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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1904-12-23 · Heft 52 (23.12.1904) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
68 (1904)
Issue
Heft 52 (23.12.1904)
Date
1904-12-23
Page
[Seite] (sequence 13)
Language
German
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68. Jahrgang. Ho. 52. 0f 0~t Berlin, 3S. Be*ember 1904. Vellage zur „Allgemeinen Leitung deß Judentums" Korrespondenzen und Oschnchtrm VeutMand. 8. Berlin, 19. Dezember. Für die letzte Sitzung dieses Jahres fand die heutige R e p r ä s e n t a n t en - V er s a m m l u n g nur wenig Arbeit vor. Vier kleine Vorlagen, welche zur Beratung standen,, wurden . debattelos erledigt, eine Vorlage, welche in der vorigen Sitzung der Vertagung verfiel, wurde heute zum Abschluß gebracht, dann war die öffentliche Sitzung zu Ende. Der jüngst verstorbene Repräsentant Herr Julius Oppenheim hat laut letztwilliger Verfügung 1000 M. dem Hospital und 2000 M. dem Fonds für verschämte Arme zugewendet. — Der Rechnungsabschluß der Fürsorge-Kommission für die Zeit vom 1. April 1903 bis 31. März 1904 weist einen Mehrverbrauch von 1461,38 M. auf. Der Mehrverbrauch wird nachbewilligt und der Verwaltungs-Kommission Entlastung erteilt. — Für Pflasterungsarbeiten auf dem Friedhofe Weißensee werden 3254,61 M. bewilligt. — Die turnusmäßig aus der Waisen-Kommission ausscheidenden Herren Bernhard Behrens und Siegfried Jacob werden für die Zeit vom 1. Januar 1905 bis 31. Dezember 1907 wiedergewählt. — Der in der vorigen Sitzung vertagte Rechnungsabschluß des Jüdischen Krankenhauses für das Etatsjahr 1903 wurde heute mit einem Mehrverbrauch von 1739,33 M. dechargiert. Prof. Baginskh begrüßt mit Genugtuung, daß nunmehr feinem mehrfach geäußerten Wunsche, dem Rechnungsabschluß einen ärztlichen Bericht beizufügen, stattgegeben worden ist; er wie auch Geheimrat Vlumenthal stellen fest, daß im Berichtsjahre außerordentliches geleistet worden ist, und knüpfen daran den Wunsch, daß das Jüdische Krankenhaus auch in der Neugestaltung wie bisher der leidenden Menschheit und der Gemeinde zum Segen gereichen möge. — Zum Schluß nehmen wir noch auf eine diesbezügliche Bitte gern Veranlassung, einen zahlenmäßigen Irrtum in unserem vorigen Bericht hiermit richtig zu stellen. Der bei der Kommission für die Friedhofsangelegenheiten angegebene Ueberschuß von 54644,25 M. ist aus den Gesamteinnahmen der Kommission einschließlich der Gärtnerei auf dem Friedhofe Schönhauser Allee erzielt worden. Die Gärtnerei, welche sich bekanntlich ' in eigener Regie der Gemeindeverwaltung befindet, schließt nicht mit einem Mehrverbrauch von 7091 M. ab, sondern hat in Höhe dieser Summe eine Mindereinnahme gegen den Voranschlag erzielt; der Ueberschuß der Gärtnerei allein beläuft sich auf über 20000 M. L2 Berlin, 20. Dezember. Die Lehranstalt für die Wissenschaft des Judentums veranstaltet auch in diesem Winter zum Besten ihres Stipendienfonds sechs Vorträge im großen Saale der Gesellschaft der Freunde. Und zwar werden sprechen: 1. Am 9. Januar Privatdozent Dr. Georg Huth: „Die Juden in Turkeftan nach eigenen Beobachtungen; 2. Am 23. Januar Rabbiner Dr. M. Warschauer: „Ueber die Gesetze religiöser Entwicklung mit besonderer Rücksicht auf das Judentum der Gegenwart"; 3. Am 6. Februar Professor Dr. Otto Marburg: „Die wirtschaftliche Entwicklung und Aussicht Palästinas"; Am 20. Februar Professor Dr. Adolf Baginskh: „Reisebilder aus Algier und Tunis" (mit Lichtbildern); 5. Am 6. März Herr Wilhelm Goldbaum, Redakteur der Neuen freien Presse, Wien: „Deutsch-jüdische Literaturzusammenhänge": 6. Am20. März Professor Dr. Heinrich Rosin: Thema Vorbehalten. s. Berlin, 19. Dezember. Vor einigen Tagen ging durch die Tagesblätter eine Notiz, daß unser Kaiser die für den Negus von Abessinien bestimmten Geschenke besichtigt habe. Unsere Kreise dürfte indes noch die Tatsache interessieren, daß unter diesen Geschenken sich auch ein Röntgenstrahlen-Apparat befand, mit dessen Vorführung vor dem Kaiser der Ingenieur der Allgemeinen Elektrizitätsgesellschaft, Alfred Lamm, ein früherer