Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 68 (1904)
- Issue
- Heft 51 (16.12.1904)
- Date
- 1904-12-16
- Page
- Seite 610 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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$ “-- 610?i'.• ■■■<■;■ ■ ■ ,; ■*■•'* ■■■■■- U': - . Lump, der z. B. ‘ mit einem Falschspieler Halbpart macht, jE/' um feinem Vater das Geld ans der Tasche zu ziehen: seine W Töchter Aeffinnen, die u. a. den Vater in unwürdigster Weise l- ' behandeln. Daß es all diesen Personen schlecht ergeht, erv> fhärt der Leser mit einer gewissen Freude: Herr Tulpenthal wird, da er von der Taufe zurückkehrt, verwundet, sein Sohn &. wird im Duell erheblich verletzt, die ältere Tochter verliert ' ihren Gatten, nachdem dieser sie roh behandelt und ihr Geld - durchgebracht hat, die jüngere wird von einem Adligen ent- - > ehrt und muß sich freuen, einen häßlichen, spitzbübischen, aber 4 ' unendlich schlauen Juden zum Gatten zu erhalten. Doch ' der Roman, der nach diesem ehrenwerten Familienhaupt 4, , seinen Titel führt, behandelt ihn keineswegs nur allein, sondern als Gegenbitd gegen diese recht widerlichen, Juden - schildert er wirklich ehrenwerte: den Buchhalter Rosenstein, der seinem Chef stets gründlich seine Meinung sagt und die Schurkereien seines Prinzipals gut zu machen sucht, dessen treffliche Gattin und den Sohn, einen Maler Paul, einen großen Künstler und vortrefflichen Menschen. Dieser, nachdem er flott gelebt und nur ganz äußerlich dem Judentume angehört hatte, wird durch die Liebe zu einer schönen Jüdin - Miriam und durch die Entrüstung über die Jämmerlichkeit der Tulpenthalffchen Familie zu einem frommen Juden und — Zionisten. Daß er die Miriam heiratet, die nicht bloß schön ' sondern auch reich ist, scheint für die Entwicklung des Romans weniger wichtig als daß er an der Spitze der Judenschaft eines Dorfes, in dem er sich als Gast aufhält, die auf die Juden gehetzten gräflichen Diener, Bauern und Tagediebe zurückschlägt, viele verwundet und manche tötet.; - Wollte ich mich in Zorn reden, so müßte ich sagen, daß ich den von den Juden bei dieser Gelegenheit, angewendeten Schlachtruf: Schma Israel geradezu für eine Blasphemie Halte; da ich indessen gelassen bleiben will, so kann ich nur bemerken, daß ich die Ansicht des Verfassers: nur mit Gewalt könne sich der Jude durchkämpfen, eine Assimilation mit Christen und Deutschen sei nicht möglich, für recht verkehrt halte. Trotzdem bekenne ich, daß die Schilderung der Tulpenthale auf der einen Seite, auf der andern die der frommen, noch ganz im alten jüdischen Wesen und Unwesen steckenden kleinen Dorfgemeinde recht gelungen ist. Einzelheiten, wie die Schilderung der alten Großmutter, die Charakteristik der älteren Tochter Tulpenthals, die aus dem Schmutz heraus sich nach reinerer Luft sehnt, haben einen eigenen Poetischen Reiz. Der Verfasser, der schon seit drei Jahrzehnten als - Journalist und Romanschriftsteller tätig ist, erzählt gewandt; trotz mancher Abschweifungen, z. B. einer Verherrlichung des gegenwärtigen deutschen Kaisers (S. 199), einer kleinen Vorlesung über Lässalle und das Judentum (S. 202) und trotz der allen Bemühungen zum Tort auseinandersallenden Doppelr Handlung: Tulpenthal und Rosenstein, weiß er das Interesse des Lesers festzuhalten. Aber er müßte viel sorgfältiger aus sein Deutsch achten: im Gebrauch der Tempora, in der An- . Wendung des Indikativs und Konjunktivs ist er geradezu undeutsch; Wendungen wie die folgenden: „Ich verbiete mir derlei Scherze", oder