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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1904-12-23 · Heft 52 (23.12.1904) · p. Seite 2

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
68 (1904)
Issue
Heft 52 (23.12.1904)
Date
1904-12-23
Page
Seite 2 (sequence 14)
Language
German
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ÜS Regierung die Auflösung des Repräsentantenkollegiunrs zu-beantragen und in Rücksicht auf die stete Abnahme der Mitgliederzahl die Gemeindeangelegenheiten nur durch drei Vorstandsmitglieder verwalten zu lassen. — In Koschnin ist plötzlich im Alter van 49 Jahren Kantor M. Finkelstein gestorben, nachdem er dort 18 Jahre hindurch amtlich tätig gewesen ist. — Die Erben des verstorbenen Kaufmanns Eduard Kantorowitz in Posen haben für die dortigen Armen 1000 Mark gespendet. —- Im Alter von 52 Jahren ist neulich Kaufmann Benjamin Baer in Janowitz gestorben. Derselbe gehörte eine Reihe.von Jahren dem dortigen jüdischen Repräsentantenkollegium und außerdem dem Vorstande der „Chewra Kadischa" an. — Der Gemeindevorstand und die Verwaltung des israelitischen Frauenvereins in Buk hat beschlossen, die dortigen Armen in diesem Jahre angesichts der hohen Lebensmittelpreise mit größeren Beiträgen zu bedenken als in früheren Jahren. — Das Rentier Kall man n'sche Ehepaar in Argen au beging -neulich das Fest der goldenen Hochzeit. Herr Kallmann war langjähriger Stadtverordneter und ist jetzt noch Mitglied des dortigen Synagogen- Gemeindevorftandes. — Kaufmann Nud. Petersdorff in Posen hat für dortige arme Kinder 50 Anzüge der Armenkommission zur Verfügung gestellt. — Der Kaufmann Bruno Galewski in Pleschen ist zum Schulvorstande der deutschen Bürgerschule daselbst gewählt worden. — Kommerzienrat Nazary Kantorowicz in Posen ist zum Stadtrat daselbst gewählt worden. — Kommerzienrat Heppner in Krotoschin ist zum Magistratsmitgliede daselbst gewählt worden. — Der aus Ostrowo stammende, in Marion (Staat Ohio) lebende Rentier Charles Ledermann hat anläßlich des Chanukafestes seiner Heimatsgemeinde eine namhafte Summe zur Unterstützung Bedürftiger übersandt. — Neulich beging der Rentier B. Mendelsohn in Schroda seinen 70. Geburtstag. Herr Mendelsohn ist langjähriges Mitglied des Stadtverordnetenkollegiums dortselbst, Vorsteher der jüdischen Repräsentantenversammlung und außerdem Direktor der Spar- und Diskontobank. a. Breslau, 16. Dezember, lieber den Tod des Historikers Professor Dr. Jacob Caro habe ich Ihnen bereits geschrieben. Das Leichenbegängnis fand aus dem jüdischen Friedhof unter reger Teilnahme aller Universitätskreise statt. An der Bahre sprach Rabbiner Dr. Caro aus Lemberg, und der Geograph Geh. Regierungsrat Professor Dr. Jos. Partsch namens der philosophischen Fakultät. Die in stattlicher Anzahl in Wichs und mit Trauerfahnen erschienenen Chargierten der farbentragenden Verbindungen bildeten die Ehrenwache in der Halle und Spalier zum Grabe. Sehr ehrenvoll sind die Nachrufe von Rektor und Senat, sowie von der philosophischen Fakultät. In ersterem heißt es: „Die Universität verliert an ihm einen reich begabten, geistvollen Dozenten, der ihr während 35 Jahren angehörte, die Wissenschaft einen der besten Kenner der Geschichte der slavischen Völker; alle, die wir ihm näher getreten waren, trauern um das Abscheiden eines warmherzigen, angeregten und anregenden Kollegen, dessen Andenken wir in Ehren halten werden." Die Fakultät aber schreibt: „Die philosophische Fakultät verliert in ihm einen seit 35 Jahren mit begeisterter Hingebung, umfassendem und tief begründetem Wissen, glänzender Beredsamkeit wirkenden Lehrer, einen in selbständiger Forschung das erwählte Gebietseiner Studien erschließenden und in geistvoller Darstellung beleuchtenden Geschichtsschreiber,. einen liebenswerten, für die Würde seines Standes und die Aufgaben des Fakultätslebens arbeitsfreudig eintretenden Amtsgenossen. Wie die zahlreichen Schüler, die in ihm einen scharfblickenden, des rechten Weges sicheren Führer verehrten, wird auch die Fakultät das Andenken des Mannes, der solange eine Zierde der ganzen Hochschule war, dankbar in Ehren halten." Das alles ist gewiß sehr schön und sicher auch wahr. Ob aber auch diese Faktoren das Fach des Verstorbenen heute wieder einem Juden anvertrauen würden, das ist eine andere Frage. Als Caro Professor wurde, war Fürst Bismarck noch Reichskanzler, und dieser förderte den Gelehrten, dessen Arbeiten auf dem Gebiete der polnischen Geschichte er schätzte. Auch die Großfürstin Helene in Weimar protegierte Caro, der lange ihr Vorleser und Reisebegleiter war. Später wurde er außerordentlicher Professor in Jena, 1869 