Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 69 (1905)
- Issue
- Heft 2 (13.1.1905)
- Date
- 1905-01-13
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Gin unparteiisches Organ für alles jüdische Interesse. kerllll, 13. Januar 1905. 69. Jahrgang. So. 2, Diese Zeiiung erscheint wöchentlich. Abonnements.preis: Durch Buchhandel, Post öder direkt von der Expedition in Berlin unter Streifband bezogen vierteljährl. r M. Redakteur: Gustav Aarpele». Begründet von Rabbiner D*- Ludwig Phittppsoir. VeklSLS-krpeSitioll: Berlin, Jerasalemerstr. 46/49. Alle Zusendungen für Redaktion und Expedition sind an die Adresse: Verlag der „Allgem. Zeitung des Judentums", Berlin ' SW., Jerusalemer Straße ^6/49, zu richten. Verlag von Rudolf rNosse, Berlin. Dritter ordentlicher Berbsndstag der jüdilchen LehreroereiNk im Deutschen Leich. Berlin, 10. Januar. den Tagen des 27., 28. und 29. v. M. tagte in der ^7 alten Residenzstadt Kassel der dritte Verbandstag der jüdischen Lehrervereine im Deutschen Reiche, welcher durch die! reichhaltige Tagesordnung sowohl als auch durch die gefaßten > Beschlüsse für die jüdische Volks- und Religionsschnle von ’ außerordentlicher Bedeutung ist. Wir erhalten darüber | folgenden eingehenden Bericht: t Der Verband war in seinen angeschlossenen 20 Vereinen , mit etwa 1100 Mitgliedern durch 33 Delegierte vertreten, L außerdem waren wohl weit über 100 Gäste: Lehrer aus den benachbarten Bezirken und Vertreter der jüdischen Gemeindebehörden in Kassel, anwesend. Am 27. v. M. wurde die Versammlung im - Festsaal des Zentralhotels durch den Verbandsvorsitzenden, Dr. Fiegel, Berlin, eröffnet, der zunächst die Delegierten begrüßt, insbesondere i diejenigen der neuangeschlossenen Vereine der Württemberger und des; Vereins Frankfurt a, M., ferner die erschienenen Gäste, vor allem t Herrn Landrabbiner Dr. Prager, Kassel, sowie die Vorstandschaft der - jüdischen Gemeinde Kassel. Gr dankt der Gemeinde Kassel für die freundliche Einladung, weist darauf hin, daß ein Israel Jacobsohn t hier in Kassel zu allererst für die deutsche Bildung der Juden get wirkt hat und schließt mit einem Hoch auf den Kaiser, in welches die Versammlung begeistert einstimmt. Es folgen die Begrüßungen. t Justizrat Rothfels begrüßt die Versammlung namens der Vorstandschaft l von Kassel, Bankier Heß namens des Aelteftenkollegiums der jüdischen Gemeinde, Seminardirektor Dr. Lazarus namens des Ortskomitees. , Dieser schließt seine eindrucksvolle Ansprache mit der„Ueberreichung l einer von der Gemeinde Kassel gestifteten namhaften Ehrengabe zu . beliebiger Verwendung für den Verband. Herr Landrabbiner Dr. Prager - dankt für die persönliche Einladung und erwünscht , den Segen Gottes für die Beratungen. Nach geschäftlichen Mitt teilungen des Seminarlehrers Horwitz-Kaffel namens des Ortskomitees - wird der Verbandstag konstituiert, wobei Dr. Fiegel-Berlin zum x Vorsitzenden des Verbandstages und die Lehrer Amram-Borken, Horwitz-Kaffel und Waldbott-Speier zu Schriftführern gewählt werden. L. Zu Kassenprüfern wählt die Versammlung: Wertheimer-Heldenbergen,. t Bach-Hildesheim und Nnßbaum-Wiesbaden. - % Nach einer entsprechenden, von der Versammlung beschlossenen u Abänderung der Tagesordnung hält Herr Realschuldirektor Dr. Adleri Frankfurt a. M. seinen mit größter Spannung erwarteten Vortrag: y „Das preußische,Sch.ulunterhaltungs gesetz und die jüdische - Volksschule." In einem außerordentlich fleißig bearbeiteten Referat, i das eine Fülle statistischen Materials