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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1905-01-06 · Heft 1 (6.1.1905) · p. Seite 4

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
69 (1905)
Issue
Heft 1 (6.1.1905)
Date
1905-01-06
Page
Seite 4 (sequence 16)
Language
German
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4 ihm Zu verkehren, lüuubcuc ich mich nicht, daß er nicht nur der Liebling seiner Gemeinde, sondern aller derer ist, die Gelegenheit haben, ihm näher zu treten- und ihn ob seines Wissens, seiner Liebenswürdigkeit Und dervBiedersteit seines Charakters zu verehren. Nach - dem Jubiläum' wird wohl hon berufener Seite nicht , nur über hie -Feier, sondern auch über die Verdienste Kartschmarofss referiert werden, meine Zeilen sollen bloß den Zweck haben, dem gefeierten Amtsgenossen, der eine Zierde unseres Standes ist, die innigsten 7 Glückwünsche zu übermitteln. . i. Budapest, 25. Dezember. In der am 22. d. M. hier abgehaltenen Generalversammlung des 6. israelitischen Gemeindedistriktes legte Martin Schweiger , der 35 Jahre Präsident desselben war, ' seine Stelle nieder. Zu seinem Nachfolger wurde der frühere Neichstagsabgeordnete Dr. Moritz Mezei .und zum stellvertretenden/ Präsidenten Joseph Hatvany-De ntfch gewählt. , In seinem ' Programm versprach der neue Präsident, daß er bestrebt sein werde, eine die ganze Judenschast des Landes umfassende Verbindung anzubahnen und den Frieden mit den Orthodoxen wieder herzustellen. Sollten aber die diesbezüglichen Verhandlungen zu keinem Resultate /führen, so werde-er mit aller Kraft danach streben, daß diese Angelegenheit in einem neuerlich einzuberufenden Kongresse zur Entscheidung gebracht werde/ da man aus den gegenwärtigen Wirren um jeden Preis herauskommen müsse. . Im Anschluß an den Jahres- . bericht beleuchtete sodann der Reichstagsabgeordnete Dr, S- Visontai die prekäre Lage der ungarischen Judenschaft, welche schlechter sei als die irgend einer anderen Konfession des Landes; die Juden seien den letzten Verwaltungsorganen des Staates einfach zur Beute hin-! geworfen; ihre bescheidensten Ansprüche fänden seitens des Staates „ keine Würdigung. Er beantragt die Entsendung eines Ausschusses, dessen Aufgabe es sein werde, mit den losgetrennten Brüdern in Berührung ' zu treten und er ist überzeugt, daß bei richtiger und weiser Mäßigung der zur Entwirrung führende Weg gesunden werden. könne. — Der ungarische israelitische Landesfonds, der gegenwärtig 1007042 Kronen 56 Heller beträgt, nimmt nur sehr langsam zu, so daß er seinen wichtigen Aufgaben nur in , sehr beschränktem Maße entsprechen kann. — Dem Großgrundbesitzer Karl Kuffner in Dioßegh und seinen gesetzlichen, Nachkommen wurde die Baronswürde und dem Großhändler Joseph Engel in Neutra der ungarische Adel verliehen. — Der bisherige Vize-Staatsanwalt Dr. Ludwig Gruber wurde zum Staatsanwalt in Budapest ernannt. — Ein aus hervorragenden Rabbinern-Deutschlands und Oesterreich-Ungarns bestehendes Komitee richtet einen Aufruf an die jüdischen Kreise behufs Beteiligung an einer Anfang März 1905 stattfindenden Gesellschaftsreise von Israeliten nach dem heiligen Lande und Aegypten. Es sollen alle jene Orte ausgesucht werden, welche mit der biblischen Geschichte und der Geschichte der Juden eng verknüpft sind. Als Ausgangspunkt, respektiv als Sammelpunkt der Teilnehmer ist Budapest ausersehen. Es haben sich bereits zahlreiche hervorragende Persönlichkeiten aus aller Herren Länder zur Teilnahme-gemeldet. Äutzland. i. Petersburg, 2. Januar. Am 1. d. M. fand hier die Feier des 25jährigen Jubiläums des bekannten russisch-jüdischen Schriftstellers Dr. L. S. Katzenelsohn statt. Katzenelsohn, der als wirklicher, tiefer Dichter eine große Popularität genießt, hat sich stets als geistreicher Publizist rühmlich hervorgetan. Seine zahlreichen Tagesartikel, Feuilletons und andere Schriften sind in verschiedenen russischen und hebräischen Zeitschriften zerstreut; einige sind gesammelt erschienen. Hervorragend sind auch seine Abhandlungen auf dem Gebiete., der talmudischen Medizin, dorr denen einzelne auch in deutscher Uebertragung vorhanden sind. Dr. Katzenelsohn ist Mitglied des Komitees der I. C.