Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 68 (1904)
- Issue
- Heft 53 (30.12.1904)
- Date
- 1904-12-30
- Page
- Seite 629 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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sont etrangers en Roumanie, de quelle nationalitd se reclamentils? Et par quel abus les contraint — ou au Service militaire? La querelle, conclut — on, est £conomique et non religieuse. La belle excuge!" Man muß es dem Franzosen lassen: die Begriffe der Menschenrechte liegen ihm näher als dem Deutschen Weigand. Mit dem Zitate eines Geschichtsschreibers begannen wir die Notiz und mit den Worten eines anderen „deutschen Historikers wollen wir schließen. In seiner überaus interessanten Arbeit „Zur Charakteristik Mommsens" („Deutsche Rundschau", 30. Jahrgang, Heft IV, 1904) berührt Otto Seeck, Professor der alten Geschichte an der Universität zu Greifswald, Monrmsens Stellung zum Antisemitismus, indem er sich folgendermaßen äußert: . . . „Und als jene widrige Judenhetze begann, die politisch zu gar nichts führen konnte, wohl aber unser gesellschaftliches Leben vergiftete und manchen unserer Besten in die Rolle des Ausgestoßenen oder Geduldeten hineinzwang, da erhob er zuerst seine warnende Stimme, leider ohne Erfolg." Ja, leider, Herr Weigand hat die Stimme Mommsens nicht gehört! Benjamin. Kerlönlichk Lrinnerungen an den Lar! ok löesronskeld. Von Dr. Adolf Kohnt. lso, Exzellenz wollen wirklich die Liebenswürdigkeit haben, mich — verzeihen Sie das harte Wort — meinem Kollegen, dem neugebackenen Earl of Beaconsfield, dem Schriftsteller und britischen Premier Benjamin Disraeli zu empfehlen," fragte ich den österreichisch-ungarischen Botschafter am Berliner Hof, den Grafen Alois Karolyi, der auf dem Berliner Kongreß 1878 österreichischer Bevollmächtigter war und mir als seinem Landsmann, der ich stets für die Politik und Literatur Ungarns warm eintrat, sehr zugetan war. „Gewiß, gewiß, lieber Doktor," sagte der Graf, „Koloman von Tisza hat mir bereits von Ihrem Wunsch geschrieben, allerdings nicht in seiner amtlichen Eigenschaft als ungarischer Ministerpräsident, sondern als mein Freund, aber es hätte dieser Empfehlung von hoher Stelle gar nicht bedurft, denn ich bin Ihnen gern gefällig, zumal wenn es sich, wie ich hoffe, nicht.um hohe Politik handelt." „Nein, nein, Exzellenz," bemerkte ich lächelnd, „der Staatsmann und Lenker der Geschicke des britischen Weltreiches interessiert mich nicht in seiner Eigenschaft als Politiker, sondern als Mensch. Es gelüstet mich, einen Mann kennen zu lernen, der als Sohn eines bedrängten und unterdrückten Volksstammes, der sich überdies seiner Abstammung nie schämte, sich vielmehr in seinen Schriften mit einem gewissen Stolz dessen rühmte und als einfach schlichter Romanschriftsteller, der weder bessere noch schlechtere Romane, wie viele seiner Brüder in Apollos geschrieben, die höchste Stufenleiter des Staates zu erklimmen vermochte. Der Mann, der nun schon seit einem halben Jahrhundert nicht nur die öffentliche Meinung Englands, sondern der ganzen gebildeten Welt beherrscht, hat für mich einen hohen psychologischen Reiz, und seine menschlichen Eigenschaften und Eigenarten, die viel weniger bekannt sind als seine parlamentarische und staatsmännische Tätigkeit, zu erforschen, wäre eine wahre Delikatesse meiner journalistischen Tätigkeit." „Sie stehen ja, wie Sie mir schrieben, mit Lord Beaconsfield im Briefwechsel und so dürste Ihnen eine persönliche Annäherung nicht schwer fallen. Was war, wenn ich fragen darf, der Grund zu dieser