Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 68 (1904)
- Issue
- Heft 50 (9.12.1904)
- Date
- 1904-12-09
- Page
- Seite 3 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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v. Mackensen, Major Clifford Cocq v. Breugel, Herr Brigadeadjutant Oberleutnant: Schmidt v.Altenstadt, Leutnant Douglas sowie ein Wachtmeister und acht Sergeanten bezw. Unteroffiziere vom 1..Leibhusarenregiment folgten der'Bahre, denn 55 Jahre lang hat der nun Verstorbene mit seinen lieben ersten Husaren in Geschäftsverbindung gestanden. Wo es nur je die Equipierung eines jungen Offiziers oder sonst eines: Avanzierten galt, da war es der „alte Rosenberg", der jederzeit hilfreich mit Rat und Tat beisprang. Rabbiner Dr. Freudental nahm in seiner Trauerrede in ergreifenden Worten auf die hohe Liebe und Wertschätzung, Bezug, die sich der Verewigte in allen Gesellschaftskreisen zu erwerben und zu erhalten gewußt hat. Als Herr v. Mackensen von der schweren Erkrankung des Rosenberg Kenntnis erhalten hatte, da ließ er es sich nicht nehmen, einen seiner Offiziere an das Krankenlager des alten Mannes zu senden, dem eine Ordonnanz mit stärkenden Lebensmitteln, Wein rc. folgte. Welcher Beliebtheit und Verehrung sich der Verstorbene bei dem ersten Leibhusarenregiment erfreute, das zeigte sich so recht anläßlich seiner goldenen Hochzeit am 30. April 1900. An diesem Tage erschienen drei höhere Offiziere als Deputation des ersten Leibhusaren- Regiments in der Wohnung des Jubilars und überbrachten die Glückwünsche des Regiments sowie ein wertvolles Geschenk. Viele Offiziere gratulierten ihrem treuen Berater persönlich. Am genannten Tage überreichte ihm -auch der Rabbiner die ihm vom Kaiser verliehene Jubiläumsmedaille. i. Cssen, 4. Dezember. Unter allgemeiner Teilnahme weiter Kreise feierte gestern der allgemein geschätzte Vorsteher unserer Gemeinde, Herr Jsaac S. Hirschland sein 25jähriges Amtsjubiläum. Der Jubilar genießt als Chef eines alten bedeutenden Bankhauses wegen seiner strengen Rechtlichkeit und seines praktischen, weitschauenden Blicks in weiten Kreisen hohes Ansehen und besondere Wertschätzung. Mehreremale wiedergewählt, vertritt er seit dem Jahre 1892 die liberale Partei im Stadtverordnetenkollegium, in welcher Eigenschaft er eine äußerst rege Tätigkeit entfaltet, stets jedoch die Interessen seiner Gemeinde wahrend. Selten eine Sitzung versäumend, ist er auch als Mitglied des Schulvorstandes der israel. Gemeindeschule, der städtischen Schuldeputation, des Kuratoriums der höheren Schulen, der Finanzkommission, der Sparkassenverwaltung usw. eine arbeitssrohe und geschätzte Kraft, die durch den bevorstehenden Shnagogenneubau noch mehr als bisher in Anspruch genommen wird. Die Feier begann schon am Freitag Abend in der Synagoge und setzte sich am folgenden Morgen fort. Dr. Samuel hielt eine Festpredigt, in der er die Verdienste des'Jubilars in treffender Weise feierte. Hierauf fanden im Hause die Gratulationen statt. Herr Herz L. Hirschland überreichte als Vorsitzender der Repräsentation der israelitischen Gemeinde dann eine aus der Gemeinde hervorgegangene Stiftung von 5000 Mk., deren Zweck er bestimmen und die den Namen Isaak.Simon Hirschland-Stiftung tragen soll. Redner wies auf das reiche und segensreiche Wirken des Gefeierten bin, der nicht nur unter seinen engern Glaubensgenossen, sondern in der. ganzen Stadt geehrt sei. Er überreichte ferner ein kostbares Album mit den Bildern des Vorstandes und des Repräsentantenkollegium. Der Jubilar lenkte den Dank von seiner Person auf seine treuen Mitarbeiter im Dienst der Gemeinde, und versprach, wie bisher, so auch für die Zukunft seine Kraft einzusetzen. Namens des Schulvorstandes sprach Herr Hermann Herz, Herr Hauptlehrer Graf im Namen des Beamtenkörpers der israelitischen Gemeinde, namens des Frauenvereins Frau Blumenfeld, Rabbiner Dr. Samuel im Namen des deutsch-israelitischen Gemeindebundes und des Vereins für jüdische Geschichte- und Literatur, Rechtsanwalt Abel namens des Vereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens, Herr S. Rosenbaum.für den Hilfsverein deutscher Juden, Herr Lehrer Kaufmann im Aufträge des Vereins zur Abwehr des Antisemitismus und Dr. Cohen für den Verein für Ferienkolonien für israelitische Kinder usw. Herr Hirschland dankte allen Rednern in herzgewinnenden Worten. Als Vertreter der Stadt erschien Oberbürgermeister Zweigert. Er erinnerte an das emsige, unermüdliche Wirken des Herrn Hirschland im Dienste seiner Gemeinde und .der Stadt und gab dem Wunsche Ausdruck, daß es ihm vergönnt.sein möge„ auch bei der^ Vollendung des neuen von dem Jubilar geförderten' Werkes,. bei der Einweihung der neuen I Synagoge, diesem die Hand zu drücken. Herr Hirschland dankte tief-! bewegt und wies aus das stete Wohlwollen hin, das der Oberbürgermeister in feinem strengen Gerechtigkeitsgefühl stets der israelitischen Gemeinde bezeugt habe. —< Zu der in der Gemeinde gesammelten Stiftung von 5000 Mk. haben Syndikus Dr. Minden und Frau in Berlin noch weitere '1000 Mk. gestiftet. Möge es dem verehrten Jubilar vergönnt sein, noch viele Jahre in steter Gesundheit seines Amtes wie bisher zu walten. 