Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1905-01-13 · Heft 2 (13.1.1905) · p. Seite 14

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
69 (1905)
Issue
Heft 2 (13.1.1905)
Date
1905-01-13
Page
Seite 14 (sequence 2)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/3224737-3228636-3228639--61398-3275216
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

14 v^»*" jwgss t; Einnahmen: 2804,54 M. — Die Ausgaben betrugen: Subventionen an die angeschlossenen Vereine zum Besuche der Jahresversammlungen 1380 M.; für Akten und Drucksachen 122,10 M.; Verwaltungskosten 142,35 M.; Vorstandssitzungen und Reise-Entschädigung für dieselben 210,50 M.; Beitrag für den Verband der deutschen Juden 30,00 M. Summa aller Ausgaben: 1854,95 M. Demnach Bestand: 919,59 M. Die beantragte Entlastung für den Rendanten, Rektor Feiner- Hamburg, wird mit Dank für die sorgsame Kassensührung einstimmig angenommen.. Es folgte die Beratung der neuen Verbandssatzungen, welche durch ein Referat des zweiten Vorsitzenden, Lehrer und Redakteur Steinhardt-Magdeburg, eingeleitet wurde. Die Beratungen wurden durch einen Antrag des Lehrervereins Bremen, Oldenburg, Emden, den der Vorsitzende dieses Vereins, Lehrer Wolff-Aurich, vertrat, außerordentlich lebhafte. Dieser Antrag lautete: „Dem § 1 soll D folgender Zusatz gegeben werden: Ausgeschlossen von den Verhand- / lungen sind alle Fragen, welche sich gegen die Grundsätze der jüvdischen Religion und die überlieferten Grundwahrheiten richten." Der Antrag, gegen den sich selbst die konservativen Mitglieder des £ Verbandstages mit aller Entschiedenheit erklärten, indem sie ihre Ent- % rüstung darüber aussprachen, daß jemand einen jüdischen Lehrer verdächtige, jemals gegen diese Grundsätze zu handeln, wurde gegen die •V einzige Stimme des Antragstellers unter jubelndem Beifalle abgelehnt. fr Hierzu trug besonders die Mitteilung des Verbandsvorstandes bei, ft daß ihm ein Brief — der zur Verlesung gelangte — zugeflogen sei, . nach welchem von orthodoxer Seite mit allen möglichen Mitteln eine Sprengung des mühsam gelungenen Einheitswertes versucht und v eine Vereinigung „gesetzestreuer" Lehrer — nach dem Muster der . Vereinigung gesetzestreuer Rabbiner — gegründet werden sollte. Im übrigen wurden die neuen Satzungen mit geringen Abänderungen ft angenommen. Die wichtigsten Abweichungen der neuen von den ft alten Satzungen sind folgende: Jeder angeschlossene Verein entsendet ' , in Zukunft einen Vertreter in den Verbandsvorstand; 2. Der Vorstand erwählt einen aus fünf Mitgliedern bestehenden geschäftsxft führenden Ausschuß aus seiner Mitte; 3. Ein Drittel der angeft schlossenen Vereine hat das Recht, die Einberufung eines außerordentlichen Verbandstages zu verlangen. In diesem Falle tragen die An- . tragsteller die Kosten des Verbandstages und wählen einen besonsonderen Vorsitzenden für den Verbandstag; 4. Der Vorsitzende der?:r Verbandspensionskasse hat in Zukunft nicht mehr das Recht, als Delegierter der Kasse dem Verbandstage beizuwohnen; 5. Mitglieder, welche mehreren Vereinen angehören, haben sich vor der Delegiertenwahl zu entscheiden, für welchen Verein sie ihr Stimmrecht ausüben ft wollen. Zu Beginn des zweiten Verhandlungstages teilt der Vorsitzende Dr. Fiegel-Berlin Entschuldigungs- und Begrüßungsschreiben von Peritz-Königsberg, Thalmann-Wertheim, Driesen-Karlsruhe, Stern- Hildesheim, Marx-Alsheim, dem Nestor der jüdischen Lehrer Deutschlands, und Jakobsohn-Leipzig mit. Ebenso begrüßt er das als Gast erschienene Mitglied des Ausschusses vom D.-J. G.-B., Oberlehrer Dr. Schäfer-Berlin. Hierauf hält Hauptlehrer Rothschild-Worms einen Vortrag über „Die Psalmen im Religionsunterricht." Der Referent wiederholte zunächst feinen im Hessischen Lehrerverein gehaltenen Vortrag über das obige Verbandsthema und erstattete dann Bericht über die Beratungen, welche über das Verbandsthema in den angeschlossenen Vereinen gepflogen wurde. Der Vortrag findet i lebhaften Beifall und die von dem Referenten aufgestellten Thesen werden vom Verbandstage en bloc angenommen. Es sind folgende: 1. Die Psalmen sind von hoher Bedeutung für die religiös-sittliche und ästhetische Bildung der Jugend. 2. Die Psalmen sind deshalb beim Religionsunterrichte zu verwenden: ft a) im biblischen Geschichtsunterricht; b) im Gebetübersetzen; ft., c) beim systematischen Religionsunterricht, ft 3. Auf der Unter- und Mittelstufe müssen einzelne Verse aus den ft Psalmen (auch ans anderen Büchern der heiligen Schrift), deren Inhalt sich mit dem religiös-sittlichen Inhalt der einzelnen Erzählungen deckt, eingeprägt werden. 