Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 68 (1904)
- Issue
- Heft 53 (30.12.1904)
- Date
- 1904-12-30
- Page
- Seite 2 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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ab, in welcher unter anderem Rabbiner Dr. Bergmann zum Rendanten an Stelle des verstorbenen Kaufmanns Alexander gewählt, die ausscheidende Frau Kaufmann Zielenzieger als Vorsteherin wieder¬ und Frau Kaufmann Boschwitz als stellvertretende Vorsteherin neugewählt.. — Königsberg i. Pr., im Dezember. Der Obersekretär unserer Gemeinde Herr M. Klein veröffentlicht auch in diesem Jahre eine.tabellarische Uebersicht über die Wirksamkeit der Wohltätigkeitsvereine und Institute der Synagogengemeinde im Jahre 1903. Es handelt sich um nachfolgende 15 Vereine, deren Mitgliederzahl, Vermögen und die Gesamtsumme ihrer Unterstützungen. Dieselben besitzen insgesamt ein Vermögen von 1672994 M. 13 Pf. Die Gesamtsumme der Jahresbeiträge der Mitglieder betrug' 29720,05 Mark, die Gesamtsumme der regelmäßigen wie außerordentlichen Unterstützungen 102658,35 Mark. Wohltätige Gesellschaft: 229 Mitglieder, 196 693,06 Mark Vermögen, 13 853,71 Mark Gesamtunterstützungen; Verein für Krankenpflege und Beerdigung (Chebra Kadischa): 537 Mitglieder, 100 462,81 Mark Vermögen, 9 405,33 Mark Gesamtunterstützungen; Frauenverein zur Unterstützung israelitischer Witwen und Waisen: 339 Mitglieder, 37 300 Mark Vermögen, 6 475 Mark 98 Pf. Gesamtunterstützungen; Frauenverein für Krankenpflege und Beerdigung (Frauen-Chebra): 551 Mitglieder, 30 566,59 Mark Vermögen, 6 074,11 Mark Gesamtunterstützungen; Weiblicher Verein für israelitische Armenpflege: 424 Mitglieder, 24 700 Mark Vermögen, 3 784,40 Mark Gesamtunterstützungen; Feuerungsverein: 109 Mitglieder, 10 300 Mark Vermögen, 900 Mark Gesamtunterstützungen• Legatenkommission: 1 260 Mark Gesamtunterstützungen; Dr. Koschsche Legatenverwaltung : 12 000 Mark Vermögen, 505 Mark Gesamtunterstützungen; Israelitisches Waisenhaus für Stadt und Provinz: 324 hiesige, 94 auswärtige Mitglieder, 509 287,91 Mark Vermögen, 21 07.5,59 Mark Gesamtunterstützungen; Dr. Koschsche Waisenerziehungsanstalt: 333 160,07 Mark Vermögen, 8 517 Mark Gesamtunterstützungen; Israelitisches Stift: 219 Mitglieder, 302 460,73 Mark Vermögen, 8 721,35 Mart Gesamtunterstützungen; Studienbeförderungsverein für Ost- und Westpreußen: 148 Mitglieder, 63 739,39 Mark Vermögen, 5 025 Mark Gesamtunterstützungen; Bekleidungs - Verein für arme Zöglinge der Religionsschule: 138 Mitglieder, 1598,95 Mark Vermögen, 858,86 Mark Gesamtunterstützungen; Hilssverein für kranke russische Israeliten: 371 Mitglieder, 26 918,56 Mark Vermögen, 14 824,50 Mark Gesamtunterstützungen; Pensionskasse für israelitische Religionslehrer u. Kultusbeamte in Ostpreußen : 277 hiesige, 262 auswärtige Mitglieder, 23 806,06 Mark Vermögen, 1 377,53 Mark Ges amtunterstützungen. rn. Aus der Provinz Pommern, im Dezember. Zu der an: 16. v. M. stattgesundenen Sitzung des Ausschusses und der Schulkommission des Verbandes der Synagogengemeinden Pommerns in Stettin waren auch außer dem zum Ausschüsse gehörenden Rabbiner Dr. Finkel die übrigen Vorstandsmitglieder des Vereins israelitischer Lehrer Pommerns, Saul, Heidenfeld und Frank geladen. Nach Sitzung der Schulkommission eröffnete der Vorsitzende Herr Rechtsanwalt Dr. Lewin die Sitzung des Ausschusses mit herzlichen Begrüßungsworterl. Die ersten drei Punkte der Tagesordnung 1. „Bericht über den Verband der deutschen Juden" (Referent Herr Dr. Ehrenberg-Stettin), 2. „Bewilligung eines Jahresbeitrages für diesen Verband", 3. „Organisation der Gemeinden Pommerns behufs Wahl von Delegierten zum Verbandstage der deutschen Juden" wurden schnell erledigt. Von Herrn Dr. Ehrenbergs Bericht wurde mit Freuden Kenntnis genomnren, ein Beitrag wurde bewilligt, und zehn Delegierte zum Verbände der deutschen Juden wurden in Aussicht genommen, im. Verhältnis zur Anzahl der Juden Pommerns. Zu Punkt 4 berichtete Herr Rabbiner Dr. Goldschmidt-Kolberg irber seine Schulinspektionen. Im übrigen wurde auf die schriftlichen Berichte ,der Schulinfpektoren hingewiesen. Punkt 5 „Bericht über die Lehrer Versammlung vom 22. Mai 1904" rief nun eine mehrstündige Debatte hervor. Zunächst hatte Herr Rabbiner Dr. Vogelstein- Stettin das Referat. In dem Berichte des Protokolls des Lehrervereins war zu lesen, daß der Verein in Polzin beschlossen habe, daß eine Schulinspektion von Nichtfachleuten unerwünscht, jedoch von praktisch erfahrenen Schulmännern