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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1904-12-16 · Heft 51 (16.12.1904) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
68 (1904)
Issue
Heft 51 (16.12.1904)
Date
1904-12-16
Page
[Seite] (sequence 13)
Language
German
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Berlin, 16. Dezember 1904 Der Oemeindebote. . Vetlage zur „Allgemeinen Leitung de§ Judentums" Lorrrlpondrn?en und Kschrichten. Deutschland. s. Berlin, 10. Dezember. Im „Verein für jüdische Geschichte und Literatur" sand am 7. d. M. eine Gedächtnisseier für Moses Maimonides statt. Eingeleitet wurde diese durch ein von Herrn William Wolf gespieltes Präludium. Hieraus sang der Chor das bekannte Lied von Rosenfeld: „Was vom Staub, geht hin zum Staube" in sehr wirkungsvoller Weise. Die Gedächtnisrede hielt der Redakteur dieses Blattes. Den Schluß bildete die Chanukah-Hymne, die von der ganzen Versammlung gesungen wurde. Die Feier machte auf das sehr zahlreich erschienene Auditorium einen würdigen Eindruck. — Aus den auswärtigen Literaturvereinen: In Tilsit sprach Dr. Ehrlich über »Die Makkabäerzeit"; in Danzig Dr. I. Lewy über „Kulturarbeit im Judentum"; in N eusta dt i. N. Dr. med. Heise über „Die geistige Tätigkeit der Juden vom 1. bis zum 6. Jahrhundert"; in Nakel Dr. Elsaß-Landsberg a. W. über Karl Emil Franzos als Dichter des podolischen Ghettos; in Hamburg Assessor Dr. Friedemann über „Land und Leute in Palästina"; in Bernburg Schriftsteller Alb. Katz über „Lord Byrons Hebräische Melodien"; in Leipzig Professor Dr. Klein-Stockholm über den Propheten Hosea; in Dortmund Fräulein Leonie Meyerhoss-Hildeck über „Heimatskunst und Stammesbewußtsein"; in Neuwied Dr. Niemirower-Jassh über „Die Juden des Ostens und des Westens"; Lehrer Julius Ransenberg über den Propheten Amos, in Mainz Dr. Niemirower über „Die Juden im 19. Jahrhundert"; in Mannheim Dr. Unna über „Historisches und Kulturhistorisches in den Gutachten der Rabbinen"; in Nixdorf bei Berlin Schriftsteller Albert Katz über den Talmud. 8. Berlin, 12. Dezember. Die heutige Generalversammlung des „Liberalen Vereins für die Angelegenheiten der jüdischen Gemeinde zu Berlin" war außerordentlich stark besucht, unserer Schätzung nach waren mindestens 300 Personen anwesend, eine Zahl, die der Verein in seinen Generalversammlungen noch nie erreicht hat und die doch einen Beweis dafür gibt, daß das für die Angelegenheiten der Gemeinde durch die diesmalige Wahl erweckte Interesse noch nicht im Sinken begriffen ist. Der Vorsitzende des Vereins Herr Justizrat Breslauer gab, nachdem er in herzlichen Worten des Dankes der außerordentlich rührigen Tätigkeit besonders des Herrn Benas Levy und aller Bezirksvorsteher und Vertrauensmänner gedacht, einen umfassenden Bericht über das Wahlergebnis' Er betonte, daß es noch niemals dem Liberalen Verein gelungen sei einen so hohen Prozentsatz an liberalen Stimmen zu erreichen wie bei dieser Wahl, obwohl die Steigerung der Zahl der Wähler nur um 1,40/o gestiegen sei. Zum Siege habe ja die veränderte Organisation in der Wahlarbeit gewiß beigetragen, nicht zum wenigsten aber der Geist der Engherzigkeit und Unduldsamkeit der in den letzten Jahren unter konservativem Regime in die Repräsentanten-Versammlung eingedrungen sei, jener Geist, zu dessen Bekämpfung es des energischen Einschreitens der liberalen Repräsentanten bedurft hätte. In treffender Weise kritisierte der Redner die Art des Wahlkampfes, wie sie von gegnerischer Seite durchgeführt wurde, ihre Ablehnung aller Kompromißverhandlungen, und erörterte alsdann diejenigen Fragen, die für die Zukunft den Gegenstand liberaler Tätigkeit bilden müssen, das ist: Errichtung der drei als notwendig anerkannten Synagogen, im äußersten Westen, im Nordwesten und Südosten, weitere Ausdehnung des jüdischen Religionsunterrichtes an den höheren Schulen, Ausgestaltung des Unterrichts in jüdischer Geschichte und energische Zurückdrängung aller rückschrittlichen Maßnahmen. Nachdem er noch einen eventuellen Protest gegen die Gültigkeit der Wahl — bekanntlich sollte 1500 Wählern das Wahlrecht entzogen worden sein — als gesetzlich unzulässig wie auch tatsächlich unrichtig zurückgewiesen hatte, schloß