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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1905-01-06 · Heft 1 (6.1.1905) · p. Seite 3

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
69 (1905)
Issue
Heft 1 (6.1.1905)
Date
1905-01-06
Page
Seite 3 (sequence 15)
Language
German
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3 Feftsaal des Logenheims. Hier hatten , sich die Mitglieder der Loge mit ihren Damen und die hiesigen und auswärtigen Deputationen eingefünden, unter den Erschienenen bemerkten wir unter anderen den Vorsitzenden der Großloge Justizrat Timendorfer - Berlin, Dr. Rosenak-Bremen, die Präsidenten der Logen Lübeck, Bremen usw., die Prediger Dr. Leimdörfer, Dr. Rieger, Dr. Löwenthal usw. Die Mitglieder der hiesigen Loge überreichten eine bedeutende Geldsumme für eine-„Gustav Tuch-Stiftung" die Zwecke der Stiftung, die mit der Loge in Verbindung stehen soll, bleiben dem Jubilar überlassen. Die Urkunde über die Stiftung überreichte mit herzlichen Worten Herr Dr. jur. Frank. Als Sprecherin für den humanitären Frauenverein feierte Frl. Sidonie Werner den Jubilar in warmen Worten, Frau Dr. Markiel für die Haushaltungsschule, Dr. Rieger für die „Gesellschaft für jüdische Volkskunde", Herr Gumpertz für den Verein für jüdische Geschichte und Literatur. Es folgten , dann noch Deputationen der Mädchen- und Knabenhorte, des Jugendbundes, des Vereins für Handfertigkeit der Jugend usw. Bewegt betrat der bescheidene Gefeierte das Podium und dankte mit> schlichten Worten für die überwältigenden Huldigungen. Bei der nun von i der Henry Jones-Loge veranstalteten Festtafel feierte Herr Dr. Leimdörser in gewohnter geistvoller Weise das Geburtstagskind. Im Laufe des nächsten Tages wurden dem Jubilar in seinem Hause noch weitere Ovationen bereitet, die Gemeindevorsteher, die Rabbiner Hamburgs und der Nachbargemeinden fanden sich nebst den angesehensten Bürgern unserer Vaterstadt zur persönlichen Beglückwünschung ein. Möge es unserem Gustav Tuch vergönnt sein, noch lange Jahre in ungeschwächter ädraft weiter zu wirken und zu streben zum Wohle seiner Glaubensbrüder, zum Wohle der Allgemeinheit. 8. Kassel, 2. Januars Der dritte Verbandstag des Verbandes der israelitischen Lehrervereine im deutschen Reiche fand am 28. und 29. v. M. hier statt. Die Verhandlungen, welche im Festsaal des Zentral-Hotels abgehalten wurden und von 180—200 Personen aus ganz Deutschland besucht waren, leitete der Verbandsvorsitzende Herr Dr. Fiegel-Berlin und dessen Stellvertreter Herr Steinhardt-Magdeburg. Aus der Berichterstattung des Verbandsvorstandes über die Verwaltnngsperiode der drei Jahre 1902, 1903 und 1904 ist hervorzuheben, daß der Verband sich günstig weiter entwickelt hat und bis jetzt 20 Vereine mit 1100 Mitgliedern umfaßt. Einer der Hauptgegenstände der umfangreichen Tagesordnung war^ der Vortrag, welchen der Ehrenvorsitzende des Verbandes, Herr Realschuldirektor Dr. Adler-Frankfurt a. M. über das Thema „Das preußische Schulunterhaltungsgesetz und die jüdische Volksschule" hielt. Nach dem anderthalbstündigen Vortrage, in welchem der gewandte Redner die Materie in lichtvollster Weise behandelte, wurde einstimmig die Resolution angenommen, die wir in der „Woche" mitgeteilt haben. — Einen weiteren interessanten Vortrag über die Errichtung von.Fortbildungskursen hielt Herr Realschullehrer Feiner-Hamburg. Auch dieser erschöpfende Vortrag wurde mit lebhaftem Beifall aufge- . nommen. Die Versammlung nahm am Schlüsse eine Resolution an, worin sie sich für die Errichtung von Fortbildungskursen ausspricht, da sie dieselben für unumgänglich notwendig hält. In den Vorstand wurden gewählt die Herren: Realschuldirektor Dr. Adler-Frankfurt a. M. (Ehrenvorsitzender); Dr. Fiegel-Berlin (1. Vorsitzender); Steinhardt-Magdeburg (2. Vorsitzender); Realschullehrer Feiner-Hamburg (Schatzmeister); Amram Borken-Hessen (1. Schriftführer); Hauptlehrer Gras-Essen (2. Schriftführer); Professor Dr. Blaschke-Berlin, Profeffor Dr. Badt - Breslau, Direktor Driesen - Karlsruhe i. B. (Beisitzer). Im Laufe der ersten Nachmittagssitzung des Kongresses hielt sodann noch Herr Lehrer Horwitz aus Kassel (an Stelle des am Erscheinen verhinderten Herrn Lehrers Jakobsohn aus Leipzig) einen Vortrag über die Bildung einer Kantoren-Sektion und wurden die Darlegungen ebenfalls sehr beifällig ausgenommen. Das Schriftführeramt während des Kongresses versahen die Herren Lehrer Amram-Borken in Hessen, Lehrer Horpntz-Kassel und Lehrer Waldbott-Leipzig. Nach Schluß der Beratungen trat auch der gemütliche, gesellige Teil in seine Rechte. Zunächst vereinigte die große Zahl der hiesigen und