Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 68 (1904)
- Issue
- Heft 52 (23.12.1904)
- Date
- 1904-12-23
- Page
- Seite 623 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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623 und an der Wiedereroberung des Orients gelegen war, verhieß den Geängstigten Milde und Vergebung ihrer aufrührerischen Haltung gegen den Kaiser von Rom. Er selbst war seines Sieges froh, denn zu lange währte bereits der Kampf, und in Rom sehnte man mit Ungeduld das Ende desselben herbei. Ja, er, Aurelian hatte sich während der langwierigen Belagerung dem Senate gegenüber rechtfertigen müssen. „Die Römer sagen," so hieß es in seinem Schreiben nach Rom, „daß ich bloß gegen ein Weib einen Krieg führte, wie wenn ich einen Mann bekämpfen müßte. Allein diese Fürstin ist von einem Mute und von einer Tapferkeit beseelt, die des größten Helden würdig wäre. Auch ist es nicht Zenobia allein und bloß ihre Macht, gegen die ich stritt. Die Zahl der Feinde ist ungeheuer groß. Es ist unmöglich, anzugeben, ein wie großer Vorrat von Pfeilen, Kriegsgeräten, Wurfgeschossen und Steinen hier sei. Es gibt keinen Teil der Mauer,' wo nicht zwei oder drei Ballisten ihren Stand hätten. Auch Feuer wird aus Wurfmaschinen abgeschleudert. Kurz, sie kämpft verzweifelt, wie jemand, der die Strafe fürchtet." Und wahrlich, die tapfere Königin hätte seiner Macht noch lange getrotzt, wäre die schnöde Tat jenes frevlerischen Mäonius nicht geschehen, der sie den Händen des Feindes überliefert und der für sein fluchwürdiges Verbrechen wohl den Lohn der Hölle empfangen hatte. Für Aurelian aber galt es jetzt vor allen:, sich der Person der feindlichen Königin zu versichern und für die Kühnheit, mit der sie ihm, dem Herrn der Welt die Stirne geboten, grausam zu strafen. Und so zog er denn an der Spitze seiner Feldherrn zum Palaste der Königin hin und weithin leuchtete im Sonnenglanze der goldene Helm, der sein Haupt bedeckte. Jetzt war er vor dem Palaste angelangt und wilder Grimm erfaßte ihn, als er von der Flucht der Königin vernahm. In inaßlosem Zorne befahl er dem Obersten der königlichen Wache vor ihm zu erscheinen. Doch als jener und all die zurückgebliebenen Anhänger der entflohenen Königin vor den: zürnenden Imperator erschienen und als er in den Mienen der Vornehmen wie der Geringen nur kalte Todesverachtung und starre Entschlossenheit las, ihrer Gebieterin auch in den Tod zu folgen, da gab er es auf, den Aufenthalt der Königin von ihnen zu erfahren. % Zornig stampfte sein Fuß den Boden und gewitterschwül loderte es in seinem Antlitze. Wie? So nahe am Ziele mußte ihm die kostbarste Beute entgehen? Jetzt, wo durch die Einnahme Palmyras der aufreibende Kampf fast beendet war, jetzt war die Feindin geflohen? Und wahrlich, nicht feige Furcht vor dem ihr drohenden Geschicke hatte die stolze Königin in die Flucht gejagt, nein, er wußte es: Sie war geflüchtet, um den Kampf aufs neue 31t beginnen und gelang es ihr, den Euphrat zu erreichen, so war ihr Hilfe gewiß. In kürzester Frist würde sie, der die Perser wie die Sarazenen und Aegypter in abgöttischer Liebe anhingen, ein ansehnliches Heer sammeln und ihn mit seiner geschwächten Streitmacht unfehlbar in die Flucht jagen. Dahin jedoch durfte es nicht kommen! Die Flüchtige' mußte eingehott werden, ehe sie zu ihren Hilfstruppen gelangen konnte und wehe der