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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1904-12-09 · Heft 50 (9.12.1904) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
68 (1904)
Issue
Heft 50 (9.12.1904)
Date
1904-12-09
Page
[Seite] (sequence 13)
Language
German
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#8. Jahrgang. No. 50. 0|*^ Berlin, 9. Dezember 1904. Beilage zur „Allgemeinen Leitung deß Judentums" korrrlpondkn?rn und Mschrichten. Deutschland. 8. Berlin, 4. Dezember. Die der heutigen, stark besuchten Repräsentantenversammlung vorgelegte Tagesordnung war eine reichhaltige. Vier Zuwendungen wurden gemäß den Vorschlägen des namens des Ausschusses sprechenden Referenten debattelos angenommen: ein Legat der im Juli d. I. verstorbenen Frau Mathilde Weigert im Betrage von 5000 Mark mit der Bestimmung, daß aus den aufkommenden Zinsen alljährlich einige jüdische Mädchen in Ferienkolonien geschickt werden; ein Legat der Frau Clara Boehm im Betrage von 12000 Mark an die Altersversorgungsanstalt in der Schönhauser Allee zur Errichtung einer Julius und Clara Boehm- Stiftung mit der Bestimmung, daß alljährlich am 1. August d. I. in dem Betsaale der Anstalt zum Andenken an ihren verstorbenen Gatten das Kaddischgebet verrichtet wird; ein Legat der Frau Therese Hirschberg geborene Jtzinger im Betrage von 900 Mark zum Zwecke der Erhaltung ihres Grabes sowie desjenigen ihres Mannes, und schließlich ein Legat der Frau Paul ine Caspary geb. Treuherz im Betrage von 1000 Mark zur Begehung ihrer Jahrzeitfeier. Die Vorlage betreffend Ermächtigung zum Abschluß eines Vertrages über eine Zuwendung des Rentiers Albert Wolf- Dresden an die Gemeindebibliothek wurde in die geheime Sitzung verlegt. — In der Oktobersitzung hatte die Repräsentantenversammlung den Antrag zum Beschluß erhoben, dem Deutsch-Israelitischen Gemeindebunde zum Zwecke der Einrichtung von Kursen zur Vorbildung akademisch gebildeter Lehrkräfte für den jüdischen Religionsunterricht an den höheren Lehranstalten einen Beitrag von 800 Mark zu bewilligen. Diesem Anträge hat der Gemeindevorstand aus den bereits in der erwähnten Sitzung mündlich erörterten prinzipiellen Gründen nicht zugestimmt; dagegen hat er beschlossen, den Gesamtbeitrag zürn Deutsch-Israelitischen Gemeindebund für die gegenwärtige Etatsperiode von 10000 Mark auf 10500 Mark jährlich zu erhöhen, womit sich die heutige Versanrmlung einverstanden erklärt. Es folgten dann mehrere Rechnungsabschlüsse pro 1903/04. Der Abschluß des II. Waisenhauses ergibt einen Ueberschuß von 83,33 Mark. Die Einnahmen betrugen 39972,40 Mark, die Ausgaben 39889,07 Mark.! Die Anstalt beherbergte im verflossenen Jahre teils 55, teils 56 Zöglinge. Jeder Zögling kostete durchschnittlich 721,97 Mark gegen 721,70 Mark im Vorjahre. Im Laufe des Jahres verließen die Anstalt sieben Zöglinge, einer, um in ein kaufmännisches Geschäft einzutreten, sechs, nachdem sie die Gesellenprüfung abgelegt hatten. Von den letzteren waren dem Berufe nach zwei Lederarbeiter, je einer Maschinenbauer, Tapezier, Schriftsetzer und Buchbinder. Acht Zöglinge der Anstalt traten in die Lehre und zwar je einer als Gärtner, Mechaniker, Kürschner, Klempner, Wagenbauschlosfer, Damenschneider, Musterzeichner und Mäntelschneider. — Das Hospital der jüdischen Gemeinde war im verflossenen Jahre voll belegt; es waren 96 Hospitaliten in der Anstalt. Der Gemeindezuschuß betrug 26 500 M., der Zuschuß der Stadt 12 000 M. 20 Hospitaliten wurden aus Kosten der jüdischen Gemeinde unterhalten. — Der Abschluß der Kommission für Friedhofsangelegen h eiten ergibt für den Friedhof in Weißensee eine Einnahme von 267 926 Mk. und eine Ausgabe von 213 281,75 Mk., somit einen Ueberschuß von 54 644,25 Mk. Als besondere Zahlen sind hervorzuheben: 1200 Mk. Spenden an: Grabe, 3400 Mk. Fundamentersparnis, an Gehältern entstanden 8000 Mk. Mehrausgaben. Es wurden 5017 Mk. niedergeschlagen, 26 577 Mk. an Beträgen für Armenbeerdigungen abgebucht und zwar für 360 Bestattungen, wobei die Sterbefälle in den Wohltätigkeitsanstalten inbegriffen sind. In: Berichtsjahre waren 1656 Beerdigungen, zu erledigen, eine Zahl, welche ungefähr derjenigen des Vorjahres entspricht. Der Referent, Herr Isidor Sachs, erwähnt, daß die Beamten in Weißensee