Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 69 (1905)
- Issue
- Heft 2 (13.1.1905)
- Date
- 1905-01-13
- Page
- Seite 2 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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2 Beifall ausgenommen. Alsdann traten die Gemeindevertreter nach der Reihenfolge ihrer Wahl zum Vorstandsvorsitzenden und wurden durch Handschlag auf ihr Amt verpflichtet. Der Alterspräsident der Versammlung, Herr Moritz Manheimer, nahm hierauf den Präsidentensitz ein, um die Konstituierung des Repräsentantenkollegiums vorzunehmen. In einigen Worten betonte er, daß die Repräsentanten den vorerwähnten Ausgaben gern zugestimmt hätten. Mit Recht sei vom Vorsitzenden des Vorstandes die demnächstige Session als Bauperiode bezeichnet werden, doch sei zu wünschen, daß auch nach ethischer und idealer Beziehung ein Ausbau der Gemeinde speziell in ihrem wohltätigen Institutionen stattfinden möge, damit die größte Gemeinde wie bisher mustergültig bleibe für alle anderen. Notwendig sei jedoch vor allem die nötige Einigkeit in der Gemeinde. Nach einigen Worten des Dankes an den bisherigen Vorsitzenden Herrn Geheimrat Blumenthal für die gewissenhafte und sorgsame Führung des Amtes wurde die Konstituierung vorgenommen. Die Wahlen verliefen sehr glatt und ohne alle Zwischenfälle, nachdem am gestrigen Abend sich die Vertrauensmänner beider Parteien bereits über die .Kandidatenfrage geeinigt hatten. Von Herrn Hirsch wurde zum ersten Vorsitzenden Herr Louis Sachs vorgeschlagen, der unter 18 Stimmen 16 auf sich vereinigte; ein Zettel war unbeschrieben, einer lautete auf Blumenthal. Herr Louis Sachs nahm die Wahl mit Dank an, mit einem gewissen sreudigen Behagen, wie er ausführte.' weil ihn die große Zahl der für ihn abgegebenen Stimmen zu der Neberzengung führe, daß er von beiden Seiten des Hauses das Vertrauen genieße, bestrebt zu sein, die Verhandlungen unparteiisch, nach bestem Wissen und Gewissen zu leiten. Er werde sich selbstverständlich bemühen, das freundschaftliche Verhältnis zum Gemeindevorstand weiter zu fördern, denn nur die gemeinschaftlichen Arbeiten beider Schwesterbehörden können den Aufschwung der Gemeinde herbeiführen. Unter den Gemeindevertretern selbst werde niemand es dem andersdenkenden Kollegen übel nehmen, wenn er auf anderen Wegen das Gemeinwohl aller zu fördern glaube, doch bei redlichem Bemühen, den Frieden zu erhalten, werde sich auch in den meisten Fällen der Weg finden lassen, der zu diesem Ziele führe. Wenn die Versammlung mit solchen Vorsätzen in die neue Sitzungsperiode eintrete, dann werde auch der Segen ihrer Arbeit nicht fehlen. (Lebhafter Beifall.) Von Herrn Kommerzienrat Friedländ er wurde alsdann zum ersten Vorsitzenden-Stellvertreter Herr Geheimrat Blumenthal vorgeschlagen, für welchen unter 19 Stimmen 18 abgegeben wurden. Er nahm die Wahl an, dankte für die ihm durch Herrn Manheimer ausgesprochene Anerkennung und versprach, falls er den Vorsitz führen sollte, wie bisher mit voller Unparteilichkeit dem Amte vorzustehen. Zum zweiten Vorsitzenden-Stellvertreter wurde Herr Kommerzienrat Friedländ er gewählt, auf welchen sämtliche 19 Stimmen lauteten. Zu Schriftführern wurden in Akklamationswahl die Herren Rechtsanwalt Tr. Ignatz Cohn und zum Stellvertreter Herr Willibald Loewenthal ernannt. Auch die Konstituierung der drei- Ausschüsse wurde in Stimmzettelwahl sofort vorgenommen. Es wurden gewühlt in den Ausschuß I die Herren Manheimer, Adolph Mäher, Professor Kali sch er, Josef Fraenkel, Bodenstein, Hans Friedländer und Stadtrat Weigert; in den Ausschuß II die Herren Kommerzienrat Friedländer, Loewenthal, Sieskind, Gerson Simon, Bodenstein, Hans Friedländer und Aron Hirsch; in den Ausschuß III die Herren Rechtsanwalt Cohn, Professor Geiger, Professor Blaschke, Justizrat Veit Simon, Dr. Minden, Geheimrat Senator, Geheimrat Blnmenthal, Professor BaginSky, Louis Sachs und Aron Hirsch. Der Vorsitzende Louis Sachs schloß hierauf die Sitzung mit einigen Worten des Dankes für das zahlreiche Erscheinen der Mitglieder und für die friedliche Stimmung. Nach Schluß der Sitzung konstituierten sich alsdann noch die Ausschüsse unter sich. Zu Vorsitzenden resp. Stellvertretern wurden gewählt für den Ausschuß I die Herren Moritz Manheimer und Joseph Frankel, für den Ausschuß II Kommerzienrat Friedländer und Willibald Loewenthal, für den Ausschuß III Geheimrat Blumenthal und Professor Geiger. s. Berlin, 6. Januar. Der Gedanke, ein Heim für jüdische Lungenkranke zu gründen, ist von einigen Mitgliedern derArmenkommission der hiesigen jüdischen Gemeinde von neuem in Anregung gebracht worden. Man will vorerst ein Provisorium für 20 bis 30 Betten schaffen und die Aufnahme auf männliche Kranke beschränken. Eine Nnterkommifsion ist mit den ersten Vorarbeiten betraut worden. Angebote von geeigneten Grundstücken in Berlins näherer oder weiterer Umgegend sind an den Vorsitzenden des Komitees, Herrn Hugo Heilmann, Oranienstraße 33, einzusenden. 