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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1904-12-23 · Heft 52 (23.12.1904) · p. Seite 3

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
68 (1904)
Issue
Heft 52 (23.12.1904)
Date
1904-12-23
Page
Seite 3 (sequence 15)
Language
German
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3 erfreute sich irr. Gelehrtenkreisen großen Ansehens und persönlicher Beliebtheit. Das spezielle Gebiet Szantos war die griechische Epigraphik. Ohne Jurist zu sein, war er mit einer gewissen juristischen Schärfe in das Studium des griechischen Altertums eingedrungen. Die Ergebnisse einer Expedition nach Karten legte er in einem Werke „Reise in Karien" nieder, welches 1892 erschienen ist. In seinen anziehend und sesselnd geschriebenen Schriften bewegte er sich mit Vorliebe aus klassischem Boden. Zu den bekanntesten Arbeiten, die Szanto versaßt hat, gehören „Untersuchungen über das klassische Bürgerrecht" (1881); „Platäa und Athen" (1884); ^Anleihen griechischer Staaten" (1885); „Hypothek und^ Scheinkauf inr griechischen Rechte (1887); „Das griechische Bürgerrecht" (1892). Im persönlichen Verkehr war Emil Szanto von überaus gewinnendem Wesen. Er war ein sehr sympathischer Mann, von fast zu weit getriebener Bescheidenheit, die Milde und Sanftmut selbst, ein überaus zärtlicher Sohn, der seine betagte Mutter vergötterte und an ihr mit rührender Hingebung und inniger Kindesliebe hing. Die Bestattung fand auf dein Döblinger Friedhofe unter außerordentlicher Teilnahme weiter Kreise statt. In ergreifender Rede beklagte Hofrat Bormann den großen Gelehrten, den glänzenden Redner, den edelsten" Menschen und treuen, aufopfernden Freund; wir aber beklagen in dem Dahingeschiedenen auch - den Glaubensgenossen, der trotz seiner bevorzugten Stellung sein Judentum niemals verleugnete. Sein Andenken sei gesegnet! i Budapest, 14. Dezember. Gestern verschied hier im Alter von 52 Jahren Dr. Ambros Nemönyi, der 20 Jahre Reichstagsabgeordneter und als solcher viele Jahre Generalberichterstatter des Finanzausschusses war. Er war ein gewandter Publizist und schrieb mehrere umfangreiche Schriften u. a. auch ein deutsches Buch über Ungarn. Mehrere Jahre hindurch war er' — nach Max Nardau — für das Feuilleton des „Pester Lloyd" tätig. Später widmete er sich ausschließlich der Politik. Die Städte Zilah und Tasrnad ernannten ihn zum Ehrenbürger. Er war armer Leute Kind, hieß, bevor er sich magyarisierte, Abraham Neumann und ist der Neffe mehrerer ungarischer Rabbiner. Ehre seinem Andenken! — Dem königlichen Notar Dr. Philipp Weinmann, der 'Vizepräsident der hiesigen Advokatenkammer und Vorsteher der israelitischen Gemeinde ist, wurde der Hofratstitel und dem Baron Jakob Menasce in Alexandrien das Komthurkreuz des Franz Josessordens verliehen. — Der Minister für Kultus und Unterricht erließ in Angelegenheit der Entscheidung. von im Leben der israelitischen Religionsgemeinden auftauchenden strittigen Fragen eine Verordnung folgenden Inhalts: „Im Leben der Religionsgemeinden zwischen Israeliten auftauchende — wem: sich die Parteien dem im israelitischen Kongreß- oder Orthodoxen- Organisationsstatut vorgeschriebenen Schiedsgerichte nicht unterwerfen wollen — dem administrativen Verfahren zugehörige strittige Angelegenheiten sind in den Komitatsmunizipien in erster Instanz durch, den Oberstuhlrichter (in Städten mit geordnetem Magistrat durch die ' Bürgermeister), in zweiter Instanz durch den Verwaltungsausschuß' zu entscheiden. Die an mich (den Minister) zu richtende Appellation, ' bezw. Bitte um Ueberprüfung ist in Evidenz zu halten. Bezüglich der Hauptstadt — beziehungsweise der Städte mit Munizipalrecht — befinden sich die Verfügungen der in Rede stehenden Verordnung in Uebereinstimmung mit dem § 1 G.-A. XX: 1901, daher für neuere Verfügungen keine Notwendigkeit besteht." Diese Verordnung hat große Aufregung unter den Orthodoxen hervorgerufen, da sie angeblich die Autonomie der orthodoxen Gemeinden zu nichte macht. Ebenso erregt die Schließung der Chedarim als sogenannte Winkelschulen, wodurch die bis jetzt in Ungarn übliche Methode des Thoraunterrichtes verboten wird, bei ihnen große Unruhe. Von MH und Lern. — Die Wahlen zum Direktorium der Akademischen Lesehalle haben für die F. W: V. 207, für den V. j. St. 205 Stimmen ergeben, genau wie im vorigen Jahre. Es wurden : gewählt zwei Vertreter der Freien Wissenschaftlichen Vereinigung (Simon. Kraus), , zwei Vertreter des Vereins jüdischer Studenten (Kirschner, Salinger). — Das antisemitische „Deutsche Volksblatt" in Wien schreibt: Man telegraphiert uns aus Berlin unterm' 26. d. M.: „Zu der Erbauung der Kirche