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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1904-12-23 · Heft 52 (23.12.1904) · p. Seite 617

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
68 (1904)
Issue
Heft 52 (23.12.1904)
Date
1904-12-23
Page
Seite 617 (sequence 5)
Language
German
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Regierung zu tun? Das erste, was meiner Ansicht nach geschehen müßte, wäre, daß wir uns vermittels unserer Konsulate genaue Informationen verschaffen über die Anzahl, den Stand und die Stellung der überall zerstreut lebenden spanischen Juden. Wir haben dafür zu sorgen, daß sich in den Ländern ihves jetzigen Aufenthalts literarische Vereine und Gesellschaften bilden, welche bei ihnen die Liebe zur spanischen Sprache nähren und erhalten. Durch die Sprache vermögen wir alsdann wichtigere und bedeutungsvollere Ziele zu erreichen. Der Graf de Cafa Valencia, der nach Pulido das Wort ergriff, bemerkte, daß die spanischen Juden im Orient dasjenige Spanisch reden, welches gegen Ende des fünfzehnten Jahrhunderts, als ihre Ahnen das. Land verlassen mußten, in Kastilien gesprochen wurde, daß sie spanische Zeitschriften in hebräischen Lettern haben und daß er selbst das Neue Testament in spanischer Uebersetzung in hebräischen Typen besitze. Zum Schluffe versprach der Minister Graf de San Bernardo . die von dem Senator Pulido vorgeschlagenen statistischen Tabellen anfertigen zu lassen, nicht bloß um zu wissen/" wie viele Personen im Orient noch die schöne Sprache Cervantes' reden, sondern auch um zu erfahren, an welchen Orten eine größere Anzahl von spanisch redenden Personen, beziehungsweise Juden sich befinden, um in denselben spanische Schulen ins Leben zu rufen. Das mannhaste Eintreten für die spanisch redenden Juden im Orient wurde von mehreren erleuchteten Spaniern, denen das Staatswohl am Herzen liegt, als eine, patriotische Tat freudig begrüßt. Einer der ersten, der Herrn Pulido seine Glückwünsche sandte, war der General-Direktor der Akzise, D Juan B. Sitges in Madrid, der sich schon vor mehreren / Jahren wegen der Spaniolen in Serbien und Bulgarien an mich gewandt hatte. Sitges gab sich der Hoffnung hin, daß, wenn die spanische Regierung die angeregte Angelegenheit ' ernstlich in die Hand nehme, die angestrebte Verbindung mit den Juden im Orient dem Staate zunächst in merkantiler Beziehung von großem Vorteile sein würde. . Die Spaniolen nahmen die Kunde von Pulidos Projekten und Absichten mit großem Jubel auf. Aus Wien, aus Serbien, Rumänien, aus der Türkei, aus Marokko und Tanger erhielt er Gratulationen und Beifallskundgebungen. Einer der ersten, der ihn beglückwünschte, war E. Bejarano, der gelehrte Direktor der spanisch-jüdischen Schule in Bukarest, und der frühere BanÄer L. Ascher, der ihm seine und seiner Kinder Biographie mitteilte. Aus Konstantinopel schrieben ihm: der Vize-Admiral Elias Pascha, der Leibarzt des Sultans,' Moses del Medico, der Sekretär im Ministerium der kaiserlich-ottomanischenMarine, und der Advokat D. Russo, der Rechtskonsulent des spanischen Konsulats in Konstantinopel. Von besonderem Interesse sind die Briefe eines angesehenen Juden in Tanger, namens Pinhas Asahag. Aus denselben ergibt sich, daß die Juden in Tanger, Tetuan, Arcilla, Larache, Alcazar, Mazagan u. a. nicht selten mehrerer Sprachen kundig, doch mit Vorliebe sich des kastilianischen Idioms bedienen. „Wir sind," schreibt er,' „ganz und gar d - Spanier, in unseren Neigungen, Enrpfindungen und Gefühlen. In unseren Adern rollt spanisches Blut. Wir denken und fühlen spanisch, unsere gottesdienstlichen Vorträge werden in spanischer Sprüche gehalten. Unsere Hochzeiten werden noch heute gerade so vollzogen, wie zur Zeit, als unsere Ahnen in Spanien-wohnten. Spanien ist