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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1904-12-30 · Heft 53 (30.12.1904) · p. Seite 627

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
68 (1904)
Issue
Heft 53 (30.12.1904)
Date
1904-12-30
Page
Seite 627 (sequence 3)
Language
German
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62!7 genötigt sehen wird, wird es die öffentliche Meinung Europas und Amerikas nicht entbehren können, aber es ist dann auch notwendig, daß ein Appell Europas über die bedrohten Menschenrechte wacht üud daß die Augen der zum Wachen Berufenen nicht durch ein Lavieren ä la Swiatopvlk-Mirski eingeschläfert werden. Die Frankfurter Tagung in Sachen Eindämmung und Regelung der jüdischen Emigration hat bewiesen, daß man auch in diesen Kreisen allseitig ans eine Besserung der Zustände im Osten hofft. Mögen diese Hoffnungen im neuen Jahre nicht zu schänden werden, möge aber auch den Gebeugten und zur Auswanderung Getriebenen ihr Recht werden. Die sich allseitig in Frankfurt und bei allen berufenen Komitees kundgebende Hilfsbereitschaft zeigt, daß unsere Gemeinschaft noch nicht verwaist ist; denn fürwahr „es schläft und schlummert nicht der Hüter Israels." Die Woche. Berlin, 28. Dezember, roß, ach leider nur zu groß, ist die Liste unserer Toten im ablaufenden Jahre auf allen Gebieten menschlichen Schaffens. Wir beginnen nach alter Sitte mit den religiösen Führern Israels und haben da die Träger der folgenden Namen zu beklagen: Dr. M. Rahm er (Magdeburg), Fl? Servi (Casale), I. Benzimra (Fez), Dr. M. Wolfs (Gothenburg), S. Blumen au (Hannover), A. Blumenfeld (Schweidnitz), S. Wäldler (Schönlanke), I. P. Mendes (Savanah), M. Herz (Göppingen), Dr. L. Landsberg (Limburg), G. Feinberg (Memel), Eh. Weiß (Hamburg), Dr. L. Mayer (Pittsburg), R. Lasker (Boston), Dr. D. Weiß (Krems), Dr. T. Cohn (Potsdam), Ch. L. Horowi tz (Krakau), Dr. H. Tietz (Jnowrazlaw), Ch. Med in i (Hebron), E. Lolli, (Padua), A. Fornari (Rom). Es folgen die Lehrer und Kantoren: Dr. S. Dessau (Fürth), N. Kronenberg (Bünde), A. Wallerstein (Krefeld), M. Jaffä (Deutsch- Krone), M. Mautner (Prag), Dr. H. Baar (Newyork), S. Braunstein (Gollub), G. Weiß (Bukarest), I. Bernstein (Beuthen),S.Dragotschyn (Berlin), J.Borchardt(Stargard). Von hervorragenden Schriftstellern und Gelehrten, die uns der Tod entrissen, nennen wir in erster Reihe die beiden Namen : Karl Emil Franzos und Theodor Herzl. Sodann Dr. G. Schnapper-Arndt (Frankfurt a. M.), M. L. Rodkinson (Newyork), Friederike Kempner (Breslau), Ch. S. Slonimski (Warschau), Dr. I. Cosman (Berlin), Dr. B. Minzes (Wien), L. Schulmann, L. L. Weißberg (Kiew), H. Steinitz (Berlin), W. Bambus (Berlin), S. Kohn (Prag), Dr. Karol Hertz (Warschau), Professor Dr. W. Weiß (Prag), Professor Dr. I. Caro (Breslau), Professor Dr. E. Szanto (Wien), Professor H. Michel (Paris), Dr. A. Nein eny (Budapest), Professor Dr. Th. Theumann (Wien), Oberlandesgerichtsrat Dr. Heinsheim er (Karlsruhe), Dr. H. B. Levy (Hamburg), Justizrat H oldheim (Frankfurt a. M.), Justizrat H. Staub (Berlin), Landgerichtsrat Bär (Berlin), Justizrat Herzselder (Augsburg). Bon hervorragenden Aerzten: Professor Karl Weigert (Frankfurt a. M.), Professor H. Köbner (Berlin), Hofrat Wertheimber (München), Professor Dr. Z. Oppenhe imer (Heidelberg), Dr. G. Rosenseld (Stuttgart), Hofrat Oppenheimer (Würzburg), Geheimrat Dr. Abraham (Berlin), Oberarzt Dr. Netter (Nancy). Zu militärischen und politischen Ehren waren die folgenden Männer gelangt, deren Hinscheiden wir betrauern: General Ottoleng^i (Turin), Graf