Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 68 (1904)
- Issue
- Heft 50 (9.12.1904)
- Date
- 1904-12-09
- Page
- Seite 600 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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WNDWWWWWWW -- 600 WZWWW^NWWWMW Ketten abgegrenzten Raume hin, an den: die Priester den Opferdienst begannen. Kein Zug in ihrem marmorbleichen Antlitz verriet eine innere Bewegung, keine Miene kündete, ob auch ihre Seele teil hatte an diesem Götzendienste, dem sie nun im Angesichte der Priester und des versammelten Volkes anwohnte oder ob ihr Geist fernab weile und nicht hier bei den Gesängen der Priester und den: Wogen des Weihrauchs, das den mächtigen Tempel erfüllte und einhüllte in ein Meer von geheimnisvollem Zauber. Regungslos, den Blick auf das starre Antlitz des steinernen Götzen gerichtet, verharrte die Königin während der feierlichen Handlung. Dann aber, als das Opfer dargebracht, die Gesänge der Prister verstummt und der Gottesdienst seinem Ende nahte, da hob ein Seufzer der Erleichterung ihre Brust .... In ihre bleichen Wangen kehrte die Röte des Lebens wieder und in ihrem dunklen Auge erglänzte ein Strahl freudigster Erlösung. Begleitet von der jauchzenden Huldigung des Volkes hatte sich der königliche Zug in Bewegung gesetzt, und zog jetzt, einer glitzernden Schlange gleich durch die Säulenstraße den: königlichen Palaste entgegen. In ihrem Gemache erwartete Assad die Königin und als sie jetzt eintrat, umkleidet von dem Glanze der schimmernden Gewänder, das reiche Haar, befreit von der Bürde der Krone, in fessellosen Wellen ihre schlanke Gestalt umgebend, das glänzende Auge in neuerwachter Lebensfreude erglühend, da brach ein jubelnder Ruf des Entzückens aus seiner Brust und er sank hin, zu ihren Füßen und bedeckte mit glühenden Küssen ihr dunkles weiches Haar. „Nein, Assad", wehrte die Königin, jetzt ist die Stunde nicht für törichtes Liebesspiel ..." „Und doch sehnte sich mein Herz mit aller Macht nach diesem göttlichen Augenblicke", kam es trostlos aus Assads Munde. „Kaum vermochte ich das Ende des Gottesdienstes zu erwarten." „Ach Assad, auch mir dünkte es übermenschlich, diese Qual noch länger zu ertragen und wahrlich, wäre es nicht der Staatskunst zu Liebe, nimmer brächte ich ein solches Opfer. Mein Herz, Du weißt es Assad, weiß nichts von jenem Götzendienste, und die Pein, die meine Seele darob erleidet, ist groß." „O Zenobia", rief glühend der Jüngling, „Dein Volk, das Dich liebt und gleich einer Göttin anbetet, würde Dir zujubeln, kennten sie selbst deinen wahren Glauben!" „Nimmer, Assad! Die Palmyrener sehen in ihrer Königin die erste Dienerin des Baal und diesen Glauben ihnen entziehen, hieße, sie in ihrer Verehrung für mich wankend machen." „So wird Zenobia denn nie ihren wahren Glauben bekennen?" „Nennst Du es nicht bekennen, Assad", unterbrach ihn die Königin, „weil ich es unterlasse, im Angesichte eines niederen Heidenvolkes den Ewigen zu preisen? Weil ich nicht hintrete mitten unter diese rohe, sittenlose Menge und verkünde: Der Ewige, unser Gott ist ein einig einziger Gott! O Assad, wie kurzsichtig macht Dich Deine Jugend! Hieße es nicht, den Namen des Allgütigen entweihen, machte ich das Volk zum Richter zwischen seiner Herrlichkeit und mir Staubgeborenen? Daß sie darob im Kampfe entbrennen würden, die Nazarener die in ihrer Bekehrungswut sich meiner Seele bemächtigen wollten, und die Anhänger des Baal, die von der Herrscherin eines heidnischen Volkes auch gleiches Glaubensbekenntnis heischen? Nein, Assad, nimmer würde ich es dulden, daß der Name des Ewigen zum Kampfrufe werde zwischen einem götzendienerischen Volke und einer verzückten Sekte Andersgläubiger! Tief in meiner Brust, da wurzelt mir der Glaube an den einig ewigen Gott, und selig, dreifach selig preist sich Zenobia, wenn sie, angewidert von rohen Götzendienste heimkehrt und reinen Herzens ihrem Gotte nahen darf, allein, allein mit ihm und dem seligen Frieden, den seine Allgewalt verleiht! Komm. Assad, wir wollen nun in inbrünstigem Flehen dem Ewigen nahen, der die Seele der Menschern aus den umschlingenden Banden der Niedrigkeit löst und sie zu sich emporhebt in unermeßlicher Gnade!" (Forts, folgt.) fln Iuds! Zum Chanukah-Feste von Gustav Steinert. ^V^ie sich die Welt gestalte, Im Heiligtums walte, Im Sturm der Weltgeschichte Der Wärter sei am Lichte!. Der einst dein Heiligtum entehrte, Der Syrer fiel von deinem Schwerte. Die Reinheit deiner Oele, Die Reinheit deiner Seele, Die Keuschheit deiner Sitten Die Helden dein erstritten. Und freue dich! — Trotz Zeitgewalten Hast du dein Erbe rein erhalten. Bewahre ihm die alte Treue, Ihr Lachen, ihren Spott nicht scheue. Und wenn zum Tanz sie spielen, Nach deinen Töchtern schielen, O, bleibe fern dem Tanze, O, bleibe fern dem Glanze. Gelüstetes dich nach ihren Mahlen. Mit Leib und Seele sie zu zahlen? Willst Gut und Adel du vergeuden? Genieße Juda deine Freuden, Das stille Glück, den inner» Frieden, Ans Heim, ans traute, laß dich schmieden. Bewach' des Hauses Schwelle, Dein Heiligtum erhelle, Im Sturm der Weltgeschichte Der Wärter sei am Lichte! Sxrechsagl. Sehr geehrter Herr Redakteur! 3 in fünften Band der Jewish Encyclopedia sind die Angaben bezüglich des Geburts- und Sterbedatums des hebräischen und jüdisch-deutschen Dichters Benjamin Wolf Ehrenkranz unrichtig. Derselbe ist 1 8 2 6 zu Zbaraz in Galizien geboren und ani 2. Juni 1883 in Konstantinopel gestorben, nicht aber, wie es in der Jewish Encyclopedia heißt: „born in Zbaraz, Galicia, about 1812; died about 1882“. Ich verdanke diese Auskunft dem Herrn Rabbiner Dr. Markus in Konstantinopel, der die Liebenswürdigkeit hatte, eine Abschrift von dem Grabstein des Dichters anzufertigen und mir zukommen zu lassen. Dieselbe enthält unter anderem auch die von mir gemachte Angabe. Uebrigens hoffe ich, sobald es mir Zeit und Umstände erlauben werden, eine kurze Biographie dieses in jeder Beziehung originellen hebräischen und jüdisch-deutschen Dichters, Komponisten und Volkssängers, den ich gekannt habe, zu veröffentlichen. . Hochachtungsvoll Breslau, den 23. November 1904. Dr. M. Fried. Druck und Berlag von Rudolf Mosse in Berlin. Verantwortlich für die Redaktion: Max Bauchwitz in Berlin. m