Honorarprofessor und 1882 ordentlicher Professor in Breslau. Caros historische Werke werden in Fachkreisen sehr geschätzt. Ehre seinem Andenken!! M Hamburg, 15. Dezember. Auf Einladung eines provisorischen ■ Komitees versammelten sich im Logenheim eine Anzahl von Gemeindemitgliedern zum Zwecke der Konstituierung eines Vereins zur Förderung jüdi.scher Interessen in Hamburg. In dem eineinleitenden Referat wurde darauf hingewiesen,.! daß schon mehrfach der Versuch zur Gründung eines solchen ^Vereins <unternommen worden, jedoch stets daran gescheitert sei, daß eine Einigung zwischen den verschiedenen religiösen Richtungen angehörenden Gemeindemitgliedern nicht zu erzielen war. Erfreulicherweise sei diesmal von vornherein der Grundsatz aufgestellt worden, allen religiösen Anschauungen gleicherweise Berücksichtigung zuteil werden zu lassen. Der neue Verein soll es sich zur Aufgabe stellen, innerhalb der verschiedenen Gemeinde- Verwaltungskörperschaften ein Zusammenwirken herbeizuführen. Vor allen Dingen der Jndifferentismus bei den Wahlen zu diesen Körperschaften zu beseitigen, damit diese in Zukunft nicht als der Ausdruck^ des Willens eines geringen Teiles, sondern sämtlicher Gemeindebürger betrachtet werden können. Die Kultusverbünde müssen unter eine gemeinsame Leitung gebracht und das Friedhofswesen"gleichfalls einheitlich geregelt werden. In der Debatte sprechen sich die meisten Redner für die Gründung des Vereins aus, es müsse Aufgabe des neuen Vereins sein, die Wohltätigkeit in der Gemeinde mehr zu organisieren, damit aus diesem Gebiete Ersprießliches geleistet werden könne; die Verhandlungen der Gemeindekollegien müßten auch, wie es bereits in anderen großen Gemeinden z. B. in Berlin üblich, stets in voller Oeffentlichkeit stattfinden. Nach beendeter Debatte beschloß, die Versammlung die Gründung des Vereins, woraus die Anwesenden fast sämtlich ihren Beitritt erklärten. Mit der ferneren Leitung der Angelegenheit und der Ausarbeitung der Statuten wird das bisherige provisorische Komitee beauftragt. o. Frankfurt a. M., 18. Dezember. Der hiesige Mendelssohn-Verein, der auf eine 25 jährige segensreiche Tätigkeit zurückblickt, läßt am 1. Januar 1905 eine Jubiläumsnummer seines Vereinsorgans „Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judentum für Gebildete aller Konfessionen" erscheinen, das der Begründer und Präsident des Vereines Dr. Adolf Brüll ein Vierteljahrhundert in selbstloser opferwilliger Weise unentgeltlich geleitet hat. Möge ihm für feine hingebende Tätigkeit aus diesem Anlasse, die verdiente Anerkennung und Teilnahme aus dem weitesten Kreise seiner Mitarbeiter und der Leser der Blätter zuteil werden und möge es dem Mendelssohn-Verein auch in der Folge der Zeiten beschieden fein, sich der Segnungen seines Wirkens zu erfreuen. Oesterreich-Angarn. l^Wien, 19. Dezember. Die Statistik der Gesamtbevölkerung O esterrer chs hinsichtlich der Religionszugehörigkeit ergibt die-Zahl von 1224899 Juden, die 46,8 Prozent der gesamten Bevölkerung bilden. Die jüdische Bevölkerung ist am meisten in Galizien (111 v. T.) und in der Bukowina (132 v. T.) vertreten. Das traurigste ist, daß die Juden hinsichtlich der Zunahme seit dem Jahre 1890 am schlechtesten abschneiden. — Der geringe Zuwachs (nur 7,14 Prozent), der sehr auffallend erscheint, findet seine Erklärung in der außerordentlich starken Auswanderung der Juden aus Galizien. Mit Ausnahme der römischen Katholiken und der Juden stehen alle übrigen Religionsgruppen hinsichtlich ihres Zuwachses über dem Staatsdurchschnitte. Nach dieser Volkszählung sprechen in Oesterreich 57 782 Juden tschechisch. Von den 92 745 Juden Böhmens sprechen 59 080 (55,18 Prozent) tschechisch, 40 521 (44,8 Prozent) deutsch. In Mähren gibt es 44 255 Juden und von denen bedienen sich 34 261 (83,51 Prozent) der deutschen Sprache und 6792 (16,79 Prozent) der tschechischen. Schlesien zählt 9681 (88,24 Prozent) deutsch-, 1037 (9,7 Prozent) polnisch-, und 263 (2,40 Prozent) tschechisch sprechende Juden. — Einen schweren Verlust für die Wissenschaft bedeutet das jähe Hinscheiden des ordentlichen Universitätsprofessors Dr. Emil Szanto, der am 14. Dezember im Alter von 47 Jahren einem Herzschlag erlegen ist. Er war ein Sohn des fei. Simon Szanto, des bekannten Schriftstellers und Redakteurs der „Neuzeit". 1884 habilitierte er sich an der Universität für alte Geschichte und wurde 1893 zum außerordentlichen, 1898 zum ordentlichen Professor für griechische Geschichte und Altertumskunde ernannt. Auf dem Gebiete der klassischen Altertumswissenschaften galt Szanto als hervorragende Autorität, und er

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