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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1905-01-06 · Heft 1 (6.1.1905) · p. Seite 2

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
69 (1905)
Issue
Heft 1 (6.1.1905)
Date
1905-01-06
Page
Seite 2 (sequence 14)
Language
German
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der Gemeindevorstand das Gesuch der jüdischen Repräsentarcken w NÄderlassung von Schulräumenlfür den jüdischen. Religionsunterricht wieöeetzvbd abschlägig beschieden, obgleich nach der Auffassung' der Repräsentanten an brer Lagen der Woche genügend Räume sreistehen. Diese haben nunrnehr gegen dkm ablehnende Entscheidung des Gemeindevorstandes bei der Aufsichtsbehörde,, also, wohl bei dem Provinzialschulkollegium oder bei der Negierung in PvNdam, Beschwerde erhoben^" Da der Inhalt der Notiz in manchen Punkten Irrtümer enthält, so ersuchen wir Sie um gefällige Aufnahme der folgenden berichtigenden Bemerkungen: Eine Beschwerde gegen die Verweigerung von Schulräumen für den jüdischen Religionsunterricht seitens des Wilmersdorfer. Gemeindevorstandes ist von uns nicht erhoben worden. Die von der Repräsentantenversammlnng der hiesigen jüdischen Gemeinde an uns gerichtete Resolution enthält die Aufforderung zu einer solchen nur insoweit, als wir ersucht werden, dahin zu wirken, daß baldigst für die jüdischen Schüler in den Schulen der Gemeinde Wilmersdorf jüdischer Religionsunterricht eingeführt werde, eine Einrichtung, wie sie seit Jahren in Berliner und Charlottenburger Schulen vielfach besteht. Der Vorstand der jüdischen Gemeinde. s. Berlin, 2. Januar. Bonden Mitteilungen vom Deutsch- Israelitischen Gemeindebunde ist Nr. 63 erschienen. An der Spitze steht die Aufforderung zum X. ordentlichen Gemeindetag am 12. und 13. Juni in Frankfurt a. M. Auf der Tagesordnung stehen: 1. Formalien und Bericht, 2. Gründung eines Gesamtarchivs der deutschen Juden, 3. Religionsunterricht und die damit zusammenhängenden Fragen, 4. Bezirksrabbinate, 5. Wanderbettelei und Arbeitsstätten, 6. Fürsorge für geistesschwache Kinder, 7. Satzungsänderungen, 8. Zusammenschluß jüdischer Handwerkervereine, 9. Propaganda, 10. Religiöse Fürsorge für jüdische Strafgefangene, 11. Wahlen. — Zu Punkt 6 wird leider erklärt, daß der D. I. G. B. zurzeit nicht in der Lage ist, eine entsprechende Erziehungsanstalt aus eigenen Mitteln zu begründen. Es ist das tief bedauerlich, da gerade eine solche Anstalt ein dringendes Bedürfnis ist. Das Heft enthält außerdem einen Nekrolog auf Markus Adler, die Satzungen der Siegfried und Emma Brünn-Stiftung mit 40000 Mark zur Gewährung von Beihilfen an die kleinen Gemeinden für die Besoldung von Religionslehrern, und viele andere Mitteilungen, von denen wir die interessantesten in der nächsten Nummer mitteilen werden. L2 Berlin, 3. Januar. Wir erhalten den folgenden Aufruf, den wir allgemeiner Teilnahme wärmstens empfehlen: „Infolge der furchtbaren wirtschaftlichen Not in Rußland ist die Zahl der Auswanderer außerordentlich gewachsen. Viele kommen in völlig abgerissenem Zustande in den Hafenplätzen an, und es ist diesen Aermsten, die ihr letztes Geld nicht angreifen wollen, das Fortkommen in ihrer neuen Heimat natürlich überaus erschwert, wenn sie nicht wenigstens einigermaßen anständig bekleidet sind. Dieser großen Not abzuhelfen, ist für die Mildtätigkeit eine verhältnismäßig leichte Aufgabe, die den einzelnen Spender nicht allzuschwer belastet und doch kann durch die Hergabe alter aber noch brauchbarer Kleidung großer Segen gestiftet werden. Unter diesen Umständen wenden wir uns an unsere Glaubensgenossen, deren Mildtätigkeit schon so viel Elend gelindert hat, mit der Bitte, Bekleidung aller Art — gut erhaltene Anzüge, Ueberzieher, Mützen, Wäsche und Fußzeug' — an den Bevollmächtigten des Hilssverereins der deutschen Juden in Hamburg, Herrn L. Horwitz, Wexstraße 26, zu senden. Bor allen Dingen sind Kleidungsstücke für Männer dringend erforderlich, da die Zahl der Frauen und Kinder, die jetzt bei dem rauhen Winter auswandern, eine sehr geringe ist. Hilssverein der Deutschen Juden: James Simon. Dr. Nathan. u. Culm, im Januar. Gegenstand außerordentlicher Ehrungen im hiesigen Kriegerverein war kürzlich der Fabrikant Moritz Simon. Derselbe legte aus Gesundheitsrücksichten sein Amt als Vorsteher nieder, welches er 25 Jahre hindurch bekleidet hatte. Aus diesem Anlaß gab der Vorstand des Kriegervereins seinem, bisherigen Kollegen ein Abschiedsessen, bei dem auf die rituelle Lebensführung des Gefeierten gebührende Rücksicht genommen war. Der Vorsitzende Herr Bürgermeister Wickfeld, Oberleutnant der