erwünscht sei. Der Referent wandte sich (wie auch schon.in Polzin) entschieden gegen die Meinung, daß Rabbinen nicht Fachmänner als Schulinspektoren seien und wurde " darin, von-den anwesenden drei Rabbinen und Herrn Dr. Ehrenberg unterstützt. Nachdem die anwesenden drei Lehrer vom Lehrerberein auch ihrerseits ihre entgegengesetzte Meinung aussprachen, und Lehrer Simon-Stettin besonders eine gewisse Form bei der Inspektion beobachtet wissen wollte, wurde nach heftigen Auseinandersetzungen die Debatte geschlossen. Mit eindringlichen Worten schloß Herr Dr. Ehrenberg seine „Mahnung", doch nun die „Streitaxt" zwischen Lehrern und Rabbinern der Provinz zu begraben, da die Inspektion r der Schule doch dringend notlvendig und in keiner die Autorität der Lehrer untergrabenden Weise geschehen solle. Ort und Zeit des nächsten Gemeindetages zu bestimmen, wurde dem Vorsitzenden überlassen. .Die Sitzung hat mit Schulkommissionssitzung von I0ij2 bis 2 34 Uhr gedauert. — Zwei Lehrerstellen unserer Provinz sind schon längere Zeit unbesetzt. Lehrer und Prediger Bauer in Cöslin, der Gründer des israelitischen Lehrervereins,ist mit Pension in den wohlverdienten Ruhestand getreten. Bauer, der noch ein Schüler Sulzers war, hat über 28 Jahre in Cöslin gewirkt. — Für Kantor Kochanowsky, der nach Breslau berufen wurde, ist in Neustettin noch kein Ersatz gefunden. — Bei der letzten stattgefundenen Wahl in Bütow wurde zum ersten Vorsteher Herr | Färbereibesitzer I. Lewin gewählt, der Besitzer des eisernen Kreuzes ist, und welcher vor 14 Tagen einstimmig zum Stadtverordneten gewählt wurde; derselbe ist seit 24 Jahren Vorstandsmitglied der Synagogengemeinde Bütow. — Kantor Süßkind in Schöneck, Westpr., hat seinen Wirkungskreis verlassen, um sich in Berlin dem Studium des Gesangs und der Musik zu widmen.! — Posen, 23. Dezember. Zum Kapitel vom Antisemitismus in der Ostmark melden die „Posener N. N." folgendes: „Bei dem hiesigen königlichen Regierungs-Medizinalkollegium besteht eine Kommission zur Prüfung von Apothekergehilfen, welcher zwei ordentliche Mitglieder und zwei Stellvertreter aus dem Kreise der hiesigen Apothekenbesitzer angehören. Zu den ordentlichen Mitgliedern zählte seit etwa fünf Jahren der Apothekenbesitzer Dr. Leschnitzer, zu den Stellvertretern seit länger als 20 Jahren der Medizinalrat Dr. Mankiewicz. Nach der vor kurzem regierungsseitig veröffentlichten Liste sind diese beiden Herren durch zwei erst vor einigen Wochen nach Posen zugezogene Apothekenbesitzer evangelischen Glaubens ersetzt worden, und zwar, ohne daß die genannten bisherigen Mitglieder der Kommission auch nur vorher davon benachrichtigt worden wären. Da gegen die Person und Qualifikation oder nationale Haltung der letzteren nicht das geringste Vorgelegen hatte, was Anlaß zur Beschwerde gegeben hätte, so erscheint es nicht befremdlich, daß auch diese Maßnahme von der öffentlichen Meinung auf das „System Schönstedt" zurückgesührt wird, welches jetzt auch auf anderen Gebieten Schule macht. \ Hamburg, 15. Dezember. Die Gesellschaft für jüdische Volkskunde hielt am Dienstag abend im Logenheim ihre Generaln Versammlung unter Vorsitz des Herrn Dr. Rieger ab. Der Vor- . sitzende wies aus die Uebersiedlung der Gesellschaft in die eigenen Räume hin, wo ein Teil der wertvollen Sammlungen in von Damen der Henry Jones-Loge gestifteten Schränken untergebracht seien. Dadurch sei die Gesellschaft ihrem Ziel, der Errichtung eines Museums für jüdische Altertümer, bedeutend näher gekommen. Der Vorstand werde in nächster Zeit einen Katalog der Bibliothek und Sammlungen herausgeben. Der im vorigen Jahre als Rabbiner nach Wien berufene Herr Dr. Grunwald habe die Herausgabe der wissenschaftlichen Mitteilungen übernommen; die Gesellschaft zahle dazu jährlich 600 Mark. Die Bemühungen des Vorstandes, die wertvolle Bibliothek des verstorbenen Herrn Dr. H. B. Levy für die Gesellschaft i zu erwerben, seien vergeblich gewesen, doch habe .die Witwe sich bereit erklärt, aus der Sammlung des Verstorbenen silberne Antiquitäten, die sich auf jüdische Gebräuche und Zeremonien bezögen, der Gesellschaft zu überweisen. — Nachdem der Jahresbericht erstattet und die Vorstandswahlen erledigt waren, hielt der zweite Vorsitzende der Gesellschaft, Herr Dr. Löwenthal, hierauf einen Vortrag über „Feste und Festtagszeremonien in der jüdischen Volkskunde", der lebhaften Beifall fand. M. Hamburg, 26. Dezember. Die seit einiger Zeit aus den Dampfern der Hamburg-Amerikalinie eingeführte rituelle Verpflegung