4. Die Psalmen de§ Gebetbuches müssen übersetzt und dem Fassungsvermögen der betreffenden Altersklasse entsprechend kurz oder eingehend behandelt werden. 5. Auf der Oberstufe, besonders in den höheren Lehranstalten, finden im Anschlüsse an die systematische Religionslehre solche Psalmen eine eingehende gründliche Behandlung, die noch nicht im Gebetbuche, oder dort nur kurz behandelt worden sind. 6. Eine Anzahl Psalmen ist zu memorieren, womit schon, auf der Mittelstufe (Schulgebete) begonnen werden kann. , Es folgt die Beratung über die Errichtung von Fort- \ bildungskursen, welche entschieden den Höhepunkt der gesamten & Verhandlungen darstellte. Nicht wenig trug dazu das Referat des f Berichterstatters der zu diesem Zwecke eingesetzten Kommission, Rektor Feiner-Hamburg, bei. Der Referent verstand es, durch seine beft geisterten und begeisternden, dabei aber streng wissenschaftlichen Ausführungen die Versammlung auf die Höhe der Situation zu führen. Galt es doch hier endlich Klarheit zu schaffen zwischen den Dunkelmännern und den einem gemäßigten Fortschritt huldigenden ' Schulmännern; und das Grollen, das schon bei den Beratungen über die Vereinssatzungen deutlich vernehmbar war, wuchs machtvoll zu einem luftreinigenden Gewittersturm, das noch lange in den Gemütern der Zuhörer nachhallen wird. In vornehmer Form, aber mit wahren Keulenschlägen, wurde die rückschrittliche Bewegung auf dem Gebiet f der Lehrer-Vorbildung und -Fortbildung getroffen uud mit Entschiedenheit das Recht des jüdischen Lehrers auf die gleiche wissenschaftliche Bildung wie die seines christlichen Kollegen in Anspruch genommen, sowie die Pflicht und Schuldigkeit der jüdischen Lehrerseminare, die besten Lehrkräfte anzustellen, den wissenschaftlichen Sinn der Zöglinge zu bilden und sich von dem fremden Einflüsse endgültig zu befreien, energisch betont. Zwischen der Ansicht, die in der Debatte Ausdruck fand, daß die gesamte Thora eine göttliche Offenbarung und jede wissenschaftliche Kritik eine Sünde sei, die zum Abfall vom Judentum führen müsse und jener, die da energisch verlangte, daß auch den Liberalen soviel Anrecht zugestanden werden; müsse, wie den Orthodoxen und daß beide Parteien ein gleiches Recht j zum Leben haben, schien kaum eine Ueberbrückung möglich — und dennoch siegte der Geist der Versöhnlichkeit in dem harten Kampfe der Geister, an dem die Besten des jüdischen Lehrerstandes teilnahmen. ' Der Referent suchte besonders nachzuweisen, daß die viel befehdete i Gutrnann'sche Denkschrift keineswegs Beschlüsse des Verbandsvorstandes i darbiete, sondern nur als Grundlage für die Diskussion in den j Einzelvereinen gelten sollte. Die Gutmannftche Denkschrift ist, wie Referent aus den gepflogenen schriftlichen Verhandlungen nachweist, auf den eigenen Wunsch des Verfassers reicht veröffentlicht worden. Im Verlauf der Debatte, an der sich Bähr-Waldenburg, Dr.Gut- , mann-Berlin, Katz-Kassel, Wolff-Aurich, Professor Dr.Badt- und Professor Dr. Blaschke-Berlin, Dozent Dr. Brann-Breslau, Direktor Dr. Adler- - i Frankfurt a. M. beteiligen, verliest der zweite Vorsitzende Steinhardt- , Magdeburg eine Erklärung des Verbandsvorstandes, nach welcher I die Denkschrift des Rektors Dr. Gutmann-Berlin nicht die Forde-? rungen des Verbandsvorstandes für die Fortbildung zum Ausdruck ■ j bringen, sondern nur die Grundlage für die Diskussion in den Einzelvereinen bieten sollte. Die Debatte schließt mit der Annahme : folgender von Steinhardt-Magdeburg eingebrachten Resolution: „Der Verbandstag nimmt von der Erklärung des Vorstandes mit Befrie-! digung Kenntnis. Er überweist die Leitsätze des Referenten als ] Material dem Verbandsvorstande mit der Maßgabe, baldigst dafür \ Sorge zu tragen, daß tunlichst bald Fortbildungskurse errichtet werden." Es folgt die Beratung über den Bericht des Verbandsvorstandes. Von allgemeinem Interesse war hier nur die Verhandlung über die Verbandspensionskasse. Der Vorsitzende des Kuratoriums der Kasse, Hanff-Berlin, stellte aus den Verfügungen der Aufsichtsbehörden klar, daß die Kasse eine eigene juristische Person sei und rechtlich nicht mehr mit dem Verband Zusammenhänge. Direktor Dr. Adler-Frankfurt a. M., der eigentliche Gründer der $ Kasse, bestätigte diese Darstellung und wies nach, daß die ständigen j Angriffe aus die Kasse von seiten der Provinzialkassen die Entwicklung I der Verbandspensionskasse außerordentlich hinderten. Ein schriftlicher! Antrag Peritz-Königsberg, eine Kommission zu wählen, welche die

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.