L. Ottolenghi (Pisa), Oberst M. Bürstyn (Pola), Oberst Goldsmid (London), General See (Paris). Jussnf Effendi Krieger (Konstantinopel), Joses Benedix (Swakopmund), Generalarzt Dr. Neuhöfer (München). Und nun kommen die Namen derer, die sich um das religiöse und Gemeindeleben Israels verdient gemacht haben: Leo N. Levi (Newyork), Stadtrat B. Michelly (Königsberg), S. Forchheimer (Nürnberg), Kommerzienrat M. Mayer (Mainz), Geh. Hofrat E. Pfeiffer (Stuttgart), Kommerzienrat H. Fränkel (Fürth), Alfons Jacobson (Leipzig), Leopold Kuh (Eisenach), H. Landau (Krakau), W. I. Wysotzki (Moskau), Kommerzienrat A. Fränkel. (Neustadt), Stadtrat Friedländer (Bromberg), Moritz v. Borkenau (Wien), Dr. M. L ichtenstern (Prag), Isidor Rohr (Langguhle), H. Guedalla (London), L. I. Brodsky (Kiew), A. Kurtzig (Jnowrazlaw), Abgeordneter Piepes- Poratinsky (Lemberg), I. Goldschmidt (Worms). Aus unserer Gemeinde sind abberufen worden: Jmm. Sachs, M. Berg, Moritz Lewinsohn, I. Oppenheim, Alex. Meyer-Cohn, Marcus Adler, Gustav Löwenberg, Max Lande, M. Gotthels, M. Metzenberg. Zuletzt — doch nicht zuletzt — seien die Namen edler Frauen erwähnt, die ihr Leben dem Gemeinwohl gewidmet: Frau Dr. Flora Joel (Breslau), Frau Kommerzienrat Henriette Ep hraim (Görlitz), Frau Anna Meyer-Gerson, Frau Stadtrat Mathilde Weigert, Frau Emma Eloesser (Berlin), Frau Dr. Schwarz (Köln). Das Andenken all dieser Edlen und Frommen sei ein Segen für die kommenden Geschlechter! * Wie freikonservative Blätter, in diesem Falle also nicht ganz verläßliche Quellen, schreiben, hat es den Anschein, als ob die freisinnige Volkspartei des Reichstages sich entschlossen habe, ihre Anfang Dezember beschlossene Pückler-Jnterpellation fallen zu lassen. Sie hat nämlich die Interpellation dem Bureau des Reichstages bis jetzt noch nicht eingereicht. Diese Tatsache ist allerdings kein triftiger Beweis. Aber möglich wäre es immerhin, daß die Interpellation jetzt gegenstandslos geworden wäre,' obwohl noch jüngst die „Freie deutsche Presse" gegen ein anderes liberales Organ dieserhalb eine heftige Polemik eröffnet hat, in der es u. a. hieß: . „Gegen die Pückler-Jnterpellation der Deutschen und der Freisinnigen gefällt sich das Organ des Herrn von Gerlach in gezwungenen Quengeleien, die sich gegen die Bezugnahme aus 8 130 des Strafgesetzbuchs wenden und es so darzustellen suchen, als ob durch diese Bezugnahme der Mißbrauch dieses Paragraphen .im Sinne der Reaktion gutgeheißen werde. Davon kann selbstverständlich keine Rede sein. Die Beseitigung oder Beibehaltung des § 130 kommt hier gar nicht in Frage. Es handelt sich vielmehr darum, ob das Strafgesetzbuch für alle Bekenntnisse und alle Klassen der Bevölkerung gleiche Geltung hat oder außer Kraft bleiben soll bei den schwersten Ausschreitungen gegen Staatsbürger jüdischen Glaubens. Wenn aber Herr v. Gerlach die Bezugnahme auf § 130 für „nicht glücklich" hält, dann mag er doch einen andern Paragraphen nennen, der besser zutrifft auf das Treiben des Grafen Pückler. Mit leeren Redensarten ist gegenüber solchem Unfug nichts getan." * Der Führer der Fremdenhetze in England ist Herr Joe Chamberlain. Er hat zuerst in die hungernde Bevölkerung hes ärmsten Arbeiterviertels der Sechsmillionenstadt das verhängnisvolle Wort von den „unerwünschten Fremdlingen" hineingeschleudert und von dem ausländischen Wettbewerb gesprochen, der Englands Gestade mit billigen Waren überschwemmt. Die Worte Chamberlains werden gerade jetzt im Jnselreich ihre Wirkung nicht verfehlen. Die erbärmliche

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