stichhaltig und verfügte die Anstellung eines evangelischen Lehrers. Darüber führte die jüdische Gemeinde Beschwerde beim Kultusministerium, indem sie die Besetzung zweier Lehrstellen durch jüdische Lehrer als ihr historisches Recht in Anspruch nahm, das ihr auch bei der Zusammenlegung der evangelischen und jüdischen Schule im Jahre 1896 verbürgt sei. Die Gemeinde ist aber abgewiefen worden. y. Breslau, 29. Januar. Am 27. d. M. um 11 Uhr vormittags wurde im jüdisch-theologischen Seminar der Geburtstag des Kaisers in Verbindung mit der Gedächtnisfeier für den Stifter der Anstalt, den verewigten Kommerzienrat Jonas Fränkel, festlich begangen. Herr Seminarrabbiner Professor Dr. Lewy hielt die Gedächtnisrede; der inhaltreiche Vortrag behandelte die rabbinische Ethik. Zur Bewerbung um den Joseph Lehmann'schen Preis war für das vergangene Jahr nochmals als Aufgabe das Thema gestellt worden: „Der Einfluß Al-Gazzalis auf Chisdai Crescas." Die eingegangene Arbeit erhielt den Preis. Als Verfasser ergab sich bei Oeffnung des Umschlages: Dr. Julius Wolfsohn. Hieran schloß sich die feierliche Entlassung der beiden geprüften Kandidaten Dr. Jsmar Freund und Dr. Arnold Lazarus durch Herrn Seminarrabbiner Professor Dr. Lewy. Herr Dr. Arnold Lazarus sprach sodann warme Abschiedsworte an die Dozenten und Komilitonen. Mit dem Psalm Michtom le-Dowid schloß die würdige Feier. Der Jahresbericht enthält diesmal. eine ausführliche Beschreibung der Jubelfeier des Seminars mit den Reden der Herren Dr. Horowitz, Lewy und Stadtrat Milch in vollem Wortlaut. J. Sagarr, 20. Januar. Heute vollendete der allgemein geachtete Stadtrat Jacob Reiß Hiersein 80. Lebensjahr. Der Jubilar ist eine der markantesten und beliebtesten Persönlichkeiten unserer Stadt, in der er seit 1870 lebt und wirkt. Seit diesem Jahre bis Ende 1886 bekleidete) er das Amt eines Stadtverordneten, seit 1887 ist er Mitglied des Magistratskollegiums und entwickelt da eine wahrhaft gedeihliche Tätigkeit im Interesse unseres Gemeinwesens. Unter tätiger Mitwirkung des Herrn Reiß hat Sagan in der Reihe der letzten Jahre manche kommunalen Einrichtungen erstehen sehen, die ihr einen Vorzug vor vielen anderen Städten von gleicher Größe geben. Zu seinem heutigen 80. Geburtstage wurden deshalb Stadtrat Reiß zahlreiche Ehrungen zuteil. Schon am frühen Morgen trafen Gratulanten ein, die sich im Laufe des Tages mehrten. Herrliche Blümenspenden begleiteten die Glückwünsche. Das Stadtorchester brachte eine Morg^nmusik. Die Mitglieder des Magistrats und der Vorstand der Stadtverordnetenversammlung erschienen gegen 12 Uhr, um dem Jubilar die Glückwünsche der städtischen Behörden zu übermitteln. Auch die Synagogengemeinde war durch eine Deputation vertreten. So gestaltete sich der heutige Tag für Herrn Reiß zu einem ehrenvollen. — Herr Reiß überwies der Kaiser Wilhelm- Stiftung 1000 Mark und spendete außerdem der Stadt 2000 Mark mit der Bestimmung, daß die Zinsen alljährlich in erster Linie verschämten Armen, eventuell anderen Ortsarmen zugute kommen sollen. Hamburg, 26. Januar. Im Israelitischen Tempelverbande wurde infolge Anregung des Herrn Prediger Dr. Leimdörfer eine Reihe religionswissenschaftlicher Vorträge von hervorragenden Gelehrten gehalten. Ende November hielt der Geheime Regierungsrat Prof. Cohen-Marburg einen Vortrag über die Bedeutung des Judentums für die Weltkulten. Im Januar sprach Dr. G. Karpeles über „Maimonides". Im Februar spricht Herr Prof. Geiger über „Herder und das Judentum", im März Rabb. Dr. Salfeld-Mainz über „Ursache und Wirkung der mittelalterlichen Judenverfolgungen", im April Prof. Dr. Kisch-Prag über „die Juden und das Reformationszeitalter". Die Vorträge finden im großen Saale des Logenheims statt und erfreuen sich zahlreichen Besuchs aus den besten Kreisen unserer Gemeinde. Das Komite für diese Vorträge besteht aus fünfzehn Mitgliedern des Deutsch-Israelitischen Tempelverbandes. --- Hannover, 29. Januar. An den Folgen eines beklagenswerten Unfalls ist heute früh nach nur eintägigem Leiden der Begründer der israelitischen Erziehungsanstalt zu Ahlem, Herr Konsul Moritz Simon gestorben. Geleitet von dem Bestreben, unsere Glaubensgenossen zur Bodenkultur und zum Handwerk.zurückzuführen, und von einem edlen Wahltätigkeitssinn erfüllt, hat der