in Grünewäld hüben', wie offiziell mitgeteilt wird, vierjüdische Bankiers größere ' Summen gespendet. In protestantischen Kreisen ist man davon natürlich nicht erbaut, daß weiter im Geiste Mirbachs bei reichen Juden für Kirchenbauzwecke geschnorrt wird." Es verdient hervorgehoben zu werden, daß die vier genannten Bankiers — keine Juden sind! — Bei den letzten Stadtverordnetenwahlen in Schloppe kam es zur Stichwahl zwischen einem Juden und einem Gutsbesitzer. Der erstere wurde gewählt. Dieses Resultat war nur dadurch möglich. daß ein Gutsbesitzer und Oberleutnant der Reserve seine Stimme zugunsten des Juden abgab. Natürlich Hetzen jetzt die Antisemiten gegen den Mann. — In Frankfurt a. M. soll vom Rabbiner Dr. Horovitz ein großes Seminar für jüdische Lehrer begründet werden, das in erster Reihe junge russische Glaubensgenossen für diesen Beruf ausbilden soll. 30 000 Mark jährliche Beiträge sollen schon gesichert sein, allerdings steht die Genehmigung der Regierung noch ans. — In Worms ist Herr Julius Goldschmidt, Seniorchef der Firma C. M. Goldschmidt und zweiterVorsteher der israelitischen Gemeinde,- gestorben. Er hat sich besondere Verdienste um die Erhaltung des Friedhofes, speziell um die Entzifferung der uralten Grabsteine, erworben. Seit vielen Jahren gehörte der Verstorbene der Handelskammer an. — In Paris ist der Professor der Sorbonne Henry Michel, der auch seit 23 Jahren politischer Redakteur des „Temps" war, im 47. Lebensjahre gestorben. — InRom ist der Rabbiner Angelo F o rnari im 78. Jahre gestorben. Er war auch ejn hebräischer Schriftsteller, aber nicht, wie cs in politischen Blättern heißt, der Hauptrabbiner.Roms. Ehre seinem Andenken! — Der Ingenieur Umberto Pugliese aus Alessandria wurde zum Hauptmann im Marineingenieurkorps ernannt. Er lieferte für das Arsenal zu Castellamare di Stabia einen neuen Typ für Panzerkreuzer der italienischen Kriegsmarine.' Pugliese ist erst 25 Jahre alt. — Die Familie des verstorbenen Kriegsministers Ottolenghi überwies für speziell jüdische Wohltätigkeitszwecke in Turin 1500 Lire. — Die Kommission, welche das von der britischen Regierung den Zionisten für eine jüdische Siedelung angebotene Land in Britisch- Ostafrika bereisen und erforschen soll, ist wie folgt gebildet worden: Major A. St. Hill Gibbons, bekannter Afrikaforscher, Professor Alfred Kaiser, wissenschaftlicher Berater der Nordwest-Kamerungesellschast, Zivilingenieur Dr. I. Wilbuschewitsch, das einzige jüdische Mitglied der Expedition. Die englische Regierung hat die ihr vorgeschlagene Liste bereits genehmigt. Die Kommission geht noch im Laufe dieses Monats ab und wird gegen Mitte Januar in dem in Frage stehenden Territorium eintreffen. Die Kosten der Expedition sind von privater Seite zur Verfügung gestellt worden. — Die Republikaner New Yorks beabsichtigen die Aufstellung eines deutschen Kandidaten bei der nächstjährigen Bürgermeisterwahl. Außer dem früheren Bürgermeister von Brooklyn ist der Bankier Ja cob H. Schifft in Firma Kuhn, Löb und Company in Aussicht genommen. — Die indische Kolonie von Woodb ine wurde aus der Weltausstellung in St. Lunis mit der goldenen Medaille ausgezeichnet. Die Kolonie hat in einer besonderen Abteilung mehrere hundert Photographien ausgestellt, welche Abbildungen landwirtschaftlicher und industrieller Institutionen darstellen. Auch verschiedene Unterrichtsmittel finden sich unter den Ausstellungsobjekten. Besonderes Interesse "erregten die Schülerarbeiten der zumeist aus eiri^omanderten Juden bestehenden Kolonie. — Die Zahl der Juden, welche mit Pässen der 4. C. A. in diesem Jahre nach Südamerika ausgewandert sinv, betrug 984. Davon sind 721 nach Argentinien und 263 nach der Kolonie Ph;sipsohn in Brasilien ausgewandert. Dagegen stellt sich die Nachrichr von einem großen Länderkaüf in Visconsin als eine große Uebertreibung heraus. Es handelt sich um den Ankauf eines kleinen Terrains im Umfange von ca. 250 Hektar. Der Boden ist im Aufträge des Baron Hirsch und durch den Vorsitzenden der Visconsiner Inclu8ti-ial Aim Loc-ist)- in Wood County in Viskonsin erworben worden, um auf demselben 18 jüdische Familien anzusiedeln. Die Ansiedler sollen zwölf Monate lang auf der Kolonie als Tagelöhner arbeiten, und wenn sie sich bewährt haben, werden sie gegen günstige Abzahlungsbedingungen installiert werden. — Im 70. Lebensjahre ist der fromme und allgemein verehrte Rabbiner Chiskia Medini in Hebron gestorben. Er war 28 Jahre Rabbiner in Karassobazar in der Krim. Ehre seinem Andenken!— Der Antisemitenführer Rögis in Algier heiratet in den nächsten Tagen eine junge Jüdin namens Sarah Jais!! - mm

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