Besiegten! Wilder Grimm loderte in seinem Antlitz, als er den Befehl erteilte, auf den schnellsten Rossen die Wüste zu durchjagen und die entflohene Königin als Gefangene zurückzubringen. , Mit Blitzesschnelle waren die behendesten Reiter des römischen Heeres hinausgejagt aus. der eroberten Stadt, pfeilschnell flogen die Rosse über den heißen Boden der Wüste. Die sengende Sonne sandte ihre glühenden Strahlen hernieder und siel in die vom'Staub und Sand der Wüste geblendeten Augen der rasend dahinjagenden Reiter, die da ausgesandt' wurden, um die kostbarste Beute zu erjagen: die mächtige Königin des Ostens, die sich einst den stolzen Titel einer Kaiserin von Rom beilegen durfte und die jetzt als Gefangenewieder heimkehren sollte in ihr stolzes Reich! . . . Und die sinkende Sonne beleuchtete mit ihrem blutroten Glanze die entthronte Königin, die einzog in ihre Paradisische Stadt als die Gefangene des römischen Imperators. Zehntes Kapitel. Vereint. ogend und brausend flutete die Menge in deu Straßen Roms. Seit dem frühen Morgen schon, ja lange vor Anbruch des grauenden Tages waren alle Plätze und Straßen von freudig bewegten Volksmassen erfüllt und immer noch wuchs die Menge und ergoß sich, einem wilden Strome gleich, bis an die Tore der Stadt. Festlich geschmückt wogten die Massen des Volkes aus und nieder. Kopf an Kopf gedrängt, Greise und Kinder, Männer und Frauen, Sklaven und Freigelassene und allerlei junges Volk, das sich die Zeit des Wartens mit allen erdenklichen Scherzen und losen Reden zu vertreiben suchte. Erzählte man sich ja schon seit Wochen von den vielen Wunderbaren, das der Herrscher heimbringe von seinen siegreichen Feldzügen. Und die schaulustige Menge reckte sich und drängte und schob unbarmherzig von einer Straße zur anderen, um nur 'ja von dem herrlichen Schauspiele nichts zu verlieren, das ihnen der Imperator heute bereiten würde. Jetzt ging eine Bewegung durch die wogende Menge und die rückwärts stehenden suchten mit aller Macht die Reihen zu durchbrechen, um an den Rand der Straße zu gelangen und Zeuge zu sein des glänzenden Einzuges, den der siegreiche Imperator seinen schaulustigen Römern heute bereitete. In fieberhafter Aufregung richteten sich die Blicke der harrenden Menge nach dem Marsfelde hin, da von jener Richtung her der kaiserliche Triumphzug seinen Weg zum Kapitol nehmen mußte. Da geht ein Wogen und Beben durch die Menge. Dumpfes Brausen verkündet das Nahen des kaiserlichen Zuges. Jetzt ließ sich auch schon vom Marsfelde her der schmetternde Klang der Hörner, der laute Lobgesang der ihren Helden feiernden Söldner vernehmen. Und wirklich sah man jetzt schon die Vorboten des glänzendes Zuges. Da zogen in ihrer weißen purpurverbrämten Toga, barhäuptig mit roten Schuhen die Senatoren Roms vorbei, gefolgt von einem Heere von Priestern und kaiserlichen Beamten. Ihnen folgten in langen Reihen die vornehmen Römer. Nun schritten die Legionäre vorbei, die auf hoch erhobenen Tafeln die Bilder der eroberten Städte und Landschaften trugen. Dann kamen wieder andere reich beladen mit den Erzeugnissen fremder Länder, mit riesigen Gold- und Silberbarren und kostbaren persischen Geweben und mit alten heiligen Silbergeräten und Altären aus den Tempeln der Juden. Da blitzten im goldenen Sonnenlichte die Helme und Lanzen der Legionen, die ihren kaiserlichen Heerführer mit lautem Gesang feierten.