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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1905-02-03 · Heft 5 (3.2.1905) · page 13

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
69 (1905)
Issue
Heft 5 (3.2.1905)
Date
1905-02-03
Page
– (sequence 13)
Language
German
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■ v-:v;a •;;■ /■ :- v:r A:":■ ' ';/ .'..; ■ ’; ■ ' ■ ' ,H 69. Jahrgang. No. 5. " Berlin, 3. Februar 1905. Beilage zur „Allgemeinen Leitung deK Judentums" Lorrklpondrn?rn und Kschnchtm. Deutschland. 8. Berlin, 27. Januar. Im Verein für jüdische Geschichte und Literatur sprach am 25. d. M. Herr Oberlehrer Dr. Felix Rosenberg üher „das Buch Esther in der Dichtung". Fast alle Dichter, so führte der Redner aus, haben aus dem ersten'Erziehungsbuche der Menschheit, der Bibel, geschöpft und haben sich ihrem Einfluß nicht entziehen können, selbst wenn sie wie z. B. Shakespeare in seinen Dichtungen keinen einzigen Stoff ihr entlehnt haben. Schon im 16. Jahrhundert wurden biblische Stoffe wie Judith und Holofernes, David und Goliath, Simson, Daniel u. a. m. in den deutschsprechenden Ländern dramatisch verwendet, weil sie ganz besonders geeignet waren, das Herz des Volkes zu bewegen. Alle diese Stoffe wurden jedoch länger als ein Jahrhundert behandelt; keiner von ihnen hat eine so mannigfache Verwendung in der Dichtung aller Völker und aller Zeiten gesunden wie das Buch Esther, dessen Kerngedanke in der Belohnung des Guten, d. h. der Bescheidenheit und Tugend, und in der Bestrafung des Bösen, d. h. des Hochmuts und der Mißgunst liegt, und somit zur dramatischen Verwertung ganz besonders geeignet ist, um nicht nur die Phantasie der Dichter zu befruchten. sondern auch das Interesse aller Völker und Leser wachzurufen. An der Hand einer reichen Literatur gab der Redner eine interessante Uebersicht über die mannigfachen Bearbeitungen dieses biblischen Stoffes, deren Zahl nach James Rothschilds bibliographischer. Zusammenstellung 119 beträgt. Mit der Vorlesung der Bibelszene aus Grillparzers Esther, wohl dem schönsten, was dieser überhaupt geschaffen, schloß der ebenso interessante wie lehrreiche Vortrag, für den das Publikum seinen Dank durch lebhaften Beifall zum Ausdruck brachte. — Neue Vereine wurden begründet in Hagen, Gailingen und Merzig. In Hagen wurde eine Kommission bestehend aus den Herren Rechtsanwalt Nassau, Dr. med. Wolfs, Bankdirektor Stern, Lehrer Abt gewählt, um die Statuten auszuarbeiten und sie einer konstituierenden Versammlung vorzulegen. In Gail in gen werden wöchentliche Vorträge seitens der Herren Bezirksrabbiner Dr. Spitz, Lehrer Eisenmann und Oberkantor Weiß gehalten. In Merzig a. S. zählt der Verein 34 Mitglieder. Der Vorstand besteht aus den Herren Julius Be um, Vorsitzender, Aron Sulzbacher, stellvertretender Vorsitzender Leo Weil, Schriftführer, David Felsenthal, Kassierer, L. Tannenberg. 8. Berlin, 26. Januar. Im „Zentral-Verein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens" sprach heute Abend im Saal der Gesellschaft der Freunde Herr Dozent Dr. Jsmar Elbogen über „die Kammerknechtschaft der deutschen Juden im Mittelalter". Der Vortragende entrollte vor dem sehr zahlreichen Auditorium ein höchst interessantes Bild, wie die Kammerknechtschaft der deutschen Juden entstanden, was sie urspriinglich bedeutet, wie sie sich entwickelt und welche Nachteile sie den Juden gebracht hat. Die Juden gehörten in früheren Zeiten zur kaiserlichen Kammer, waren auch verpflichtet, an diese ihre Steuer zu entrichten. Somit war tatsächlich mit der Kammerknechtschaft ein — allerdings sehr häßliches — Privileg verbunden, dessen Entstehung aus den traurigen Vorgängen, die zur Zeit der Kreuzzüge über die Juden hereingebrochen waren, hergeleitet werden muß. Die deutschen Kaiser hielten es für ihre Pflicht, sich der Juden anzunehmen, die Juden wurden in der Tat in den deutschen Landfrieden mit einbegriffen. Bald aber vergaß man die Bedeutung der Kammerknechtschaft, der Begriff Knechte wurde als Sklaven umgedeutet, die Freizügigkeit der Juden wurde vollständig unterbunden, der den Juden auf Grund besonderer Schutzbriese zugesagte Schutz wurde in Wirklichkeit illusorisch. Die Kaiser gaben, wenn sie in Geldverlegenheit waren, den Judenschutz an die einzelnen Obrigkeiten