unser Vaterland, ist das gesegnete Land, in dessen Boden die. irdischen Reste unserer Vorfahren ruhen. Die Inden haben vergessen, wie grausam und unmenschlich sie dort verfolgt und gemartert wurden; sie wissen, daß das Spanien des zwanzigsten Jahrhunderts nicht das > Spanien der Inquisition ist." Die verschiedenen Zuschriften und die mündlichen Unterredungen mit den spaniolischen Juden lieferten Pulido den Beweis, daß die Juden im allgemeinen keinen Groll gegen Spanien im Herzen tragen, vielmehr jede Gelegenheit gern ergreifen würden, der alten Heimat Dienste zu leisten, und nicht abgeneigt wären, nach Spanien zurückzukehren. Alle in der spanischen Judenfrage an ihn gerichteten Briefe, sowie ein von Antonio de Zahas in Konstantinopel verfaßtes statistisches Memoire über die spanischen Juden in der Türkei sammelte Pulido in dem mehr erwähnten Buche/ von dem er mehrere Kapitel, sowie den hier wieder abgedruckten Bericht über die Schulen der „Alliance Israelite Universelle" schon früher in der Zeitschrift; Ilustracion Espanola y Americana (1904 No. 6 ff.) veröffentlicht hat. Zum Schluffe seines mit Illustrationen ausgestatteten Buches berührte der Senator noch die soziale und politische Stellung der spanischen Juden in den verschiedenen Ländern ihres Aufenthalts. Der Adel ihrer Gesinnungen, die Schönheit der spanischen Jüdinnen kann er nicht genug rühmen. „Mit den Nachkommen der vor jetzt vierhundertundzwölf Jahren aus dem Lande vertriebenen Juden, welche die alte Heimat lieben, ihre Sprache und Literatur pflegen, welche sich durch strenge Redlichkeit, Arbeitsamkeit, Milde und Intelligenz überall auszeichnen, mit ihnen," sagt Herr Pulido, „müssen wir uns zum Wohl des Staates wieder Vereinen." Wie aber verhält sich zu.dieser gewünschten Rückkehr in die Heimat die Religion? Jeder Stamm und jedes Volk lebe treu seinem Glauben, ist die Antwort, welche Pulido erteilt. „Die Spanier gelten für eine streng katholische Nation; könnte man aber'ein genaues Verzeichnis der überzeugungstreuen Katholiken liefern, so würde sich das Resultat ganz anders stellen. Wie jede zivilisierte Nätion, duldet Spanien jetzt jeden Kultus, und wie es evangelische Kapellen gibt, in welchen, unter dem Schutze unserer Konstitution Gottesdienst abgehalten wird, so können auch andere Kulte sich ihre Tempel errichten".. Bald nach dem-Erscheinen dieses in mehrfacher Beziehung interessanten.Buches, das, wie wir in einem andern Artikel darlegen werden, die spanischen Journale vollauf beschäftigt hat, erhielt ich aus Barcelona eine empfehlende Ankündigung desselben. Dort steht auf der ersten Seite dieses mit dem „Mögen David" gezierten Quartblattes mit großen Buchstaben: „Vuelta de los Judios ä Espano“. „Rückkehr der Juden nach Spanien. Verdient Spanien eine solche 'Ehre, nachdem es die Juden grausam und ungerechter Weise vertrieben, durch die Inquisition verfolgt und das Verbannüngsedikt noch nicht widerrufen hat?" Es ist dies das Produkt eines Missionärs, das keine weitere Beachtung verdient. Bus meinem Mewyorker Tsgebuche. Von Professor Dr. G. Deutsch in Cincinnati. aller Stille habe ich am 13. August 1903 mein fünfundzwanzigjähriges Jubiläum' als Mitarbeiter der „Allgemeinen Zeitung des Judentums" gefeiert. An diesem Tage erschien nämlich eine von mir geschriebene Korrespondenz, die dem Lemberger „Israelit",- Organ des Vereins „Schomer Israel" entnommen war, für den ich - damals aus Breslau Korrespondenzen lieferte. Mein Jubiläum wurde nicht bemerkt. Kein Festartikel in der grüngeschmückten Zeitung, nicht der grünste Lorbeerkranz aus dem zahlreichen Kreise der dankbaren Leser, und von Seiten des Redakteurs nicht der Funke von einen: Funkentelegramm. Ich wundere mich tatsächlich nicht,

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