Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 68 (1904)
- Issue
- Heft 52 (23.12.1904)
- Date
- 1904-12-23
- Page
- Seite 624 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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mm. In unabsehbarer Menge schritten-jetzt, den düsteren Blick in trostloser Trauer zu Boden gerichtet, die Gefangenen aller Völker vorbei, die Aurelian von.seinen Eroberungszügen als 'Sklaven heimgebracht in das kaiserliche Rom. - Gesenkten Hauptes erschienen nun achthundert Gladiatoren^ Ihre kraftstrotzenden Gestalten veranlaßten so manchen, bewundernden Ausruf der verweichlichten Römer. Ihnen folgten alle'jene Völkerschaften, die der stolze Kaiser unterjocht hatte) Blemmher, Exomiten und Araber,' Inder, Sarazenen ' und Goten, Sarmaten, Franken und Vandalen und zahllose ändere aus allen Gegenden der bewohnten Erde. Ihnen voran schritten Legionäre mit erhobenen Tafely, auf denen die Namen aller gefangenen und unterjochten Völker verzeichnet waren. Mitten in dem Zuge der gefangenen, vornehmen Palmyrener, an der Seite des edlen Schalmalath und des reichen Firmus, gefolgt von Longinus, dem Philosophen und.Paulus, dem Bischof von Samosata, schritt, den Blick in gläubigem Göttervertrauen zum Himmel .gewandt, gestützt von der bleichen Lellah, der ehrwürdige Rabbi Jochanan. Mit wehmütigem Ausdrucke umfaßte sein Auge das wild jauchzende Volk, in dessen Herzen keine milde Regung Platz griff für die unglücklichen Opfer, nein, das nur Raum und Auge und Ohr hatte für das glänzende Schauspiel und dessen tierische Sinnenfreude sich bereits an den Galgen ergötzte, die den: Einzuge folgten; die den Festspielen zujauchzten, bei denen die meisten der unseligen Gefangenen der grause Tod erwartete — und er sah jenes glänzende Rom in den Staub sinken, vor sein inneres Auge trat mit sonnenheller Klarheit das Bild der Zerrüttung und des Verfalles, sah den Abgrund, dem jenes jauchzende Kaiserreich zujubelte und das grausige Ende des Triumphators. Jetzt kam das Gefolge des Kaisers, die Lektoren, die Freunde, Verwandten und Offiziere. Brausender Jubelruf erfüllte die Luft und vermengte sich mit dem jauchzenden Lobgesange der Soldaten und pflanzte sich fort, weit durch die. Straßen und erfüllte mit brandendem Getöse die Stadt: Der Imperator naht. Umgeben von einem Wall gepanzerter Reiter, auf einen: von vier prächtigen Hirschen gezogenen, von Gold und Edelsteinen blitzenden Wagen, über dem die goldene Jupiterkrone schwebte, das stolze Haupt mit dem Lorbeerkranz geschmückt, die Schultern von der mit Goldsternen gezierten Purpurtoga umwallt, in ein. mit Palmenzweigen geziertes Gewand gehüllt, mit goldenen Schuhen, in der hoch erhobenen Linken den Elfenbeinstab und in der Rechten den Lorbeerzweig haltend, das Auge in stolzer Siegessreude über die jauchzende Menge geleiten lassend, aufrecht stehend ■ —- fo war die gebietende Gestalt des siegreichen Jnrperators weithin sichtbar. Brausender Jubelruf schallte ihm entgegen. „Salve, Imperator!