und Landesfürsten, an Bischöfe und Städte weiter, und, das Recht, Juden zu halten, wurde allmählich ein vollständiger Wert. Während man auf der einen Seite die Juden erniedrigte, wurden auf der anderen Seite, chm Geld zu er- -i langen, die erniedrigten Juden als Pfandobjekt eingesetzt, eigentüm- ~ tümlicher Weise mitunter sogar bei Juden selbst, die nunmehr von _ ch den ihnen unterworfenen Glaubensgenossen Steuern einziehen konnten. In der „Goldenen Bulle" wurde den deutschen Kurfürsten generaliter das Recht eingeräumt, Juden zu halten. Die Juden wurden damit? fürstliche und städtische Kammerknechte und traten so in diejenige Form des Schutzes ein, die uns unter den Namen „Schutzjuden" aus Erzählungen der Voreltern und aus Ghettogeschichten bekannter ist, in jenen Zustand, der den Gipfel der Traurigkeit bezeichnete. Jahrj hunderte hat es gedauert, bis der zuerst von Johanns Reuchlin ausgesprochene Gedanke, daß die Juden auch Bürger des deutschen Reiches seien, fruchtbaren Boden fand und sich weiter entwickeln konnte. Die Kenntnis dieser für die Juden trostlosen Zeit bezeichnete der Vortragende für sehr wichtig, besonders jetzt, wo man so gern wieder die Juden aus dem allgemeinen Recht in ein Ausnahmrecht hineindrüngen möchte. Hier sei, so schloß der Redner unter lebhaftem Beifall, die Kammerknechtschast ein warnendes Beispiel, wie eine ' Einrichtung, die ursprünglich zum Segen eingesetzt war, allmählich zum Fluch geworden ist. Aus der Betrachtung der Vergangenheit sollen wir lernen, allen derartigen Lockungen zu widerstehen und keine; Abweichung von unseren Staatsrechten zulassen. — Der Leiter der Versammlung, Justizrat Dr. Fuchs, gab hierauf wie üblich geschäst- ' liche Mitteilungen. Mit freudiger Genugtuung konstatierte er das stetige Wachstum des Vereins; so hat die Gruppe Hamburg über 200 Mitglieder gewonnen, in München haben ebenfalls über 200 Beitritte stattgefunden, aus der Provinz Posen sind weitere 65 Mitglieder ( dem Verein beigetreten. In einem kurzen Rückblick über die antisemitischen Vorkommnisse der letzten Zeit streifte er die Pücklerfrage, den Antisemitismus des Abgeordneten Lenzmann, dem er, indem er; die Trennung des privaten gesellschaftlichen Lebens vom politischen Leben für geboten erachtete, besonderen Dank für die mannhaften Worte gegen den Antisemitismus aussprach, die Behandlung der Juden in den russisch-deutschen Staatsverträgen und anderes mehr A und schloß die Sitzung unter dem lebhaften Beifall der Zuhörer mit ) einer warmen patriotischen Kundgebung für den Kaiser und sein Haus. \ Berlin, 30. Januar. Während der Tagung des sechsten : Zionistenkongresses wurde in Basel ein Weltverband aller hebräischen Vereine gegründet, in dessen Zentralkomitee die in Berlin wohnenden Herren Schriftsteller Rüben Brainin, Dr. Heinrich Löwe, Josef Lin und A. M. Gonzar gewählt wurden. Außerdem " wurden verschiedene namhafte Schriftsteller als Vertreter des Ver- | bandes in andern Ländern gewählt. Das Verbandskomitee beabsichtigt '? zur Zeit des nächsten Zionistenkongresses in Basel einen aus Delegierten der hebräischen Vereine aller Länder zusammengesetzten Kongreß abzuhalten, über dessen Programm das Komitee nähere'Mitteilungen machen wird. Anfragen in bezug auf den hebräischen Weltverband -j sind zu richten an den Vorsitzenden des Zentralkomitees, Herrn * Schriftsteller Rüben Brainin, Berlin, Motzstraße 64. Berlin, 29. Januar. Wie wir erfahren, werden in der ,J Rudolf Mosseschen Erziehungsanstalt in Wilmersdorf-Berlin zu Ostern keine Knabenstellen frei, nur einige wenige Mädchen ■.'? von sechs Jahren, deren Schulunterricht beginnt, können noch Ausnahme finden. Meldungen sind schriftlich an den Direktor der Anstalt, Dr. Heinitz, zu richten. ' — Berlin, 29. Januar. Das Jüdische Genesungsheim Lehnitz soll in diesem Jahre gleich nach Mitte Februar wieder er- - öffnet werden. Meldungen um Aufnahme weiblicher Patienten | können schon jetzt an das Bureau des Vereins, Große Präsidentenstraße 31, gerichtet werden. Aerztliches Attest ist eventuell beizufügen. ■A. Berlin, 27. Januar. Am 23. d. M. ist hier nach längerem Leiden Professor Dr. Louis Jacobson, Dozent der Ohrenheilkunde an der hiesigen Universität, im 52. Lebensjahre gestorben. Jacobson y

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