Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 69 (1905)
- Issue
- Heft 5 (3.2.1905)
- Date
- 1905-02-03
- Page
- Seite 4 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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lehr, dankenswert ist. Es sind bis heute schon 14360 Exemplare der W'arnungsschrift in 33 Paketen mit etwa 40 Begleitschreiben in die Welt gegangen: nach London, Paris, Wien, Newhork, Hamburg und nach vielen Orten Galiziens an Stellen, die mit der wandernden jüdischen Bevölkerung Fühlung haben. Der Anfang und der Versuch, Wanderbibliotheken nach Galizien zu bringen, wurde dadurch gemacht, daß an einen Verein dort, der sich darum beworben hatte, eine vorsichtige Auswahl von 23 Bänden deutscher Bücher geschickt wurde. Bestrebungen zur Einrichtung eines Kindergartens in Galizien und zur Entsendung einer tüchtigen Krankenpflegerin sind noch zu keinem abgeschlossenen Nesulate gediehen, trotzdem von einer Frankfurter Dame in verständnisvollster Weise für diese Zwecke eine Summe von 3000 Mark zur Verwendung durch die „Weibliche Für-, sorge" zur Verfügung gestellt wurde. Ein anderes Gebiet, auf dem die „Weibliche Fürsorge" tätig war, waren die Vorarbeiten zur Gründung des Bundes Jüdischer Frauenvereine, die sich gelegentlich - des Internationalen Frauenkongresses (Juni 1904 in Berlin) vollzog. Mitdiesem Bericht hat der Verein „Weibliche Fürsorge" weiteren Kreisen den Beweis rüstigen und zielbewußten Strebens ans den gesamten Gebieten weiblicher Hilfstätigkeit erbracht. Der Vorstand besteht aus den Damen : Bertha Pappenheim, I. Vorsitzende, Henriette Fürth, II. Vorsitzende, Cillh Epstein, I. Schriftführerin, Bertha Holzmann, II. Schriftführerin, Sidonie Dann, Schatzmeisterin, Fanny Blau, Clem. Cramer, Schwester Oberin Minna Hirsch, Elise Hochstädter, Johanna Lenne, Mathilde Pfeiffer, Therese Neisenberg, Ella -Seligmann, Johanna Stern, Emma Strauß-Ellinger. Gesterreich-Angarn. □ Wien, 30. Januar. In der ersten Plenarsitzung des Vorstandes der Kultusgemeinde gedachte der Vorsitzende des Heimgegangenen kaiserlichen Rats Klinger in warmen Worten. Aus dem Inhalt der Sitzung ist noch bemerkenswert, zunächst das Dr. Mori z Rappaport'sche Preisausschreiben. Im Sinne des Antrages des Kuratoriums wurde beschlossen, folgende Themen mit dem Termin bis 31. Dezember 1907 ausznschreiben: 1. „Das Judentum zu Ende des jüdischen Staates" mit dem Preise von 3500 Kronen. 2. „Der Anteil der Juden an der österreichischen Finanzgeschichte in dem Jahrhundert nach dem. 30 jährigen Kriege" mit dem Preise von 2500Kronen. — Betreffs der Errichtung einer Bildungsanstalt für Religionslehrer wurde beschlossen, zunächst die österreichischen Kultusgemeinden in einem Zirkularschreiben zu ersuchen, sich an der Aktion, betreffend Errichtung einer Religionslehrerbildungsanstalt, zu beteiligen. — Wie bereits gemeldet, feierte Rabbiner Professor Moses Bloch, der seit der Eröffnung der Budapest er Landesrabbinerschule Talmud an derselben vorträgt und Vorsitzender des Professorenkörpers ist, in voller Rüstigkeit und Geistesfrische am 28. d. M. feinen neunzigsten Geburtstag. Aus diesem Anlasse haben ihn: seine Schüler eine unter der Redaktion des Professor Dr. S. Krauß erschienene Festschrift überreicht und in der Synagoge der Anstalt wurde ein solenner Gottesdienst abgehalten, bei dem Oberrabbiner Dr. E. Neumann aus Nagh-Kauizfa, als der erste aus der Anstalt .hervorgegangene Schüler, die Festrede hielt. — Am 18. v. M. starb in Arad der auch als Kompositeur bekannte Kantor der dortigen jüdischen Gemeinde Adolf Grünzweig im Alter von 76 Jahren; derselbe stand über fünfzig Jahre seinem Amte vor. — In Neutra ist am 19. d. M. die verdienstvolle Präsidentin des dortigen israelitischen Frauenvereins, Frau Josefine v. Engel de Peskodar, gestorben. Amerika. ü. Newyork, im Januar. Am 12. d. starb hier Kasriel Hirsch Sarahson, der Pionier der Jargon-Journalistik im Alter von 75 Jahren. Sarahson hatte im Jahre 1875 das noch jetzt bestehende Wochenblatt „jüdische Gasetten" begründet; 1885 begann er die Herausgabe des ersten jüdischen Tageblattes „Tageblatt", dem später ein „Abendblatt" folgte; vor einiger Zeit erwarb er „Die jüdische Welt" und „Der Amerikaner". Religiös und wohltätig, war