Verstorbene sich an dem Ausbau der von ihm gegründeten Anstalt mit rastlosem Feuereifer und uneigennütziger Opferwilligkeit hervorragend betätigt und sie zu einer solchen Höhe emporgehoben, daß sie weit über die Grenzen unseres Vaterlandes hinaus vorbildlich dasteht und bahnbrechend gewirkt hat. Die Trauerfeier findet am Mittwoch, den 1. Februar statt, worauf die Beisetzung der Leiche auf dem hiesigen Friedhof erfolgen wird. Indem wir uns Vorbehalten, die Wirksamkeit des Verblichenen noch eingehend zu würdigen, betrauern wir aufs tiefste das so jäh erfolgte Hinscheiden dieses edlen Mannes, durch dessen Tod nicht bloß die von ihm begründete Anstalt, sondern auch das Judentum als solches einen äußerst schmerzlichen Verlust erlitten hat. Sein Andenken wird unter seinen Glaubensgenossen fortleben. a. Frankfurt a. M., 20. Januar. Von großem Interesse für weitere Kreise ist ohne Zweifel der Jahresbericht des Vereins „Weibliche Fürsorge" pro 1903 1904. Der Idee seiner Gründung treu bleibend, ist die „Weibliche Fürsorge" in ihrer Frankfurter sozialen Tätigkeit Abteilung des Israelitischen Hilfsvereins, d. h. technisch eine Abteilung, dem Geiste nach ein Organ, dessen der Hilfsverein sich gern bedient, und das sich von seiner Zentralstelle unterstützt und gekräftigt fühlt. Die Säuglingskommission unter dem Vorsitz von Schwester Oberin Minna Hirsch und dem ärztlichen Beirat von Dr. Deutsch arbeitete mit 9 Damen und beaufsichtigte 40 Kinder (darunter 3 uneheliche), die größtenteils aus der Freiherrlich von Rothschild'fchen Stiftung mit Milch versorgt wurden. Die regelmäßig im Gemeindehospital vorgenommene Wägung der Kinder ergab sehr befriedigende Resultate, und diese Kinderschau bildet zugleich auch einen Antrieb für die Mütter, die Kleinen besser und sauberer zu halten, als sie es vielleicht sonst getan hätten. Kinder, die ungefähr 2 Jahre alt sind, und die entweder kein Elternhaus haben oder dem elterlichen Einfluß entzogen werden müssen, werden der Kostkinderkommission zugewiesen. Dieselbe arbeitete unter dem Vorsitz der Armenpflegerin Schwester Rosa Goldstein mit 9 Damen. Sie beaufsichtigte 19 Kinder (darunter 5 uneheliche), die teils in Frankfurt, teils auf dem Lande in Familienpflege untergebracht sind. Jedes Kind wird von der beaufsichtigten Dame mindestens viermal im Jahre besucht. Die Kostkinderkommission arbeitet vielfach gemeinsam mit dem Almosenkasten der israelitischen Gemeinde und dem Armenamte, sofern es sich um die Bewilligung der Pflegegelder handelt. Als ein Gebiet von eminentester Wichtigkeit hat sich innerhalb der „Weiblichen Fürsorge" die Stellenvermittlung herausgebildet. Dieselbe hält ihre Sprechstunden zweimal in der Woche im Lokale des Hilfsvereins ab. Die laufenden Kosten der Einrichtung (Zeitungsannoncen,"Porti rc.) hat die „Weibliche Fürsorge" selbst zu bestreiten. Die Kommission für Stellenvermittlung, die unter dem Vorsitz von Frau Sidonie Dann mit 19 Damen arbeitet, berichtet über die 5 ersten und darum schwierigsten Monate ihrer Tätigkeit das Folgende: Es haben sich 229 Arbeitgeber, 148 Arbeitnehmer an uns , gewandt, 32 Stellen wurden vermittelt: 2 Lehrmädchen, 2 Lageristinnen, 3 Buchhalterinnen, 7 Verkäuferinnen, 1 Sekretärin, 4 Haushälterinnen, 2 Kinderfräulein, 2 Fabrikarbeiterinnen, 2 Schneiderinnen, 3 Dienstmädchen, 1 Pflegerin, 2 Gesellschafterinnen, 1 Kindergärtnerin. Am 14. Januar schuf eine konstituierende Versammlung aus der „Weiblichen Fürsorge" den „Israelitischen Frauenverein zur Förderung gemeinsamer Interessen" unter dem Vorsitz von Frl. Pappenheim. Die galizische Frage in ihrem Zusammenhang mit der Sittlichkeitsfrage und der Bekämpfung des Mädchenhandels und stand vielfach im Vordergrund der Vereinsarbeit. Für diese Zwecke verfaßte Frau Henriette Fürth ein sozialhygienisches Flugblatt, das (in deutsch, russisch, polnisch, und in jüdischem Jargon) auf Kosten des Jüdischen Zweigkomitees zur Bekämpfung des Mädchenhandels (Hamburg), des Hilfskomitees für die osteuropäischen Juden (Frankfurt a. M.) und des Hilfsvereins der Deutschen Juden (Berlin) in 20000 Exemplaren hergestellt wurde. Frau R. Schwelm hatte die Arbeit der Versendung des Flugblattes übernommen, eine Leistung, die nicht gering anzuschlagen, sondern

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