beibrachte, dabei aber nicht die i großen politischen, religiösen, nationalen und pädagogischen Gesichtspunkte vermissen ließ, erläuterte er die Geschichte des preußischen Schul- und Schulunterhaltungsgesetz.es,. Aus seinen interessanten statistischen Mitteilungen erfahren wir, daß es gegenwärtig 242 öffentliche jüdische Volksschulen im Deutschen Reiche gibt. An Simultanschulen außerhalb Berlins unterrichten 40 jüdische Lehrer und 5 Lehrerinnen, in Berlin sind 60 jüdische Lehrkräfte— Lehrer und .Lehrerinen — an den Kommunalschulen beschäftigt. Aus seinen weiteren Ausführungen erfuhren wir ferner, daß gegenwärtig in 800 jüdischen Gemeinden jüdische Schulkinder keinen geordneten d. h. durch staatlich geprüfte Lehrer erteilten Religionsunterricht erhalten. Von den nicht staatlich geprüften sogenannten Religionslehrern erreichen 75% nur ein Einkommen bis 1500 M. jährlich. In der Begründung der aufgestellten Thesen war der Referent mit der Mehrzahl der jüdischen Lehrerschaft darin einig, daß nur mit schwerem Herzen bei der gegenwärtigen politischen Lage von dem liberalen Ideal einer Simultanschule Abstand genommen werden könne und daß aus den, in dieser Zeitung mehrfach mitgeteilten Gründen — zuletzt in den Artikel: „Das Schulkompromiß und die jüdische Volksschule" von H. Becker — die jüdischen Lehrer für die konfessionelle Volksschule eintreten müßten. Ebenso war Referent in den Wünschen für das neue- Schulunterhaltungsgesetz und in der scharfen Kritik des vorliegenden Kompromißantrages, der zum größten Teile die Neugestaltung der konfessionellen Volksschule dem willkürlichen Ermessen der Verwaltungsbehörden überläßt, mit den Ausführungen des obigen Artikels einig. An der außerordentlich lebhaften Debatte beteiligten sich: Bach-Halberstadt, Belker-Wollstein, Hanff- und Auerbach-Berlin, Dozent Dr. Brann-Breslau, Rosenberg- Neuwied, Kadisch-Gollub, Spatz-Rexingen. Der letztere, Vertreter des neuangeschlossenen Vereins israelitischer Lehrer und Vorsänger Württembergs, gibt im Lause der Debatte in Verbindung mit seinem Mitdelegierten Straßburger-Kreglingen, namens des von ihm vertretenen Vereins die Erklärung zu Protokoll, daß für Württemberg keine Aenderung in den. gegenwärtigen Verhältnissen der jüdischen Volksschule gewünscht wird und daß sie in Rücksicht auf die spezifisch preußische Angelegenheit, welche das Schulunterhaltungsgesetz behandelt, von einer Beteiligung an der weiteren Debatte Abstand nehmen und sich an der Abstimmung über die Thesen nicht beteiligen. Nachdem Direktor Dr. Adler eine Erläuterung der Begriffe: Allgemeinschule, Staatsschule und Simultanschule gegeben und seine abgeänderten Thesen zurückgezogen hatte, werden die ursprünglichen von dem Referenten aufgestellten Thesen nach dem Anträge Hanff-Berlin, in der Fassung angenommen, die wir bereits in voriger Nummer mitgeteilt haben. Auerbach-Berlin und Spatz-Rexingen beantragen, den mit lebhaftem Beifall aufgenommenen Vortrag des Direktors Dr. Adler nebst den angenommenen Leitsätzen dem Abgeordnetenhause zu übergeben. Ferner soll der Vortrag, zu dem Dr.' Adler noch Erweiterungen in Aussicht stellt, dem Drucke übergeben und der D.-J. G.-B. um die Mittel zur Drucklegung gebeten werden Der Antrag wird einstimmig angenommen. Die Kassenprüfer berichten; durch Wertheimer - Feldenberger über,. die Kassenverhältnisse. Danach betrugen die Einnahmen: a) Subvention vom D.-J. G.-B. 1800 M.; t>) Beiträge der angeschlossenen Vereine 502,60 M.; e) Bestand vom Vorjahre 501,94 M. Summa aller