Wortstellungen z. B. „Selig fand das Wort nicht sogleich", „dann behalten Sie sich sie", „nein, ich bin mehr kein schlechter Jude" würden einem Schuljungen als grobe Schnitzer angestrichen werden. -Wür in den bisher behandelten Büchern die Judenfräge die Hauptsache, spielten daher die Juden in den Romanen die erste Rolle, so ist in Seligers „Stürmer"^) der Jude nur eine Ewald Gerhard Seliger: Der Stürmer, eine Geschichte aus Schlesien. Berlin, Egon Fleischel & Comp. 1904. Nebenperson: der Hausierer Jeitel Abeles. Was von ihm erzählt wird, ist eben nicht weit 'her. . Er wird einmal von Stürmer gerettet, zeigt sich, nachdem er jenen zuerst' zu verleugnen versucht, dankbar dadurch, daß er ihm Rock, Hut, Halstuch für den Selbstkostenpreis verkauft. Die ganze Art, wie dieser Hausierer geschildert wird, der sich eine Zeitlang einbildet, Reisemarschall eines von Zeit zu Zeit trunkenen Bauers zu werden, die Mischung von Schlauheit, Familiensinn, Unverfrorenheit und Feigheit, unermüdlicher Tätigkeit und der Lust, auch einmal ohne Bezahlung zu einem guten Trunk zu kommen, ist so echt, daß man sie als ein Kabineitsstück bezeichnen kann. Ob der Verfasser Jude ist oder war, ist mir unbekannt, in der ganzen Art seiner Schilderung findet sich keine Spur von. antijüdischer Gesinnung. E25JXS Die Lailerin des Nltrns. Historische Novelle von Eduard Roth. Villa. alte Samuel war schon daheim in Thayaskus, hatte die Lichtlein zum Chanukahfeste entzündet und die heim-' gekehrte Tochter wieder väterlich ausgenommen, hatte freudigen Stolzes voll der versammelten Gemeinde Künde von der Erlösung aus schmachvollen Händeln gebracht und war tiefbetrübt den Eltern gegenüber getreten, die ihm den Sohn vertraut, ' dem jetzt ihre Totenktage galt. lieber Palmyra aber, das paradiesische Land,-waren nun böse Tage hereingebrochen. Wohl hatte die tapfere Königin an der Spitze ihres Heeres den Römer bezwungen und in einem siegreichen Treffen, wo überall in der dichtesten Reihe der Kämpfenden die hohe Gestalt der Königin sichtbar war, den Feind in die Flucht geschlagen. Allein die Ruhe währte nicht gar zu lange und bald nach der gewonnenen Schlacht, nachdem sich ein Teil des Heeres nach Aegypten begeben, um die dortigen Unruhen zu bekämpfen, hatte Aurelian wieder seine Streitkräfte gesammelt und gar bald erdröhnte der Boden der Wüste unter dem Tritte seiner eisengepanzerten Legionen. Schon bezeichneten große Verluste für die Königin seinen Siegeslauf, Ankyra war gefallen, Tyana hatte selbst dem Sieger die Tore geöffnet, und nun stand der Kaiser vor den Wällen von Palmyra. Und wahrlich, in diese gut befestigte, von einer tapferen ' Besatzung mannhaft verteidigte Stadt sollte ihm der Einzug nicht gelingen. Todesmutig verteidigten die palmyrenischen Krieger die Residenz ihrer Königin und zahllos waren die Opfer, die unter ihren von den Festungsmauern herabgeschleu- { derten Feuerwaffen und Steingeschossen sielen. Allein auch die Palmyrener erlitten starke Verluste und die Römer streckten eine ungeheure Zahl der mutig ihre Stadt verteidigenden Krieger nieder. Trotz der großen Verluste, die sie bereits erlitten, trotz langen aufreibenden Kampfes beseelte wahrer Heldenmut die Truppen der Königin und wenn auch durch die lang an- . dauernde Belagerung der Stadt alle Zufuhr von Lebens- Mitteln und Handelsartikeln abgeschnitten war, so bot dies noch immer keinen Anlaß, an den endlichen Sieg zu glauben und fortzufähren in, der heldenmütigen Verteidigung der Stadt. Waren ja in dem so blühenden, reichgesegneten