aufs äußerste in ihrer Tätigkeit angespannt sind, und betont mit besonderem Nachdruck, daß infolge der sich stetig vergrößernden Entfernung der bisherigen Leichenhalle von den Gräbern der Vau einer.zweiten Trauerhalle zum dringenden Erfordernis geworden ist. Betreffs der Erledigung der zeremoniellen Formalitäten, wie auch der Würde des Bestattungsmodus sei niemals eine Klage laut geworden. Die Gärtnerei auf den: Friedhofe Schönhauser Allee, die sich bekanntlich in eigener Regie der Gemeindeverwaltung befindet, hat einen Mehrverbrauch von 7091 Mk. aufzuweisen, welcher in den oben erwähnten Ueberschuß mit eingerechnet ist. Den zuständigen drei Verwaltungen wurde debattelos die beantragte Entlastung erteilt. Der Rechnungsabschluß des jüdischen Krankenhauses wurde vertagt. — Die mit Ende dieses Jahres turnusmäßig ausscheideuden Mitglieder der Fürsorge-Kommission, nämlich die Herren Max Alterthum, Rabb.Dr.Blumenthal, Eugen Casparh, Rechtsanwalt Dr.Jgnaz Cohn, Julius Cohn und Lehrer Abraham Levy wurden widerspruchslos für die Dauer der mit dem 1. Januar 1905 beginnenden dreijährigen Amtsperiode wiedergewählt. In die gemischte Deputation zur Beratung der Frage, in welchem Teile des Shnagogenbezirks das Bedürfnis nach Errichtung einer Synagoge am dringlichsten fühlbar ist, wurde anstatt des Herrn Friedländer Herr Maurermeister Fraenkel abgeordnet. — Eine angeregte und interessante Debatte schloß sich noch an den letzten Punkt der öffentlichen Sitzung, an die Vorlage betr. die llebernnhme der Religionsschule des Synagogenvereins Westen. Die durch Gemeindebeschluß genehmigte Religionsschule in Wilmersdorf hat, wie wir unseren Lesern bereits mitgeteilt hatten, bisher nicht errichtet werden können, weil die Beschaffung^ eines - geeigneten Lokals für die Schule unüberwindlichen Schwierigkeiten begegnet ist. Der Vorstand der jüdischen Gemeinde hat daher, wie der Referent Herr Louis Sachs berichtet, an die Schuldeputation der Stadt Charlottenburg den Antrag gerichtet, ihm in der Gemeindeschule in der Joachimsthalerstraße Räumlichkeiten zur Erteilung von Religionsunterricht 31t überlassen, und der Magistrat hat diesem Anträge stattgegeben. Die Räume in der Joachimsthalerstraße dienen nun zurzeit den Zwecken der Religionsschule des Religionsvereins Westen; der Gemeindevorstand hat deshalb nach getroffener Vereinbarung be" schlossen, die genannte Religionsschule spätestens vom April nächsten! Jahres ab in eigene Verwaltung zu übernehmen. Aus Gründet: prinzipieller Natur Mtd weil er die Errichtung mehrerer Religionsschulen in der dortigen von Mitgliedern der jüdischen Gemeinde besonders stark bewohnten Gegend nicht für ausgeschlossen hält, hat der Gemeindevorstand auf Grund eines Antrages des Schul- und Talmud-Thora-Vorstandes seine Bemühungen um Erlangung voll Räumen in einem Wilmersdorfer Schulgebäude nicht aufgegeben, vielmehr eine abermalige, sehr dringlich gehaltene Eingabe an den Wilmersdorfer Gerneindevorstand gerichtet, auf die jedoch wiederum ein ablehnender Bescheid ergangen ist. Der Referent bittet noch den Gemeindevorstand, die bisherigen Bemühungen fvrtzusetzen, und beantragt, den Gemeindevorstand zu ersuchen, mit allen Kräften, eventuell auf dem Beschwerdewege dahin zu wirken, daß baldigst für die jüdischen Schüler in den Schulen der Gemeinde Wilmersdorf jüdischer Religionsunterricht eingeführt wird. Prof. Geiger bittet, dieser Angelegenheit besondere Beachtung zu schenken, weil sie wirklich einen Fall darstelle, wie itjn die jüdische Gemeinde noch nicht erlebt habe. Der von der Wilmersdorfer Gemeinde ergangene Bescheid spotte so jeder Beschreibung, daß man auf das Allerentschiedenste Stellung dagegen nehmen müsse. Die jüdischen Mitbürger Wilmersdorfs, die dem dortigen Kommunalverein angehören, hätten die Sache in die Hand genommen und dem Ortsvorftand manche harten Worte zu hören gegeben, ebenfalls ohne Erfolg. In den gerade jetzt in Wilmersdorf zahlreich errichteten Schulen ständen genügend Räume am Mittwoch, Sonnabend und Sonntag frei' und die auf den Mangel an Räumen begründete Ablehnung sei mithin eine bloße Ausrede, die nicht stichhaltig sein könne. Die Steuerguote in Wilmersdorf werde zu einem sehr wesentlichen Teile von Juden

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