Reserve, sowie Herr Hauptmann a. D. Krueger rühmten in anerkennenden Worten die patriotische Gesinnung des Scheidenden und seine großen Verdienste um die' Entwicklung des Vereins. Wenige Tage darauf wurde Herrn Simon in einer zahlreich besuchten Versammlung das künstlerisch' ausgestattete Diplom eines Ehrenmitgliedes überreicht, eine Auszeichnung, die bisher nur selten verliehen wurde. Der Gefeierte ist auch seit vielen Jahreil ein eifriges Mitglied in dem Vorstand unserer Synagogengemeinde. . x. Chemnitz, im Januar. Der langjährige, verdienstvolle erste Vorsteher unserer Gemeinde, Herr Max Bergmann, wird uns demnächst verlassen. und seinen Wohnsitz nach Berlin verlegen. Was Herr Bergmann in der tong&L Zeit seiner Zugehörigkeit zu unserer Gemeindevertretung und insbesondere seit 1896 als Vorsitzender des Vorstandes für unsere Gemeinde geleistet, sichert ihm unsere immerwährende Anerkennung und Dankbarkeit. Aus Anlaß seines Scheidens aus unserer Gemeinde wurde Herrn Bergmann, welker sämtliche sonst geplanten Ehrungen abgelehnt hatte, eine Adresse überreicht, die folgenden Wortlaut hat: „Hochgeehrter Herr Bergmann! In dem Augenblicke, da Sie Ihre Absicht verwirklichen, unsere Stadt und Gemeinde zu verlassen und hiermit Ihre hochverdienstliche Wirksamkeit für die letztere aufgeben, gelangt es uns lebhaft zum Bewußtsein, daß unsere Gemeinde in Ihnen einen Leiter verliert, der — lange' Jahre an ihrer Spitze stehend — in jeglicher Beziehung ihre Interessen gefördert, ihre Einrichtungen geregelt, ihr Ansehen geschützt und gemehrt hat. Den Beamten ein einsichtsvoller Vorgesetzter, den Mitarbeitern ein Beispiel treuer Pflichterfüllung, uns allen ein kluger Berater und zielbewußter Führer, haben Sie sich die ungeteilte Anerkennung der ganzen Gemeinde erworben, im beson-, deren durch Ihre energische Mitwirkung bei Schaffung und Erbauung unseres Gotteshauses, welches dasteht und dastehen wird als bleibendes Denkmal Ihres segensreichen Wirkens in unserer Gemeinde. Es ist uns ein tiefempfundenes Bedürfnis, mit dieser Adresse.unserer aufrichtigen Dankbarkeit für selbstlose Tätigkeit im Dienste des Judentums und der Gemeinde Ausdruck zu geben und daran den herzlichen Wunsch zu knüpfen, daß es Ihnen und den lieben Ihren auch in der neuen Heimat Wohlergehen" möge, und daß das hier Erstrebte und so glücklich und glänzend Erreichte eine liebe und wohltuende Erinnerung aus immer für Sie bleibe. Vorsteher und Gemeindeverordnete der israelitischen Gemeinde zu Chemnitz." Die Ueberreichung der künstlerisch ausgesührten und in einer kostbaren Ledermappe ruhenden Adresse erfolgte im Beisein der Angehörigen des Herrn Bergmann in dessen Wohnung durch eine Deputation unserer Gemeindevertretung, welche aus den Herren Bernhard Kupferberg, L. I. Joachimsthal, Felix Frank und Jacob Bloch bestand. Herr Bernhard Kupferberg, stellvertretender Vorsitzender des Gemeindevorstandes, richtete namens der Deputation und der Gemeinde herzliche Dankes- und Abschiedsworte an den Scheidenden, welche von demselben in gleicher Weise erwidert wurde. Möchte Herrn Bergmänn in seiner neuen Heimat allezeit Gutes beschieden sein; unsere Gemeinde aber möge sich auch unter der künftigen Leitung gedeihlich weiter entwickeln! i. Hamburg, 31. Dezember. Baron Ludwig H. v. E.mbden, Sohn der 1899 hochbetagt in Hamburg gestorbenen einzigen Schwester Heinrich Heines, ist gestern abend, 78 Jahre alt, gestorben. Er war der Verfasser des Buches „Heinrich Heines Familienleben" und hat sich um das Andenken seines Oheims nicht geringe Verdienste erworben. Auch um die Sichtung des Nachlasses hat er sich verdient gemacht. Zu Testamentsvollstreckern ernannt sind Notar Dr. Asher und Paul Francois de Vos, Direktor der Export- und Lagerhaus- Gesellschaft, ein Großneffe Heinrich Heines. Ehre seinem Andenken! Al. Hamburg, 30. Dezember. Die Feier des 70jährigen Geburtstages des Herrn Gustav Tuch gestaltete sich zu außergewöhnlichen, ehrenden Kundgebungen für den Jubilar. Die Feier begann am Gemeinschaftsheim. Von Mitgliedern des Vorstandes geleitet, nahm der Jubilar aus einem bekränzten Sessel Platz. Die Festrede hielt Herr Rektor Feiner, der hierauf das von den ständigen Besuchern des Heimes gespendete Bild des Hern Tuch enthüllte. Tiefgerührt dankte der-Gefeierte und betonte, daß er ohne die tätige Mithilfe weiterer Kreise wohl nie in der Lage gewesen, das Heim so weit auszugestalten. Er bitte, ihn auch ferner zu unterstützen, damit es gelinge, das Gemeinschaftsheim weiter auszubauen. Nach beendeter Teepause' vollzog sich die eigentliche, bedeutende Feier im

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