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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1905-02-03 · Heft 5 (3.2.1905) · p. Seite 60

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
69 (1905)
Issue
Heft 5 (3.2.1905)
Date
1905-02-03
Page
Seite 60 (sequence 12)
Language
German
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60 „Ich bitte Dich also, sei so gut und lege bei jenem Neb Chajim für mich ein gutes Wort ein, daß er mich unter die Peruschim aufnehme." „Das tut er nicht . . . Das tutReb Chajim Melmned nicht. Und Du sagst, Du habest Gemara gelernt . . . Gemara hast Du gelernt? ... Ich will ihn bitten . . . sehr bitten ... Ich selber werde Dir auch jeden Tag geben . . . Mir gehört alles, was zurückbleibt . . . Das wird für uns beide reichen . . . ach ja, es wird schon reichen . . . Ich werde ihn bitten und . ihm sagen, Du seiest mein Verwandter, Du seiest aus Kamona, mein Landsmann. Du tust mir leid ... Ich liebe sehr alle, die Gemara lernen. Acht Jahre bin ich schon hier, mehr noch als acht Jahre. Und hier lernt man . . . aj, aj, wie man hier lernt!" Glaubensgenossen der.Gegenwart, die von der Mode angekränkelt ihre Ehre darin sehen, im Sport zu glänzen oder die sich ihre Ehre erst amtlich bestätigen, lassen, durch einen tönenden Titel, einen Orden oder ein farbiges Bändchen. Nicht minder interessant ist die Sukkospredigt über die Ehre des Nebenmenschen. Darin wird gegen die Ehrlosen und Verleumder entschieden, aber maßvoll zu Felde gezogen. Diese Betrachtung, die offenbar die Erfahrung des praktischen Lebens wiederspiegelt, ist besonders reich an stichhaltigen Argumenten. — Dr. Cohn verfügt, wie uns diese kleine Probe seiner Kanzelberedsamkeit zeigt, über eine schöne, populäre Sprache, die nirgends den rhetorischen Schwung vermissen läßt. Seine Art zu reden, die stellenweise an die alten Maggidim erinnert, bekundet eine warme, oft begeisterte Ueberzeugung von dem Gegenstände, den er jeweilen behandelt. Darum haben seine Reden Anziehendes und Fesselndes auch für denjenigen, der sie liest. Sie sind sicher geeignet, anzuregen und zu erbauen. St. Gallen, Januar 1905. Rabbiner Dr. Schlesinger. f'' ■ Josef war außer sich vor Freude über diese guten Worte. \ „Du hast ein edles Herz, Kamonenser!" rief er entzückt. „Was? Bin ich denn ein Schneider- oder ein Schusterjunge? Acht Jahre bin ich schon hier im Beth Hamidrasch. ’t\ Ich war schon Träger, als noch der berühmte Postubenser | Mäßmid^) hier^lernte . . . Bin ich denn ein Schneiderjunge? J Geh, leg Dich hin und schlafe, bis der Morgen graut. Morgen werden wir sehen, was zu machen ist . . . Aber Dir hast mich ( nicht betrogen? . . . Du hast wirklich Gemara gelernt und K auch die andern Dinge, die Du sagtest?"?' „Man mag mich prüfen ..." h? „Gut, gut! Ich werde schon mit Neb Chajim sprechen. . . f Und selber werde ich auch schon wissen, was zu tun . . . Geh nur, geh ..." S: „Ich bitte Dich, Kamonenser, sei so gut, nimm mein Sj Ranzel und verwahre es. Was hat es hier auf der Bank herumznliegen?" „Es kann liegen bleiben. Sei ohne Furcht. Hier gibt es keine Diebe . . . Geh nur, geh, leg Dich ruhig hin." Josef gehorchte, doch lange Zeit floh ihn der Schlaf. Eine Menge neuer Gedanken tauchten in ihm auf und versetzten ihn in einen Zustand angenehmer Unruhe und Erwartung. Endlich schlief er ein mit dem wohltuenden Gefühl in der Brust, das sich in die folgenden Worte kleidete: . „Ich darf hoffen . . ." (Fortsetzung folgt.) — Dr. M. Ascher, Ausflüge in das Reich des Geistes und der Seele. Berlin W. 50, „Coneordia", Deutsche Verlags- Anstalt , Hermann Ehbock. In einer Zeit, wo ernste Fragen über Religion allerorten lebhaft erörtert werden, ist eine populärphilosophische Abhandlung wie die des Dr. M. Ascher eine mit Freuden zu begrüßende Hilfe. Die darin gegebenen höchst anregenden Ideen über Verstand und Gemüt, Pessimismus und Optimismus, Glückseligkeit, Fortschritt, Erkenntnis