auswärtigen Teilnehmer des Kongresses ein Festmahl. Darauf folgte ein Festkommers. Durch Trinksprüche ernsten und launigen Inhalts wurde die festliche Stimmung wesentlich erhöht. Der erste Trinkspruch galt dem Kaiser, ausgebracht in zündenden Worten von dem Seminar- .dirigenten Herrn Dr. Lazarus-Kassel. Weitere Trinksprüche wurden in beredter Weise auf den Verband, auf das Vorsteheramt und die Gemeinde Kassel ausgebracht, ebenso auch ein Hoch auf die' Verdienste des Lokalausschusses rc. Der Festkommers schloß sich an das. Mahl an. Zöglinge des hiesigen israelitischen Seminars ließen es sich angelegen sein, durch musikalische und dramatische Darbietungen das Fest zu verschönen. Ein von Herrn Lehrer Katz in Gelsenkirchen gedichteter, formvollendeter Prolog von einem Seminarabiturienten mit gutem Ausdruck vorgetragen, erregte, ebenso wie das am Schlüsse der Verse gestellte „Lebende Bild", das den Treuschwur der jungen Lehrer, in den Bahnen der alten zu wandeln, darstellte, lebhaften Beifall. Das folgende, von großer dichterischer Begabung zeugende Stück, ein Einakter, der Lehrerfreuden und Lehrerleiden sehr humorvoll schilderte, hatte ebenfalls Herrn Katz zum Verfasser und erregte in der sorgsam vorbereiteten Darstellung durch die Seminaristen stürmische Heiterkeit. a. Köln, 1. Januar. Am 30. v. M. ist hier im Alter von 85 Jahren der Rentier Jacob de Jonge gestorben, der Jahrzehnte hindurch das Amt eines Vorsitzenden des Vorstandes der hiesigen Shnagogengemeinde mit Treue und Umsicht geführt hat und erst vor einigen Wochen seines Alters wegen von diesem Amte zurückgetreten ist. Sein Name wird in der Geschichte unserer Gemeinde in Ehren fortleben. St. Johann a. Saar, 31. Dezember. Eine wackere Frau unserer Gemeinde wurde am 26. d. M. zu Grabe getragen. Frau Henriette Weil geb. Lyon ist im Alter von 62 Jahren ihrem Familienkreise und unserer Gemeinde entrissen worden. Die Verstorbene hat sich im glorreichen Feldzuge von 1870/71 durch die freiwillige Pflege Verwundeter und Kranker große Verdienste.. erworben, wofür sie mit der Kriegsdenkmünze für Nichtkombattanten dekoriert worden ist. Eine weitere Anerkennung dieser ihrer Liebestätigkeit wurde ihr später durch die Verleihung der Jubiläumsmedaille, anläßlich des 100. Geburtstages weiland Kaiser Wilhelms des Großen, zu teil. Ehre ihrem Andenken! Oesterreich-Ungarn. LI Wien, 2. Januar. Trüb, wie das vorige Jahr geschlossen, beginnt das neue. Daß der Ministerwechsel uns nichts Gutes bringen wird, ist hierzulande selbstverständlich. Aber auch aus der Gemeinde ist nichts Gutes zu berichten. Das verflossene Jahr schloß wieder mit dem herkömmlichen Defizit ab, das sich diesmal „in ordentlicher Gebahrnng" aus 43,498 Kronen erhöht hat. Wie es beseitigt werden soll, das wissen nicht einmal die Herren Vorsteher. Erfreulich ist es, daß der Vorstand es unternimmt, gegen die Schulgesetznovelle Front zu machen. Er hat zunächst an zuständiger Stelle Verwahrung gegen die beabsichtigte Zurücksetzung des Vertreters der israelitischen Religion im Ortsfchulrate eingelegt. Während der katholische Pfarrer, in dessen Psarrsprengel die Schulgemeinde liegt, Mitglied des Ortrschulrates, in demselben sitz- und stimmberechtigt und an allen Verhandlungen teilzunehmen befugt ist, wird den nicht katholischen Glaubensgenossen einer Schulgemeinde ein Vertreter im Ortsschulrate nur dann zugestanden, wenn ihre absolute Anzahl mindestens einhundert beträgt, und soll dieser Vertreter nur in jenen Fällen an der Beratung und Abstimmung teilnehmen dürfen, „wenn es sich um Gegenstände handelt, die den durch ihn vertretenen Jnteressenkreis berühren". Diese im Widerspruche mit dem Sinne und Geiste der Reichsschulgesetze stehende Bestimmung bedeutet eine offensichtliche Verletzung der Gleichberechtigung der Konfessionen, entzieht derselben zum Nachteile der Bekenner des israelitischen Glaubens den gesetzlichen Halt und würde in der Praxis zu argen Unzukömmlichkeiten führen. Auch noch gegen einige andere Punkte des Gesetzes hat der Vorstand Protest eingelegt. — Am 24. v. M. feierte der Oberkantor und Musikprofessor Kartschmaroff in Gr.-Konisza das 40 jährige Amtsjubiläum. Die Gemeindebehörden haben das Fest in einer dem Jubilar würdigen Weise ausgestattet und dadurch kund getan, wie sie die Leistungen dieses Mannes zu würdigen wissen. Herr Oberkantor Sarason-Stettin schreibt uns hierzu: Dem Renommee nach war mir Kollege Kartschmaroff seit Jahrzehnten bereits bekannt, nachdem ich aber diesen Sommer den Vorzug und die Freude hatte, vier Wochen in.Ems mit ihm zusammen zu sein, und täglich mit

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