1 Wiesbaden, 1. Dezember. Der siebzigste Geburtstag des Herrn Bezirksrabbiners Dr. M. Silberstein wurde am 21. v. M. hier in wahrhaft festlicher Weise gefeiert. Mehr als 40 Jahre ist der Jubilar im Amte in mehreren Gemeinden, hauptsächlich Süddeutschlands, davon über 20 Jahre in Wiesbaden. — Schon am Vorabend würde dem verehrten Jubilar vom Männerchor des Synagogengesangvereins ein Ständchen gebracht. Am nächsten Morgen waren die Kleinen, eine Schülerschar mit ihrem Lehrer Herrn Capell an der Spitze, die ersten. Sie überreichten unter freier und gebundener Rede ein sinniges Geschenk. Gegen 11 Uhr erschienen sämtliche Lehrer des Bezirks Wiesbaden, an der Spitze eine Deputation des Vereins israelitischer Lehrer im ehemal. Herzogtum Nassau, bestehend aus den Herren Nußbaum und Capell-Wiesbaden, Alt-Diez und Oppenheimer- Hademar. Zunächst überbrachte der Vorsitzende Herr Kantor Nußbaum die Gratulation des Vereins und brachte eine von: Schriftführer Capell verfaßte künstlerisch ausgestattete Adresse zur Verlesung, in der die Verdienste des Gefeierten in gebührender Weise genannt waren. Sodann übermittelte der Redner die Wünsche der Lehrer seines Bezirks, > welche eine'Prachtbibel und ein künstlerisch angeordnetes Bild mit Staffelei überreichten, welches die sämtlichen Photographien der Spender aufweist. Tief gerührt bezeichnete Herr Dr. Silberstein diesen Augenblick als den Lichtpunkt dieses ihn so beglückenden Tages. Er (Dr. S.) habe nie begreifen können, wie Rabbiner und Lehrer, welche doch an demselben Werke arbeiten, in Gegensatz treten konnten. Sodann sprachen noch die Herren Lehrer Alt und Oppenheimer namens der Bezirke Ems und Weilburg. — Später erschien eine Deputation des Shnagogengesangvereins mit dem Vorsitzenden Herrn Benedikt Strauß an der Spitze, welcher die Glückwünsche seines Vereins beredten Ausdruck'verlieh. Herr Rabbiner Dr. Plaut-Frankfurt a. M. war von dem „Verband der liberalen Rabbiner im Deutschen Reiche" entsandt und brachte außerdem auch namens der „Allianze israelite universelle" ein künstlerisch ausgestattete Adresse zur Verlesung, in welcher der Jubilar in schönster Weise gefeiert wurde. Gegen 12 Uhr erschien eine Abordnung des Vorstandes der Israel. Kultusgemeinde Wiesbaden, bestehend aus dem 1. Vorsteher Herrn Stadtverordneten S. Heß, : Herrn Rechtsanwalt Dr. Seligsohn und Herrn Großhändler Simon. Die Gemeinde übersandte ihrem Seelsorger einen kostbaren silbernen Tafelaufsatz. Zuletzt verlas noch Herr Gemeindesekretär Benedikt Strauß eine vom „D. I. Gemeinde-Bund" übersandte Adresse, deren glänzende Abfassung und Ausstattung besonderes Aufsehen erregte. — Am Nachmittage vereinigte Herr Dr. Silberstein die Deputationen und Lehrer zu einem Diner im Hotel Kronprinz, welches, durch ernste und heitere Reden gewürzt, einen schönen Verlauf nahm. Dabei gelangten auch die eingelaufenen Telegramme, über 100, zur Verlesung, darunter u. a. auch ein solches von.Rabbiner Prof. Dr. Maybaum namens des Deutschen Rabbinerverbandes. Die Feier fand ihren Abschluß am letzten-Sabbat in der Synagoge. Möge Herr Dr. Silberstein noch lange Jahre in Frische und Gesundheit seines hehren Amtes walten zum Wöhle seiner Gemeinde! — t. München, l. Dezember. Das königl. Staatsministerium des Innern für Kirchen- und Schulangelegenheiten hat verfügt, daß ab 1. Januar 1905 die israelitischen Schüler der drei untersten Klassen des königl. Ludwigsgymnasiums gemeinschaftlichen Religionsunterricht in den Räumen des königl. Ludwigsghmnasiums erhalten, nachdem bei den enormen Entfernungen der einzelnen Münchner Gymnasien der Weg insbesondere vom Theresiengymnäsium in das Wilhelmsghmnasium, wo der israelitische Religionsunterricht bisher ausschließlich erteilt wurde, ein für jugendliche Schüler unverhältnismäßig anstrengender ist. Die neuen sechs Unterrichtsstunden werden aus etatmäßigen Mitteln bestritten. 1?. Vtngsbübg, 2. Dezember. Am 13. v: M. wurde hier unter - überaus großer Beteiligung der Justizrat Jsak Herzfelderzur! ewigen Ruhe gebettet, ein Mann, der zu den geistigen Größen hiesiger