und Offenbarung, Sittliche Weltordnung, Determinismus und Willensfreiheit, Wissenschaft und Religion, Gott, Unsterblichkeit, Wahrheit gewähren eine große Befriedigung. In diesen 11 Kapiteln sind die besten Resultate menschlicher Erfahrung auf dem Gebiet der Moral trefflich zusammengefaßt. Es ist heutzutage ein sehr verdienstvolles Werk, weiteren Kreisen die Früchte eines idealistisch gerichteten Denkens zu bieten, anstatt der hohlen Nüsse des Materialismus oder günstigenfalls Naturalismus. Jedem Gebildeten kann die Lektüre dieser geistreich und fesselnd geschriebenen Schrift nur dringend' empfohlen werden. — Der berühmte Gelehrte Salomon Buber. der mit unermüdlichem Fleiße die noch nicht herausgegebenen Manuskripte Raschis Seser Ho-Auroh, Sidnr Raschi, Sefer Ha-Sedorim, Jssur We-Heter gesammelt hat und mit ihrer Bearbeitung und Veröffentlichung beschäftigt ist, fordert anläßlich des am 29. Tamus stattfindenden 800 jährigen Todestages Raschis zu Beiträgen für eine Raschi-Stistung auf. Der Zweck der Stiftung, die in die Hände angesehener Persönlichkeitelt gelegt werden soll, soll von diesen erst später bestimmt werden; Herr Buber selbst hat bereits 300 Kronen gezeichnet. Urn für die Stiftung ein möglichst großes Interesse zu. erwecken, hat Herr Buber sich außerdem entschlossen, jedem Spender von den: Werke Sefer Ho-Auroh ein Exemplar zu verehren. Der Großrabbiner von Frankreich, Zadoc Kahn, schließt sich in wärmsten Worten dem Aufrufe an, der in der Tat die tatkräftigste Unterstützung aller Förderer der jüdischen Wissenschaft verdient. Litersrilche Mitteilungen. — Die Ehre, ein Cyklus von Festpredigten, gehalten von Rabbiner f Dr. A. Cohn, Basel. Verlag von P. M. Goldschmidt, Basel 1904. 48 S. Der Verfasser publiziert in einem Bändchen drei, an den Wanderfesten gehaltene Predigten über die Volksehre, über die Ehre des einzelnen und über^die Ehre^ des^ Nebenmenschen. „Wir Juden haben eine nationale Ehre, sie besteht ilu Festhalten'an unserer Thora." Dieser Grundgedanke wird an der Hand von geschichtlichen Reminiszenzen und zahlreichen Midrasch- und Talmudzitaten in einer Pessachbetrachtung anschaulich undlwirksam durchgesührt. — Der persönlichen Ehre ist eine Schowuauspredjgt (Text: Hrem. 9, 22) gewidmet. Das Judentum weis; der Standesehre der übrigen Völker eine viel vernünftigere und gesündere Anschamtng über die persönliche Ehre entgegenzustellen. Ein ehrenhaftes Leben und eine ehrbare Gesinnung, frei von jedem falschen Ehrbegriff, das ist das Hochziel der jüdischen Lehre. Mit feiner Ironie wendet sich der Verfasser gegen diejenigen ---- Uns liegt das erste Heft der neuen Jugendzeitschrift „Jung. Israel" vor, die vom Januar d. I. an im „Jüdischen Verlage" (Berlin-Charlottenburg, Herderstraße 3/4) erscheint. Das sehr schön ausgestattete Heft hat als Umschlagzeichnung die Wappen der zwölf Stämme nach dem Originalentwurf von Eduard Joel (Hamburg) und folgenden Inhalt: „Jung Israel", Gedicht. — „Ruth" von Martha Wiener (mit einer Kunstbeilage). — „Ein Märchen aus den; Paradies" von Ch. D. Nomberg. — „Die Belagerung Jotapatas" von Julius Uprimnh. — „Der verdiente Groschen", Illustration von L. Pilichowski, Lodz. — „Der Erzherzog und der Jude." — „Merpah", Gedicht mit Illustration. — „Mannhaftigkeit." — „Hebräische Tageszeitungen" (mit Illustration). — Rätsel ac. — Wir können die vorzügliche Zeitschrift allen Freunden einer jüdischen Erziehung unserer Jugend nur einpfehlen. Der Preis von 4 Mark per Jahr (1 Mark per Quartal) ist für eine Halbmonatsschrift von solcher Gediegenheit in Inhalt und Ausstattung ein sehr mäßiger zu nennem Probenummern versendet der Verlag auf Verlangen gratis und franko. & ^) Ein durch besonderen Fleiß und Hingabe sich. auszeichnender Jünger. Druck und Verlag von Rudolf Mosfe in Berlin. Verantwortlich für die Redaktion: Max Bauchwitz in Berlin.

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