Korrespondenz?" „Exzellenz, ich war früher ein wenig eitel aus meine Schriften. Als ich vor mehreren Jahren in Düsseldorf lebte, verfaßte ich eine Broschüre : „Was lehrt die Bibel über den Gehorsam gegen Staat und Obrigkeit?" und sandte sie dem Bibelkenner Benjamin Disraeli zur Begutachtung und siehe da, der Mann, auf dessen Schultern eine so ungeheure Arbeitslast ruhte, und der die Geschicke eines Weltreiches zu lenken hatte, reagierte aus meine Sendung. Er dankte mir für die Broschüre und flocht allerlei Komplimente für den Verfasser derselben gütig ein." Graf Karolyi sah mich lächelnd an, reichte mir die Hand und sagte: „Viel Glück bei dieser Begegnung." Der österreichisch-ungarische Botschafter Graf Karolyi hielt Wort. Einige Tage daraus,- es war an einem schwülen Sommernachmittag des Jahres 1878, hatte ich den Vorzug, von dem berühmten und gefeierten Staatsmann,, der auf. dem Berliner Kongreß die Interessen Großbritanniens mit solcher Meisterschaft vertrat und Rußland das Konzept so gründlich verdarb, im Kaiserhof empfangen zu werden. Ich wußte wohl, daß Disraeli, der am 21. Dezember 1804, also gerade vor einem Jahrhundert geboren wurde, damals bereit 74 Jahre alt und daß des Lebens Mai für ihn längst abgeblüht war, aber so greisenhaft hatte ich mir meinen „Kollegen" von der anderen Fakultät doch nicht vorgestellt. Als ich bei ihm eintrat, erhob sich ein müder, gebückter und verfallener Mann mühsam von seinem Sitz, mich mit schwacher Stimme höflich zum Sitzen einladend. War das wirklich Benjamin Disraeli, Lord Beaconsfield, dessen Jugendbildnis ich besaß? Nach diesem Porträt muß er ein bildhübscher Mensch gewesen sein, der begreiflicherweise den Schönen Londons zuweilen die Köpfe verdrehte. Er hatte lange rabenschwarze Locken, die auf seine orientalische Abstammung hindeuteten, blitzende Augen, eine regelmäßige Nase, einen kleinen Mund und ein sehr interessantes Gesicht, sein Aeußeres hatte etwas Byronhaftes und verriet schon auf den ersten Augenblick den Romantiker und Poeten. Als ich jedoch im Laufe des Gesprächs, an seine literarische und dichterische Tätigkeit anknüpfend, ihn fragte, ob er nicht wieder ein neues Werk unter seiner Feder habe, belebten sich seine matten und welken Züge und seine geistvollen Augen leuchteten wie in der alten, guten Zeit seiner Jugend, als er nach' dichterischem und politischem Lorbeer strebte und seine lebhafte und bewegliche Phantasie von den ehrgeizigsten Plänen erfüllt war. Vor seinem geistigen Blick mögen die verflossenen Jahrzehnte mit ihren geistigen Kämpfen, aufregenden Episoden, glanzvollen Taten des alle Hindernisse überwindenden staatsmännischen Genies vorübergezogen sein. „Ich bin einalter Mann," sagte Beaconsfield, „und habe jetzt leider absolut keine Muße, meinen literarischen Neigungen zu leben. Die Romane aus meiner Feder, deren Sie Erwähnung tun, behandelten im allgemeinen konfessionelle, politische und soziale Fragen, die bereits im großen und ganzen gelöst sind; es wäre daher nutzlos, derartige Tendenzenerzeugnisse aufs neue in die Welt zu setzen, auch meine ich, daß unsere Gegenwart zu unruhig, zu zerfahren und zu zersplittert ist, um Lust zu haben, in die Lektüre einer noch so spannenden Erzählung sich zu versenken Md sich dadurch zu energischem Handeln aufzuraffen oder zu schwerwiegenden Entschlüssen sich bestimmen zu lassen." „Vergebung, wenn ich es wage, Eurer Herrlichkeit in einigen Punkten zu widersprechen. In Ihren geistvollen, Aufsehen erregenden, farbenprächtigen Romanen: David Alroy, The young duke, Henrietta Temple, Venecia, Goningsby und