-A. in Petersburg, und des „Vereins zur Verbreitung der Aufklärung unter den Juden in Rußland". Von Aah und jfern. — Der Charakter als Justizrat wurde verliehen den Rechtsanwälten Joachim, Kirsch, Steinschneider., Steinau, Leopold Meyer, Martin Hahn, Oscar Hamburger, Dr. James Löwy, Max Aronsohu, Jacob Unger, Dr. H>' Herrmann, Dr. Karl Engel, Hugo Nosenfeid, Dr.' Eil gen / Böhm- Berlin,- K i-r s ch u e r - B r a n d e n b u r g, Schreiber, Dr. M am - r o tH-Breslnu, Heil bro nn-Kölit,; /Dr. Seligsohn - Wiesbadell, B urghei m-Mi n den, Dr. Wall ach-E s sen. Lilienthal- Z i e t e n, Cvhn - D ar ke h m en-, M a g nu s, Dr. L i ch te n st e i n - Königsberg, Pinner-Kosten, Manheimer-Posen. -- In Charlottenburg ist nach schwerem Leiden. Dr. med. -Martin Brasch am 28. d. M. im 40. Lebensjahre gestorben. Der Verstorbene, der sich besonders mit der Behandlung von Nervenkranken beschäftigte, übte seit 4889die ärztliche Praxis aus. 'Er'/ist - auf seinem Sondergebiete auch mehrfach wissenschaftlich hervor'getreten. — Lehrer Kahn in Fürstenwalde beabsichtigt zmu 1. April sein Amt niederzulegen. — Das Braunschwetger Antisemitenorgan, die „Deutsche Wvchenzeitung", hat fein Erscheinen eingestellt. — Der Synagogengemeindediener. Herz Bend ix in Essen hat das Allgemeine Ehrenzeichen erhalten. — Der Privatdozent Dr- Fritz Stier-Somto in Bonn hat den Titel „Professor" erhalten. — Bankier Ludwig Rothschild in Büdingen, der erst Unlängst in die Handelskammer gewählt wurde, ist zum Landgräflich Hessischen Hofrat ernannt worden, — Geheimer Justizrat Dr. Herz, Senior der Anwälte in Wiesbaden, ist im Alter von 71 Jahren dort gestorben. — Dem israelitischen Religionslehrer Wilhelm Emmel zu Ems wurde der Adlerorden der Inhaber des Königl, HauSordens vonHohenzollern verliehen. — Dr. Kauffmann, bisher Dozent an der Technischen Hochschule in Stuttgart, ist zum außerordentlichen Professor an dieser Höch-! schule ,ernannt worden. Der noch sehr junge Gelehrte, hat schon seit Jahren durch wissenschaftliche Bedeutung in Fachkreisen Aussehen erregt. Er ist der erste Jude, der an der genannten Hochschule eine Professur erhielt. — 11 100 Mark Schadenersatz hat ein Buchhändler in Nantes zu zahlen, weil er in seinem Schaufenster ein schwarzrotes Plakat ausgestellt hatte, in welchem unter der Behauptung, daß „Juden und Freimaurer" Verräter Frankreichs seien, einige dreißig jüdische und etwa 100 freimaurerische Firmen von Nantes genannt wurden, bei denen niemand, kaufen dürfe. Dieses Plakat war auch in .der Umgegend der Stadt vielfach verbreitet worden. Da. man aber den Drücker nicht ermitteln konnte, hielten sich 37 Firmen, welche sich durch das Plakat in ihrem Geschäft beeinträchtigt fühlten, an jenen Buchhändler und erzielten seine Verurteilung zu je drei- ' hundert Franken Buße an jeden von ihnen; außerdem hat er sämtliche Prozeßkosten zü tragen. — Der Privatdozent der Physik in Bologna Dr. Bernhard Dessau, ein Bruder des Epigraphikers an der Universität Berlin, ist als Professor der Physik an die Universität Perugia berufen worden. — Die in der letzten Zeit so häufig in Nußlau-d vorkommenden Judenexzesse haben ein originelles Versicherungsprojekt hervorgerufen. Eine Jude aus der Stadt Odecho wo hat ein Projekt verfaßt, in welchem er alle in Rußland wohnhaften Juden zu einer gegenseitigen Versicherung vor Judenexzessen auffordert. — Wie aus Jekaterinoslaw verlautet, wurden ^>ort in den letzten Tagen massenhaft Proklamationen verbreitet, worin die Christen aufgefordert werdendie Juden zu. vernichten, denn sie seien schuld an den Krieg, und hätten den Minister des Innern, Fürst Swiatopolk-Mirski bestochen, damit er sich für sie einsetze. Man erwartet jeden Augenblick den Ausbruch von Exzessen. — Das jüdische Zentralkonsistorium der Türkei hat seine Demission gegeben. Es handelt sich um Differenzen, die dasselbe mit dein Großrabbiner Moise Levy wegen des Rabbinerseminars hatte. Wie es heißt, geht die Alliance sogar mit der Absicht um, falls das Rabbinat seine Stellung zum Seminar nicht ändert, dieses nach Salonichi zu verlegen. — Major Georg I. Michaelas in Sidney (Australien) ist zum Oberstleutnant befördert worden. — Zum Bürgermeister in Standerton (Südafrika) wurde Herr- Charles Landau gewählt. Bekanntlich hat auch Kapstadt in diesem Jahre einen Mayor jüdischen Glaubens. — Zum Generalanwalt von Newyork wurde für 1905/06 Herr Julius M. Mayer gewählt. Es ist dies die vierthöchste Stelle in den' Vereinigten Staaten von Amerika. — Wie aus Newyork gekabelt wird, wollen einige jüdische Gesellschaften daselbst 10 000 arme Familien aus dem Ghetto in Texas ansiedeln, wo ihnen die dortigen Juden teils Arbeit in den Städten, teils Kvlonialland verschaffen wollen.

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