Zögling des Lehrlingsheims: Pankow, betraut war. s. Berlin, 16. Dezember. Am 8. d. M. wurde im Schwesternheim des Vereins für jüdische Krankenpflegerinnen .die Chanukahseier in würdiger Weise im Beisein von Vorstandsmitgliedern, Aerzten und Freunden des Vereins gefeiert. Neben der Oberin waren die Schwestern, soweit solche sich frei machen konnten, etwa 50, zur Stelle. Nach dem Absingen des ChanUkahliedes durch die Schwestern hielt der Vorsitzende Herr Louis Sachs eine Ansprache, in welcher er dieselben auf die Bedeutung ihres Berufes hinwies. Nachdem noch eine größere Zahl von Kindern in trefflicher Weise auf daß Fest bezügliche Gedichte vorgetragen hatten, verteilte Frau Kommerzienrat Julie Gerson-Liebermann die goldene Verdienstbrosche für 10 jährige treue Dienste an die sieben dienstältesten Schwestern. Zwölf zu Schwestern ernannte Schülerinnen erhielten das Vereinsabzeichen, während fünf Schwestern das Diplom ausgehändigt wurde, welches sie nach dreijähriger Dienstzeit in den Schwesternbund einreiht. Der in schönem Aufschwung begriffene Verein für jüdische Krankenpflegerinnen zählt heut 60 Schwestern und 11 Schülerinnen. Von den Schwestern stehen etwa 30 für die Privatpflege in Berlin bereit, während die anderen Schwestern im Krankenhaufe hier, sowie in den Schwesternstationen in München, Nürnberg, Mannheim, Dortnmnd, Hamburg, Posen, Danzig üsw. wirken. Im kommenden Jahre wird auch in Stuttgart ein Filialheim mit vier Schwestern eröffnet werden. Meldungen von Schülerinnen nimmt der Vorstand, sowie die Oberin, Fräulein Rose Blau, Auguststraße 17, entgegen. o. Tilsit, 16. Dezember. Hier wurde am 11. d. M. unter großer Beteiligung hiesiger und auch auswärtiger (Königsberg, Insterburg. Ehdtkuhnen und Memel) Mitglieder der Schutz-Komitees für die russischen Emigranten eine vom hiesigen Sub-Komitee gegründete jüdische Herberge eingeweiht. Nachdem durch den hiesigen Vorsitzenden,'Justizrat Cohn, die Feier eingeleitet war, hielt Rabbiner Dr. Ehrlich die Weiherede, an der sich kurze Ansprachen des Bankdirektors George Marx und des Rabbiners' Dr. Vogelstein aus Königsberg i. Pr. anschlossen. Hierauf wurden die bereits anwesenden Emigranten, 34 an der Zahl, für Rechnung des hiesigen Sub-Komitees mit einem Mittagessen bewirtet. Sodann vereinigten sich die Festteilnehmer zu einem gemeinsamen.Festessen. Daß die Herberge bis nun die einzige ihrer Art in Deutschland sein dürfte, braucht wohl nicht besonders hervorgehoben zu werden. Zur Einrichtung dieser Wohltätigkeitsanstalt haben die Alliance israelite universelle und der Hilssverein der deutschen Luden Beihilfe geleistet. Aehnliche Institute dürften in den Grenzgemeinden bald eingerichtet werden. 8. Jnowrazlaw, 16. Dezember. Einen schweren Verlust hat die hiesige Shnagogengemeinde durch das kürzlich erfolgte Hinscheiden des Herrn Rabbiners Dr. Hermann Tietz erlitten. Der Verewigte, welcher 17 Jahre die Stelle eines Klausrabbiners an den: hiesigen Selb damiärascü-Verein mit treuer Hingabe und gewiffenschafter Pflichterfüllung verwaltete, war ein idealer Vertreter seines Amtes. Seinen Berufspflichten widmete sich der Verstorbene mit liebevoller Hingabe und mit rastlosem Eifer. Ebenso den Bestrebungen zahlreich humanitärer Vereine. Die Armen und Bedrängten verlieren in ihm einen warmen Freund, hilfreichen Annehmer und vortrefflichen Berater. So lange es seine Kräfte zuließen, war der Verstorbene in hohem Maße wissenschaftlich tätig. Er gab verschiedene hebräische Werke heraus, die ihm einen klangvollen Namen in der gebildeten Welt verschafften. Auch die „Allgem. Zeitung des Judentums" verliert in ihm einen treuen, bewährten Mitarbeiter, dessen literarische Arbeiten mit der größten Aufmerksamkeit gelesen wurden. Ehre seinem Andenken! Lp. Aus der Provinz Posen, im Dezember. Die israelitische Gemeinde in Ostrowo hat beschlossen, dem dortigen Rabbiner Dr. Freund eine jährliche Gehaltserhöhung von 500 Mark zu bewilligen und dessen Vertrag auf 12 Jahre zu verlängern. — Die Gemeindevertretung in Pudewitz hat beschlossen,' bei der

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