22 Berlin, 3. Januar. Am 25. v. M. fand im Bureau des Deutsch-Israelitischen. Gemeindebundes eine gemeinschaftliche Sitzung des Vorstandes, des Wohlfahrtsausschusses und des Komitees der Ehrendamen des Vereins jüdischer Arbeiterkolonie statt. Das zuletzt genannte Komitee hat sich unter dem Vorsitz der Frau Maurermeister Adler konstituiert, deren Stellvertreterin Frau Amalie Apt ist, während Frau Oberlehrer Dr. Schaefer das Amt einer Schriftführerin übernommen hat. Auch die übrigen dem Komitee ungehörigen sechs Damen sind größtenteils auf dem Gebiete der Wohltätigkeitspflege wohl bekannt und es ist zu erhoffen, daß ihre Tätigkeit zugunsten der Arbeiterkolonie recht ersprießlich sein wird. Hauptsächlich wird sie sich naturgemäß auf das Hauswesen beziehen. Ueber das abgelaufene Jahr läßt sich Erfreuliches berichten. Die Entwicklung der Kolonie ist eine glückliche gewesen. In der Zeit vom 1. Januar bis zum 31. Dezember 1904 sind nicht weniger als 419 Mann neu ausgenommen worden, während 400 die Kolonie verlassen haben. Dadurch hat sich der am 1. Januar 1904 vorhandene Bestand von 71 Mann auf die höchst zulässige Besetzungsziffer von 90 Mann erhöht. Die 90 Insassen sind wie folgt auf die verschiedenen Berufszweige verteilt: Rohrflechterei 22, Stockfabrik 23, Hosenträgerfabrik 7, Bürstenfabrik 32, Kalonieschneider 1, Hausarbeit 1, noch keinen: Betriebe fest zugewiesen 4. Seit Eröffnung der Kolonie sind bereits 932 Mann ausgenommen worden. Der Gesundheitszustand der Kolonisten ist ein günstiger. Hervorzuheben ist noch, daß sich das Krankenhaus der jüdischen Gemeinde in dankenswerter Weise bereit erklärt hat, erforderlichenfalls erkrankte Kolonisten aufzunehmen.. Die Chanukah-Feier hat einen schönen und würdigen Verlauf genommen. Zuwendungen sind in letzter Zeit nicht allzu reichlich der Kolonie zugeslossen. Erwähnt sei die Gewährung einer einmaligen Spende von 500 Mark seitens des Herrn Bankiers Paul Jüdel, der die Rechte eines Stifters erworben hat. Der Vorstand wiederholt seine oft ausgesprochene Bitte betreffend Ueberweisung von gebrauchten Kleidungsstücken an die Anstalt. Bezügliche Nachrichten wolle man richten: An die Jüdische Arbeiterkolonie, Neu-Weißensee, Wörthstraße 20. r. Spandau, 8. Januar. Hier hat sich ein „Israelitischer Frauenverein" gebildet, der es sich zur Aufgabe gestellt hat, da einzugreifen, wo die Wohltätigkeit jüdischer Frauen am Platze ist. Eine andere Ausgabe ist es für den Verein, durch seine Mitglieder die Pflichten bei eintretenden Todesfällen in der Gemeinde ausüben zu lassen. Die Gründung des Vereins fand allgemeinen Anklang und fast alle israelitischen Frauen sind Mitglieder geworden. In den Vorstand gewählt wurden die Damen Frau N. Seliger, Frau Sternberg, Frau Bojarsky, Frau Dr. Abrahamson und Frau Cohn. E. Potsdam, 6. Januar. In der letzten Sitzung der Stadtverordneten beschäftigte abermals das Verbot des. Schächtens auf dem städtischen Schlachthof die Versammlung bei Beratung einer neuen Schlachthofordnung. Der Magistrat hatte den im vorigen Jahre gefaßten Beschluß der Stadtverordneten zur Ausführung gebracht und eine neue Schlachthofsordnung vorgelegt, worin angeordnet wird, daß das Vieh nur nach vorheriger Betäubung geschlachtet werden darf. Da hierdurch das Schächten verboten wird, hatte der Vorstand der Potsdamer Synagogengemeinde an die städtischen Behörden das Ersuchen gerichtet, den Gemeindebeschluß vom 14. September 1892, demzufolge das Schlachten nur auf dem städtischen Schlachthof gestattet ist, auszuheben und der jüdischen Gemeinde die Errichtung eines eigenen Schlachthauses, wo das Vieh geschächtet werden darf, zu gestatten. Der Magistrat verhielt sich hierzu ablehnend, weil er ein Bedürfnis nicht anerkannte, da von 442 Potsdamer Juden nur 34 Familien streng nach dem Ritual leben. Stadtverordneter Jnstizrat Dr. Friedländer bezeichnete diesen Standpunkt als eine Vergewaltigung seiner Glaubensgenossen, fand aber heftigen Widerspruch, da das Schächtverbot nur wegen der Tierquälerei erlassen sei. Der Antrag der Shnagogengemeinde wurde