er sein mit lebhaftem Beifall aufgenommenes Referat, indem er alle liberalen Wähler in begeisternden Worten dazu aufrief, die liberalen Ideen in der größten und ersten Gemeinde Deutschlands wach und rege zu erhalten. Im Anschluß daran entspann sich eine sehr lebhafte Diskussion, an der sich auch die Repräsentanten Syndicus Dr. Minden und der etwas später erschienene, mit jubelndem Beifall begrüßte Stadtverordnete Louis Sachs beteiligten. In dieser Diskussion nahmen Fragen der Taktik den breitesten Raum ein. Der Anregung, die bisherigen Bezirksvorstände zu einer dauernden Organisation zu gestalten und die einzelnen Bezirke über alle Maßnahmen in der Verwaltung auf dem laufenden zu erh alten, stimmte der Vorstand des Vereins zu. Dagegen lehnte er es ab, eine eigene liberale Zeitung zu gründen, und empfahl in dieser Beziehung, auf die „Allgemeine Zeitung des Judentums" zu abonnieren, die in exakter Weise über die Repräsentantenversamm-, lungen und alle in der Verwaltung erfolgenden Neuerungen berichtet. Herr Louis Sachs gab unter lebhaftem Beifall die Versicherung ab, daß die liberalen Repräsentanten nach besten Kräften bestrebt sein werden, die liberalen Ideen zu fördern, weil eben alle liberalen Repräsentanten überzeugt seien, daß das Judentum nur auf dem Wege des Fortschritts bestehen könne. — Der glänzende Verlauf der Generalversammlung hat dem Liberalen Verein eine stattliche Zahl von neuen Mitgliedern zugeführt, deren Zahl durch die Errichtung einer eigenen Agitationskommission und durch persönliche Agitation noch gesteigert werden soll. Hoffen und wünschen wir, daß die Siegesfreude nicht so bald wieder verrauschen und dem leidigen Jndifferentismus wieder eine dem Gedeihen der Gemeinde so wenig förderliche Stätte errichtet werden möge. Berlin, 3. Dezember. Der „Verband der j üdischen Lehrervereine im Deutschen Reiche" veröffentlicht soeben den Bericht über seine Tätigkeit in den Jahren 1902 bis 1904. Der Verband ist in diesem Zeiträume, nachdem der „Verein israelitischer Lehrer" und die „Vereinigung israel. Religionslehrer und -Lehrerinnen" zu Frankfurt a. M. und der „Verein israel. Lehrer und Vorsänger Württembergs" mit 60 Mitgliedern sich ihm angeschlossen haben, auf 20 Vereine mit über 1100 Mitgliedern angewachsen. Der Bericht hebt hervor, daß es den Bemühungen des Verbandes zu verdanken ist, daß die jüdische Lehrerbildungsanstalt zu Berlirr die Berechtigung erhalten hat, ihren Abiturienten das Zeugnis zum einjährig-freiwilligen Militärdienste auszustellen. Der Bericht verzeichnet ferner die Einsetzung einer Kommission, welche prüfen soll, ob sich die Schaffung der Normaltypen für die hebräische Druckschrift ermöglichen läßt. Die Kommission hat am 26. September in Frankfurt getagt und kam zu dem Ergebnis, daß sich die Schaffung von Normaltypen, welche sich dem Charakter des bisherigen Alphabetes nach Möglichkeit anpassen, aber jede Verwechslung der einzelnen Buchstaben ausschließen, ermöglichen lassen wird. Der dritte Verbandstag wird am 27. und 28. d. M. in Kassel stattfinden. s. Berlin, 12. Dezember. Im Jüdischen Mädchenstift fand am 5. Dezember anläßlich der Chanukah - Feier im Beisein des Vorstandes und einer Reihe von Freunden der Anstalt neben der üblichen Bescherung auch eine Prämienverteilung für treue Pflichterfüllnng im Dienste statt. Unter den bisher im ganzen aus dem Stift entlassenen 64 Zöglingen sind 13, welche sich zwei bis acht Jahre lang in derselben Dienststellung bewährt haben, die Prämien zuerkannt worden, ein Erfolg der am deutlichsten für die ersprießliche Wirksamkeit der immer noch nicht nach Gebühr gewürdigten und unterstützten Anstalt spricht. Gesänge und andere Vorträge eröffneten und beschlossen die Feier, bei welcher der Vorsitzende Direktor Dr. Strelitz eine eindrucksvolle Ansprache an die versammelten gegenwärtigen und ehemaligen Zöglinge hielt. — Königsberg i. Pr., 2. Dezember. Den Höhepunkt der zweihundertjährigen Jubelfeier des Israelitischen Vereins für Krankenpflege und Beerdigung bildete der Festgottesdienst. der am 27. v. M. in der Neuen Synagoge stattfand. Das Gotteshaus bot in seiner schönen, Geschmack und Zweckmäßigkeit verbindenden

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