er einer der Führer des Ghetto. Als Bahrtuchträger füngierte unter anderen Jakob H. Schiff. Mn Mh und Fern. — Der Musikdirektor Sally Philipp feierte am 28. v. M. seinen 80. Geburtstag. — Gestorben sind in dieser Woche hier Frau Salomea Ginsberg, die Mutter des Herrn Dr. Isidor Ginsberg, am 24. v. M. im 73. Lebensjahre, und der Maler Hugo Coehn am 27. v. M. im kaum vollendeten 30. Lebensjahre. — Der Ehegattin des Rechtsanwalts und Notars Levysohn in Lissa, Frau Laura Levysohn. geb. Diamant, ist die Rote Kreuzmedaille III. Klasse Allerhöchst verliehen worden. Die Dame ist langjährigesMitglied des Vorstandes des Vaterländischen Frauenvereins Hierselbst. — Oberpostsekretär Landsberger in Breslau hat zum Ordensfeste den Roten Adlerorden IV. Klasse erhalten. Dagegen 'ist in den Listen jüdischer Blätter u. a. der Name des Herrn Professor Dr. Frensdorff- Göttingen zu streichen. — In Erfurt ist, allgemein betrauert, der in jüdischen Kreisen bekannte und geschätzte Herr Jsaac Lamm, der lange Jahre Vorsteher der jüdischen Gemeinde daselbst war. im 80. Lebensjahre gestorben. — Das Lehrerkollegium der technischen Hochschule zu Braun schweig hat wegen der Zuspitzung des Verhältnisses zwischen den deutschen und russischen Studierenden daselbst' den Ausschuß aufgelöst, Studentenversammlungen bis auf weiteres verboten und die Ausschußleiter relegiert. .— Oberrabbiner Dr. Horowitz in C r e f e l d, welcher jetzt in Düsseldorf seinen Wohnsitz hat, erhielt anläßlich seiner Pensionierung den Roten Adlerorden IV. Klasse. — Die berühmte Münzensammlung des sel. Generalkonsuls v. Wilmersdörfer in München wird durch L. Hamburger in Frankfurt a. M. versteigert. Erfreulich ist, daß die Sammlung alter hebräischer Gebetbücher und anderer jüdischer Werke erhalten bleibt. — In Weilhe i.m (Oberbahern) wurde am 18. Dezember der Bankier Anton Mayer beerdigt, der lange Jahre hindurch Magistratsrat und Verwaltungsrat der freiwilligen. Feuerwehr war. Wie üblich, waren auch zu dieser Beerdigung von der Feuerwehr als „Sargbegleiter" sechs Mann kommandiert, von denen, wie das „Vaterland" besonders betont, vier Katholiken, einer Protestant und einer Jude war. In Weilheim wohnen nur zwei jüdische Familien. — In Mannheim starb nach kurzem Kranksein im vollendeten 74. Lebensjahr Herr Ab raham Heidenheim^' der nahezu dreißig Jahre Rechner und Sekretär der jüdischen Gemeinde war. — Der w ü rttem bergt sch e Finanzetat bringt auch eine Erhöhung des Staatsbeitrags für die Israelitische Oberkirchenbehörde von 42 000 aus 51 000 Mark. Dieselbe wird zur Besoldungsaufbesserung der Rabbinen und Vorsänger verwendet werden. - Das königlich ungarische Zentralstatistische Amt veröffentlicht in dem jetzt erschienenen Novemberhefte der Monatspublikationen unter anderem auch folgende Daten über die im November 1904 geschlossenen Mischehen, und zwar wurden in den Ländern der ungarischen Krone 36 Mischehen in diesem Monat geschlossen. In 20 Fällen gehörte die Braut, in 16 der Bräutigam der mosaischen Konfession an. In bezug auf den Glauben der Kinder kam in 6 Fällen zwischen den beiden Teilen eine Verständigung zustande. Im ersten Halbjahre 1904 wurden in Ungarn 1874 Namensmagyarisierungen bewilligt, davon 1079 an Juden, 662 an Katholiken und nur 43 an Protestanten. Die Beschäftigung ^ist bei 519 Personen nicht angegeben, 294 sind Studierende, 90 Staatsbeamte, 67 Lehrer, 38 Eisenbahnbeamte, 40 Kommunalbeamte, 689 Personen waren minorenn. — Die Königliche Akademie der Wissenschaften hat den Professor an der Universität Rom Ignaz io Guidi zum korrespondierenden Mitglied in ihrer philosophisch-historischen Klasse gewählt. — Wie die amtliche „Warschasski Dnewnik" meldet, befinden sich im Weichselgebiete 2509 jüdische Familien, welche Ackerbau betreiben. Der größte Teil dieser Ackerbauer (497 Familien) lebt im Gouvernement Petrikau, der kleinste Teil im Gouvernement Warschau (81 Familien). 14 Prozent der Ackerbauer arbeiten auf ärarischem Grund und Boden, die anderen aus eigenem, aber von der Regierung zugewiesenem Grund und Boden. 8027 Personen (1345 Familien) betreiben den Ackerbau seit 1841. — Unter den aus Port Arthur Geretteten befindet sich auch der Oberarzt Dr. M. Eiger aus Warschau, ein Urenkel von R. Akiba Eiger. ....