“ erschollt aus tausenden von Kehlen, und jauchzend und lobpreisend grüßte das römische Volk seinen sieggekrönten Herrn. Langsam, dem Auge des römischen Volkes noch lange erreichbar, zog der kaiserliche Wagen vorbei. Und mitten in das wild wogende Meer der erregten Menge, vor dem Auge des in maßlose Begeisterung versenkten Volkes, in den jauchzenden Jubel hinein, der dem kaiserlichen Wagen folgte, erschien jetzt auf einem von Gold und Juwelen glitzernden Wagen, dessen silberne mit Elfenbeinstäben verbundene Räder weithin erglänzten, umgeben von dem zauberischen Glanze ihrer morgenländischen Schönheit, Zenobia, die Königin des Orients. Jäh. war das Volk verstummt und in atemloser Bewunderung richteten sich die Blicke nach, der zauberisch schönen Erscheinung hin, einer stolzen Siegesgöttin gleich einherzog. Weithin leuchtete der Glanz der goldenenjuwelenbesetzten Strahlenkrone, die ihr königliches Haupt zierte. Ihre hohe Gestalt umhüllte ein aus - schwerster Palmyrenischer Seide gefertigtes, der. Färbendes. Hmrmels .gleichendes, Gewand, das über und über mit funkelndem Geschmeide besäet war. Von ihren Schulternwallte der hermelinverbrämte Purpurmantel, dessen ganze Länge leuchtende. Rubinen und Smaragden bedeckten,, zahllose Reihen milchweißer Perlen . schlangen sich um den Hals und Ketten von Korallen, Rubinen und Türkisen schmückten ihre Brust und glänzten in ihren Ohren und an ihren blendenden Armen; goldene, reich mit Edelsteinen gezierte Schuhe umkleideten ihre Füße. Als Symbol ihrer Gefangenschaft aber schwebten über ihrem Haupte die goldenen Fesseln. Wie von mächtigem Zauber gebannt hingen die Blicke aller an der überirdisch schönen Erscheinung und ein Ruf staunender Bewunderung entrang sich der Menge und traf das Ohr der Königin. Zenobia aber achtete der maßlosen Bewunderung nicht, die ihre sieghafte Schönheit und der märchenhafte Glanz ihrer Erscheinung auf die Menge hervorbrachten. Das stolze Haupt hoch emporgehoben, umgeben von unsichtbarer Majestät, glitt ihr Auge mit unsäglicher Verachtung über die Menge hin, in weite, unsichtbare Fernen .... Da zuckte es plötzlich auf in ihrem dunklen Auge und jähe Glut färbte ihre marmorbleichen Wangen. Ein jubelnder Laut entrang sich ihrer Brust. Da war, mit Blitzesschnelle die Reihen durchbrechend, ehe man ihn zurückhalten konnte, Assad zu der Königin hingestürzt. Glühend, leidenschaftlich umfaßte sein glänzendes Auge ihre berückende Gestalt, noch einmal sonnte sich fein Herz an ihrer strahlenden Schönheit, dann chatte er ihre Hand erfaßt und ein kleines krystallenes Fläschchen glitt in ihre Finger. Mit einem Blick unendlicher Liebe umfing sie den Jüngling, dann führte sie mit raschem Griffe das Fläschchen an ihre Lippen. Er aber sank hin und sog von ihren Lippen den tötenden Trank. „Vereint! . . . Assad!" klang es leise aus dem Munde der Sterbenden. „Vereint wollen wir vor Gottes Thron hintreten ..." und mit brechender Stimme, nur ihm und ihrem Gotte vernehmbar, entrang es sich ihrer befreiten Seele: „Höre Israel! Der Ewige unser Gott, ist ein einig einziger Gott!" Einer glitzernden Schlange gleich verfolgte der kaiserliche Zug seinen Weg. Der Imperator aber, der noch nichts ahnte von der göttlichen Befreiung Zenobias, zog weiter feine Straßedem grausen Tode entgegen. ' Ende. / « : SgrechsLÄ. Geehrter Herr Redakteur! in Schwindler, der .sich Dr. Reißmann nennt, besitzt ein Empfehlungsschreiben des Rigaer Tageblatts, worin angegeben wird, daß seine Stellung in Rußland jetzt unhaltbar Usw. Das Schreiben ist nach eingeholter Nachricht vom Rigaer Tageblatt gefälscht und Dr. Reißmann dort völlig unbekannt. Ich möchte hiermit vor diesem Hochstapler warnen. Thorn, 5. Dezember. D. Wolfs. . Druck und Verlag von Rudolf Mosse in Berlin. Verantwortlich für die Redattion. Max Bauchwitz in Berlin.